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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-09-27 · 10 (27.9.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
10 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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GEMEINDEBLATT FÜR DIE JÜDISCHEN GEMEINDEN PREUSSENS VE RWA LTU N G S B L ATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN Alle Zaadirifteii «lud tu richten an da* Verwaltung»- and GcmtodebUtt deiPreuiUadien Landearerbandea )Odl»<i>er Gemeinden, Hn.-diarfottenburf 2, Kanmr.lJS, 1LStock Der Bau* «prell für die ftwrlnuaarr betrtft I# Pfennig. Verantwortlicher Leiter dea Inseratenteile: Joseph Jastroir, Berlin W IS, Kaiserallee 32 13. Jahrgang Berlin, den 27. September 1935 Nr. 10 Geleit ins neue Jahr In den Tagen, da diese Nummer unseres Gemeindeblattes in die Hand der Leser gelangt, rüsten sich alle Familien und alle Gemeinden auf den Empfang unserer heiligsten und ernstesten Feste. „Ein Jahr entrinnt, ein Jahr beginnt“, heißt es in dem bekannten Liede, und es wird hinzugefügt: „Herr, lehr* uns unsre Tage zählen!“ Nicht pessimistisch ist dieses Wort gemeint, sondern aktivistisch: wem ehrfurchtgebietende Tage und schwere Ereignisse die Kürze des Menschenlebens vor Augen führten, der wird trachten, die ihm zugemessenen Tage recht zu nutzen. Dem Judentum ist der Jahreswechsel niemals Anlaß zu lautem Feiern und wortreichem Glück-Wünschen gewesen; ein Tag der Besinnung und Einkehr ist er uns und steht in innigstem Zusammenhang mit dem ihm nachfolgenden heiligsten Fest, dem Tag der Buße und Versöhnung. Daß dies die geziemende Art ist, das Neujahrsfest zu begehen, empfinden wir in dieser Zeit besonders stark. Stark lastet auf uns das Geschehen der Tage, und doch richten wir — an der Schwelle zwischen dem alten und neuen Jahr — den Blick nur nach innen, nur auf uns selbst. Nicht ein kraftloses Glück-Wünschen: „War doch die Welt anders!“ beschäftigt uns, das doch nicht erhört würde, sondern einzig die Frage: „Was haben wir zu tun?“, deren Beantwortung l>ei uns selber steht; Ein Jahr einschneidendster Geschehnisse liegt hinter uns; —es sei der Versuch gewagt, aus einem alten Gleichnis die Hauptaufgabe des kommenden Jahres zu deuten. Nach dem wunderbaren Durchzug durch das Schilfmeer führte der Weg die Kinder Israel einige Tage am Ufer entlang; linker Hand lag die Wasserwüste, rechter Hand die Sandwüste, und sie verschmachteten vor Hunger und Durst. Da fand ein Mann im Sande eine Honigwabe und brachte sie dem Mose. Allein Mose nahm die Wabe und warf sie ins Wasser. Er sprach: „Das sei fern von mir, daß ich nur mein Leben zu erhalten suchte und die Leute um mich sterben sähe.“ Da stürzten sich einige von den Mannen ins Meer, um die Honigwabe zu ergreifen; doch sie ertranken vor allzu großer Schwäche. Die Kinder Israel aber zogen weiter; es währte nicht lange, da sandte Gott ihnen Wachteln und Manna und ließ sie auch Trinkwasser finden. Die ihre Gier übereifrig hatten stillen wollen, waren eines angstvollen Todes gestorben; die aber in ungeteilter Gemeinschaft miteinander den von Gott vorgezeichneten Weg gezogen waren, stillten Hunger und Durst, und auch ihr Geist lebte wieder auf. — Diese alte Erzählung schildert unsere geschichtliche Situation, wie sie zu allen Zeiten gewesen ist, und es liegt ein ungeheurer Trost in der Erkenntnis: sie ist auch heute nur so, wie sie immer war. So haben wir auch heute nur zu tun, was die Besten in Israel stets getan haben; die Gesinnungen und Taten, die heute von uns gefordert werden, sind im Grunde die gleichen, die das Judentum von seinen Bekennem £tets gefordert hat. Das gilt für die Einzelnen, das gilt für die Gemeinden, das gilt für die Verbände. Vorbei die Zeiten, da Menschen von unserer Gemeinschaft sich loslösten und glaubten, für sich allein besser weiterzukommen: mochten sie immerhin eine Weile sich über Wasser halten — heute haben sie nicht einmal den Halt mehr, den die Einordnung in unsere schwache und kleine jüdische Gemeinschaft immer und trotz allem noch gewährt, und viele von ihnen streben zum Zuge Gesamt-Israels zurück, um nicht, allein geblieben, vor allzu großer Schwäche zu ertrinken. — Vorbei die Zeiten, da man in der Jüdischen Gemeinde nicht die Kraftquelle sah, die sie seit 2700 Jahren — seit ihrer ersten Gründung „an den Wassern Babylons“ — gewesen ist und als die sie sich doch wahrlich in diesen schweren Zeiten wieder erwiesen hat. — Vorbei die Zeiten, da man in den Gemeindeverbänden nichts als eine belanglose Verwaltungsangelegenheit erblickte, anstatt zu erkennen, daß. sie es sind, die die sozialen und kulturellen Kräfte der Gemeinden im Flqß erhalten. Heute weiß ein Jeder, daß die jüdische Gemeinschaft — organisiert in Gemeinden und Gemeinde-

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