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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-09-01 · 9 (1.9.1935) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
9 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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die* gesehen, sondern auch als Schicksalsdichtung: denn in dem Zusammentreffen der Geistigen und kulturell Hochstehenden mit den plump-engen Materialisten geht die mit inniger Liebe gezeichnete, rührende Gestalt der Henriette — das „Jettchen“ — zugrunde. Der Hauptreiz der Bücher: die aus intimster Kenntnis stammende, unnachahmliche Schilderung des längst versunkenen Biedermeier-Berlins. D. 2. In Lebensbeschreibungen. OlBckel von Hameln: Denkwürdigkeiten, aas dem Jüdlsch- Dentscben übers, mit Erläuterungen versehen u. krsg. von Alfred Fellchenield. MH 25 Bildbeigaben. 4. Auf!. Berlin: Jüdischer Verl. 1923. 333 S. Dies ist die klassische Autobiographie einer echten, deutschjüdischen Familienmutter von großer Herzensbildung und bewundernswürdiger Lebenskraft und -Kenntnis. Frau Glücket, die früh Witwe wurde, und für eine sehr große Familie unermüdlich sorgen mußte, schrieb diese ihre Memoiren hauptsächlich in Hamburg während der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts und erzählt darin schlicht und treuherzig von dem ernsten, frommen und arbeitsreichen jüdischen Leben der damaligen Zeit. — Ein Werk von hohem, allgemein-kulturhistorischem Reiz. D. Weageroil, Paaline: Memoiren einer Großmatter. Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Rußlands im 19. Jahrhundert 2 Bände. Berlin: Poppelauer 1908. Was dieses Lebensbild aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts so anziehend und erfreulich macht das ist nicht so sehr das ausgezeichnete — vor Shmarya Levin einzigartige — Kulturbild aus dem Leben der russischen Juden von der Emanzipation bis zur Pogromzeit: das ist viel mehr noch die schlichte, warme Menschlichkeit die tiefe Güte und Bescheidenheit der Schreiberin, die aus jeder Zeile des Buches spricht. — Für Leser jeden Alters und Geschlechts. G—n. Abeies, Otto: Zehn Jüdinnen. Wien, Leipzig: Präger 1931. 133 S. Mehr als den großen, bekannten Frauengestalten wie der Glückei von Hameln und der Rahel sind diese fast keck hingeworfenen Skizzen der „unbekannten Jüdin“ gewidmet, von der Wassermann verehrend sagt: „Jüdische Frauen und Mädchen sind der edelste und verheißendste Teil des Judentums; in ihren, reinen Bildungen unvergleichlich.“ Von der Märtyrerin von Enns im Jahre 1421 bis zu des Verfassers „Tante Sali“ eine Reihe edler, bedeutender Gestalten! G—n. Amtlicher Teil Die Tischri-Aktion des Landesverbandes Wichtige Anregungen für die Hohen Feiertage and das Laubhüttenfest. In ähnlicher Weise wie voriges Jahr hat auch diesmal der Landesverband für die Gestaltung der Herbstfeiertage eine Anzahl konkreter Vorschläge gemacht und den Gemeinden zugehen lassen. Die Vorschläge selbst sind gegenüber den vorjährigen erheblich erweitert und ergänzt. Der Landesverband hat diese Anregungen allen seinen Mitgliedsgemeinden übersandt. Gleichzeitig aber hat er sie auch den Rabbinern und Lehrern übermittelt und diese gebeten, sich mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Kraft für die Durchführung der Tischri-Aktion zur Verfügung zu stellen. Die Provinzialverbände sowie die Mitglieder des Rates und des Verbandstages sind ebenfalls um ihre Mitwirkung gebeten worden, und ferner wurden auch die außerpreußischen Landesverbände durch Uebersendung des Rundschreibens in Kenntnis gesetzt, damit die Aktion gegebenenfalls alle Gemeinden und Glaubensgenossen im Reich einheitlich erfaßt. — Den entscheidenden Teil des Rundschreibens geben wir nachstehend wieder: Wir haben im vorigen Jahr rechtzeitig vor den Hohen Feiertagen gebeten, Kurse für Erwachsene einzurichten, denen die Liturgie der Feiertage nicht geläufig ist. Die Anregung ist erfreulicherweise in sehr vielen Gemeinden aufgegriffen worden. Die Kurse haben recht günstig gewirkt, die erweiterte Kenntnis unserer Gebete hat zu gesteigerter Anteilnahme am Gottesdienst und zur Vertiefung des religiösen Gefühls bei den Mitgliedern unserer Gemeinden geführt. Wir geben dieselbe Anregung in diesem Jahre. Wir bitten, rechtzeitig,, wo nur irgend die Möglichkeit besteht, Kurse einzurichten, möchten nur bitten, in Verbindung mit der gleich folgenden Anregung diese Kurse auch auf den Machsor des Hiittenfestes auszudehnen. Wir möchten nämlich bitten, an den Sukkolhtagen jüdische Kinder aus den kleinen und kleinsten Gemeinden, aus all den Orten, in denen ein geregelter Gottesdienst leider nicht mehr stattfinden kann, in die etwas größeren, die Mittelgemeinden und Großgemeinden zu nehmen, ihnen dort Gelegenheit zu geben, am jüdischen Gottesdienst teilzunehmen, die Symbolik des' Feststraußes und der Sukkah kennen zu lernen und so in eilgere Verbindung mit jüdischem Brauch und jüdischem Leben zu kommen. Es ist nicht notwendig, unseren Gemeinden zu sagen, welche Bedeutung es gerade in diesen Tagen hat, wenn die von allem jüdischen Leben mehr oder weniger abgeschlossene jüdische Jugend aus isolierten Bezirken wenigstens für einige Tage einem lebendigen jüdischen Gemeindeleben zugeführt wird und aus diesen Veranstaltungen eine bleibende Erinnerung mitnimmt. Eine Zentralisation von Berlin aus erscheint uns nach eingehender Beratung nicht zweckmäßig. Wir bitten deshalb alle Gemeinden, die während der Sukkothtage einen regelmäßigen Gottesdienst abhalten, in denen auch eine Sukkah sich befindet, sich mit den in ihrem ‘ Umkreis befindlichen Gemeinden in Verbindung zu setzen und dafür Sorge zu tragen, daß an den kommenden Sukkothtagen für eine Woche die jüdische Jugend der kleinen Gemeinden zu ihnen kommt und Gastfreundschaft bei ihnen genießt. Umgekehrt würden wir bitten, daß die kleinen Gemeinden von sich aus an die größeren Gemeinden herantreten und um Durchführung' unseres Planes ersuchen, sodaß aus der gegenseitigen Arbeit das Gelingen des Werkes verbürgt wird. In den größeren Gemeinden, in denen sich die Zahl der Familien, die zur Aufnahme von Kindern während der Woche' bereit sind, schwerer übersehen läßt, bitten wir durch die der Gemeinde zur Verfügung stehenden Publikationsmittcl (Gemeindeblatt, Anschlag in der Synagoge, Zirkular o. dergl.) die Freistellen rechtzeitig festzusteilen, damit die Sukkoth-Aktion so wirkungsvoll als möglich in die Wege geleitet wird. Soweit, unter Berücksichtigung Mer immerhin doch recht beschränkten Mittel, die pns zur Verfügung stehen, kleine Reisekostenzuschüsse oder sonstige kleine Zuschüsse erforderlich sein sollten, bitten wir um recht baldige Anmeldung. Selbstverständlich stellen wir, wie das ja immer geschehen ist, gern, wenn irgendwelche Ratschläge über die Durchführung im einzelnen von uns gewünscht werden, unseren Gemeinden zur Verfügung. Kulturfahrten Im Monat Juni 1935 haben in den nachstehenden Gemeinden Kulturabende stattgefunden; Provinz Brandenburg: Cottbus Crossen Forst Sorau Provinz Hannover: Hann.-Münden Provinz Niedersehlesien: Görlitz Rheinprovinz: Andernach Wuppertal-Barmen Berncastel Schweich Provinz Westfalen: Ahlen Beckum Büren Hoerde Lippstadt Lüdenscheid Meschede Rheda Wanne-Eickel Wattenscheid Witten Provlns Grenzmark Krojanke Preuß.-Friedland Schloppe Schlochau Provinz Hessen Nassau: Bad Ems Bebra Marburg Provinz Pommern: Bnblitz _ Gollnow Greifswald — Neustettin Pasewalk Stralsund Pyritz i Saargebiet: Illingen Hohensollernsche Lande: Haigerloch Hechingen Oldenburg | Birkenfeld: Obentein 11

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