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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-06-21 · 7 (21.6.1935) · p. Seite 12

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
7 (21.6.1935)
Date
1935-06-21
Page
Seite 12 (sequence 11)
Language
German
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1 also schon an einer einzigen Teilfrage, nämlich der Schichtung der Bildungsträger, die Problematik jüdischer Bildungspflege. , Ein weiteres Teilproblem, das Stoffgebiet, der sachliche Umkreis der neuen Bildungsaufgaben wird am einfachsten durch zwei Arbeitspläne verdeutlicht, die, anders als das Vortragsprogramm eines großstädtischen Lehrhauses, auf genauer umschriebene Lehrziele gerichtet sind. I. Die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung hat für die Lehrkräfte der jüdischen Lehrhäuser und Volkshochschulen, für Babbiner, Lehrer und Führer von Jugendgruppen Schulungsveranstaltungen eingerichtet. Der Stoffplan umfaßt: 1. Die Bibel in der jüdischen Erwachsenenbildung, 2. Jüdische Geschichte in der jüdischen Erwachsenenbildung, 3. Jüdische Volks- und Kulturkunde, 4. Allgemeine Bildungsfächer in der jüdischen Erwachsenenbildung, 5. Persönliche Lebensgestaltung, Freizeitgestaltung und Gemeinschaftserziehung. II. Der Lehrplan der in Breslau gegründeten jüdischen Lehrstätte für Schulentlassene teilt sich in eine „Jüdische Fachgruppe“ (T'nach-Kurse, Geschichte und Gegenwartskunde) und in eine „Allgemeine Fachgruppe“ (Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Mathematik und Naturwissenschaften). Im Stadium theoretischer Erörterungen befindet sich noch eine andere wichtige Aufgabe der jüdischen Bildungsarbeit. nämlich das Bildungsproblem in den Kleingemeinden. Der von der Mittelstelle gegründete Arbeitskreis für die Kleingemeinden ist nicht tätig geworden. Es ist im Hinblick auf die vor kurzem auf Anregung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden veranstaltete Arbeitstagung der Bezirksrabbiner und der Vorsitzenden der Provinzialverbände zu hoffen, daß die neugeschaffenen Bezirksrabbinate und die Lehrpersonen der jüdischen Volksschulen diesem Gebiete der Bildungspflege stärkere Betreuung zuwenden. Nicht mehr aus der Kleingemeindebetreuung hinwegzudenken sind die zur Zeit intensivsten Leistungen auf diesem Gebiete, die Kulturfahrten des Landesverbandes, die in allen Teilen seines Arbeitsbereiches, im Marktflecken am Njemen, in der Kleinstadt im Hunsrück, im Taunusdorf, in den Kleingemeinden an der polnischen oder holländischen Grenze, aber auch in größeren Gemeinden, in denen jüdisches Leben darniederliegt, seit mehr als Jahresfrist veranstaltet werden. Der Zweck dieser Einrichtung ist, wie zahlreiche Zuschriften aus den besuchten Gemeinden immer wieder beweisen, in glücklichstem Ausmaße verwirklicht worden. Diese Arbeit des Landesverbandes, die im wahrsten Sinne des Wortes in der Provinz ohne laute Werbung verrichtet wird, gehört zu den erfreulichsten kulturellen Neuschöpfungen des deutschen Judentums. Nur kleine Ausschnitte aus der von der deutschen Judenheit neu zu leistenden Kulturarbeit konnten hier angedeutet werden. Bei dieser Arbeit handelt es sich um die Formung der jüdischen Persönlichkeit, um die Stärkung der jüdischen Sphäre jedes Einzelnen, um die .Umschmelzung des Juden aus einem leidenden in einen überwindenden Menschen, der auf den Anruf des Schicksals als ein sein jüdisches Menschentum Liebender Antwort zu geben weiß. Verschüttete Kraftquellen in uns sollen wieder von neuem strömen. Was unsere Großen fühlten und dachten, was sie lebten und lehrten, das ewige Menschentum in ihnen, das im Ringen des jüdischen Geistes und im Leiden der jüdischen Seele geboren wurde, die Totalität des Jude-Seins soll jeden von uns wieder wärmend und erhellend aufleuchten lassen. Religion -wird gestaltende Lebensmacht werden, wenn das jüdische Herz wieder gelernt hat, ein weises Herz zu sein. Ein Gang durch die Abteilungen des Landesverbandes Kantstraße 158 ist im jüdischen Leben Deutschlands eine wichtige Adresse geworden; der Briefträger, in dessen Bestellbezirk dieses Haus liegt, muß 21 jüdische Organisationen-auseinanderhalten können; er kennt die Stockwerke und die Zimmer, in welchen die einzelnen Dezernate und Sachbearbeiter ihren Platz haben, und es kursiert ein Purimscherz. daß er zum Dozenten für jüdisches Gemeinde- und Organisationswesen an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums berufen werden solle. Fragt man aber, wieso es kommt, daß in diesem Hause so viele teils wirtschaftliche, teils kulturelle, in jedem Falle aber geistig und sozial unendlich segensvolle jüdische Organisationen sich angesiedelt haben, so wird eine mit wissenschaftlicher Gründlichkeit durchgeführte historische Forschung ergeben,' daß alle diese Menschen und Stellen sich allmählich um den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gruppiert haben. In den Anfangsjahren seines Bestehens — es waren zugleich die Jahre der großen Wohnungs- und Büroknappheit — hatte ihm die Berliner jüdische Gemeinde in ihrem Verwaltungsgebäude in1 der Oranienburger Straße Gastfreundschaft gewährt, aber: „Es wachsen die Räume, es dehnt sich das Haus“, und wie so oft, wenn das Haus wächst, wird das Gebäude zu eng, und so suchte und fand der Landesverband eigene Räume hier. in der Kantstraße. Wenn es wahr ist, daß äußere Vorgänge oft Symbole innerer Wirklichkeiten sind, so darf eine Bestätigung für die Bedeutung des Landesverbandes u. a. auch darin erblickt werden, daß nach und nach Zentralwohlfahrtsstelle, Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände, Reichsvertretung, Zentralausschuß, Frauenbund und' wie gesagt im ganzen 21 Organisationen sich hier zusammenfanden. Nebenbei bemerkt: es sind jetzt der Zahl nach wieder weniger, aber nicht etwa infolge Fortzuges, sondern weil, wie allbekannt, eine große Anzahl der jüdischen Zentralorganisationen ihre bisherige formale Selbständigkeit aufgegeben und sich der Reichsvertretung als Abteilungen eingegliedert haben. Das war notwendig und eine folgerichtige Entwicklung; denn all die vielfachen sozialen und kulturellen Hilfsarbeiten bedurften einer einheitlichen Zusammenfassung. Ebenso berechtigt und selbstverständlich war es, daß neben der einheitlich zusammengefaßten Gesamtarbeit für die jüdischen Menschen aller Stände und Altersstufen die Arbeit für die Gemeinden ihre Selbständigkeit behalten mußte, und es ist ja an anderer Stelle dieses Blattes ausgeführt, in welch hohem Maße der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden noch für lange Zukunft der Hauptträger der jüdischen Arbeit in Deutschland bleiben wird. Diese im Dienste der Gemeinden geleistete Arbeit ist selbst wieder sehr vielfältiger Art, und man gewinnt vielleicht dadurch am besten einen Ueberblick, daß man die verschiedenen Dezernate des Landesverbands, die Dezernenten und Sachbearbeiter aufzählt. Obwohl selbstverständlich die Dezernenten nicht zum Büro gehören, arbeitet doch jede der zahlreichen Abteilungen des Büros untei* der Leitung des jeweils zuständigen Dezernenten, so daß die Einteilung der Büroarbeit durch Kenntnis der Dezernatsverteilung verständlich wird. 12

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