Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 4 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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kleinen und Kleinstgemeinden das Schicksal besonders stark hereingebrochen ist. Und was für die Juden der Großstadt die Gemeinde ist, das ist für die Juden der kleinen Städte die Gemeinde der Gemeinden: der Preußische Landesverband. Die künftige Geschichtsschreibung wird aus dem Etat des Landesverbandes erkennen können, wie sehr alles auf die Aufgabe konzentriert ist, die kleinen Gemeinden zu erhalten. Wir sind in Deutschland nicht seit gestern. Die Geschichte des deutschen Judentums ist eine stolze Geschichte. Dieses Erbe zu vertreten und zu erhalten, das ist eine Aufgabe voller Ehre und Würde. Rabbiner Dr. Eschelbacher schloß: Fern sei uns jedes absprechende Urteil über die Vergangenheit, insbesondere über die letzten hundert Jahre. Es ist eine billige Weisheit, wenn man nach hundert Jahren kommt und die Väter aburteilt. Wir werden den Weg, der vor uns liegt, nur gehen, wenn wir zueinander stehen und unerschütterlich am Leben festhalten. Rabbiner Dr. Rothschild (Saarbrücken) sprach als Vertreter der Saargemeinden, die jetzt zu dem Preußischen Landesverband aus innerer Notwendigkeit gekommen seien. Gern hätten die Saargemeinden die Hand ergriffen, die die übrigen deutschen Juden durch ihre Sprecherin, die Reichsvertretung, und dann durch den Preußischen Landes- Kalender für April Montag April 1 Uarskni 27 Dienstag 2 9 28 Mittwodi 3 29 Donnerstag SS 4 Nissan 1 Neumond Freitag 9 5 ff 2 Sonnabend ff 6 ff 3 Thasria Sonntag ff 7 1* 4 Montag SS S SS 5 Dienstag 9 6 Mittwodi 10 7 Donnerstag 9 11 SS 8 Freitag „ 12 SS 9 Sonnabend SS 13 ff 10 M'zauroh; Sch. Haggodau) Sonntag 11 14 SS ii Montag ft 15 12 Dienstag SS 16 SS 13 Mittwodi 17 14&bds.: 1. Seder Donnerstag SS 18 ff 15 1. Tag PeSacb Freitag 19 16 2. Tag PeOach Sonnabend n 20 ff 17 Sch. Chaul Hammaued Sonntag 9 21 18 Montag ft 22 19 Dienstag 23 20 Mittwodi 24 21 7. Tag PtOaeh Donnerstag 25 22 8. Tag PeBach Freitag 26 23 Sonnabend ss 27 SS 24 Achare Mauß; Neumondsweihe Sonntag 28 X5 Montag n 29 26 Dienstag n 30 SS 27 verband ihnen entgegengestreckt habe. Die Saargemeinden wollten gern aufbauend im Rahmen der gesamten deutschen Judenheit wirken, der jüdischen Ehre und dem jüdischen Namen in Verantwortungsbewußtsein und würdiger Weise dienen. Rabbiner Dr. Rothschild erinnerte an die zweifache Namensgebung des zweiten Buches Mose. Es heiße „Sch’mauß“ d. h. „Namen“, bedeute somit Appell und Ruf, und es heiße „Exodus“, der Auszug. Wir müssen alle da sein, wenn das Judentum uns ruft. Für den Juden gebe es keine Ferien vom Ich. Und daß der Auszug, die Auswanderung keine ungeregelte werde, dafür hätten wir zu sorgen. Der Preußische Landesverband hat den kleinen Gemeinden, so schloß Dr. Rothschild, die Möglichkeit der Aufwärtsentwicklung gegeben. Dieses Aufwärts muß uns beseelen, bei der Arbeit für die deutsche Judenheit. Gottfried Zeelander, der bekannte Cellist, spielte das Gebet von Bloch, von Ludwig Altmann auf der Orgel begleitet. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, der Vizepräsident des Landesverbandes, sprach sodann in seiner, die jüdischen Massen ganz erfassenden Art zu den Tausenden. Ich glaube, sagte er, daß das wundervollste Gut, das die Juden in der Geschichte begleitet hat. die jüdische Gemeinde ist: als Heim und Haus in ihrer ursprünglichen Bedeutung, als jüdische Gemeinde, die den großen Kreis aller jüdischen Arbeit an Juden und Judentum umfaßt. In der jüdischen Gemeinde ist so etwas wie ein jüdischer Ewigkeitsgedanke zu finden, deshalb der Ruf hinein in das Judentum unserer Tage: Erhaltet die jüdischen Gemeinden mit all ihren Aufgaben. Dr. Klee betonte die Notwendigkeit, die Verbundenheit mit den ins Ausland gewanderten jüdischen Menschen zu erhalten. Und in dieser Stunde denken wir an die gewaltigen Aufgaben, die im Innern unserer Gemeinden zu lösen sind. Heute greifen Hände nach der Gemeinde. Alle gehören zu ihr, wo sie wieder den Stolz und die Würde lernen sollen, zu einer Gemeinschaft zu gehören, die in der Weltgeschichte nicht hinter den größten Leistungen der Kulturmenschheit zurückzustehen hat. Ein neues Ghetto umgibt uns nur, wenn wir eine Ghettogesinnung haben. Die jüdische Seele kann man uns nicht nehmen. Die Würde kann man uns nicht rauben. Sklave ist nur, wer sich dem Ghettogedanken innerlich beugt. Sinn der Gemeinden und des Preußischen Landesverbandes ist es, die Menschen zur Judenheit zu führen, Einrichtungen zu schützen, die ein Quell beseeligender Kraft sind. In die Einsamkeit der Einzelnen und der kleinen Gemeinden trägt der Preußische Landesverband das Bewußtsein, daß eine schützende Gemeinschaft um sie ist, in der sie gleichberechtigt mit aller Liebe umfangene Brüder sind. Dafür zu sorgen, daß das Judenschicksal Menschen .treffen möge, die von den jüdischen Gemeinden geformt sind, als ein Geschlecht, das sich bewußt ist, Ewigkeitsvolk zu sein. Gott im Himmel und wir selbst machen unser Schicksal. Paula Lindberg sang, begleitet von dem Orchester der Künstlerhilfe, das Arioso von Händel. Eine Feierstunde für den jüdischen Menschen war vorüber. Amtlicher Teil Eingliederung der Oldenburgisdien Synagogen- Gemeinden in den Preußischen Landesverband In der vorigen Nummer berichteten wir von dem Anschluß der jüdischen Gemeinden des Saarlandes sowie nichtpreußischer Gemeinden und Landesverbände an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden; der Vertrag mit dem Thüringischen Landesverband war, wie damals mitgeteilt werden konnte, bereits vollzogen. Inzwischen konnten, wie u. a. aus dem heutigen Bericht über die Ratstagung hervorgeht, auch die Verhandlungen mit den oldenburgischen Gemeinden erfolgreich zu Ende geführt werden. Wir bringen nachstehend die amtliche Meldung über die entscheidende Sitzung zum Abdruck: Am Sonntag, 3. März, fand in Oldenburg eine Versammlung des Jüdischen Landesgemeinderates unter sehr zahlreicher Beteiligung statt. Den Vorsitz führte der Landrabbiner Dr. de Haas; als Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden erschien dessen Präsident, Kammergerichtsrat i. R. L e o W o 1 f f.