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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-12-01 · 9 (1.12.1934) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
9 (1.12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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JÜDISCHE CHRONIK Die religiös-liberale Bewegung in Holland, die u. a. in Amsterdam regelmäßig Gottesdienste unter Leitung von Rabbiner Dr. J. Mehler und religiöse Unterrichtskurse abhält, errichtet jetzt ein eigenes Gemeindehaus, das zugleich als Synagoge dienen soll. Gegen den Hauptschuldigen in dem vor kurzem in Grahamstown (Südafrika) durchgeführten Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion", den führer der antisemitischen Grauhemdenbewegung Harry Victor Inch, der zu einer hohen Entschädigung an den Privatkläger, den Rabbiner der Synagoge in Port Elizabeth, verurteilt worden war, ist im Zusammenhang mit derselben Angelegenheit nunmehr die öffentliche Anklage wegen Meineid, Fälschung, Abgabe und Beschwörung falscher Erklärungen an das Gericht und Diebstahl erhoben worden. In Berlin starb Professor Dr. Heinrich Rosin, Vorstandsmitglied der Abteilung Deutschland der „ORT"- Gesellschaft zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden und einer der eifrigsten Förderer der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „OSF". Nach einer vom Reichsarbeitsminister Seldte erlassenen Prüfungsordnung für Krankenkassen-Angestellte in Preußen ist u. a. die arische Abstammung eine Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung. Der tschechische Minister für Schulwesen und Volkskultur hat den Staatspreis für Werke und Leistungen in deutscher Sprache an den jüdischen Schriftsteller Ludwig Winder verliehen. In Paris starb neunzigjährig Baron Edmond de Rothschild, der Vater der jüdischen Palästina- Kolonisation. Die jüdischen Organisationen aller Länder erließen Trauerkundgebungen. Der ursprüngliche Plan, für den Verstorbenen ein Nationalbegräbnis durchzuführen, wurde von der Familie, die eine stille Totenfeier wünschte, abgelehnt. Trotzdem fanden sich auf dem Friedhof Pere Lachaise über 10000 Menschen ein, darunter zahlreiche Vertreter der politischen und der wissenschaftlichen OefFentlichkeit.' Als Vertreter der österreichischen Judenschaft ist der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, in den neukonstituierten österreichischen Staatsrat berufen worden. Zum Mitglied des gleichzeitig eingesetzten Kulturrats wurde der bekannte jüdische Gelehrte Professor Dr. Salomon Frankfurter, der langjährige Direktor der Wiener Universitätsbibliothek und Fachreferent für jüdische Angelegenheiten im österreichischen Kultusministerium, ernannt. Durch ein Spezialdekret des Staatspräsidenten von Estland wurde bestimmt, daß jede Nationalität, die mindestens 3000 Seelen stark ist, als Minderheit offiziell anzuerkennen ist. Die Bevölkerungszahl der Juden in Estland beträgt. 3500; sie werden somit von nun an zu den offiziell anerkannten Minderheiten des Landes gerechnet. Die bisherige Freie Jüdische Volkshochschule in Berlin ist von der Berliner Jüdischen Gemeinde sowohl verwaltungsmäßig als auch im Hinblick auf den Lehrplan völlig reorganisiert und als „Jüdisches Lehrhaus Berlin" unter außergewöhnlicher Massenbeteiligung feierlich eröffnet worden. — Etwa zur gleichen Zeit wurde die unter zionistischer Leitung stehende „Jüdische Lehrstätte Ch. N. Bialik" in Berlin eröffnet. Anläßlich der Vollendung seines 130. Schuljahres veranstaltete das Schulwerk der Israelitischen Gerne inde Frankfurt a. M., das „Philanthropin", eine jüdischpädagogische Schulungswoche. Auf Anordnung des Herrn Reichskommissars für die allgemeinen und besonderen Ortskrankenkassen sowie für den Verband der Krankenkassen im Bezirk des Oberversicherungsamts Berlin ist das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin N 65, Exerzierstraße 11a, in das Verzeichnis der Privatkliniken aufgenommen worden, in welches Versicherte (und Angehörige) der Verbandskrankenkassen eingewiesen werden können. Die Berliner Gemeindeverwaltung hat beschlossen, d i e Amtszeit des aus den Herren Direktor Heinrich Stahl, 4 8 Moritz Rosenthal und Dr. Alfred Klee bestehenden Direktoriums zu verlängern. Vertreter des Herrn Stahl ist Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff, der Präsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Das Preisausschreiben für das beste literarische Werk über die Naturschönheiten und Kunstschätze Italiens wurde von dem amerikanisch-jüdischen Schriftsteller L. Untermyer gewonnen. An dem Preisausschreiben hatten sich einige hundert ausländische Schriftsteller beteiligt. Die Entscheidung der Jury wurde vom Ministerpräsidenten Mussolini bestätigt. Im Hamburg wurde mit Genehmigung der zuständigen Stellen eine Parallelorganisation des Kulturbundes, die „J ü - dische Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in Hamburg e. V." gegründet. Die Gesellschaft, die unter der künstlerischen Leitung des früheren Stadttheater- Intendanten Leopold Sachse steht, wird Konzerte und Vorträge, jedoch keine Theateraufführungen veranstalten. Die Rabbinate in Hirschberg (Riesengebirge) und Schneidemühl sind neu besetzt worden. Nach Hirschberg ist Rabbiner Dr. Richter berufen worden; das vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden subventionierte Bezirksrabbinat, das durch die Berufung des bisher dort amtierenden Rabbiners Dr. Rosenzweig nach Prag freigeworden war, wurde mit Herrn Rabbiner Dr. Jospe besetzt. Dr. Richter und Dr. Jospe sind beide Absolventen des Bresaue r Jüdisch-Theologischen Seminars. Bei der Neuwahl des amerikanischen Kongresses und der Staatsgouverneure ist im Staate New York Und der Geist Gottes schwebte... Die Erde ist öd und leer, Finsternis brütet über Der Fläche des Abgrundes — Aber der Geist Gottes Schwebt über den Tiefen. — O, Geist Gottes, du bist Der Trost der Geschaffenen! Ohne dich ist alles In uns öd und leer Und Brüten und Finsternis — Aber Heil unserm Geist, Deinem Teil! Er schwebt, er webt In Helle und Schönheit, Ist der volle Himmel, Unseres Lebens Allherrlichkeit! Warum die Oede sehen, Warum die Nichtigkeit, Warum uns ängsten Im leeren Brüten —? Wir sind sein Geist! Wir schweben leicht Und hehr Ueber den Wassern Des Uebels, Unser Geist, sein Geist, Wir, gemeinsam, schweben Ueber dem Uebel! Wer begreift es und Tröstet sich nicht Und wirft das Uebel Fern von sich Und lebt das Heil Und die Freude! Arno Nadel.

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