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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-07-01 · 4 (1.7.1934) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
4 (1.7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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haber, Lestschinsky und anderen und vor allem ira Verfolg des grundlegenden S i 1 b e r g 1 e i t’schen Werkes in der jüdischen Presse und Fachliteratur eingehend behandelt worden. Die 3 Schlagworte: Überalterung — anormale räumliche Verteilung — anormale Berufsschichtung — können als bekannt vorausgesetzt werden. Es sei nur kurz daran erinnert, daß schon 1025 fast 43% der preußischen Judenbeit in. Berlin, fast 75% in den sämtlichen Großstädten gewohnt haben, daß die Juden im Durchschnitt nur 1,06% der Bevölkerung, in den Großstädten dagegen durchschnittlich 2,64%, in-Berlin sogar 4,20% ausmachten. Wie verschieden aber selbst diese anormale Verteilung sichin den einzelnen Provinzen ausgewirkt hat, mag zunächst die folgende Übersicht nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1025 veranschaulichen: “ Tabelle 1 Die gesamte und die jüdische Bevölkerung nach Stadt- und Landkreisen geordn« am }isehen Provinzen, . Juni 1925 Provinzen St Gesamtbevöhterung adtkreise davon Zahl Juden v. T. der Gesamtbevölkerung lc Gesonrtbevöikervng mdkreis4 Zahl \ Juden v. T. der ßesomtkeväikerunf Z Gesamt* bevölkerung usarnmen davon Zahl Juden v. T. der Gesamtbevölkeruag Ostpreußen 476054 6077 123 1 780295 5260 33 2256349 11 337 5,0 Brandenburg 447528 3250 73 2144891 5192 2.4 2592419 6442 33 Berlin 4024165 172672 42,9 _ — — 4024165 172672 429 Pommern 453704 4018 8.9 1 425077 3743 Z6 1878781 7761 4,1 Grenzmark 3/518 586 15,6 294967 2861 9,7 332485 3437 10,3 Niederschlesien 866064 26146 29,1 2234264 3807 1,7 3132328 29953 9,6 Oberschlesien 259501 6609 25.5 1 119777 3460 3,1 1 379278 10069 73 Sachsen 1 027 320 6721 63 2250156 1 620 0,7 3277476 8341 2.6 Schleswig-Holstein 542174 3288 6.1 977191 864 0.9 1 519365 4152 2,7 Hannover 911 257 8906 9.8 2279362 5989 2,6 3J90619 14895 4,7 Westfalen 1 896362 12414 6,5 2912857 9181 33 4811 219 21 595 4,5 Hessen-Nassau Reg.-Bez. Kassel 209904 3318 153 882394 11 703 13,3 1 092298 15021 138 Hessen-Nassau ., Wiesbaden 570257 32473 56,9 734316 5263 7,2 1 304573 37736 28,9 Rheinprovinz m./Hohenzollern 3468761 40293 11,6 3860057 18265 4.7 7328818 58558 8.0 Zusammen 15224569 326771 213 22 895604 77198 3,4 38120173 403969 10,6 Obwohl diese Zahlen noch aus dem Jahre 1025 stammen — die Ergebnisse der vorjährigen Volkszählung liegen bekanntlich noch nicht vor —, dürften sich die entscheidenden Merkmale bis zum Beginn des Jahres 1033 kaum wesentlich geändert haben. Die im letzten Jahre eingetretenen Wandlungen werden sich erst in einiger Zeit völlig übersehen lassen. Sie sollen im übrigen in der nächsten Nummer dieses Blattes eine besondere Darstellung erfahren. Die Endzahlen der Tabelle 1 ergeben, daß bei der Gesamtbevölkerung etwa ’/» auf die Stadtkreise, etwa */> auf die Landkreise entfallen. Bei der jüdischen Bevölkerung entfallen rund 4/t auf die Stadtkreise, d. h. verhältnismäßig doppelt so viel, dagegen nur ca. */,, d. i. knapp ein Drittel der normalen Bevölkerungsquote, auf die Landkreise. Wenn man bedenkt, daß zu den Landkreisen noch zahlreiche kleinere Städte bis zu etwa 25 000 Einwohnern gehören, so zeigen die Zahlen, daß nicht nur das flache Land sondern gerade auch die Kleinstadt von Juden entvölkert ist. Angesichts dieser Gesamtsituation sind die Angaben für den Regierungsbezirk Kassel überraschend und auffallend. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung ist hier bei Stadt- und Landkreisen nahezu der gleiche; der Tausendsatz für die Landkreise liegt sogar erheblich über dem Durchschnittssatz der jüdischen Bevölkerung in Preußen überhaupt. Es handelt sich um das Gebiet des ehemaligen Kurhessens, mit seinen zahlreichen kleinen jüdischen Gemeinden, die schon seit Jahrhunderten existieren, in denen fast jeder Jude sein Häuschen und sein Stück Land hat. Von den paar größeren Orten abgesehen, sind hier die Juden Dorfbewohner. In einigen Gemeinden übersteigt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung noch weit den schon hohen Durchschnittssatz, so beträgt in Fulda die jüdische Bevölkerung 4,4% der Gesamtbevölkerung, in der etwa 300 jüdische Seelen zählenden Gemeinde S. sogar 9,6%, d. i. die höchste Anteilzahl in ganz Preußen. Im benachbarten Regierungsbezirk Wiesbaden ist der Tausendsatz der Juden in den Landkreisen noch immer verhältnismäßig hoch; auch hier zahlreiche kleine jüdische Gemeinden in den kleinen Städten und Dörfern des Taunus, des Westerwalds, des Lahntals. Stadtkreise sind hier nur Frankfurt a. M. und Wiesbaden, beide gleichfalls mit einer sehr starken jüdischen Bevölkerung, Frankfurt mit 6,3% der Gesamtbevölkerung an der Spitze der Großstädte. Der dritte Bezirk, der noch eine ziemlich normale Verteilung aufweist, ist die Grenzmark. Auch hier — es sind ja Teile der früheren Provinzen Posen und Westpreußen — ein Gebiet, in dem seit Jahrhunderten jüdische Gemeinden bestehen. Die Grenzmark hat allerdings heute gegenüber den Zahlen von 1925 stark verloren. Der Wegzug nach Berlin, der seit einem Jahrhundert die posenschen Gemeinden dezimierte, hat unter dem Einfluß der Geschehnisse des letzten Jahres einen neuen heftigen Impuls bekommen. Niederschlesien zeigt vielleicht am krassesten das Mißverhältnis zwischen der Verteilung der allgemeinen und der jüdischen Bevölkerung. Während über 70% der Gesamtbevölkerung in den Landkreisen wohnen, sind dort nur ca. 16% der jüdischen Einwohner der Provinz zu Anden. Rund 84% wohnen in den Stadtkreisen, fast 80% allein in Breslau (I), wo die Juden.4,2% der Bevölkerung ausmachen, gegen 0,17% in den Landkreisen der Provinz. Auch Oberschlesien scheint auf den ersten Blick ähnliche Verhältnisse aufziiweisen. Geht man aber der Struktur der jüdischen Bevölkerung im einzelnen nach, so zeigt es sich, daß hier doch eine Reihe alter jüdischer Mittelgemeinden existiert, die, wenn auch zu den Stadtkreisen gehörig, doch eine normal geschichtete, alteingesessene jüdische Bevölkerung aufweisen. Allerdings hat auch diese Provinz irä letzten Jahr unter dem Wegzug nach Breslau und Berlin und auch unter einer verhältnismäßig starken Aus- und Rückwanderung gelitten — eine Entwicklung, die sich infolge des allgemeinen wirtschaftlichen ■ Niedergangs des oberschlesischen Grenzgebiets schon seit Jahren angebahnt hat. Die Rheinprovinz, die Provinz, mit dem nächsthohen jüdischen Anteil an der Gesamtbevölkerung, weist in ihren einzelnen Regierungsbezirken eine völlig verschiedene Struktur auf. Während im Regierungsbezirk 7

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