Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 3 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die kritische Finanzlage, in die der Verband durch die Ablehnung des Etats im Verbandstage zu kommen drohie, ist neuerdings durch Beschlüffe, die auf Grund des Ergebniffes der in der Zwischenzeit gepflogenen Verhandlungen gefaßt werden können, behoben worden. Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1932/33 steht somit nunmehr fest. Er wird gleichzeitig zum Abdruck gebracht. Rach einer religiösen Ansprache des Rabbiners Dr. Warschauer, Berlin, wurde die Tagung von ihrem Präsidenten, Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin, eröffnet. Rach der Erstattung des TättgkeitÄerichts durch den Präsidenten des Rats, Kammergerichtsrat Leo Wolfs, und der Begründung der Etatsvorlage durch den Schatzmeister des Verbandes. Direktor Georg Kareski, kamen in der anschließenden Aussprache die Vertreter der Parteien zu Wort. Die Beratung der einzelnen Punkte der Tagesordnung führte zu nachstehenden Beschlüssen: 1. Einstimmige Annahme fand «ine von den Fraktionen des Hauses «ingÄracht« Resolutton: „Der Preußisch« Landesverband jüdischer Gemeinden stellt mit Empörung und Schmerz fest, daß die von ihm in seiner letzten Tagung gegeißelte Verwilderung der polittschen Sitten in Deutfihland in ungeahntem Ausmaß zugenommen hat. Ern« verantwortungslose Agltatton schreckt auch vor den gehässigsten Angriffen aus die heiligen Schriften des Judentums nicht zurück, in denen die Grundlagen der religiösen und PMchen Entwicklung der Menschheit ruhen. 3n Mort und Schrift wird zum wirtschaftlichen Boykott der infolge ihrer besonderen ökonomischen Schichtung von der Kris« ohnehin sehr schwer betroffenen deutschen Juden aufgefordert. Der Preußische Landesverband jüdischer GemeMden wendet sich an all« verantwortungsbewußten Deutschen und bringt ihnen eindringlich zu Bewußtsein, daß der Wiederaufbau des Vaterlaudes nicht durch di« Zurückstvhung eines zur Mitarbeit bereiten und befähigten Volksteils erreicht werden kann, sondern nur durch Zusammenfassung aller vom Gemeinschaftsgeist erfüllten Kräfte. Er appelliert an die Regierungen des Reichs und der Länder, dem brutalen und volksvergiftenden Judenhaß, der geeignet ist, das Anfchen und die Interessen Deuttchlands zu schädigen, offen «me eindeutig entgegenzutreten. 2. Zum Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1982/33 wurden folgende Beschlüffe gefaßt: a) Der Verbandstag erhebt Einspruch gegen die vom preußischen Finanzministerium vorgenommene Festsetzung der Mittel für'staatliche Zuschüffe zum Religionsunterricht und zur Aabdinerbesoldung. Nachdem schon in der Vergangenheit di« Bemessung dieser Mittel stets weit hinter dem zurückgeblieben ist, was das preußische Judentum nach den Grundsätzen paritättscher Behandlung zu fordern berechtigt war, oedeutet eine Droffelung der Position in zwei, Zähren um etwa 60% eine unerträgliche Maßnahme. Der Derbandstag spricht die -ringende Bitte aus, daß das preußische Staalsmlnisterium sich den berechtigten Wünschen des preußischen Judentums nicht verschließt. b) Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wolle durch geeignete Verhandlungen mit den Rabbinaten, insbesondere mit den Bezirksrabblnern, Kreis- und Provinzialrabblnern sowie mit der Lehrerschaft und den Gemeinden dafür sorgen, daß auf dem flachen Lande und in den kleineren Städten geeignete Unterweisung und Unterrichtung sowohl in religiösen wie in allgemeinen jüdischen Fragen stattfindet, wie auch, daß insbesondere die schulentlassene Jugend auf dem flachen Lande und in kleineren Städten die Möglichkeit hat, in Wlnterschulen, Winterkursen, Ferienkursen und ähnlichen Belehrung, auch in allgemeinen Disziplinen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens, etwa ln der Weise zu erhalten, wie das seitens der klelngewerblichen Winterschulen und seitens zahlreicher konfessioneller Zugendverdände mit Unterstützung der staatlichen Stellen seitens hierfür geeigneter Organisationen geschieht. Der Landesverband möge auch mit den einzelnen Jugendorganisationen wegen der Einfümma ihrer Kräfte und Kreise in diese Arbeit ins Benehmen treten und nicht vollbeschäftigte jüdische Lehrkräfte bei den bezüglichen Veranstaltungen mitverwenden, auch versuchen, zu diesem Zioeck staatliche und kommunale Unterstützung zu erhalten, wobei jedoch der Landesverband auch sewst tu seinen Haushaltsplan einen Betrag mindestens für die Organisation dieser Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten aufnehmen möge.