Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 3 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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hingewirkt werden, daß di« von staatlichen und kommunalen Stelle» ausgehenden Veranstaltungen unterhaltender und bildender Art auch den jüdischen Erwerbslosen in vollem Maß« zugute kommen. Darüber hinaus sollen besondere «inzurichtend« Lehranstalten, Vortragsreihen usw. der Berufsumschichtung, der geistigen Fortbildung und der Unterhaltung der jüdischen Erwerbslosen dienen, wobei di« Einführung ausländischer Juden in das deutsch« Geistesleben besonderer Wert gewidmet werden soll. (7) Der Derbandstag faßte ferner «inen dem folgenden Antrag entsprechenden Beschluß: Im Interesse der durch die Erwerbslosigkeit mehr denn je gefährdeten weiblichen jüdischen Jugend beantragen wir Frauen, Mitglieder des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, 1. di« Gemeinden aufzufordern, Beiträge zur hauswirtschaftlichen und beruflichen Ausbildung erwerbsloser jüdischer Mädchen bereitzustellen: 2. di« staatlichen und städtischen Behörden zu veranlassen, bei der Bereitstellung von Mitteln und Einrichtungen der produktiven Erwerbslosenfürsorg« auch den besonderen jüdischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. gez. Paula Ollendorff, Dr. Else Rabin, Minna Schwarz, ' Elfriede Bergel-Gronemann, BLanka Hamburger, Lulu Bloch-Neustadt, Hanna Eohn-Dorn, Ottilie Schönewald, Ruth Stern. (8) Di« folgend« während des Perbandstages eingebracht« Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Der Preußisch« Landesverband jüdischer Gemeinden erklärt: Die maßlose Hetze gegen Juden und Judentum, di« in steigendem Maß« das öffentlich« Leben vergiftet, das Leben der Juden und die Ehr« des Judentums in unerträglicher Weis« bedroht, bereits vielfach Menschenleben vernichtet hat und nicht einmal vor den Grabmälern auf jüdischen Friedhöfen Halt macht, erweckt in weiten Kreisen des deutschen Volkes den Eindruck, daß der Jude recht- und schutzlos und kein Dollbürger sei. Es handelt sich nicht mehr um politisch«, mit geistigen Waffen ausgefochtene Kämpf«, sondern um «ine von Tag zu Tag zunehmende Derwllderung der politischen Sitten in Deutschland, di« in allen Ländern der Welt aufmerksam beobachtet wird und das Ansehen Deutschlands sichtlich schädigt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden glaubt, auf di« Zustimmung weiter Kreise des deutschen Volkes rechnen zu können, wenn er zum Kampf gegen diese Barbarei auftuft. Er macht di« Reichs» und Staatsbehörden auf dies« wachsend« Gefahr aufmerksam und fordert sie auf, wirksame Maßnahmen zum Schuh« der jüdischen Bevölkerung zu ergreifen. Der Landesverband erwartet von allen Juden «ine stolze und auftecht« Verteidigung ihrer Ehr« und ihrer Rechte." (9) Ferner wurde durch Mehrheitsbeschluß di« folgend« Entschließung angenommen: Der Preußisch« Landesverband jüdischer Gemeinden dankt den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen für ihr« tatkräftig« Arbeit und fordert sie und all« Freund« des Daterlaiches auf, alle moralischen und materiellen Kräfte aufzubieten, um den verbrecherischen Anschlägen auf Ehr«, Freiheit, Leben und Bürgerrechte zu begegnen.' (10) Der für di« Schaffung einer Reichsorganisation schon bestehend« vorbereitend« Ausschuß des Rates wurde durch di« Zuwahl einiger Verbandstagsabgeordneten ergänzt. Dem Ausschuß wurden di« dem Derbandstag vorliegenden Anträge als Material überwiesen. (11) Lin Antrag, den Rat erneut zu ersuchen, der nächsten Tagung Vorschläge zur Verfassungsänderung zu unter- 1 breite», durch di« «in« wesentlich« Vereinfachung und Verbilligung der Organisation herbeigeführt wird, wurde dem Rat als Material überwiesen. (12) Der Verbandstag faßte ferner di« nachstehenden Beschlüsse: a) Zu dem Punkt«: .Fkalenderreform": Wir bitten den Rat des Landesverbandes, all« Schritt« zu unternehmen, die geeignet sind, in Sachen der Kalenderreform die Einführung eines Blankotages zu verhindern und den jüdischen Standpunkt in dieser Richtung den zuständigen Stellen gegenüber mit Nachdruck zu vertreten. d) Zu dem Punkte: „N o r m a l sta tu t": Der Rat wird ersucht, den Entwurf der Mustersatzungen für Klein- und Mittelgemeinden binnen zwei Monaten zu veröffentlichen, und der Derbandstag ersucht und ermächtigt den Rat und den Ständigen Ausschuß, bis Ablauf des Kalenderjahres 1931 auf der Grundlage des vorliegenden Entwurfes und unter Berücksichtigung der Ausführungen dieser Versammlung und der Oeffentlichkeit den Entwurf zu verabschieden. o) Zu dem Punkt«: „B ea m t e n o r d n u n g": Der Rat wird ersucht, den Entwurf der Beamtenordnung binnen zwei Monaten zu veröffentlichen, und der Derbandstag ersucht und ermächtigt den Rat und den Ständigen Ausschuß, bis Ablauf des Kalenderjahres 1931 auf der Grundlage des vorliegenden Entwurfes und unter Berücksichtigung der Ausführungen dieser Versammlung und der Oeffentlichkeit den Entwurf zu verabschieden, ct) Zu dem Punkt«: „Lehrerausbildung": Der Rat wird aufgefordert, dafür zu sorgen, daß im Lauf« des Etatsjahres all« Vorbereitungen getroffen sind, um di« Ausbildung von Lehrern liberaler Richtung zu ermöglichen. Insbesondere soll er alles tun, um 1. die Errichtung eines Lehrstuhls für jüdisch« Religionswissenschaft an einer zweiten pädagogischen Akademie und di« Berufung eines Dozenten liberaler Richtung zu betreiben, 2. «in« zur Ausbildung von Religionslehrern liberaler Richtung erforderlich« Anstatt zu schaffen. e) Zu dem Punkt«: „E in b ü r g « r u n g s fra g « n": „Der Derbandstag bittet, dafür Sorg« zu tragen, daß der Einbürgerung von Personen, die mit der deutschen Kultur durch jahrzehntelanges Einleben verwurzell sind, nicht etwa aus Gründen der Iudenfeindlichkeit Schwierigkeiten gemacht werden." „Der Landesverband möge beim Auswärtigen Amt dahin vorstellig werden, daß das Deutsch« Reich beim Völkerbund auf «ine international« Regelung des Rechtes der Staatenlosen im Sinne der Beseitigung der teilweisen furchtbare» Rechtlosigkeit der Staatenlosen nachdrücklich vorstellig wird." Aufforderung zur Beitragszahlung. Wir ersuchen diejenigen unserer Mitgliedsgemetnden, die mit ihrer Beitragszahlung noch im Nüchstand find, ebenso höflich wie dringend, die Überweisung der ausstehenden Beträge umgehend auf unser Postscheckkonto Berlin Nr. 33378 vorzunehmen. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Lharlottenburg, de» 20. April 1931.