Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 4 (30.12.1929)
- Date
- 1929-12-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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>— 3 jüdischen Glauben-, der anreligiösen Rücksichten Bedenken trüg«, an dem DersöhnungStag weltliche Geschäfte vorznnehmen, nicht verdacht werden, wenn er sich an diesem Tage nicht al- Zeug« vrrtnehmen lassen wolle, sein Ausbleiben mufft daher als entschuldigt gelten. Im Einklang mit diesen Grundsätzen steht auch dft Entscheidung des Landgerichtspräsidenten zu Sch. vom 8. Oktober 1908 (abgedruckt im Jahrbuch des DIGB. 1907, Seit« 25). Ein jüdischer Zeuge war zu einer Schöffengerichtsverhandlung am Schemini Azereth geladen. Sein Gesuch um Verlegung des Termins im Hinblick auf den hohen Festtag war von dem Amtsgericht abgelehnt worden. Auf di« gegen dieftn Bescheid eingelegte Beschwerde erging «in Beschluß, der dies« Beschwerde für begründet erklärt«, und zwar mit folgender Motivierung: „DaS Gesuch des Kaufmanns M., von der Verpflichtung zum Erscheinen als Zeuge am 11. Oktober 1906 entbunden zu werden, erscheint begründet, da auf die religiösen Anschauungen des Einzelnen nach Möglichkeit von den staatlichen Behörden Rücksicht zu nehmen ist. Eine Berücksichtigung des Gesuchs erscheint nicht unangängig, zumal häufig Termin« mit Rücksicht auf persönliche Verhältnisse einzelner Zeugen auch bereits im Hinblick auf rein pekuniär« Schädigungen aufgehoben und verlegt werden." Ebenso wie für Zeugen ist schließlich auch für Anwälte jüdischen Glaubens die Rücksichtnahme auf di« jüdischen Feiertage bei Ansetzung von Terminen, und zwar durch eine Entscheidung des Kammergerichts vom Jahre 1906, angeordnet. Schon früher war eine Rücksichtnahme auf die jüdischen Feiertag« bei der Vornahme von Zwangsvollstreckungen durch die preußische Verordnung vom 22. September 1867 § 7 und die An- Weisung vom 15. September 1879 zur Ausführung der Verordnung vom 7. September 1879 angeordnet worden. > o) Weitgehend« Rücksichtnahme auf di« jüdische» Feiertage herrscht auch im preußischen GefängniSweseu. Dft Gefängnisordnung vom 21. 12. 1898 8 75 und dft Dienstordnung vom 14. November 1992, 8 145, Ziffer S und 4, bestimmen, daß Gefangen« jüdischer Religion am Sabbat und folgenden Feiertagen wider chren Willen nicht zur Arbest angehalten werden sollen: Purim (1 Tag) , Passah (an den beiden ersten und den beiden letzten Tagen) Wochenfest (2 Tage) Neujahrsfest (2 Tag«) Dersöhnungsfest (1 Tag) Laubhüttenfest (an den beiden ersten und den , beiden letzten Tagen). ä) Nicht unerwähnt mag bleiben, daß zur Zeit der allgemeinen Wehrpflicht weitgehend« Rücksichtnahme auf die jüdischen Feiertage auch in der Heeresverwaltung erfolgt«. Ein Erlaß des Kriegsministers vom Jahr« 1994 (vgl. Jahrbuch des D.I.G.B. 1995, S. 216) sprach dft Befteiung der jüdisch«: Soldaten vom Manöverdftnst am Neujahrsfest und DersöhnungStag aus. Wiederhott wurde in ähnlicher Weise durch Erlass« angeordnet, daß den jüdischen Soldaten an den hohen Feiertagen der Besuch dÄ Gottesdienstes zu ermöglichen und sie vom Dienst-zu dispensieren seien, des weiteren, der Dienstantritt jüdischer , Einjahrig-Freiwilliger mit Rücksicht darauf, daß der 1. Oktober auf den Bersöhnungstag fiel, auf den 2. Oktober angesetzt, endlich der Dienstantritt mst Rücksicht auf di« hohen jüdischen Feiertag« für jüdische Soldaten zu einem früheren Zeitpuntt angeordnet. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung betr. Herausgabe Am 27. August ist Herr Proftssor Dr. Moritz Türk nach kurzer Krankheit verschieden. Von der Gründung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden an desftn Rat als stellvertretender Präsident angehörend, hat er ftin« außergewöhnlich großen Fähigkeiten ftlbstlos in den Dienst des Verbandes gestellt. Auftichtig und klar für ftin« lieber» zeugung «intretend, erfüllt von ttefer Lieb« zum Judentum, hat er an allen Aufgaben des Landesverbandes in unermüdlicher und erfolgreicher Arbeit entscheidenden Anteil genommen. Sein« aufs Sachliche gestellte Führerpersönlichkett hat in alftn Lagern ehrend« Anerkennung gefunden. Sein Andenken wird in unserer Mitte unauslöschlich fortleben. Berlin-Lharlottenburg, 28. August 1929 Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Klee. Perfonalieu. Die Abgeordneten d«S Verbandstages. Iusttzrat Felix Hirschberg, BreSlau, und Rechtsanwalt Dr. Joseph Katzenstein, Kasftl, sind verstorben. An ihr« Stell« treten Frau Rabbiner Eschelbacher, Berlin, und Herr Siegmund Freudenthal, Eschweg«. Ium stellvertretenden Präsidenten des Rates wurde an Stelle des verstorbenen Prof. Dr. Türk Dr. Ismar Freund gewählt. An Stell« d«S verstorbenen Ratsmitgliedes Prof. Dr. Türk fft von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Landgerichtsrat Dr. Lilienthal in den Rat gewähtt worden. von Moses Mendelssohns gesammelten Schriften. Anläßlich der 299. Wiederkehr des Geburtstagevon Moses Mendelssohn ist von der Akademft für die Wissenschaft des Judentums und der Geftllschast zur Förderung der Wissenschaft des Judentums «in« kritische Ausgabe der gesammelten Werke Moses Mendelssohnveranstattet worden. Herausgeber sind Prof. Ismar Elbogen, Prof. Julius Guttmann und Prof. Eugen Mittwoch in Gemeinschaft mit einer Reih« weiterer namhafter Gelehrter. Die Ausgabe umfaßt 16 Bänd«, von denen zwei beretts erschienen find. Es sollen dann jährlich drei weitere Bänd« herausgegeben werden. Der Preis des Werkes beträgt in Ganzleinen pro Band 12.— RM. Wir glauben, den Gemeinden «mpfchlen zu können, dftft neue Ausgabe der Werk« Mendelssohns für ihr« Büchereien anzukanftn. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Bekanntmachung betr. Herausgabe eine« Gedenkbuches der Reichsregierung zum 1V. Derfaffungstag 1929. Dft ReichSregftrung hat für den 19. Derfaffungstag ein Eedenkbuch herausgegeben, das über den Anlaß hinaus dauernden Wert behalten wird. DftseS Gedenkbuch, desftn Auftatt ein Geftitwort des Reichspräsidenten von hindenburg und «in Vorwort des Reichskanzlers Müller bilden, stellt die Neuschöpfung des Reichs in den großen Rhythmus der deutschen Geschichte. — Aus Briefen, Reden, Schriften, Gedichten und Dokumenten find dft markanten historischen und geistigen Entwicklungslinftn im Ablauf des 19. Jahrhunderts auf» gezeigt, dft auf de» Volksstaat von 1919 .hinführen. So beschrettet dftseS Werk einen Weg, der Obftktivttät historischer Beschreibung mtt unmittelbar wirkender Anfchaulichkett und höchst persönlich gefärbter Darstellung verbindet. DaS Werk umfaßt 229 Druckfttten, 25 Bildköpft führender Deutscher aus 199 Jahren deutscher Geschichte nach künstlerischen Originalzeichnungen, 49 Einfchattblätter auf Kunstdruckpapier mtt etwa 199 Abbildungen nach Dokumenten, GemäDen, Akten usw. auS der Geschichte des deutschen Dolles.