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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 47

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 47 (sequence 47)
Language
German
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Wort, daß man ihn verkleinern will. Jetzt ist der Zustand so, daß der Wohlfahrtsausschuh unzweckmähigerweis« mst einer sehr viel gröheren Zahl von Personen arbeitet. Wir haben c* nur deshalb nicht getan, weil die neue Vorschrift in der Lat für die sachlich« Arbeit denkbar ungeeignet war. Ls handell sich ja nicht darum, irgendein Parteiinteress« zu vertreten» sondern es soll «» reicht werden, bah ein« Anzahl Menschen, für die di« Wohlfahrtsarbeit etwas sehr wichtiges ist, die Möglichkett haben, auch in Zukunft in dieser Arbeit weiter zu wirken. Ich sch« keinen sachlichen Grund, warum wir Derbandstagsmitgliedern, die das Bestreben haben, für die Wohlfahrtspflege sachlich zu arbeiten, das verwchren sollen. Präsident Stern: Wir kommen zur Abstimmung. — Sie hat «rgeben, daß die für Verfassungsänderungen erforderlich« Zweidrittelmehrheit nicht erreicht ist. Damit erübrigt sich di« zweit«! Lesung. (Widerspruch.) Da es sich um «inen verfassnngsänd«rüden Antrag handelt, ist di« zweite Lesung vorgesehen. Wenn aber der Antrag in der ersten Lesung abgelchnt ist, erübrigt sich nach meiner Meinung die zwett«. (Unruhe und Zurufe.) Abg. vr. Cohn: Ich habe durchaus den Eindruck, dah ein groher Teil der Mitglieder di« wahren Gründe bei dieser Abstimmung nicht kennt, sondern glaubt, daß es sich um «in« parteipolitisch« Angelegenheit Handel«. Ich kann mir denken, bah in der zwesten Lesung die Abstimmung anders ausfällt, als in der ersten. Grundsätzlich, glarck« ich, ist di« Auftastung falsch, dah die zweit« Lesung sich erübrigt,»weil «in Antrag in erster Lesung abgelchnt worden ist. Ich möchte grundsätzlich widersprechen, dah ein solcher Brauch sich hier für di« Zukunft «inbürger«. Präsident Stern: Der Vorsitzende hat die Auffassung gehabt, daß, wenn einmal ein versassungsändernder Antrag abgelehnt ist, nicht noch einmal eine zweit« Lesung stattsindet. Abg. vr. Lohn: Ls durste noch gar nicht abgestimmt werden. Abgestimmt werden darf erst nach der zweiten Lesung. Präsident Stern: Ich glaub«, Herr vr. Lohn hat insofern 0 recht. Ich muß das zugeben. Ich werde daraufhin di« Geschäftsordnung prüfen. Zunächst ftage ich das Haus, ob es den Präsidenten davon entbindet, zwei Stunden bis zur zweiten Lesung zu warten. (Widerspruch.) Also Sie wünschen, dah wir zwei Stunden länger machen. (Widerspruch.) Der Widerspruch eines einzelnen Abgeordneten nötigt uns, zwei Stunden länger zu sitzen. Es ist zweifellos richtig, daß «in« zweit« Lesung stattfinden muh. (Unruhe und Rufe: Di« kann auch nach zwei Monaten stattfindenl) . * Abg. vr. Breslauer: Ich glaub«, dah es zweifellos zulässig ist, einen Gegenstand, der in der ersten Lesung abgelehnt worden ist, zu vertagen. Abg. vr. Cohn: Ich sag« ausdrücklich, es war auch mein« Absicht, die Angelegenheit auf den nächsten Derbandstag zu vertagen, (tzesterkeit.) Di« Vertagung wird beschlossen. Präsident Stern: Ls ist noch eine Kleinigkeit nachzuholen. Die Konservativ« Fraktion hatte beantragt, nachdem die Verhandlungen wegen des preußischen Iudengesrhes zu einem Erfolg nicht geführt hatten, bei Fortgang der Perhandlungen Fühlung mst dem halberstädter Verband wegen gemeinsamer Verhandlungen und Vertretung dieser Fragen vor Regierungsstellen zu nehmen. Ist dazu eine Begründüng nötig? (Rufe: Nein!) Wer ist für den Antrag? — Der Antrag ist mit groher Mehrheit angenommen. Jetzt kommt last not least der Antrag auf Einsetzung einer Wirtsthastskonferenz der deutschen Juden. „Die Landesversammlung wolle beschließen: Di« Landesversammlung de- Preußischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden hält di« baldig« Einberufung einer Wirtschaftskonferenz der deutschen Juden, wie sie von der Ber» liner Gemeind« schon mehrfach in Aussicht gestellt worden ist, für unbedingt notwendig und ersucht die DerbandSleitung, im Sinn« des baldigen Zustandekommens dieser Konferenz tätig zu sein.« Wer bejaht di« Dringlichkeit? — Die Dringlichkeit ist abgelehnt, der Antrag damit vertagt. Die Tagesordnung ist damit erledigt. Ratsmstglied Professor Türk: Der Rat hat in seiner Sitzung vorhin bei der Bewilligung der Summen, hie nach, dem Beschluss« des Wohlfahrtsausschusses an Anstasten und Organisationen gezahlt werden sollen, auch einen Bettag von 2500 RM. für den Hilfsverein der deutschen Juden genehmigt mit besonderer Berücksichtigung der Rotlag«, in der unser« Glaubensgenossen in Beharabien sich befinden. Der Hilfsverein hat «in« Bewegung unter den deutschen Juden ins Leben gerufen, um den armen Glaubensgenossen, die besonders unter der Hungersnot leiden, zu helfen. Der Wohl» fahrtsauSschuh und mst chm der Rat haben geglaubt, daß es «in« Pflicht der Solidarität unter den Juden der ganzen Welt ist, überall, wo Juden in Rot sind, ihr« Hilfsbereitschaft zu bewähren. Ich hoffe, dah Sie all« damit einverstanden sein werden. (Lebhaster allsettiger Beifall.) Präsident Stern: Wir danken Herrn Professor Türk für dies« seine Mittellung, wodurch «in gewisser harmonischer Abschluß auch in den sachlichen Verhandlungen herbeigeführt wird. Lin Teil von uns steht vielleicht noch zu sehr in der Erregung der vorigen Abstimmung —. wenigstens mir geht es so —, um sich ganz klar darüber zu sein, ob das alt« jüdisch« Trostwort st 0) auch auf diese Abstimmung bezüglich des Reichsverbandes anwendbar ist. (Sehr gut!) Ich bin Optimist genug, um anzunehmen, dah auch da-, was mst nicht gefältt, nach einem höheren Ratschluß vielleicht dabester« ist. Das soll mir einen Nein«» Ausgleich zu gsben versuchen für die schmerzlich« Enttäuschung, die der AuSgang des Hauptpunktes unserer Tagesordnung mir bereitet hat, und über die auch das nicht hinweghilst, dah sonst dies« Tagung in musterhafter Sachlichkeit und in der-Brüderlichkeit, di« unter uns üblich ist, verlaufen ist. .(Beifall.) Abg. Rabbiner vr. L e v y: Ich glaube in Ihrer aller Sinne zu sprechen, wenn ich unserem verehrten Präsidenten für seine gerechte» objektiv«, loyal« und ttotz allen Ernstes der Tagung von den Geistern des Humors durchwürzt« Geschäftsführung unfern herzlichen Dank ausspreche. (Lebhafte Zustimmung.) Wer die verehrte Person unseres Herrn Präsidenten kennt und gekannt hat, der konnte sich von vornherein über di« Art und Weis« seiner Geschäftsführung nicht im Zweifel sein; aber auch nachttäglich gereicht «S uns noch zur besonderen Freude, chm dafür, unsere aufrichttgst« Anerkennung auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Präsident Stern: Ich sag« den verehrten Damen und Herren herzlichen Dank für di« liebenswürdig« Anerkennung, die Sie meiner Tätigtest gezollt haben, bitte aber, dies« Anerkennung auödehnen zu dürfen auf all« mein« Kollegen, insbesondere auch auf Herrn Fleischer und Fräulein de Iong, die neben mir ausgehalten haben von morgens biS abends. Ich hoff«, daß wir uns gesund Wiedersehen werden, und schließ« di« Sitzung. 9 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Namentliche Abstimmung über den Reichsverband. Für Annahme: lbraham iaerwald Irodnitz kreslauer irünell Nax Lohn ohn-Dorn «opold Lohn hrlich rlkenberg klfenthal wch^imer ancken rankenstein Für Annahme: 16. Freund-Hannover 17. Goldschnndt-Dortmund 18. Gutmann 19. Hoffmann-BreSlau 20. Horovitz 21. «alisch 22. Kaufmann 23. Kober 24. Kochmann 25. Lilienthal 26. Loeb-Ääer 27. Marx 28. Metz 29. Meyer-Gtettin 30. Reumann Für Annahme: 31. Paula Ollendorff 32. Pinczower 33. Rosenthal 34. Rothschild 35. Salmgrr 36. Seidenberg 37. R^A. Seligsohn 38. Steinthal 39. Ruch Stern 40. Tarnowski 41. Rabbiner Dr. Wehl 42. R^A. vr. Wiener 43. Louis Wolst 44. Ztelenzcher 45. R.-A. Heinrich Stern

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