Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 24 (31.12.1935)
- Date
- 1935-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/3970005-7569529-7569771--2518-3972347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Brcslauc (ßcmeinöeblatt AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU -auptschriftleilrr: Manfred Rosenfel Verlag: Erich Sch atz kg, BreSlh Anzeigenpreis: Die Sgefpaliene Milli Erscheinungstermin vierzehntägig — Preis 48 Flir die unter dem Namen des Verfassers erscheinend n ii let r Breslau | | Druck | Druckerei Gcha -Zeile ober deren Raumen Pfennige k fennig vierteljährlich (einschließlich i Artikel und die DereinSnachrichten llberhl nb Anzeigen-Annahme: -;kg, Breslau 5, Gartenstr. 19 Tel. 23175 - — Bei laufenden Aufträgen Rabatt Zustellgebühr) — Postscheck-Konto 62095 ehmen wir nur die pressegesetzliche Verantwortung 12. Zadrgang 31. Dezember 1935 Nummer 24 Die jüdtfi He fUiemandetung Dr. Cuf und Dr. Wifcf)nit}ee fpracfjen auf dem <8emeindeabend vom 74. Qegembet über jüdifdje ftuswanderungsfrdgen Zu der Neuen Synagoge! fand am So ^nubend, den 14. Dezember, ein Gemeindeabqnd statt, in qe>sslen Mittellorstandsmitsäiland, Dr. Punkt der Bortrag des geschäftsführenden B gliedes des Hilfsvereins der Zuden in Deu??! a r k Wischnitzer über „Auswanderung! hach Uebersce, Möglichkeiten und AuSsichtqn" stand. ^er stellvertretende Vorsitzende des Bit standcs der Snnagogen-Gemeinde,?kechtsanwalt Dr. 21 r tvieS in .seiner einleitenden Ansprache ahf den voUMidigen Umsich in dein und Waner Deutschschwung der Lage und der Anschaullnaen bin, d weitgehenden Zntcresie bei den f ragen der hili derung dokumentiere. Früher, t litten die In >|e lands nicht nur aus eigener .'Vra k für ihre Hi fsbedürftigen gesorgt, sondern darüber hinaus viel für!4 ltltrstützungszwecke an ausländische Zuden abüegcben. Jehl seien sie zu Kostgängern des Zudeutums geworden, und sowohl das Wanderungswerk wie wichtige kulturelle lind otiale Znstitutionen könnten ohne die Hilfe und Zuwendli»gen allslün- )abci seien di Geber vieldischer Juden nicht existieren. De leicht die Nachkommen dersplbei > Zuden, die vor Zabrzednten in größtem Elend d >s land gewandert seien, tun nach Amerika zu g dann zu Wohlstand gelangt sei dadurch, daß wir. jetzt die Hilfe sangen, nicht bedrückt fühlen, gerade die Solidarität der Zuden sei . etwas Erhabenes uiid Erhebendes in unserer gegen,värtigen Lage. Sowohl die Wanderung nach Palästina wie nach den übrigen Ländern sei eine von gllen Nicbtungen des Judentums anerkannte Notwcndigkc 4, und wenn nissischcn otser polnischen irm Deutsch- >htn, wo sie fen. Wir bmucbten uns ausländischer Lzuden empdie besonderen Schwierigkeiten der Wanderung sec betont würden, so solle damit das Werk des Hilfsvereins keineswegs verkleinert, sondern!im Gegenteil >oer richtige Maßstab fiir die Würdigung des bereits E reichten gewonnen werden. Der Hauvtvorzug Palüstinus sei, dass es umsomebr Juden aufnehmen könne, je mehr bereits dort seien, während im Gegensatz dazu die Zahl der Zuden in den anderen Ländern immer r,ur bestimmte Grenzen erreichen dürfe; sei dieser Sättigungspunkt erreicht, so werde dann für die bisherigen Auswanderungsländer die Jude Mirage ebenfalls akut. Noch bedeutsamer sei daS sxelifct^ Problem. Nicht unisonst bezeichne märi die ^AuSwanderunc! nach Palästina alS „Alija", d. h. Aufstieg, denn dorr sei -er auswanderndc Jude sicher, in eine jüdische Gemeinschaf!! ünzutretcu nach llebertmd körine Mitwirken an dem jüdischen Aufbau deS Landes. Der Wunsch aller! Breslauer Juden gebe dahin, daß cS dem HilfSveiein gelingen möge, auch bei der Auswanderung nach Heberte: die Dirme so zu gestalten, daß der Einzelne dort eine wirklich jüdische Existenz führen könne. Tr. Wischnitzer führte sodann ungefähr folgendes, aus: D e Jahre 1492, 1881 und 1933 kennzeichnen den Beginn dei großen Wanderbewegung der Juden. 4492 mußten Hundert tausende S panien verlaßen, lind 1881 iverden Massen desi russischen.Zudentums zur Auswanderung gezwungen. Die a,s Lpanieir Bertriebenen fanden verhältnismäßig schnell cus dem Bilkan, in Holland, Belgien,-England und, in über eeischen Ländern Aufnahme. Nicht viel schwerer war die Lösung im Jahre 1881. Weite überseeische Gebiete w» ren unersctlosscn, und eS gelang ziemlich leicht, den größten Teil der, tus Nußland Verdrängten vor allem in den Be einigten Staaten unterzubringen, wo in den letzten 50 Zahlen über 2 Millionen russischer Juden seßbast wurden, die in vielen Fällen wirtschaftlich ausstiegen. 3m Jahre 1133 waren dagegen fast alle Länder der Welt eiper-Ansnalmte verschlossen. Der grundlegende Hnterschied ist jedoch dcr, daß in Palästina inzwischen ein jiidisches Zentrum entstanden ist, daS den Hallptstrom der Wanderung aufnebmen konnte. Die Wanderung in die außerpalästinensischen S taaten ist aber ebenso wichtig wie die Palästinawanderuug, denn Palästina braucht ein starkes Zudentum in allen Ländern. Während vor 100 Zähren der größte Teil der Zu den in Europa lebte, gibt es bellte in den Bereinigten Staat m 4 500000, in-Südamerika 500 000, in Eanada und Südcfrika je 150 000 und in Palästina über 300 000 1 Juden. Die Einwanderung in die überseeischen Länder stößt allerdings auf große Schwierigkeiten, um deren Behebung der Hilfsverein sich bemüht. Zunächst ist zu beglrt allsgebildete Fachkräfte Aussicht auf eine ^Existenz haben. Die in Frage kommenden Länder sind mit Kauileuten übersättigt, dagegen werden beispielsweise Ba» bandweyker und Techniker gesucht. Boraussetzung für die Auswanderrmg ist also nach wie vor grundlegende Ber lfsumschichtung. Zur Beschaffung der bei einer Einreise Ausland von den vorzuweisendcn Geldmittel müßten in» dortigen Komitees Garantiefonds und DarlebnSkaffen etrichtet lverden. Das Hallptaugenmerk will der HilfSvereiil noch mehr als bisher auf eine b e s s e r^