Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 21 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/3970005-7569529-7569768--2468-3972300- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sreeloucr Südlsches Gemelndedlatk Sir. 2 : " ihfr die uofaifch-ri Ecblllft, HJt vit Nation il 'ic iüt'ifctjc a t u e . laden O’cbM anm ui ■ Wcrndi elhtt alfeil:;iimc .der < 'H'ift des i Ft inebr iimiter aea« i.'iifcit, da Witnfeb v'inu des . nijndet" ( i H. 6 t valfitna tre ' *et| Jshbait! e>cinderen t er | herein I ctrüd'tnna 6 rundla;en! der Oleliaion der Patriarchen und die qbbinisetje sieb Religion koiymt Matmcn zu dem füll die T'ernunftreliiiion ienffebeibe, und cu Charakter des Judentums negiere, für den sei icli ücit nicht mehr verbindlich. Für Sla* rennung des religiösen vom nätk da gegen t t E i al 5 von t mög.icti Vci Cohen sind Religion und Ethik nntersch, iden: Gott wird Fdee, djirnm muff der wie l’cn kowitz so schön ausfishrt — mit sich tileibtsi. i6ott ist nicht, wje Coden aussübrt, im Verniinitieligion nur Gott der Vlenschheit und mdividsiuir s. Gott ist mehr als alles dieses, Gott? Zdee/er ist als Gott des menschlichen Herzens mvärtig und damit wirklich. (Leite 146.) — Wir im Gege ifat? zu Coden als Denker Coden als tiefen» Gemüt und jüdischer Frömmigkeit „den Menschenlebens in Gottes- und Menschenliebe . 146)1 t b c litt einmal in einem kurzen Hak ft a m a n n 4 renP aefennieidmet: „Alles vereinzelte ift ncnrailiih". dieses Hatz):« gilt indessen nicht nur iiltf ftamamt im andern für »je Romantik id>lc<htbini. Die Ablehnung lum ist i dar Grundmotiv sür die kontemplative Weltdei ftesd'är. Und Goethes Welranichaunng, mitjUtevsfjfim desyfcaelitifdjen ftvantentyaufes dringenden Wachfrage nach Unterbringung von chcn und siechen zu entsprechen, beabsichtigt das airkenbaus, die A l te rs v e rs o r g « n g s und das!Siechenhaus zu erweitern, apiuche üde^ Anfragen sind an den Vorstand des Hohcuzollernstraße 96 zu richten. Um dir iJltersfchwl l sraelitifcbse » st a l t i! ufnabme 5:rankenhaits bestimmt duick die Ufitrefmbarkeit von Kunst, Religion und Wisse» _ _. ... . . i haft, ist ^‘traditunh im Ganzeii. 3» der b i.l vi op b i c bes der Autonomie der menschlichen „Geislnalur". Und was den i? 1Zabrbun >erts beftatiht cb e 111 n g Goethes Auslassung. Das — . . .. e njtem .Uchtes als Ausdruck sittlich religiöser ftreifte, Hegels e >eichichlstbe?ric, in »er sich unverkennbar religiöse sind wissenschaftl che?Xotivc durckdrinaen,'verzichten am die analytische Londcrung d:r!.zz»liura> biete; üoerafl der Zug .zum Ganzen. —. Zndessen bringt schon da? l!1. 3abrbiin6frv auch die Auslösung dieser romantischen! 'Jetarbmif. Zchleierrnacher fordert die Trennung der Religion ebalt des aber wirdch r?n??zetapb >iik und Mopal, Staat und Politik. Tai Reckt wird bei < a v i g n v nickt als Rdturreckt genommen, es ersteht sich vielmehr aui den ihm eiae»en,sd. historischen Grundlagen, und i«r Ranke n ird die Ll lbsiändkaskeit! der 'Geschickte durch objektive /Zusammenhänge aewäb leistet. ... - Der (! inslust der Romantik ausdas Judentum läßt sieb Isicht ohne weitere? äuf eine kurze Formel bringen. Der amps der Juden um die Cmanzipation unp der während itines Ver auss injmör wieder in Erscheinung tötende Versuch, den c:inn des Judentums zu ergreifen — in beiden aktoren offenbart sich jener Cinsluß der Rvmantik. Der Asinere Geb alt des Judentums wird ohne Rücksicht auf feine csejchichtliche Eigenart und auf die Lebensform der Juden Abkehr isoii. rabdinischen. und?lüctkehr zum hihl scheu Fulentum in diesem Geiste soll die Erneuerung attsinden. i - \ Zsaak 23* map? und 2amicn Raphael ftsr sich sasien den gubcutuivs. n bieicm nnbiitoriieben 2innc i aus. Zugleich u. .. ..... > s Znlcrcsic ür die geschichtliche Sinnaebinfa des Zudent »nis aewecki. Zm Grjiue RI e n d e l s s o b n 4 begründe i dl. K r o ck uja|l.?R ar p p o r t lunjj Z un.z die geschichtliche ILrsorschung des udentumsi Zun z »eiorders unter dem EindrucI Herders, aber chick i» bewi siter Abchebruellung gegenüber fterder. Pie große Arbeit . Geige? bezeichnet L c w k o w i tz als tbeolopisc >e Geschicktsb'iruchtung: sie verdient!diesen Rarnen. den» sür Geiger bedeutet 'r! Geist de? jüdischen T-olke? „nickt Geist seines Aclkstums. sond u» sein Tükstum juiälligcr Träger einer universaler Zdee, die in d -r .ranzen Rlcuschbtit ihre Verwirklichung sindenj icll". (G. 349.) ichem das übliche Tolk sich als Verwirklichung bei kPeltgeistes best iinut. mit i Geigers Geickichtsaussssiung gjs Mödijikation > egelick.r Geschicktsphilösophie gelten. Fü' Zackaria? r a n k e l dagegen; dt die Wisienickast des Zpdc iturns etwas rferes als bloste sachgerechte Änalvse ihres -GegeiiUanides. Religion ^d ir> nickt al; Religion der Zdcen, sie must vielmehr als! Religio» der ätigkei 1 dargesttllt werdend beim Religion ist ge renwärtig, sie albnt und ordert, find nur io ergreirr sie Besitz lvr n Gläubigen, lieber die m tbodi'chetr Grundlage» der Wisienickast »>s Zudentüms »kt F r a rzk e l ähnlich wie L a v i a n y und die hSrtqriiche Rechtsschule; und auch G r a c tz, insofern er den historischen Charakter d Zudeutums betont, übt eine ähnliche Tcnkweise. Reben die jüdische GeschichtSwisienschajt tritt die Religioitspbilosophie L. L. Gt ein bei ms. Lein Problem ist die Ä?alr heit des Judentums. Wahrheit ist hier Wahrheit durch Osjenbarui g. Tiefe Wahrheit' steht im Widerspruch zur Verminst, ersährt al er Anerkennbiis durck die Verminst. Tie Ossenbarungslehre steht oi:»t aus anderem Boden als die Philosophie. Tiefe führt zum Atheismus, jene zu Gott. Damit ist der Anscklust L t e i n h e i m s nn ft am an n und Zacoby vollzogen. — Lamuel ft i r f ch taggze» verfährt im Sinne' der Philosophie! ft c g e l s. Wie für diesen, so ziegt auch sür ihn dLv^Znhalt der religiösen Erkenntnis im Te» wustiscin der FreiheiPdes Menschen. Tcmnach deckt sich hier Religi '» mir Ethik. — . Achnlicke Kategorien beherrschen die Religi'önsphilosophie Formstecker s. der in seiner „Religion des Geistes" das Züdentum als eine notwendige Erscheinung imierbald der Menschheit und seine Fortbildung zu einer Religion universal nt Charakters als ein Anliege» der zivilisierten Menschheit darstellt. Was. aber all die genannten?leligionspbilofopben anszeicbnet, ist dieses: Fn ihrer Anseinandersetznng mit dtr romantischen Philosophie wird allenthalben die entscheidende Differenz zwischen romantischer Metaphnsik nnd jüdische n Monotheismus nachdrücklich betont.! C. Zn einem dritten Abschnitt behandelt L e w k o w j tz die Weltanschauung des Naturalismus in ihrem Gegensatz zum Zudentuin. Zn 3 Formen dringt der?laturalismus in der zweiG» >'älste des 19. Zahrhunderts zum Liege über die Romantik vor. l. als Tosttivismus, 2. als materialistische Geschichtsphilosophie, 3. gls Zrrationalismus. 1. Ter Pofitivismus bedeutet ftinwendung zur mathematischnaturwisienschastlichen Betrachtung der Tinge/ 7lack eingehend:r Würdigung Feuerbacks und ^L p e » e c r's entwickelt Le w k > - Witz den Einflust des Positivismus aus das Zudentuin. 7?lit den Lehren des Zudeutums lauen sich wesentliche Thesen der positivistischen Anschauung nickt vereinbaren. Zn diesem Linne verurteUt Lechkowitz vor allem den Kulturbegriss Ligmund Freuds und seinen' Begrisf der Religiosität. Freud gcbrickt es in seiner Formulierung des Begriffs der .Kultur an der Einsicht in die Lei stänhigkcit des Wertes der .Kultur. Kultur lästt sich nickt aus „vitale >, aiiinjalen" Znteresien verstehen, über diese Znteresien hinaus, ja m>r zu ost im Gegensatz zu ihnen, findet Kultur ihre Rechtfertigung » der Autonomie der menschlichen „Geislnatur". Und was den Begriss der Religiosität betrifft, so verkennt Freud, wie L e w k o w i tz'mit Reckt HervorHebt, den Wahrheitsanspruch des religiösen Erlebnisier. Tem Psychoanalvtiker ist das Erlebnis der Wirklichkeit Gottes fremd, die Religion Freuds ist Flucht vor der Wirklichkeit, Zudentum ist Linngebung der Wirklichkeit. 2. Tie materialistische Geschicktsphilösophie setzt das geschickllicke Lehen, die politischen und rechtlichen BerHältnisie und die diesen Faktoren entsprechenden Formen des Geistes in Abhängigkeit von ökonomischen Gesetzen. Gegenüber solchen Ansprüche» verweist L e w - k o w i tz zunächst wiederum auf die Autonomie des Geistes. Znsbcsondcre unterstreicht er die Unabhängigkeit der Religio» von ökonomischen Bedürsnisien. ' ‘ , Ter Irrationalismus findet seine markante Ausprägung in den Philosophen,.» -Lck open Hauers und?l i e tz s ck e s. Eine besondere Spielart jener Weltbetrachtung ist sür ft. Dergson charakteristisch, womit der Einslust des Zrrationalismus an, das Judentum gegeben ist. B c r g s o n gibt eine Mcthaphvsik des Lfbens, welche auf dem irrationale» Prinzip der „schöpferischen Entwiälung" beruht: das Leben schasst sich die Ziele nach Art des Bewusttseins unvorhergesehen und im voraus nickt bestimmbar. L e wkowitz stellt fick dem gegenüber die Ausgabe, die „Möglickkeij" dieses Prinzips ebenso wie die Berechtigung der im Theorem B e r gs o n s so bedeutsamen- Unterscheidung zwischen statischer und dyntsimisckcr Ethik kritisch zu sichten. Ueberblickt man das Ganze, so kann man sieh dem Eindruck einer achtunggebietenden Leistung nicht entziehen. Fn dem Hier vorgezeichneten Umfange ist die Veziehung des Judentums zu den Strömungen des 19. Jahrhunderts noch nicht geschildert worden. Nur die .Hingabe der vollen Petsönlichkeit, nur der gewichtige Einsatz moralischer iiiub physischer Kräfte ermöglichten L e w k o w i H die Vewältigung der gestellten Probleme. Außergewöhnliche Gelehrsamkeit, Weite des wissenschaftlichen Horizonts, Schlichtheit und Klarheit dies Urteils sind die selbstverständlichen Voraussetzungen, um jene Probleme zu sehen und zu meistern. Was aber dem Vuche ein besonderes Ansehen gibt, ist dies: An allen Punkten fühlt man unmittelbar, wie sehr siir L e w k o - w i tz Forschung zugleich eine Sache des Herzens wird: hinter allen scharfsinnigen Formulierungen, hinter allen Argumenten lind Gegenargunlenten sieht man das Vild eines Mannes, fest im Glauben und unbeirrbar in seiner Zuversicht. Prof. M. Löwi.