Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 16 (31.8.1935)
- Date
- 1935-08-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer mW» * ■ AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Haupsschriftlelter: Manfred CK o f ein f e 16, Breslau | Druck und Anzelgen-Annahme: Verlag: Hellmuth und Erich Schatzkg, > Druckerei ch a tz k uBreslau 5, Gartenftraße 19 Breslau, Gartensttaße |9 8 Anzeigenpreis: Die Sgefpaliene HiiMmeier-Zeile ober deren Raum n pfrn Telefon 231 75 ilge — Bei laufenden Aufträgen Rabatt nn ii pfrrrnl Erfcheinungstermin. vierzehniägig — streit 48 Pfennig vierteljährlich (einschließlich Zustellgebühr) — Postscheck-Konto 62095 gor die unter dem Namen des Berfassera erfchei »enden Attikel und die Dereinanachrichten ll bemehmrn wir nur die prefiegefetzlicbe Derantwokkimg 12. Jahrgang 31. August 1933 Nummer iS Der / lottgtefi in Der 19. Zionisten-Kongreß, der gegei wärtig in Luzern tagt und der eilt ungeheures Pensum z i bewältigen hat. steht rein äußerlich gesehen unter einem f eundlichen Stern. Nicht nur war die Aufnahme in der Schi »eiz eine sehr entgegenkommende, vielleicht sogar herzlich zu rennende, sondern auch aus aller Welt waren von jüd scher und nichtjüdischer Seite Sympathie-Kundgebungen eingelaufen, von denen an dieser Stelle nur ein sehr sre mdlich gehaltenes Telegramm Lloyd Georges, der zi r Zeit, wo die Balfour-Deklaration erlassen wurde, en jlischer Ministerpräsident war, erwähnt sein möge. 466 l delegierte nehmen am Kongreß als stimmberechtigte Mit; lieber teil, dazu kommt eine gewaltige Schar von Zuhörer >, von denen eine große Zahl zur Eröffnungssitzung keinen Z »tritt mehr finden konnte. Unter den Persönlichkeiten, wel he Begrüßungsansprachen hielten, befand sich u. a. der Chc rg^ d'Affaires der Berner englischen Gesandtschaft, de' Vertreter der Schweizer Regierung, Reg.-Rat Dr. W i l t e r und der Oberkommissar für die Auswanderersra; e, James Macdonald, welcher die Rolle Palästinas als . jufluchtsstätte für die jüdischen Auswanderer begeistert rühn te. Dom' englischen Kolonialminister M i l c o l m Macdonald war ein Telegramm eingegam;n, worin er erklärt, es gereiche ihm zur großen Freude, ü m Kongreß seine Glückwünsche zu übersenden. „Die brit che Regierung", heißt es in der Botschaft weiter, „hat aus 8rund des Mandats zwei gleiche und miteinander vereint» arliche Verpflichtungen in Palästina: einerseits die, bei b< r Errichtung des Jüdischen Nätionalheims zu helfen, und »mdererseits muß sie die Rechte und die Stellung der Der »lkerung in dem Lande schützen. Ich' möchte Ihnen die V< Sicherung geben, daß wir jede dieser beiden Verpflichtungen rfüllen werden." Nach der Begrüßungsansprache ergri f der Präsident Cußetti der Zionistischen Organisation und der Nahum Sokolow, das Wort zu bek öffnungsanfprache. Die Rede ging an den des Aufbauwerkes in Palästina nicht vc nichtsdestoweniger von Optimismus und Zn verficht getragen. Nach einem Ueberblick über die bisher erzielten materiellen Erfolge, ging Sokolow auf die kulturell» Zielsetzung des Zionismus ein. Das Hebräische müsse mehr noch als bisher Jewish Agency, eigentlichen Er- Schwierigkeiten (über, war aber Bolkssprache werden. Die hebräische Univer erhalte nunmehr die medizinische Fakultäf der Grundstein zu dem Gebäude gelegt medizinische Fakultät aufzunehmen bestimns tat in Jerusalem und soeben sei Horden, das die sei. Das Schulwerk würde, in>Zufammenarbeit mit den zionistischen Kulturpionieren und >)em Waad Leumi ausgebaut werden. In Angelegenheiten der Kultur und besonders bei Erziehungsausgaben liege zw schon Anfang und Ende ein langer Weg, der ngsvolle Arbeit erfordere. Zum Schluß der Eröffnungsansprache ging Sokolow auf dieMplle ein, die den beiden Fonds Keren Kajemech und Keren Hajessod zugewiesen seien.. Das ceterum cenfeo des Keren Kajemeth laute: „Wietyr: Boden, mehr Nationalbesitz", der Keren Hajessod habe die ständige Losung: „Mehr Chaluzim, mehr Bevölkerung". Mur durch Anstrengungen beider könne die Saat gesät werden, die hundertfache Ernte bringen soll. An die Eröffnungsansprache knüpfte Präsident Sokolow sein eigentliches Referat. Er gab einen Ueberblick übei die Lage der Juden in allen Diaspora- Ländern und beschäftigte sich besonders ausführlich mit der Lage der Jüdin in Polen. In diesem Zusammenhänge wandte sich Srkolow gegen die Parteizersplitterung, im Zionismus und die Angriffe, die in Polen gegen die Zionistische Organ sation gerichtet würden. Die Führer des Zionismus erst ebten die Errichtung eines möglichst großen Jüdischen Natil nalheims in möglichst kurzer Zeit und entsprechende Fori>erungen bei Verhandlungen in Wort und Schrift würden bei jeder Gelegenheit erhoben. Man dürfe aber nicht überspannte Hoffnungen hegen, sondern müsse einsehen, daß ix s Ziel nur auf dem Wege planmäßiger Entwicklung, mit kluger Mäßigung und Selbstbeschränkung, Schrit>-für Schritt, durch allmähliche Ueberwindung der Schwierigkeiten erreicht werden kann. Jeder Sprung in die unsichere Sphäre" einer Konjunktur, oder Kombinations- Politik durch sinalofe Methoden und ungenügend durchdachte Aktionen müsse dagegen zu Enttäuschungen führen. Weiter erklärte Sokoloio, eine Verbesserung der Hachscharah würde sich als weit wirksameres Mittel für eine günstige Entwii klung des Nationalheims erweisen, als die Gründung immer neuer zionistischer Gruppierungen, über deren Nüance irran sich kaum orientieren könne. Sokol o w behandelt« dann die Lage der Juden in einer Reihe orientalischer Li nder, wobei er insbesondere die schwierigen Verhältnisse in Jemen und K u rd i sta n hervorhebt. Der wirtschaftliche Wohlstand in Palästina halte an, erklärte Sokolow abschlirßend, für die immer wieder prophezeite Krise sind keine wirklichen Anzeichen vorhanden und es fehle nur an Arbeiterhänden. Der Dezernent der Londoner Exekutive Prof. Seelig 75803142