Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 15 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Üteelducr 8 ü disches Gemetndedlatt ---x- Nr. 15 Rindet* Cand beim ffltnsbetg Am gup des Fserkammes -- mit cmur herrlichen Blick auf das Tal — liegt das &,i n t>c r la n b J e i t* F l insberg der Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Fr,mmhundes. Seit den elf - Iabren sein, s Bestehens gewährt cs Fraucn und ändern unserer Gemeinde di: icftrnftcn Tage und ^Wochen dei (Erholung. Viermal im Zahpe — vom Frühjahr dis zum Herbst -Ikcßunen Kinder in das Heim/^bas die frohe Lckar in seinen de! acklichen und gesunden RäumenVcneils,für vier Ferienwochcn^ucknimmt. Die Ki, der! werden in .V >nd 4-Biet zimmern untergebracht, von pilegeris b und pädagogisch au sgebildeher t Personal betreut und vom Vertra rensärzte ärztlich vc, sorgt, Hi oße Balkons, die alle Stockwerke des Hauses umrabmcr, dienen,! eit Kindern neben der Wiese und d:m Harten zur (Svmn istik und! L ieaekur. Täglich werden Lvazicrgängc in!die nahe gelegenen Wälde,'Unternommen und im Laut^ jeder k^urperiode macken gr ißere Ausslüge unsere Kinder mit den Schönheiten des diesen- und Iscrgcbirg:s, vertraut. Wir leglM grössten Wert dar,,us, auck 'pädagogisch aus die uns änvertrauien Kinidcr einzuwirken! md sic zu eitler' bescheidenen, ge-, sunden Leben shaltuiw zu crzieben. Denjeniger, die aus einem trübseligen, bauslichen Mitietziomms i, sollen d e Flinsberger Ferienwocken FrgNslnn^und-^Freudr^dringen. W r ,verössenilickien ttacksiebend einen Bericht, bei: ütrs-eive * HLr Kind r vor ein paar Woche» eingesandt hat: „Zwischen hockbinausrage »den Bäümsi, eingebettet, liegt unser Kinderlandkeim. Seine 2agc ist für!uns äußerst günstig, weil.es nur 5 Minuten vom Walde entfernt ist. Als wir vor einer Wocke bierber kamen, wa en wir sogleich von der herrlichen Lage des K-inderlandbeims ent ückt. Ter Lrsve Tag verging unter dem Aus oacken der Lachen. ' . Cs inuß gegen 4 Kbr mcrgens gewesgn sein, als ick aus- -wackle, kenn die Lonne >var nock im Kuigeben. Cs war ein herrlicher Anblick, wie der glutrote Llinilenball langsam hinter den Dercen hcrvorkam und immer goldg,lbsr wurdet Nack dem Frühstück vergnügten wir uns damit, hie Treppen heraus und herunter zu rennen und uns -lle Zimmer Henau zu betrachten. Durch diesen! Nadau brachten wir LckweJer Lony zur Derzweislungi so hast es ibr zu lunt wurde utid sie uns mit den T inten - spazieren schickte. Wir waren dH, über garnicht böse, im G igenteil, wir betrachteten nit Znteiese! unsere Umgebung. Z des Marien käsercbcn. jede! laupc um,> jede Wegschnecke er- - re sie unsere Bewunderung. : lach, den! AÜendcffen gingen die K ndcr unter 10 Zabren schlafen. Wir Hohen unterhielten uns vier spielten. Nachdem auch wir Großcjn in den Betten lagen, w >r endlich Ruhe im Hause, >i >o gingen )ie Tage dahin. Jeder T ig brachte andere Freuden. Manchmal spielte uns Schwester L, ny Lieder auf dem Gramnu pbon vor. F ist nach jedem Lied di btcte unser Zimmer einige! Zeilen. Au b »ie Jungen standen ni bt hinter uns zurück; denn sie dichteten elenfalls und machten ur s stark Konkurrenz. Nun < eigte auch <2 chwefter Lony ihre di btcriscke Begabung. — An < inem andc en Tage machten wir cifc Bonbonschlacht. Lckweste ■ Lony (p vVierte die Bonbons, erwischte leider nur einer, obwohl mehrere über meinem 3<l| er Kops hinwegsatiften, die ich gern gehabt hätte. Cin Mädel, die mehr wie ich erwischt hatte, gab mir etwas ab, was im sehr nett fand, erstens weil die Bonbons sehr verlockend aujsahen und .ziveiteils wiil sie kameradschaftliches Gefühl hatte. So wie die Tage wechselten, so wechselten auch die Lpaziergärige und Vergnügungen mit Spielen und Turnen ab, das, kein Kind Langiwcilc e«Mmrd, und ich wünschte, die Wochen, die wir! hier nyck vcr^^^»crden, sollten sich in Monate vcrwandeln." j Dqs Kindcrla i m FlinSberg hatte im >Lause des Jahres il935 solaenoe Belegzahl auszuweisen: l. Wlaibälfte ..... 2.4 Erwachsene i I .4 Kinder.! 2. Maihälfte . . . v. . 2S „ '! Iußi l ....... .4.4 3uti '. ....... 41 „ im! August kommen noch . 25 „_ insgesamt ...... 14.4 Personen Zu^ diesem. Werke des Ktinderlandheim Flinsberg tritt die g wurden Kindersürsorgc des Züd. Frauenbundes. Neben Flinsb auch andere Erholungsheime berücksichtigt und einzelne Psivatslcllen belegt. Wir entsandten! Agnetendors Wyk . Wolfshau . Potsdam Glatz Cßlingcn.I Obernigk..4 Kolbcrg .4 Kinder 8 „ 1 1 2 .. ... 1 nach Dürrheim . . . 2 .' 1 ... 1 ... 4 nach Delamcre nach Löwenberg nach Liegnitz . nach Strehlen insgesamt.. . 29 Kinder Die! nach Strehlen, Löwenberg und Licgiiitz entsandten Kinder waren in freundlicher Weise von dortigen Familien eingeladcir worden. Leider reichten unsere Mittel und die vorhandenen Plätze nicht aus, um!alle'gemeldeten Kinder unterbringen zu können. Wir entschlossen üns daher im Juni d. I., auf dem Grundstück des .Klleinkinderhcims Krietern ein Tages-Crholungshcim zu 'chaifen, das während der 6 Ferienwochen 45 Kindern einen gcsunden und vergnügten! Aufenthalt ermöglichte. Insgesamt wurden also in diesem Jahre vorläufig 194 Kinder und 2.4 Frauen von unserer Erholungsfürsorge betreut. Wir hoffen, daß unsei Crholung^wcrk im kommenden Jahre fortgesetzt und erweitert werden kann; Cs erscheint uns Pflicht aller Gemeindemitglieder, dieses Werk!zu fördern und an seinem Ausbau unterstützend mitzuwirkim. Es gilt, unsere Jugend gesund und froh zu erhalten. fiurn 60. fyvbuttstage von Gee/e V/a/ AS w A k* I '"Wlif a I ai*S iim(a«a*« fK(( a. 27. fiuguft 193$ diescd Zeit, da die jüdischen Sorgeü nrijt schier!erdrpckendcr Schwei e aus uns lasten, vollendet jstau G r e t g Dial ihr sechstes Lebens jabrzelmt. 2 ie jüdischen Sorgen und die Sorgen jßdtscher Meuschen — wo sie wäi en, da war seit Jahrzehnten auch ®r*t Dial, da ist sie auch heute s ets zu frndqn — tröstend, rat md, helfen! >. Qikr jemals! erbebt hat/ wie oas ist: r»enn sie an den vom religio -liberalen Verein unter ihrei vorbereit« ndien'und gestaltenden Leitun, abgehaltenen Sedetobenden ^nd Freitagabenden mit ivret warmen, p, m ttefem Empfinden beseelten Frauer stimme zu iden Festteilnehmern sprich 4vom Sinn und Segen des Sabbais und her Fest«, vom Wtrte der Gemeinschast, von jü »ischem Schicksal —' wer danr verhärmt Hefichter ausleuchten siebt ui d zugleich beobachten kann, i irit welchpi t Ausdruck von Liebe die M wichen an den Lippen der Sprecherin h Ingen, der weiß schon ,genug über den stillen Zauber, den diese Iu ms Leben keineswegs immer rcundlich angefaßte, von eigenen Sor y n!keinesivegs befreite Frau c uf leidbeschwerte Menschen ausübt, vc r dsem Vertrauen, das sie bei ihnen genießt. , | 3 rauen t um, Iud en tum. Mens hintu m, das find die Le isterne, die ibrer sttllen' Arbeit vormch uchten, dieser Arbeit, die dock überall nicht nur mit schönem Zdealichi us und sortreißendem Optimismus, sondern zugleich mit soviel Kmihmt und pramslhem Sinne gleistet wird, csv schafft sie, als die | Posgen von Inflation und Wirischastskrise! immer härter aus unseren Alten lasten, vom religiös-liberalen Verein aus im Handumdrehen eine große Hilssorganisation von Mittagtischen und anderen Speisungen, sp wendet sie als einzige Frau im zwölsköpfigen Vorstände der I. K. V. A. seifvielch, Jahren ihre dienende Liebe dem Krankenhaus« und seinen Insaffen zu, so ist sie im Jüdischen Frauenbunde und seinen Verzweigungen unermüdlich tättg, so grüiidet und leitet sie das segensvolle Werk der gemeinnützigen Möbelein la g eZ ung; und in dem gleichen, immer nur aus das Intereffe der Gesamtheit gerichteten Sinne übt sie auch ihr Mandat als Mitglied der Gemeindevertretung aus. Mehr denn je brauchen wir heute solche Menschen. Weniger denn je wird ihnen heute im hasttgen Getriebe des Alltags lauter Dank zuteil. Solche Menschen wollen auch keinen gesprochenen Dank — er strömt ihnen aus ihrer Arbeit schon in reicher Fülle zu. — Aber an Nastpunikten des Lebens, wie es ein sechzigster Geburtstag ist, darf ußd soll doch auch die Gemeinschaft, in deren Dienst solche Arbeit geleistet wird, ihren Iubilaren mit liebevollen Wünschen nahen. Das Wort, das tzvir Juden anwenden, wenn wir einem Manschen danken wollen, bedeutet sinnvollerweise keine rückwärts gewandte Anerkennung, sondern den in die Zukunft weisenden Wunsch, daß ihm Kraft zuteil werde. Grete Dial wird diese in kunfttgen Zeiten brauchen können: für sich und ihr« Arbeit, für uns!; In diesem Sinne denn und aus vollem Herzen: sch'ko^ach! i I