Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 13 (15.7.1935)
- Date
- 1935-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Bhes^au er Jüdisches ^emeindeblatt SO Jadeit 35rte Be/F in ^Ößtitfäland Am 22. J»ni waren 50 Jahre verstrich, n, seit die zwölf BNc V r i ft i 2 o g cm, die damals in Tcutschla Id bestanden, zu. einer Großloge.zuiammengefaßt wurden. Mt ® sicht auf den Ernst der Zeit wurde pci. der Veranstaltung einer dreier anläßlich dieses Jubiläums Abstaiw genommen. I Ter deutsche "Bne Briß-Distrikt, an dcusen Spitze seit vielen Jahren Rabbiner Tr. Leo Baeck steht, txjt in idiesen 50 Jahren seines Bestehe«! eine umsäsiende Tätigkeit ans sozialem und kulturell-aeistigan Gebiet entfaltet. Neben vorHeugander WoHlsaHrtspflege, die berufen fein sollte,'-an die Stelle -einer lMsystcmatischcn Ärmenpilege zu treten, wandte sich die Großlbue schon in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts denlAuigaben einer zielbewusiten Berussums chicbtung zu. Vom Hausier- und Vieh-. Handel sollten Juden in die Landwirtschast, dos Handwerk und in technische Berufe übergesührt werden. Späteö trat zu dieser Tätigkeit soziale Fürsorge und' Aufbauarbeit. im! Interesse dev' notleidenden jüdischen Massen Osteuropas hinzu.! Fürdie Opfer der Vcrsolgungeii in Rumänien und Rußland nmrden Hilfsaktionen burchgesührt, die Auswanderung osteuropäi chtr Juden und die Unterbringung von Pogromwaisen wurden o ge aifiert. Jn Verbindung mit inrerkonmNionellen Hilfskomitees uni - 3 eohlfahrtsverbänden beteiligten sich die Bne Briß in Deutschland au<K in hervorragender Weise' an allgemein -humanitären Ausgaben. Tie kulturelle Tätigkeit erstreck e sich auf Förderung deS Religionsuntcrr chts und der Jugend», re ne, Errichtung von Wanderbibliotheken and Veranstaltung von! -ul iurfahrtsn zur Verbreitung jüdischen Wissens, Gründung des Gtsamtarchivs der deutschen Judenin Gemeinschiast mit dem Pcutsch-Jsraelitischen Gemeindebunb, Erri, itung der Timendorser-Stis ung zur Förderung der wisienschaftlichen Fortbiwung begabter jurger Akademiker, die bereit wären, die W ssenscbaft des Judentums itz einer Universitätsstadt zu lebren. und «ine intensive interne Arbeit durch Vorträge und Aussprachen. . .! 1 Der sozialen Fürsorge dienten der^Allsbau unh die Neuaründung zahlreicher. Anstaltest aller Art, die Schaffung eines Netzes von Arbeitsnachweisen in Verbindung mit fc>< russberatungsstellen und die Errichtung der ZantralwohtfcHrtsstelle der deutschen Juden, die' im Verein mit dem > Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und dsm Frauenbund ins Leben g irusen wurde. Diese Gründung wurde während des Weltkrieges poi genommen, in dem die Bne Britz in Deutschland auch eine umfa sende Tätigkeit im Dienste der Verwunbeten-Hilse Entwickelten. So chufen sie den Vereinslazarettzug M. 3, der in 75 Fahrten rund 17 000 kranke und verwundete Mannschaften und Offiziere befördere und verpflegt hat. I Fahrräder von M0SSNERI | Nikolaistr iß4 10-11 >• Fenupreaier 21964 | Jüöifcfye Tieitlj Jm Vorwort Ausgabe des T geber. Geheimer Ministerium Paul Ministerium Dr. Verwendung nich „Reinrasiige kommen sie sür t Auch alle Nichtar der Wehrübcrwac r Tez te 8i ngefjorige im RnfäsfaU einer im Verlag Georg (itilkes. erschienenen des neuen Wehrgesetzes lerslären Jne Heraus Krilegsrat und Abteilungschef S e m l e r und Oberregierung ' Dtt< Senstleben zur 3* aris cher Reichsangehöriger r Zudtn dürfen keinen Wehrdi drwendung in Avbeitsfo er interliegen der militaris unc ." im Reichswiegsrht im Reichskriegs.! der militärischen leisten. Jm Kriege io»en in. Betracht.! Meldepflicht und! Tagesfcfjulen für Berufsvorteffre der deutschen der Reichsverck, hat der Präsiabe der Ausbildung < s schulpflichschlüge Dr. Baecks, Tie Pressestelle dhr Reichsvertretut^g J u d e n teilt mit:! i« Aus Grund von Anregungen des Präsidenten tretung der deutschen Juden, Herrn Dr. Leo B!a dialausschuß der Rsichivertretung sich mit der A der jüdischen Jugeisd nach Vollendung^ t i g e n A l t e r s besaß t. Jm Anschluß an die V die vom Präfidialausf huß einstimmig gebilligt! wurden, werden die Einzelheiten des Entwurfs von der Schulswtcilung der Reichsvertretung ausgearbcit, t. " -! Ter neue Plan zielt daraus ab. große Teil, unserer Jugend, die über ihre Zukunst in Sorge und Ungcwißh:it, find, auf das Berufsleben vorzubere ten. Jn „Tagesschule, s!ü r Berufsv o r l e h r e", die a,: der Großstadtperiphckrie innerhalb von Gartengrundstücken liecen, werden die Jugendlich«» körperliche und geistige Arbeit, die in ' innvollem Wechsel auseitzan! er abgeftimmt ist, zu leisten haben, llntc rrichtsziel ist die unmitesbare Vorbereitung aus praktische Berufe (Lan! Wirtschaft, Hauswirtschaft, Handwerk und Gewerbe, kaufmännisch t Betriebe), und zwar unter Berücksicht gung des Umstandes, daß für einen erhebs,- lichgn Teil der Jugend die Auswanderung unausweichlich ist und s daß? unter den Aüswanderungsländern P a l ä st i n a an erster Steile steht. Demgemäß wi^rd neben die praktische Derussvörbildung die Erlernung beS H e b r ai s ch e n und des E ng l i s cb e it treten; hinzst kommt die—Fortbildung in Mathematik, Naturwißsenschast und j Zeichnen —- alles dies unter klarer Begrenzung der Stoffgebiete, wie sie voy der Praxis der künftigen Berufe diktiert wird. Die! Erziehungsziele sind dieselben, die heute im ganzen deutschen Judentum — übet alle richtungsmäßig entwickelten Abwandlungen hinaus — in Elternhaus, Schule und Bund angestrebt werden. Tie Beschäftigung mit jüdischem und deutschem sowie allgcmcineuropäischem Geistesgut, mit Musik und bildender Kunst wird! der erzieherischen Formung zu dienen habeg; neuer Lernstoff darf-hieraus nicht erwachsen, weil die praktische Schulung im Vordergrund steht. Jn den neuen Tagesschulen werden an stnscre Jugend hohe Anforderungen gestellt» werden. 8 Arbeitsstunden tfäglich sind vorgesehen. Eine lleberlastung wird vermiedet» durch den Wechsel körperlicher und geistiger Arbeit und dadurch, daß Sport und Turnen in den Stundenplan eingesügt sind.' Ebenso werden die „Schularbeiten" (llnterrichtsvorncreitung des Schülers) im -Rahmen des Stundenplans unter Aussicht von Lehrkräften ausgcführt.! f * ■ Jn Breslau find Arbeiten, die sich in der oben genannten Richtungbewegen, bereits mit Erfolg in Angriff genommen Worden. -Die Hidjtaeiee und die mediginifdjen und i jafjinmedijinifdjen Prüfungen >Jn einer Ausführungsanweisung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern zur Verordnung über die Aenderung der Prüfungsordnung für Aerzte und Zahnärzte werden die Grundsätze für die Zulassung von Nichtariern zg den'Prüf ungen veröffentlicht. Danach sind nichtarische Kandidaten der Medizin und Zghnheilde^ die das Studium vor dem Sommersemester 1953 begonnen regelmäßig zu den Prüfungen zuzulaffen, ohne, daß es der Einholung einer Zustimmung des 'Ministers bedarf. Die Zulaffung erfolgt unter dem Vorbehalt, daß durch die Ablegung der Prüfungen kein Anrecht auf die Approbation erworben wird. Studierende nichtarischer Wstammung, die erst im Sommersemester 1933 oder später das Studium der Medizin oder Zahnheilkunde begonnen haben, können nur in ganz besonderen Ausnahmefällen und nur mit Zustimmung des Ministers zu den Prüfungen zugclasien werden. Bei der Zulaffung von Ausländern zu den Prüfungen wird aus den Nachweis der arischen Abstammung verzichtet, sür den außer den Heiratsurkunden der Ellern und Großeltern deren Gebumsurkünden nur dann beizubringen find, wenn in den Heiratsurkunden Angaben über Religion und Geburt der Eltern und Großeltern fehlen. Die Approbation als Arzt oder Zahnarzt wird Nichtckriern bis aus weiteres versagt . Nur in Ausnahmefällein, die-dem Minister zur Entscheidung vorzulegen fi^, wird die Approbation erteilt. Ein Ausnahmefall kann dann als gegeben angesehen werden, wenn der Kandidat sich als Frontkämpfer am Weltkrieg beteiligt hat oder nur einen jüdischen Großvater oder nur eine jüdische Großmutter hat, sowie nach seelischer Haltung und ent-' sprechesidem Aussehen einwandfrei, erscheint. Dfe Einschränkung sür die Zulaffung nichtarischer Kandidaten finden! bis auf weiteres keine Anwendung aus die der Miuderhell angehöirenden Einwohner des Abstimmungsgebietes der Provinz Obehschlesien und aus die Bewohner des Saarland«s, die am 3. Dezember 1934 dort wohnhaft waren. Vifatäeleitijteeung füt Befudjet des ^ionißen-r Kongreßes l Das Büro des 19. Zionistenkongreffes steht mit den schweizerischen Behörden wegen der Gewährung der gleichen Vergünstigungen wie bei den früheren Kongressen in Verbindung. Cs sollen abermals den Teilnehmern des Kongresses kostenlos Visa aus Grund der vom Kongreßbüro herausgegebenen Legitimationen erteilt werden. Diese Legitimationen dienen, auch als Ausweis der Kongreß-Teiüsehmer für die verschiedenen Vergünstigungen lermäßigte Hotelpreife und Kurtaxen in sLuzern). Cs liegt daher im Jntereffe aller Kongreß- Teilnehmer, sich rechtzeitig solche Legitimationen bei der zionistischen Zentralstelle ihres Landes (in dringenden Fällen direkt beim Kongreßbüro) zu sbeschasien. Preis der Legitimation 50 Centimes. Inhaber von Nansen-Päflen oder Staatendyse werden voraussichtlich wiederum nur auf Grund besonderer vom Kongreßbüro bestätigter Besuche einreisen können. Hierüber werden genauere Verlautbarungen noch er» 1! folgen. __ * Auf der Jahresversammlung der Jewish Immigrant Aid Society os Canada erNärte der Direllor der Gesellschaft, J. Paul, die kanadische Regierung -stehe einer jüdischen Ciawanderung nach Kanada freundlich gegenüber. Jm Lause des letzten Jahres sei eine gewisse Zahl von Juden aus Deutschland nach Kanada eingewandert und zahlleiche beabsichtigte Ausweisungen wurden, wo es sich um Juden handelte, nicht verfügt.