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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-06-30 · 12 (30.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
12 (30.6.1935)
Date
1935-06-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Bres lauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 12 flufgaben öet <Segentvact ilcbcr öicfcs auch für uns Jubcn hockaktuellq Thema fprach am vergangenen Sonntag in der Leßinglogc auf Einladung der Freien Jüdischen Volkshochschule Direktor Karl Adl:r aus Stuttgart, ,der ehemalige Leiter des dortigen Konservatoriur iS. Trotz herrlichstem Sommerwetter hatte sich e ne stattliche Schar von Interessenten, insbesondere von Lehrern und Iugendsührern eingesunden, aber auch die Jugend selbst war erfreulich stark vertreten. Es lohnte sich übrigens, dabei gewesen zu sein, ünb man bedauerte nur, dasi der Kreis der Zuhörer nicht noch grösic r war. ' Adler bot nämlich keineswegs.etwa einen Vortrag im üblicher Sinne; die Darlegung fcitier 2lnfchauungen währte kaum länger a.S 20 Minuten, — der übrige Teil der Zeit war der Praxis Vorbehalten. Sympathisch berührte "es schon, hast der Redner nicht bloße Forderungen erhob, deren Erfüllung oft undurchführbar ist. WoS ■ r zu sagen batte, gründete sich ausnahmslos auf reichste Erfahrung und nebenbei auf ein ungemein vielseitiges Wißen. An den Beginn seiner Ausführungen stellte A-lcr die Mahnung, alle Kräfte.zu mobilisieren, die jüdisches Leben r nd jüdisches Sein zu gestalten vermögen. Auch die Mufikpflcge kann dazu beitragen, wenn wir versuchen,, sic aus unserer heutigen Situation heraus in rreue Babnen zu lenken. Aktive Betätigung ist dabei oberstes Gesetz, und sie liegt am nächsten im Gesang. Urrsei Singen soll freilich mehr fein aiS ein Zeitvertreib; cS soll ein gewisses Gegengewicht gegen den Ueber-IntellektualismuS darstcllen und die Persönlichkeit zur Entfaltung' bringen, cscdön und bildungSförk cvnd ist die Mitwirkung in einem Ebor, weit erstrebenswerter aber das offene Singen, da eS das Gemeinschaftsgefühl in höchstem! Maße stärkt. Zur Frage deS StofseS betonte Adler, eS sei nicht entscheidend, zwaS und wieviel, sondern mit welcher-Intensität gesungen wird: Wir sollten unS aus den hebräischen und deutschen Liedern das auSwäblen, was für uns lebenSgestaltdnden Wert besitzt. Glaubte man schon hierbei Adlers außerordentliche mufikpädagogifche Fähigkeiten erkannt zu haben, so zeigte ep sich nun, als er aus | feinen Hörern einen zunächst etwas unfreiwilligen SingkreiS machte, erst recht, welch jdectler Iuqendführer da jaus dem Podium stand. Mit feinstem Verständnis für die verschiedensten Grade musikalischer Vorbildung gab er an Hand einiger ganz einfachen Melodien, die man sofort mitlcrntc, einen rasche», aber so überzeugende» Einblick in das Reich der musikalischen Aesthetik, der Formenlehre und, fast ungewollt, auch der Theorie, daß selbst der Unmusikalischste I interessiert aushorchte und manche wertvolle Anregung mit nach Hause nahm. Von den Forderungen, die er in diesem praktischen Teil erhob^ seien alS die wesentlichsten genannt: daß wir der Musik nicht so sehr mit dem Gefühl, alS vielmehr mit unserem ganzen Bewußtsein begegnen, daß wir ihr alS einer zeitlich begrenzten Kunst vollste Bereitschaft entgegeiibringen, daß wir beim Singen den Atem nicht als etwas RebenssichlicbeS, sondern als eine der wichtigsten Funktionen betrachten.»! Zu dem ofseine » Singen, das wenige Stundet', später, ebenfalls in der Leßingloge, stattfand, war die Jugend aller Richtungen so zahlreich erschienen, daß man sich aufrichtig freute. Der Konnex zwischen! ihr und dem Stuttgarter Gast, der so wenig Schulmeister und dabei ein so glänzender Erzieher ist, war sofort bergeftellt, und I Fahrräder von NOSSNERI | Nikolaiskralle 10-11 - Fernsprecher 21964 | alles ging mit einer Gespanntheit und Begeisterung mit, die wirklich erstaunlich war. Dir Methode, nach der Adler das Singen leitete, war die gleiche wie am Vormittag, und auch diesem eigenartig zusammengesetzten Auditorium brachte er seine tiefgründigen musikalischen Erkenntnisse gewisiermaßen spielend bei. Im Anschluß ■ an diese Veranstaltung fand eine Aussprache Direktor AdlerS mst den hiesigen jüdischen Lehrkräften und Jugendführern statt, die noch manches Wertvolle ergeben haben dürfte. Der Freien Jüdischen Volkshochschule zu DreSlau gebührt aufrichtiger Dank dafür, daß sie nnS die Bekanntschaft mit diesem ausgezeichnete» Vlenfchen, Künstler! und Pädagogen vermittelt bat. M a r t i n h a u S d o r f f. Vecfammlungen r Der Reichsbund jüdißcder Frontsoldaten veranstaltete am >5. Juni eine Versammlung im Freundesaal. Dr. R o f e n t b a l von der Bundesleitung Berlin sprach u. a. zur Wehrpflicht. Er wies darauf bin, daß entgegen der in »izanchen jüdischen .Kreisen herrschenden Ansicht auch die jüdischen jtzsigen Leute verpflichtet sind, zur Musterung zu gehen. In der Fracke der freirvilligen Meldung zgm aktiven Dienst vertrat der Redner den Standpunkt des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten; die endgültigen Bestimmungen über die Annahme von freiwilligen Meldungen seitsnS junger Juden seien bisher Noch nicht ergangen. Sollte sich irgendwie die Möglich? keit bieten, so sei die Meldung unter allen Umständen erwünscht. — Dr. U r ila s, Hamburg, beschäftigte sich mit den Auseinandersetzungen innerhalb deS Judentums in Deutschland. In einer geistig-religiösen Gemeinschaft habe —' anders wip im EtaatSleben -jkeine Richtung einen Trstalitätsansprucb und der Reichsbund jiddischer Frontsoldaten ii'epde sich derartigen Ansprüchen entschieden^ w.idersetzen. Auf einer Kundgebung der BreSlauer Zionistischen Vereinigung sprach vor kurzem Dr. Joachim Prinzperlin über daS Thema' „Jüdische Existenz — heute". Der Redner ging von den letzten einschneidenden Gesetzen und Verlautbarungen aus, die eine Begünstigung der AüSwcmderungSbewegung der j deutschen Juden entbaltenf DaS deutsche Judentum führt ein '„Leben otme Rachbarn"; aper eS begegnet der Situation mit einerlmangelnden Beziehung zu den jüdische» Werten. Dr. Prinz glaubt an eine Liguidation des deutschen Judentums (er suchte au Zahlen, Statistiken und Tatsachen seine Behauptung zu beweisen), die eine geregelte Abwicklung durch einen politisw-wirtschastlichen Fachmann erfahren müßte, um allcS Erhaltbare füt das Judentum zu erhalten. Eine klare Betrachtung der Lage, das Vertrauen auf die jüdische Jugend und daS Glück deS Faktums Crez IisraelS können unS den: unerschütterlichen Mut deS Iudeseins erhalten und die Tragödie der heutigen Iudenheit in ausbauende Kräste eines „Morgen" umwerten laßen. Der klanglich gute Makkabichor umrahmte die Rede mit neuen, hebräischen Liedern. Am 18. Juni veranstaltete die A g u d a S IiSroel in der Leßingloge eine Kundgebung für den Keren hajiscbuw. Rabbiner Dr. AnSbacher-?Wiesbaden betonte, daß Israel ein GotteSvolk sei und daß sich sei» historischer Anspruch aus Palästina aus die Verheißungen der Tböra gründe. Darum könne daS Ausbauwerk in Palästina nur erfolgreich sein, wenn eS im Geiste und aus der Grundläge der Thora eriolge; geschehe dieS nicht, so werde daS jüdische VolkStum seines SinneS entkleidet und damit inhaltsleer und unfähig, den Ausbau zu vollenden. Um so bedauerlicher sei eS, daß in weiten Kreisen Crez IiSraelS daS überlieferte Judentum mißachtet würde. Der Rednet wieS im weiteren Verlauf seiner Darlegungen aus die'bisherige Wirksamkeit der AgudaS IiSroel in Palästtna hin, aus die von ihr gegründeten Kolonien und ihre Propaganda in anderen jüdischen Kolonien sowie auf daS Schulwerk, daß die AgudaS IiSroel im heiligen Lande inS Leben gerufen hat, ipfach die Hoffnung auf ein Zusammenwirken mit dem MiSrachi aus md forderte die Versammlungsteilnehmer auf, selbst zum Keren hajischuw beizusteuern und für diesen dem religiösen Ausbau in Palästtna 'gewidmeten Fonds zu werben. Den Insaflen des vior einem Jahre eingerichteten „Altersheims" am Lchweidnitzer Stadtgraben 28 ist ein« besondere, höchst angenehm empfundene Darbietung zu Teil geworden durch einen AuSslug nach Kottwitz. Ein freundlicher FuhrwerkSbesitzer hatte einen wunderschönen großen Kremser zur Versügung gestellt, der die alten Insassen anS Ziel brachte. Dank der fürsorglichen Heimleiterin fehlte nichts, um den AuSslug sür alle zu einer großen Freuds zu gestalten, die die Insaßen noch in der Erinnerung froh machen wird. Vor Jfkrer (Reise erbitten wir Jfacn iOesudii Sie finden alles was benötigt wird außergewöhnlich preiswert

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