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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-06-15 · 11 (15.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
11 (15.6.1935)
Date
1935-06-15
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 SStesliuer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 11 Hs SerUeslSlin lömeliillgeWchte Die Vegeünöee der 'Beeslauev 0^meinöe Don Rabbiner Bernhard B r i 11 i [i 1, Bres/au>, I. Die INünzlieferanten. [ V. Im Jahre 1454 ijiat bie mittelalterliche jüb. Gemeinde in Breslau zu existieren aufgehört. Das Pr vileg, das die Stadt vom König Ladislaus erlangt hatte,amö das besagte, daß die Stadt Juden nicht in ihren Mauern beherbergen brauchte, gab dieser die rechtliche und austzenutzte Möglichkeit, Juden das Wyhn- und Aufenthaltsrecht in der Stadt zu verweigert.! Da aber der Wohlstand der Stadt Breslau seit jeher auf der Vermittlung und dem Durchgar gshandel der Waren des Orients und des slawischen Ostms nach dem Westen, sowie auf dem Handel mit diesen Läidern beruhte, war die Stadt Breslau gezwungen, den Juden aus diesen Ländern, die sich mit diesem Handel vorzugsrreise befaßten, einen wenn auch befristeten Aufenthalt an hei Marktzeiten zu gewähren. Aber über dieses sehr kurz dies röstete Ausenthaltsrecht ging die Stadt nicht hinaus. Es bddtrfte dazu der Eingriffe einer höheren Gewalt, die von d'r'Stadt den Berzicht auf ihr Recht erzwingen konnte. In der Breslauer Kaiserlichen Münze chc nifestierte sich die landesherrliche Oberhoheit, die über dm städtischen Privilegien stand. Dies zeigt sich nicht zuletz auch in der Frage der Juden, die von dieser Münze als Münzverwalter oder Münzlieferanten benötigt wurden. Inj ker Einsetzung jüd. Münzverwälter und in der Privilegiert!«; jüd. Münzlieferanten tritt das fortschreitende Erstarken der landesherrlichen Territorialmacht gegenüber den Stc nden deutlich zutage. Entgegen dem so eifersüchtig behüt!ten Privileg „cle non tolerunclis chiciaeis" (über die Nilttduldung der Juden in Breslau), das jeder Kmser von neuem mit allen anderen städtischen Privilegien zu konfirmieren pflegte, zogen die Kaiser bzw. die kaiserliche Kammer für Ober' und Niederschlesien Juden nach Breslau, zuerst nur ftii kurze Zeit, später für dauernd und durch Verträge verpflichtet, denen sie mit ihrer Macht bei der Erwerbung des Riederlaffungsrechtes zur Seite standen, da diese Juden für s e unentbehtlich waren. ' II. Die Juden — die sich schon seit ihrem frühesten Auf? treten im Frankenreich an dem Münzwesen beteiligt hatten waren in Schlesien bis zum 16. Jahrhunderl (wenn man von gewissen, dem. frühen Mittelalter angehörigen polnischschlesischen Brakteaten absieht) mit dem dortigen Münzwesen in keine nähere Berührung gekommen. Erst in liefern Jahrhundert, in dem die Juden nach ihrer Verdrängung aus dem Waren- und Geldhandel neue Erwerbsmöglichk iten suchten, gelang es ihnen, in engere Beziehung zu deyi Münzwefen zu treten. Seit der Regierungszeit des Kaisers Karl V., in der Geldmittel zur Führung der ungarifch-tüt-k schen Kriege sehr benötigt wurden, fanden die Juden als cern gesehene Pächter und Lieferanten in das österreichisches Münzwefen Eingang. * In Breslau war der Leiter der 1546 neu eingerichteten kaiserlichen Münze, der Jude Isaak Meyer aus Prag, der den eigentlichen Münzmeister Lorenz Westermeyer, -der aber meist von Breslau abwesend war, vertrat. Drei Jahre hielt es Isaak Meyer trotz aller Schwierigkeiten in Breslau aus. 1549 verließ der jüd. Münzmeister die ungastliche Stadt; Zu den vom König infolge der Münzkrawalle der Stadt damals gemachten Vorwürfen gehörte 'infolgedessen auch der, daß man seinen Juden nicht nur beleidigt, sondern daß der Rat ihn ungeachtet des kaiserlichen Schutzgeleitbriefes aus der Stadt gewiesen habe. Mit einem Sieg der kaiserlichen Macht und der Unterwerfung der Stadt Breslau endete dieser sogenannte „Pönfall". In seinem Ablauf zeigt sich bereits deutlich, wie die landesherrliche Macht unbekümmert um ständische Privilegien und sogar um religiöse Vorurteile ihr, nur auf das Wohl ihrer Finanzen bedachte Politik durchse zte. (Aortsehm g fc>4U.) ( &vftausbtldung Sdjutentlaffenec in ^Beeelau , Der Hechuluz, der allein. Träger der Umschichtung fiir Palästina gewesen ist, hat die erste Möglichkeit geschaffen, auch die Erstausbildung der Sch ulen t^ lassenen unter dem Gesichtspunkt der späteren Uebersiedlung nach Palästina vorzunehmen. Es ist ihm gelungen, eine Form der Berufsausbildung zu verwirklichen, die Ausbildung in fachlicher Beziehung vereint mit menschlicher und geistiger Erfassung für .den Palästina-Gedanken. Es bestehen heute schon vier solche Gruppen des Hechaluz, die landwirtschaftliche, gärtnerische, handwerkliche und hauswirtsc luftliche Ausbildung vereinen mit der Schulung in allgemeinen und jüdischen Wissensgebieten. Aber diese vier Grupp?n sind nicht ausreichend für den groben Andrang Jugendlicher beim Hechuluz. Der Hechaluz hat sich daher entschlossen, in Breslau eine weitere Gruppe der „M ittleren Hachschafa", der Erstausbildung für Palästina, zu eröffnen. Nach den bisher getroffenen Abmachungen we der in Breslau 2 0 Jungen und 10 Mädchen ihre Ausbildung erfahren. 12 Jungen werden in einer Tischlerei, 8 Jungen in einer Schlosserei ausgebildet, 5 Mädchen arbeiten auf Gärtnerstellön und fünf weitere Mädchen versehen mit einer älteren Chawera den Haushalt des Beth-Chaluz, in dem diese Jugendlichen wohnen werden. 3 ältere Menschen des Hechaluz führen die Gruppe und wohnen mit ihnen gemeinsam in dem neuen Beth-Chaluz. Selbstverständlich wird auch eine Anzahl von Breslauer Jugendlichen Aufnahme in [diesem Heim finden, soweit sich die Notwendigkeit ergibt, aper ein grober Teil kommt aus der Provinz und aus anderen Städten, wo weniger günstige Gelegenheit einer Berufsausbildung für Palästina besteht. [ Der besondere Vorzug dieser Form der Mittleren-Hachschara liegt darirj, dab nur eine tägliche Arbeitszeit von sechs Stunden vereinbart wurde, und daher in der reichlich bemessenen! Freizeis intensiver Unterricht in verschiedenen Fächern erteilt wird. Wie notwendig die schulische Fortbildung unserer Jugendlichen ist, " kann man ermessen, wenn man beobachtet, wie das Bildungsniveau in den jüdischen Jugendbünden, in den letzten Jahren gesunken ist. Öie Notwendigkeit, däb 14—15jährig4 einen Beruf ergriffen, der sie fast den ganzen Tag voll in Anspruch nahm, traf unsere Jugendlichen gerade in der Zeit, in < er sich erstmalig, geistige Interessen regen, die dann nicht zur Entfaltung kommen konnten. In Breslau haben sich jetzt die führenden Menschen der Bünde und einzelne Lehrkräfte! bereiterklärt, einen geordneten Unterricht bei den Jugendlieben der Mittleren-HachscKara durchzuführen. MAtimsilil fit lit nttsti liamn I« Imlaiet JMisckti fiiaiiidiblitt« 23. 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