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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-05-15 · 9 (15.5.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
9 (15.5.1935)
Date
1935-05-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatr Nr. 9 Jim Vees/avs Jüdtfdjem Kun/Heben v / .fu^tniorfoH sRiV> h t n*t a M n rv<\ »in<i TO a» Ka tntde^((nrt( „TladfAenflidfes Kabarett Diese „Revue von Liedern, Gedichten undlTänzen aus sechs Jahrhunderten" unterschied sich in ihrem A u f b iu sehr vorteilhaft von dem sonst üblichen Schema eines Kleirikunst« ibends. Ein Gang durch die Jahrhunderte hat immer etwas Fesfeliwes, und man darf von vornherein schon auf einen Erfolg rechnen, mal wenn Heiteres sich mit Nachdenklichem paart, also der tiefere Sinn jeder wirklichen Kabarettkunsl zu seinem Recht kommt. Was hier unter der Regie des oft bewährten Nikolai El - ja ich off geboten wurde, war zumindest recht criginell zusammengcstelll worden: in sechs Entwicklungsstufen zogenidie.dichterisch«, die musikalische und die tänzerische Kultur.Mitteleurppas von der Zeit der Troubadour« bis auf uwere Tage vorüber, ein apartes und vielgestaltiges Programm, das trotz seines stark parodistischen Einschlags sogar einen gewissen kunstgeschichtlichen Wert verriet. Es hätte sich.gelohnt, die besten Kräfte dafür einzusetz« n; doch leider war das aus Berlin importierte Ensemble in seinen Leistungen ziemlich ungleich. Eva Böhm eröffnete die Revue ml einem als Zwiegesang gedachten Minnelied, dessen Dortrag wed r musikalisch noch stilistisch überzeugte. Auch Francois Villons , Ballade . von den Frauen von Paris" lag ihr nicht >'o recht: denn sie setzt unerhörten Charme und. besonders mit der feinen Musik Ervin Jospes, erhebliche Stimmittel voraus. Sehr gut schnitt Eva Böhm dagegen mit den Ehansons aus der neuesten Zeit, ab, hier spür e man chre unverkennbare komödiantische Begabung/ N e l l y H i.r h, durch das Ballets des Berliner Kulturbunds bekannt, führte sich mit einem reizvoll stilisierten Tanz zu einer Minnesängerweise ein. dessen scheinbar topische Grundbewegungen aber auch später mehr ach wiederkehrten: immerhin war der Tango von echten tänzerischen Impulsen beseelt. Ein bedeutender Könner, aber eine problematisch, Künstlernatur ist Dr. Peter Bach, den ich bereits vor sieben.Ja. »ren hörte. Seine Licder zur Gitarre, durchweg eigene Kompositicnen individuellster Art, waren an sich eine willkommene Bereicherung des Programms: chrer Wiedergabe haftete jedoch, weit mehr als f üher, so viel Ungestüm und ein so gewollter Naturalismus an, das. man oft nur mit Mühe zu folgen vermochre. Sein Bestes gab Bach' mit der Ballade von Dillon. Als ein starkes Talent erwies sich Erwin'Jospe, der seinen kultivierten Begleitungen noch ein« Reih« interessanter Klaviervariationen übxr das Lied .-Lang ist 's her" hinzugescllte. Alfons Fink, als alter Breslauer stürmisch begrüßt, hatte die Conference übernommen: sie war gerade an diesem Abend nicht einfach, aber sie entsprach zuguterletzt seinem Biesen doch weit «her als der Bortrag zweier Gedichte des jüdischen Minnesängers Süßkind von Irimberg. Besondere Erwähnung verdient übrigens der Abschnitt „Um die Jahrhundertwende" durch feine literarische und musikaliche Parodierung, bei der Eva Böhm, Nelly Hirch, Alfons Fink und Nikolai Eljaschoff ein wirklich belustigendes Ensemble bildeten. Kurt Leuner hatte zu den meisten Szenen ein paar hübsche, teilweise sehr gut gelungene' Prospekte beigesteuert. Martin H a u s d o r f f. TSeetbovetirJibenö In der Toynbe«.halle der Sozialen Gruppe sprach vor kurzem Hr. Walter Ep st ein über Beethoven. Nicht in einem streng wissenschaftlichen Referat, sondern erfreulicherweise im ungezwungenen Plauderton, der den zahlreichen Zuhörern, das Heitere und das Tragische, das Große und das Alltägliche im Dasein dieses Meisters höchst eindringlich und überzeugend nahebrachte. Wie gründlich Dr. Epstein sich vorbereitet hatte, ging aus der Erzählung . so mancher fast unbekannten Anekdote aus Beethovens Leben und Wirken hertzor. Daß die Schilderung dieses Lebens und Wirkens nicht ' chronologisch abrollte, war durchaus kein Fehler: man lauschte auch so mit größer Spannung bis zum Schluß. Für die musikalische Illustrattonen hatten sich wiederum Mathilde Hirsch-Kauffmann (Klavier) und Ruth Hennig (Gesang) eingesetzt. Frau Hirsch- Kauffmann konnte ihre enge Verbundenheit mit dem Thema Beethoven leider nur in Bruchstücken beweisen, von denen die beiden Sonaten, sätze natürlich den stärksten Eindruck hinterließen. Frau Hennig sang einig« der Lieder des Meisters, die ihrem Temperament ohne Ausnahme entgegenkamen. Ihr« Leistung imponierte ebenso durch die Größe und Leuchtkraft der Stimme wie auch Lurch ein besonders fühlbares<ll^ifschwingen innerster Empfindungen. Der Abend war gleichzeittg Austlang in der Toynbeehalle, und fo ließen es sich denn auch die Damen^ R os i-G r a e tz « r und Heddy Cohn nicht nehmen, an die Besucher dieser Veranstaltungen ein paar herzliche, aufmunternde Worte zu richten. M. Hi ..>»«>«, MiiimimRiimmiiimimiiiiiiiiiiiuilllllllltttuiiiiiiiiiiiiniiiiiiiigiiiiimiiMiiiiiiMi'n Tieidjsvecbanö der jüdifdjen Kulturbünde Im Beisein von Vertretern der staatlichen Behörden sowie je eines Delegierten der Reichsvertretufig der Deukfchtn Juden und des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Berlin, fand in Berlin eine Tagung von Vertretern der in Deutschland bestehenden Kulturbünde und Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung statt, um über einen Zusammenschluß der jüdisch-kulturellen Organisa tonen.in Deutschland zu beraten. Nach Begrüßungsworten von Herrn Dr. Singer, der iw großen Zügen das Wesen, den Zweck und die Notwendigkeit einer -Reichsorganisation d-«r Kulturbünde schildert«, erläuterte Herr Staatskommissar Hinkel im/Einvernehmen mit den Staatspolizeistellen die Zweckmäßigkeit der -Errichtung einer solchen Organisation. Nach eingehender Aussprache iwer ullq tn Betracht kom. menden prinzipiellen Fragen beschloß die /Dersäxn nlung einstimmig die Gründung des Reichsverbanpes d : r Jüdischen Kulturbünde in Deutschland' mit dem Stz in Berlin. Die Aufgabe dieses Verbandes besteht darin, aus Grunk organisatorischen Zusammenschlusses aller jüdisch-kulturellen Verbände^ jedoch unter vollständiger Wahrung der Selbständigkeit der Kulturar beit und der Verwaltung, eine wirksamere Förderung der gemeinsam >n Ziel« und «ine einheitliche Vertretung gegenüber den zentralen 3 «eichsbehörden zu ermöglichen. Der Zusammenschluß erstreckt sich aus 36 jüdische Kulturbünde mit etwa 50 Städten. xf Anordnung des Lettischer Juden" ulturbund Der Kultur bund in Berlin teilt mit: Ap Polizeipräsidiums wurde der Name .Kulturbund ü mg e wandelt in den Namen „Jüdischer Berlin". Diese Namensänderung wurde von einer Mitgliederversammlung.'die am Freitag, den 26. April, im Berliner Theater tagte, und zu der auf Grund des 8 9 Äbs. 2 der Satzung« r ordnungsgemäß durch Inserat im Reichsanzeiger eingeladen war einstimmig beschlossen. kann. Wäfe da mit Mitleid geholfen? — Nein! Nur di« individuelle Beratung und Hilfe einer Gemeinschaft von Schicksalsgefährten kann hier durch tatkrästtgstes Einsetzen Nöte beseitigen oder doch mindern. Und dazu gehört auch ein gutes Derstehen der übrigen Umwelt. Welch« Möglichkeiten bestehen nun für die Arbeitsunterbringung von Körperbehinderten? Eine könnte bei dem Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter liegen. Aber dieser Weg führt leider selten zum Erfolge, weil oft eine erhebliche Anzahl rentenberechtigter Schwerbeschädigter zur Arbeitsvermittlung vorgemerkt sind. Für diese Rentenberechtigten schreibt das Gesetz ein „m u ß" vor, während bei Erwerbsbeschränkten nur eine Gleichstellung mit den Schwerbeschädigten erfolgen „kann". — Die SHG. füd. Körperbehinderter «hat schon oft hervorgehoben, daß es keine besondere jüdische Erwerbsbeschränkten-Dermittlung gibt. Somit ist die Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland (SHGJK.) die einzige jüdische Fachstelle. Als solche will sie sich für die Arbeitsunterbringung ihrer Mitglieder einsetzen und keinen gangbaren Weg unversetzt lassen, um dem Einzelnen durch die Gemeinschaft eine einigermaßen auskömmliche Existenz zu verschaffen. Die oft vertretene Ansicht, daß der Behinderte keine vollwerttge Arbeitskraft ist, widerlegt die SHGJK. nachdrücklichst. Kommt es doch meistens nur auf die richtige, d. H. individuell« Berufsfindung an. Fast jeder Behinderte wird mit dieser Grundlage das gleiche leisten, wie der unbehinderte Arbeitskollege. Diese Erkenntnis kann nur jedermann zunutze sein; dem jüdischen Arbeitgeber, der die Einstellung Behinderter nicht mehr scheut, «dem Behinderten selbst, dem durch Arbeit und eigenen Verdienst das Leben lebeiiswert -gemacht werden soll, ebenso wie allen -denjenigen Stellen, die-sonst die Mittel für das Lebensminimum hergeben muhten. Die Selbsthilfegruppe jüd. Körperbehmderter (SHGJK.) -wird aber erst dann ihre Ausgaben am erfolgreichsten lösen können, wenn' auch der letzte jüdische Behinderte zu ihr gefunden hat. Jitbcitf nidjt TtUtleü Mancher Körperbehinderte glaubtz daß fttn« Konstitutton jedem Berufe hinderlich wäre, weil das entgegengehrachte, aber verabscheute Mitleid ihn dieses glauben macht. Damit' ist schon, ebensoviel Unheil angerichtet worden, als mit der Ueberztugung, es könne überhaupt jeder Beruf ausgsübt werden. Im allgenernen, d. tz. bei un-behinderren Menschen ist die Berufswahl für ein fanzes Leben der maßgeblichste Faktor. Wieoiel wichttger ist es nun! aber, das Leben eines Körperbehinderten so zu gestalten, daß er sich selbst ernähren GesctiÜlfsteute? fOeru/ef JCaustkaftungen F Denkt an Eure Pflicht! Bedient Euch bei Bedarf an Arbeitskräften des Arbeitsnachweises jüdischer Organisationen. Schweidaiher Stadtgraben 28. Tel. 26883.

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