Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 7 (15.4.1935)
- Date
- 1935-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3970005-7569529-7569753--2264-3972110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
u- I . Breslauer 1üdi[d)(a Mi emeJnöeblott AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Hauptschriftleiter: Manfred Rose Dreslau - Verlag: Hellmuth und Schatz kg, Dreslau, Gartenstraß« Anzeigenpreis: Die 8gespaltene Ntillimeter- Erscheinungstermin vierzehntägig — Preis 48 Pfeil» Fllr die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Litt selb, D Hruck Erich j , Druckerei 6|i 19 | I > teile ober bereis Naum sst pscn nig vierteljährlich (einschließ l kel und die Dereinsnachnchten nd Anzeigen - Annahme: chahkg. Dreslau 5, Gartenstraße 19 Telefon 23175 ijnige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt ich Zustellgebühr) — Postscheck-Konto 62095 Übernehmen wir nur die pressegesetzliche DerantwoNung 12. Zahrgang 5. April 1935 Nummer 7 . MAIMONIDES Zum 800. Geburtstag des ßabbi Mose ben Maimon Der Wann uni fein Wett Von Gemeinderabbiner Dr. Hermann V o g, l st e i n In Cordova, wo Mose b. Maimon am Rüstiage des Pefsachfeftes 4895, d. i. 30. März 1135, geboren w irde, hat der spanische Staat, der auf seinem Boden Jahrhunderte hin durch keinen Juden geduldet hat, soeben eine groß ungelegte Feier veranstaltet, die der Ministerpräsident eröf net hat. Spanien feiert einen der größten seiner Söhne, dec freilich seine Heimat in jungen Jahren hat verlassen müssen, und es hat ein Recht zu dieser Feier, weil nur aus dem spanischen Judentum heraus der Mann hat erstehen können. Eich selbst ehrt der Staat, indem er seine großen Männer ehn und ihr Andenken lebendig erhält. In noch höherem Grade gilt das für die jüdische Ge- »teinschaft. Die Zeit ist nicht angetan nach Festlichkei en, aber mehr als je fordert sie Belebung des Andenkens de' großen Männer der Vergangenheit, deren Wirken iveit i ber das Judentum hinaus der Welt Großes und Bleibendes gegeben hat, die aber in einem besonderen Sinne unser fit b. Ihr Andenken iveist der Gegenwart ihre große Aufgabe und Berantivortung für die Zukunft zu und gibt Kraft und Trost durch neu gestärktes Vertrauen auf die alles bezwingende Macht des Geistes Frühzeitig sagte man von Maimonides: „Vän Mose bis Mose war keiner wie Mose": neuerdings m nnt ihn Clbogen die größte jüdische Persönlichkeit des Mit elalters. Drei Momente begründen diess Urteil. Das eine ist die durch strengste geistige Schulung zu'hoher Vollkomment eit ausgebildete Fähigkeit der systematischen Ordnung des geistigen Gutes, die Fähigkeit, das Einzelne klar zu erkenn m, aber nicht in der Vereinzelung, sondern es einzuordnen unter große Gesichtspunkte und ihm den rechten Platz in dem Gedankengebäude zuzuweisen. Dadurch wird auch däs Gedankengut, das er anderen verdankt, nicht etwas Fremdes, hat, so weit sie Entlehntes, sondern Originales. Das zweite ist d e große —-- Leistung, den ungeheuren Wissensstoff, den er auf scheinbar >) Morel, N einander ganz fremden Wissensgebieten beherrschle. zur Einheit zu gestalten. Er ist ein großer Gelehrter und Forscher auf rabbinisch-talwudischem Gebiere, ein großer Philosoph und Theologe, ein hervorragender Arzt und medizinischer Forscher. Abir es sind ihm nicht drei verschiedene, nnzujammenhängei de Forschungsgebiete, sondern sie d irchdringen sich gegenseitig, sind ihm gleichsam nur verschiedene Provinzen der einen, alles umfassenden Wissenschaft. So fügt sich ihm nich tkkf«—r-ligiöse Gläubigkeit mit kritischer Forschung zur Einheit, die^in seinem persönlichen Leben und Erleben zu Tc ge tritt. Das macht ihn zu einer so außerordentlichen m erschlichen ^Persönlichkeit. Es lvar die Blütezeit jüdisch-arabischer Kultur in Spanien. Während i>« Abendlande seit der Völkerwanderung die griechlsch^Wissenschaft fast völlig verloren gegangen n>ar, hatten die Araber sie begierig ausgenommen, in arabischer Sprache hat sie die Geisteskultur der islamischen Länder fruchtbringend beeinflußt. Mathematik und Astronomie, Medizin und Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie würben gepflegt, und die Juden in diesen Ländern" nahmen regsteü, tätigen Anteil an diesem geistigen Leben. Ganz besonders blühte die Wissenschaft J5ei den Juden in Spanien. Wohl gab es auch bei den deutschen und französischen Juden große Gelehrte, aber der Gegenstand ihres Studiüms lvar ausschließlich biblische-und rabbinisch talmudische Wissenschaft, während die jüdischen Gelehrten Spaniens diese Gelehrsamkeit mit allgemein wissenschaftlicher Bildung vereinten. Charakteristisch ist Maimonides' Urteil in dem schönen G eichnis von dem König in seinem PalastAiid den Menschen!-raUhen, deren Ziel ist oder sein sollte, in den Palast zu gelangen und dort den König zu sehen, d. h. urahre Erkenntnis zu erlangen'. Er vergleicht die Talmudgelehrten, die philosophisch nicht geschult sind, daher die Grundlagen des Religion nicht philosophisch erklären können, bei aller Anerk Innung ihres guten Willens doch nur mik den Menschen, die wohl an den Palast herangekommen sind, aber vergeblich den Eingang suchen. Diesem Urteil entspricht es auch, daß er alle rabbinischen Autoren gekannt und benutzt den islamischen Ländern angehörten, daß er ivuchim IIl 51. . -3