Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-03-15 · 5 (15.3.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
5 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3970005-7569529-7569751--2238-3972086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5 I Breslauer SV dis che» Semetndedlatt fim dem jüdiföen Ttlufitleben TSteslaus 7. Abonnements* Ronjeet des JtiMfdjen TXlufitveieins 2n fein«™ grundlegenden Buche „Werk unb Wiedergabe" sagt Hans Pfitzner, die Leistung eines Dirigenten sei nur dann richtig zu braver len, wenn man die Vorarbeit kenne, also di« Einstudiermrg. die Proben, di« Betätigung des lebendigen Gesamtkörpers. Dieser Grundsatz wird nie sein« Berechtigung verlieren, am allerwenigsten aber im vorliegenden Fall«, wo es sich um di« Heranbildung eines aus Dilettanten bestehenden Orchesters -handelt. Wer im letzten Halbjahr auch nur einer Probe beigewohnt hat, der muh, bas Nötige Becständnis vorausgesetzt, sofort erkannt haben, bah Kurt Havell a n d ein äußerst befähigter Orchestererzieher ist. Wie er seine Musiker mit einem neuen Werke vertraut macht, wie er ihnen die große melodisch« Linie, das unscheinbarste Detail nahebringt, bas ist präziser und — liebevoller kaum zu denken. Kein Wunder, daß das Orchester von dieser Führung unerhört profiliert und mit jedem Konzert einen höheren Grad künstlerischer Leistungsfähigkeit erkennen läßt. Das Verhältnis von Probe zu Aufführung ist in vieler Hinsicht aufschlußreich. Man spürte dos am -deutlichsten bei der 5. Shinphoni« von Schubert, mit der das siebente Abonnementskonzert begann. Das nielodienselige, mitunter aber recht dämonische Werk ist bei völligem Verzicht aus Trompete und Pauk« .zweifellos dem Liebhaberorchester zugedacht. Trotzdem findet sich manche Schwierigkeit, vor ollem rein tonticher Art. Doch gerade dafür hatte Havelland vorgesorgt. Zunächst durch eine klein« Umgruppierung der Streicher, die sich bereits wäh rcnd der Proben günstig auswirkte. (Beim Konzert -war das Orchester durch Erkrankungen leider etwas dezimiert.) Bon Anisang an ist der Tonkultur, der sorgsamen Verteilung von Licht und Schatten -erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet worden. Wenn bei der Aufführung das Forle wie in Samt gehüllt und das Piano fast wie ein Säuseln klang, so liegt - das eben nur an der technischen Unmöglichkeit, im Konzertraum auch zu proben. Seltsam ist allerdings, daß Havelland das ursprünglich richtig erfaßte Teinpo des Andante con moto' nicht unerheblich verschleppt« und erst in den letzten 25 Takten wieder auf» nahm; der Satz verlor dadurch viel von seinem wahren Gehalt. 3m übrigen aber kam «in« so straff« und fein akzentuierte Wiedeirgabe zustande, daß man sich wunderte, in welch kurzer Zeit das! alles möglich war. (Das Programm umfaßte ja schließlich drei Orchesterstücke.) Wäre das Publikum nur halb so diszipliniert gewesen -wst das Orchester, dann hätte es die Aufführung der Symphonie nicht durch rücksichtsloses Zuspätkommen gestört. In Zukunst sollte inan Nachzügler unerbittlich warten lassen, bis das ganze Werk gespiett ist. Auf die Symphonie des 19jährigen Schubert folgte dcs im gleichen Lebensalter entstandene Mozortsche Violinkonzert A-Dur, Für den erkrankten Simon Goldberg war Boris Schwarz eingesprungen, dessen künstlerische Qualitäten gerade in Breslau sehr bekannt und oft gewürdigt sind. Seine außerordentliche technische Form und sein wundervolles Mufikzefühl bewährten sich aus düsmal glänzend; die an Schönheit nicht nvehr zu übertreffende Tongebung, die rhythmische Energie und di« seelische Feinheit seines S-piels entfestesten — auch nach den Reinen Stücken des zweiten Programm teils, die Erich Schaffer ungemein poetisch begleitete — einen wahren Begeisterungssturm. 2m Orchester btieb bei aller, Klarheit die dynamisch« Diskretion oberstes Gesetz, so daß von einem wirklich idealen Konzrtieren gesprochen werden kann. Die „Sensation" bildete der Kaiser-Walzer von Johann Strauß. Jeder einzelne im Publikum war natürlich voller Spannung: wie dieses junge Orchester sich mit einem Werk solcher Art absm-den würde. Das Er-get-nis siel sehr günstig aus, -wenn auch nicht verschwiegen werden darf, daß man sich di« Wiedergabe des Walzers noch wienerischer vor steiler kann. Ein Sonderlvb den bei-den Schlagzeugern! Havelland aber hat wieder Erstaunliches erreicht, -und man darf wohl gerade an dieser Stelle di« berechtigte Hosfn-ung aussprechen, daß in der nächsten Spiel feit Mittel und Weg« gefunden werden, um die Anzahl der Orchesterkonzerte wenigstens auf fünf zu erhöhen. - Martin Hausdorff. HerIn voller Sonde- Rut seiner, schlich i Eindru ersche n- Gesüy! Schviel Geselle! ul-er! betr- ... Die Freitagabende deslteligi6s*€iberaten Derer Seit Beginn des Winters versammeln sich jeden Freitag-' Menschen an festlich gedeckter Tafel: Der Brest« nd--?«ier Schichte! 150 Religiös-Liberale Verein hat feine Freitag-Abe unter großen Mühen und Opfern im vorgesehenen Umsang durchfst können Er hat -damit mehr als ein soziales Hilsswerk geschaffen, vielen Menäschen aus den verschiedensten wirtschaftlichen aus allen Altersstufen, die sich allwöchentlich hier versammeln, eine Familie. Das Freitagabend-Erlebnis —zu allen Zeidest geheiligtes Besitztum unserer Gemeinschaft — verwischt die tremr- Unterschiede. Es spricht zu den Herzen aller, die an dieser Feierst! teilnehmen. Einerlei, ob sie gekommen sind, weil sie zu Hause Freitag-Abend begehen können aber weil sie ihn nicht zu feiern stehen: di« Stunde spricht alle an. Sie ist wirklich mehr als eine “ Tat, sie lehrt di« Menschen wieder beten, sie gibt lebendige schau-ung des reichen Inhaltes jichischer Tradition und trägt zu Teil dazu bei, die Seelen zu festigen und zu erheben. Der Religiös-Liberal« Verein -will die Freitag-Abende bis April hinein fortsetzen. Wie bisher, -wird in jeder Woche ein R- oder Lehrer dem Abend die althergebrachte religiöse Weihe »eben künstlerische Darbietungen werdest jeden Abend beschießen. Die ~ (zu 30 Psg. oder unentgeltlich für Minderbemittelte, zu 1 Mar! all« anderen) sind möglichst zeittg zu bestellen, da ersahru-ngsgemäs Freitagabend-Fcie-r lange vorher -besetzt ist. Die Freitag-Abendseiern werden im April in die zwei S-est abe nd« -ausNingen. Jeder Seher-abend wird 200 Menschen Restaurants von Korn-Häuser und Schaal vereinen. Näheres wind im Gemeindeblatt vom 1. April noch beklanntge-geben. Melk» zu den Sederodenden (jeder tonn nur an einem der Abende nehmen), können schon jetzt an Frau Grete B ial. Brestast Goethestraße 15, gerichtet werden. ns Abend «er n tr in e > ZU Liede ihres der sioes hat. Geschfn selbst verhütnwgest eine Frau feiertt ebenbti fand!E( hren Die n, Hilden «in enden unde steinen versstziale Andrem in den zribpiuer und len für jede die von anstast Grap r Pers Me Erschsti prüde 'ti bei dc r der enzrl Krri gesteist. und Detai der s: we-glmchal in sind Jungt da» erden hierüber i ngen teil- 13, Ciei er* und Quettenabend Sdjey—fjennig Fast anderthalb Jahre haben wir den vortrefflichen Bariton ann Schey in unserer Stadt nicht gehört. Um so verdienstdaß der Jüdische Musikoerein den Künstler jetzt in einen, rkonzert, das zu gleichen Teilen auch von der hiesigen Sängerin ) Hennig bestritten wurde, nach Breslau brachte. Neues fft über Schey nicht zu saqm. Er ist derselbe geblieben in obsekiiven Streben, das Kunstwerk um seiner selbst willen -und schmucklos darzustellen, und auch an -dem stimmlichen ck hat sich, bis aus ein paar geringfügige akute Ermüdungs angen in der Hochloge, nichts gegen früher geändert. Ohne lsüberladung, aber dennoch äußerst beseelt, erstand eine Folge rischer Gesänge, nicht minder schön und eindringlich dam, jener l selten aufgeführte Mahlersche Zyklus .Lieber eines fahrenden n", bas Großartigste des Abends. Für Frau H e y n i g mag «s zunächst ein Wagnis bedeutet haben, n e m Programm und sogar gemeinsam mit Schey das Podium treten. Ihre Befangenheit war auch cmfaüqs (in vier herrlichen ti von Brahms) so heftig, daß man kaim, den derzeitigen Stand Könnens zu beurteilen vermochte. Doch bald zeigte es sich, daß m jeher reich bedacht«. Ergiebig« Mezzosopran durch sehr inten- Ltudium an Fülle -und Tragfähigkeit noch wesentlich gewonnen Der beinahe restlos erreichte Ausgleich ber Register ist der leidiqkeit des Organs nmr förderlich gewesen: hj« Ansätze sind im Fort« noch weich, dsabei aber dock) bestimmt. Im übrigen gten di« Musikalität uyd das oft beobachtete Einfühlungsoer : der Sängerin, nicht zuletzt auch ihr ursprüngliches Temperament veit über dem Alltäglichen stehende Leistung. So kam es, daß Hen-nig im Duo mit Schey nichi nur in Ehren neben demgen Sänger bestehen konnte, sondern ihm zuguterletzt durchaus iirtiq war. Die Klavierbe zl-eitunaeN K lir t Havellands empman, wie immer, als ei' re künstlerisch-? Großtat. ii iiiiiinim, f- Ciel ermann* ftubfteUüng Das Gedächtnis des grof en Künstlers ehrt man «rm besten durch eschästigung mit feinem Werk — so begrüßen wir dankbar die Buchhandlung L i ch t: n st e i n, Kaiser-Wrlhelrnftrvße 39^oeret« Ausstellung Lieiermannscher Graphik. In der -ik offen-bart sich in gevässem Sinn« Lseberm-anns künstlerische ö^rlichkeit am reinsten, den l> im Kerrie seines Wesens fft er — wie Zeichner. Der un ehlbare Blick für das Wesentliche der nung, di« Kunst, mit ui-c-nig Mitteln unendlich viel zu sagen, inieren Liebermann für dies« Art der künsllerffchen Gestaltung, das Gesehene am umnttelborsten m Form umgesftzt wird. Die Ausstellung von I i Asch heim feinsinnig zusammen - bringt Blätter aus den verfchiendsten Epochen des Künstlers , ,eigt so die Entwicklung vonder sorgfältigen Wiedergabe des i s bis zu der gefftreicher Prägnanz der andeutenden Knappheit jäten Arbeiten. Liebermcnns oft zitiertes Wort .^Zeichnen heißt lasten" findet in ihnen -ein« überzeugende Beftätiguua. Auch stich gibt die Ausstellunig m kleinen Rahmen einen gutervEin-blick Schaffen des Meisters In größtenteils vorzüglichen Blättern stll die bekannten Liebe, mann-Motioe vertreten: Die bcidenden n und die Reiter im Tiergarten, di« Kaffe-egärten und die Strcnidbilder, die Skizzen zu einen großen Bildern: Netzflickerinnen. Inder gaste ufw. — sie alle g üßen -uns wie liebe alt« Bekannte, mit .denen.man so gern -wieder eir mal eine Stunde frohen Genietzens verbring . Einige Blätter stammen käuflich: so wird -den Freunde gebotn-, gute Matter des Mei b Jwei Gemälde (Selbstbil m schön« Pastelle vervollständige i aus Privatbefitz, die m-eifteNt sind vern Lieberm-cmnslhsr Kunst-Gelegenheit :ers zu erwerben. — is iunb Blühender Garten) sowie «-irrige die sehenswerte Ausstellung. M. T. 12612

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.