Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 4 (28.2.1935)
- Date
- 1935-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Hf AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Breslauer V MWs fitmefndelilfltt Hauptschriftleiter: Manfred CH ofcnfeljö, § Druck und. Anzeigen - Annahme: Breslau - Verlag: Hellmuth und Erich § Druckerei Schatzkg, Breslau s, Gartenstraße 19 Schatzkg, Breslau, Gartenstraße 19 I > Telefon 23175 Anzeigenpreis: Die 8 gespaltene NiiMmeirr-Zeile ober deren Raum li Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt Erscheinungstermin vierzehntägig — Preis 48 Pfennig vierteljährlich (einschließlich Zustellgebühr) — Postscheck-Konto 620 92 Fllr die unter dem Namen des Verfasser« erscheinenden Artikel und die Dereinsnachrichien llbemehmen wir nur die Pressegesetzliche Verantwortung 12. Jahrgang 28. Februar 19381 Nummer 4 Ansporungen in der Semeindevemaliung Die regere Anteilnahme der deutschen Juden an jüdischen Dingen, die eine Folge der politischen Umwälzung ist, erstreckt sich nicht nur auf die Gebiete des religiösen Lebens, der innerjüdischen Gegenwartsfragen, des Palästina,- Aufbaus, der Pflege der hebräischen Sprache und jüdischen Wissens, sondern sie wendet sich in erfreulichem Maße auch den besonderen Aufgaben der Gemeinde und ihrer Verwaltung zu. Damit wächst das Verständnis für di« Bedürfnisse der Gemeinde und die Bereitwilligkeit, ihr die Beiträge zu leisten, die sie braucht, um den dringendsten Anforlerungen zu genügen.' Die Aufgaben der Gemeinde ergeben sich aus ihren gesetzlichen und satzungsmäßigen Obliegenheiten und hat en durch die Entwicklung der Verhältnisse ihre zeitgemäße 2tm» geftaltung erfahren. Sie haben an Umfang und Bedeutung gewonnen. Die Mittel zu ihrer Erfüllung sind trotz lier Steuererhöhung und trotz größerer Opferfreudigkeit vieer Gemeindemitglieder knapper geworden. Ihre bestmögliche Verwendung ist daher heute wichtiger als je. Es dürfte tos» halb interessieren, welche!Einsparungen in den letzten Jahren gerade bei den eigentlichen Verwaltung; - k o st e n erzielt worden sind. Kürzungen an anderen Posten erregen häufig allgemeines Bedauern und finden selten ungeteilten Beifall. In der Allgemeinen(Haupt-)Devwaltung erforderten Me Gehälter 1929: 69 500 RM. 1933: 54 400 RM; nach dem Stande vom Dezember 1934 betragen sie nur noch 49 8 )0 RM. Die Senkung um mehr als 28 v. Sy. beruht teilwe se auf hepi G e ha l t s a b ba u, teilweise jedoch auch aus einer Persvnalverringerung um 4 Köpfe. Die fädi» lichen Verwaltungskosten sind von 30 800 RM im Rechnungsjahre 1929/30 auf 18 500 RM in 1933/34 gesenkt worden, also um 40 v. Sy. Diese erheblichen Einsparungen sind um so bemerken rwerter. als der Umfang der Dermal tungsgeschäfte bedeutend gew a,ch s e n ist. In der Erhöhung der Zahl der eingegangenen Postsachen von 192? bis 1934 um 11 v. Sy. drückt sich das nur sehr unvollkommen aus. Die stark vermehrte Inanspruchnahme der Verwaltung ist vor allem durch die grundlegende Umgestaltung der polttischen, beruflichen und wirtschaftlichen Berhältniffe und durch die damit verbundenen rechtlichen Veränderungen bedingt. Sie wirkt sich auch in einer zwangsläufigen Ausdehnung ihres Arbeitsbereichs aus und stellt nicht nur an die Kenntnisse und Fähigkeiten, sondern vor allem auch an das Berantwortungsbewußtsein der leitenden Stellen erhöhte Anforderungen. Auch das Wohlfahrtsamt der Gemeinde braucht einen Berwaltungsapparat. Seine Kosten sind von 47 000 RM in 1929/30jauf 33 000 RM in 1933/34 zurückgegangen. Dieser Rückgang entfällt nahezu ausschließlich auf die persönlichen Berwaltungskosten (Gehälter), die statt mit 38 000 RM in 1929/30 nur noch mit 24 400 RM in 1933/34 ausgewiesen werden. Die sächlichen Berwaltungskosten sind mit 8700 RM ist 1933/34 gegenüber £000 RM in 1929/30 fast gleich geblieben. Setzt man von der buchmäßigen Ersparnis an persönlichen Derwaltungskosten vyn rd. 13 600 RM einige Posten ab, die den Wohlfahrtsetat jetzt an anderer Melle belasten, so bleibt immer noch eine reine Personalkostenersparnis von rd. 8000 RM, das sind 21 v. Sy., übrig. Auch hier ist festzustellen, daß der verbilligte Derwaltungsapparat eine erhöhte Arbeitslei st ung zu bewältigen hat. Die Zahl der Posteingänge des Wohlfahrtsamtes ist 1934 über 55 v. Sy. höher gewesen als 1928. Während das Jüdische Wohlfahrtsamt 1929 etwa 30 v. Sy. aller Gemeindemitglieider betreut hat, wird es gegenwärtig von rd. 45 v. Sy. sämtlicher Gemeindemitglieder in Anspruch genommen. Die Bedeutung dieser Ziffer wird durch den in diesem Zusammenhangs notwendigen Hinweis darauf, daß die Zahl der Gemeindemitglieder um etwa 5000 rd. ein Fünftel gefunkest ist, nicht beeinträchtigt. Obwohl der Zuschußbedarf der Synagogen- Gemeinde vom Rechnungsjahre 1928/29 bis zum laufenden um nahezu eine, halbe Million Reichsmark ge-, drosselt worhen ist, und obgleich ein erheblicher Test der Gemeindeausgahen zwangsläufig ist, hat man sich erfolgreich bemüht, für Zwecke der Fürsorge nach wie vor möglichst große Mittel bereitzustellen und den Ausfall an haushaltsplanmäßigen Mitteln durch verstärkte Anstrengungen zur Erschließung anderer Geldquellen tunlichst zu Lecken. So ist es gelungen, dif Wohlfahrtsleistungen der Gemeinde auf einer beachtlichen Höhe zu halten. Zwar müßten die Beihilfen an wohltätige Anstalten und Vereine um mehr als die Hälfte gekürzt werden; aber die sonstigen Aufwendungen für Wohlfahrtszrjoecke sind nur von 249 000 RM in 1929/30 auf 200 300 RM in 1933/34 zurückgegangen und werden im laufenden Rechnungsjahre voraussichtlich rd. 210 000 RM betragen.