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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-10-31 · 16 (31.10.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
16 (31.10.1934)
Date
1934-10-31
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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f 4 Stirnseite (verkleidete Bibliothek) Margot Abraham, Sonnenblumen Margot Abraham, Landschaft Muhr, Portrait Muhr, Hirtenknabe Laboschin, Morgcngebet Laboschin, Rote Diele, Interieur Laboschin, Landschaft Jenflersront Frsh Iacobowih, Gewitterwolken Fritz Iacobowitz, Frühsommcr Max Friedmann, Bildnis \ Max'Friedmann, Abahsocr Magda Dresdner, Typen Breslau« r Jüdisches Gemein \ Utt Magda Dresdner, 3 p: Rudolf Levy, Klein, Rudolf Ernst, Welk: Kleine Wand Isi Aschheim, Stille Eharlotte Koebner, Alfred Graehcr, Wisi Paula Grünfcld, Bi Lesser, Nrp, Waldlast Isi Aschherm, Aquai r pen Landschaft nde Blumen nelen der Tür ^n Ziddensee lterlandschaft luMen dschaft ' eil An den Scherentvanden Willy Braun, Daln atinische Landschaft Paula Grünfcld, D umen Willy Braun, Südliche Landschaft Isi Aschheim, Landschaft Isi Aschheim, ReHflickerin Charlotte Koebner» Elblandschaft Laboschin Portraid^ Josef Herold, Schnchr;es Loch am Breitenall - - Gertrud Werther, Tsuentzienplatz im Schnee^Brrslau Walter Cohn, ck^Plaitiken Rosenberg-Flcck, I Plastik Elisabeth Wolfs,^ Wei^bl, Torso l. Tischvitrine Paula Grünfeld, 6 Zeichnungen Willy Braun, 4 Zeichnungen Nr. 16 Bendemann, I Studienkopf 3. Tischvitrine Isi Aschheim, 2 Lithographien- Georg Kars, l Lithographie Isi Aschheim, 5 Aquarelle 2. Tischvitrine Willy Braun, 2 Zeichnungen 4. Tischvitrine Laboschin, 9 Radierungen An der Lingangstür Artur Schwarz, 10 Sammelrahmen Gebrauchsgraphik flfyatjam Geigen f 3u feinem 60. “Todettage (23. Qttobev [12. 7Tlaccf)efcf)man] 1874) 33orJ Hermann Vogel st ein - Am 23. Oktober waren sechzig Jahre verflossen, seit mitten aus reger amtlicher und wissenschaftlicher Arbeit ganz ullcrwartet Abraham Geiger durch den Tod abberufen worden ist. Der zeitliche Abstand ist;roß genug - und die äussere und initcre Lage des Judentum! so wesentlich anders, daß, wer geschichtlich zu denken weiß, den f Männern jener Zeit, welcher Richtung auch immer, und ihren scharfen Gegensätzen und oft erbittertere Kämpfen gerecht zu werden verniag. Freilich, wer vqm Parteifanatismus verblendet ist, sicht nur das Zcitbcjdingte und Ieitgcbundenc und verliert den Blick für di§ dauernde Bedcutuirg jener Männer. Ans sind, um nur die beiden Studienfreunde und späteren heftigen Gegner;u nennen, Abraham Geiger und Samson Raphael Hirsch nicht nur die Exponenten des religiösen Liberalismus und der Orthodoxie, die der Anhänger der einen oder der anderen Richtung bewundert oder verabscheut, sondern große, schöpferische Gestalten im Judentum der 19. Jahrhunderts. Nicht als Kämpfer gegeneinander, ondcrn als Kämpfer im Ringen um Klarheit und Gestlltung des, Judentums bleiben sic uns. » Mit solchem Arteil aber stehen wir aus kein Boden Geigerscher Anschauung, ilach der „alles des Judentums unveräußerliches Eigentum ist, vom ersten Worte der Bibel bis zum letzten eines Talmudisten, von den tiefen. Gedanken der mittelalterlichen Philosophen tis zu den Lukubrationen eines jeglichen Darschan, von der buchstäbelndcn Enge des Kasiusten bis zum freien Worte der neuen Predigt. Aeberall erkennt in den urs -rünglichen Geist nach den verschiedenen Zeiten und der vcrschiedenen Begabung und dennoch in voller Einheit." In dieser Anschauung wurzelt Geigers oft zum Ausdruck gebrachte tiefe Ehrfurcht vor der Tradition, die er „die ebenbürl ige Tochter der Offenbarung" nennt, wie die Offenbarung « ine geistige Machte die immer weiter wirkt, die den Körpe r belebende Seele des Judentums. Ihm ist Tradition, wie Jahrzehnte nach ihm Martin Buber es einmal ausgesprochen hat, edelste Freiheit dem Geschlechte, das sie hell und sinnvoll. * lebt, aber elendeste Sklaverei den Erbgewohn en, die sie' zäh und träge übernehmen. Darum ist er der festen Aeberzeugung, daß der Strom der Tradition im; Judentum niemals versiegen, daß man auf das Judentum niemals , als auf etwas vollständig Abgeschlossenes blicken^ kann. Ev nennt sich selbst einen Mann der geschichtlichen Betrachtung und betont mit allem Nachdruck, daß'alle Neugestaltungen sich auf dem Boden der Geschichte zu vollziehen haben, daß alle Entwicklung auf der gegebenen Grundlage vor sich gehen muh. Was unvorbereitet hingestellt wird! ist wurzellos und hat keinen Bestand. So ist Sinn und Zweck seiner kritisch geschichtlichen Auffassungsweise, so scharf sie auch bisweilen zum Ausdruck kommt, niemals negativ, sondern positiv aufbauend, und so tritt er mit gleicher Entschiedenheit denen entgegen, bei denen er die Wahrung der Tradition in Starrheit und starrem Festhalten an dem Gewordenen wahrnimmt, wie denjenigen,' die das Judentum ohne wirkliche Rücksicht aus die Vergangenheit lediglich nach den wirklichen oder vermeintlichen Bedürfnissen der Gegenwart umbilden wollen: „Durch Erforschung des Einzelnen zur Erkenntnis des Allgemeiiken, durch Kenntnis der Vergangenheit zum Verständnis der Gegenwart, durch Wissen zum Glauben." Diese seine Anschauungsweise ist ihm aus seiner wissenschaftlichen Arbeit heraus gewachsen, wie sie andererseits diese Arbeit bedingt und bestimmt hat. Gründliche Studien aus biblischem wie auf talmudischem Gebiete, sowie über jüdische Geschichte und jüdische Religionsphilosophie und die mittelalterliche hebräische Dichtung sind in selbständigen Büchern und in zahlreichen Aufsätzen namentlich der beiden von ihm begründeten und redigierten Zeitschriften veröffentlicht. Manche einzelnen Ergebnisse seiner Forschung sind selbstverständlich durch neuere Arbeiten überholt, aber als Ganzes bleibt seine wissenschaftliche Lebensarbeit auch heute noch äußerst wertvoll. Zwei Arbeitsgebiete und Ergebnisse seien besonders hervorgehoben. Gerade in der Gegenwart, in der die hebräische Sprache als Schriftsprache wie als Verkehrssprache zu neuer Bedeutung gelangt ist, ist sein kleines Lehr- und Lesebuch der Mischna mit seiner Scheidung der biblischen, von der Sprache der Mischna für das rechte Verständnis wie für die richtige Deutung dejs Begriffs des Neuhebräischen, von Wichtigkeit. And den Weg zum Verständnis des Pharisäismus haben Geigers Forschungen erschlossen. Frühzeitig hat er die Potwendigkeit methodischer wissenschaftlicher Durchbildung der Rabbiner erkannt, als erster bereits vor hundert Jahren die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät gefordert. Vorwiegend seinem Einfluß ist es zu danken, daß Jonas Fränckel in seinem Testament die Bestimmungen traf, aus Grund deren das hiesige Jüdisch-theologische Seminar errichtet worden ist. Aber erst am Abend seines Lebens hat sich ihm selbst an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine Wirksamkeit als Hochschullehrer geboten. Geigers Leben und Wirken war in eine gäraftde Zeit des Aebergcmgs gestellt. Die Ideen des 18. Jahrhunderts und die ungeheuren politischen Amwälzungen hatten mit dem großen Problem der Eingliederung der Juden in die Kultur der Amwelt das Problem der Religion überhaupt und das Problem der Beziehung und der Verträglichkeit von Religion und Kultur, anders ausgedrückt, das Problem der Reform zu einem brennenden gemacht. Daß der Begriff der Reform niHt in der heute gebräuchlichen, durch die Berliner und die amerikanischen Reformgemeinden ge-

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