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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-10-31 · 16 (31.10.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
16 (31.10.1934)
Date
1934-10-31
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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2 Nr. 16 reslau«!r Jüdisches Gemeindeblatt nennen. Aeltcrc Bildhauer komnzejn hier überhaupt nicht vor, die neueren auch nur vereinzelt. Doch! das Dorhandene bietet ein so reichhaltiges Bild des künstlerischen Vermögens der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Entwicklung auf diesem Gebiet, daß eine! vielseitige Betrachtung durchaus möglich wird.! Das älteste Blatt der Sannülung ist ein' anmutiger Studienkopf von Ed.B entern a n n (1811—)889), dem seinerzeit angesehenen Schöpfer der Fresken lichcn Schloß zu Dresden. [ Sauhpr und zart! gezeichnet im könig- Phot. £. Pfeiffer <£ine 'Breslauer tkofe Aschheim, Frl.Köbner, Kon. Kon, Katz (im Privatbesitz) Breslauer gibt dieses Blatt die klassischen Formen und den lyrischen Grundlon, die der Zeit und der Düsseldorfer Schule Bendemanns entsprachen. > Ein besonderer Liebreiz strömt aus dem 1861 entstandenen Geinälde „italienischer Hirtenknabe" von Julius Muhr (1819—18vs). Muhr gestaltet mit leichter Grazie und freut sich an der wssichcn Tönung des Inkarnats. Seine vornehme Menschlichkeit tritt auch in einem Männcrbildnis der Ausstellung zutage. Der Maler war der Sohn des großen jüdischen Gelehrten Abraham Muhr lind stammte aus Obcrschlesien. Er ist als Bei fertiger der von Kaulbach cntworfelien Fresken im Berliner Neuen Museum bekannt. . Bon derlichtu»ld schatlcngesättigten enipfindsamen Ausdrückswcise Joseph Israels' (1824—1911), in der man das Lyrische des jüdischen Gefühlslebens zu erblicken gewohnt ist, enthält die Sammlung mehrere Beispiele: ein kleines Interieur in weicher Oelmalerei wie auchrnchrcre Radierungen und Zeichnungen. Neven Joseph Israels vertritt dessen Sohn Isaak (der v< Wochen im Alter von 6v Jahren tödtlich ver in einer holländischen Zeichnung das an Ren klingeirde malerische Sehen seiner Heimat. - [ MaxLiebermann und LesserUvy vertreten mit mehreren Gemälden und Radierungen^ den Impressionismus. Liebermanns großes Männcrbildnis in CM gibt ein beredtes Beispiel des raschen Erfassens der menschlichen Erscheinung, eine Begabung, die bei jüdischen Künstlern oft auftritt. Einen Genuß bereiset die Betrachtung j>er Handschrift Liebermanns, feinet dicht über und nebeneinander aufgetragenen Striche, in denen das zuckende Leben der Linien, Töne und Reflexe vibriert. Lesscrllrys Naturbetrachtung richtet sich in der Häupter ein paar mglückt ist) librandt ansache auf die Darstellung des starken Lichteffekts und eines feuchten Glanzes. Anter den Künstlern, deren Tätigkeit mit dem Beginn unseres Jahrhunderts anseht, begegnen wir wieder einem begabten Schlesier. Der früh verstorbene Alfred G r ä tz e r (18?5—1911) zeigt in einer Reihe kleines Arbeiten eine im wesentlichen graphische Begabung. Mit empfindsamem Strich greift er die weichen Töne der Luft und der Oberfläche auf (Landschaften) oder folgt der Bewegung der herbstlich gekrümmten Aeste („Hospitalgarten"). Seine figürlichen Darstellungen zeigeil die gleiche Innerlichkeit. In einer Koje sieht mail eine kleine Gedächtnisschau für den vor einigen Jahren verstorbeilen Breslauer Kunstkritiker und Maler S. L a b o s ch i n. Wir begegnen seinen in Breslau gut bckannteil naturalistisch gehaltenen Bildern, wie dem „betenden Juden" u. a. Unter deil Graphiken fällt sein letztes lithographiertes Selbstporträt auf. Die 'besonders vollständige Samnilung junger Kunst verdient naturgemäß unser lebhaftes Interesse. Hier zieht uns etwas mehr an, als allein der ästhetische Genuß an Denkmalen bereits zurückgelegter Küiistlerwege. Hier ilehmen wir qn einem Werden teil, das unser ist, das aus den Zweifeln, Mühen und Zielen unserer Tage eiltstand. Hier können wir alle Phasen eines Reifens mitcrleben. Hier finden wir vielleicht in ciller unwirklicheil Traumwelt unserer Tage Antwort auf nianche Frage unseres persönlichen Seins. Hier wird für uns gestaltet. Der Breslauer Kunstkreis ist vollzählig vertreten. — Willi Braun zeigt u. a. Landschaftsaquarelle mit saftigem Farbenauftrag, breit hingemalt, - und kräftig gezeichnete Portraitskizzen, in denen er die äußere Aehnlichkeit des Dargestelltcn in Verbindung mit dem Ausdruck des inneren Wesens wiederzugebcn versucht. Einer andereil Sphäre gehört die sensible Frauenkunst Paula Grün seid s. Sie sieht die^ Welt in zarten Farben und Linien. Ihre Sehnsucht nimmt in zierlichen Blumengewächsen und in leicht hingehauchten Silhouetten schwebende Gestalt an. Isi Aschheim stellt Landschaften und Blumenstilleben aus; dazu einige Aquarellskizzen, in denen die Eindrücke seiner Palästinareise wiedergegcben sind. Von den Breslauer Künstlern wäre ferner Charlotte Köbner zu nennen, die zum ersten Mal ausstellt. Sie zeigt mit lebhaftem Pinsel vorgetragene Naturausschnitte. I. Kon Muhr: Der giriert tnabe Phot. C. Pfeiffer yfC/ ist mit zwei Arbeiten aus letzter Zeit, ‘ cincr7 in Blöcken aufgebauten Stadt und einem farbigemStilleben vertreten, Margot Abraham mit mehreren zum Dekorativen neigenden Arbeiten. In dem Vorraum hat Arthur Schwarz Proben seiner Gcbrauchsgraphik ausgestellt. Wir sehen Ehrenadressen, Entwürfe in hebräischer Schrift, Reklameblätter usw. Schwarz versteht Schrift und Ornament klar und wirkungsvoll auf der Fläche zu verteilen. Von den in Berlin lebenden Schlesiern begegnen wir Eugen Spiro mit einer frisch leuchtenden „Dalmatinischen Landschaft" und seiner breit gemalten „Lesenden"-. Immer wieder freut man sich an dem kultivierten Vortrag dieses Malers. Von Ludwig Meidner

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