Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 12 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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} . 1 Breslauer Südlsch es Gemeindeblatt t. 12 Schr Theodor Herzl: Gesammelte zionistisch« Theodor Herzl: Der Judenstaat. 9. Ausl Jisrael. Volk und Land. Herrmann Junker: Die Aegypter. David Koigen: Das Haus Israel. Thomas Mann: Joseph und seine Drüdef. Mitteilungen des Forschungsinstitutes fü» isten. 1933. I. Dd. -2. Teil. hebräisch« Dichtungen l. Jesajas Preß: Neues Palästina Handbuch (Hcsesaal) Martin Salomonski: Zwei im andern Land Schlatter, Schmidt, Stoll: Das alte Testament. I. 6. Schicht: Don der Franckfurter Juden ^Vergangenheit. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung. Hans Tihe: Die Juden Wiens. Max Wiener: Jüdische Religion. Der KirttirrKreiS und die Vreslauer Organisationen Aus der Erkenntnis, daß auch in Breslau eine Zusammenfassung und organisatorische Vereinfachung des! kulturellen jüdischen Lebens notwendig ist, wurde der Kultur kr!ei s geschaffen. Durch ihn sollten Mißstände, wie sie der letzte Winter Leigte, beseitigt und der Gemeinde Leistungen vermittelt werden, die in Form und Inhalt den Forderungen entsprechen, die wir mit Riecht an sie stellen können. Da» jüdisch-kulturell« Lebens, Breslau wird von jeher dargestellt von den große« Oereiniguugeu, zu der«« Aufgabe di« Pfleg« des Geistige« gehört, uud vo« ihnen, di« Tausende oo« Menschen in sich oereinen, wurde stet» in ausgiebiger Weis« und mit Erfolg an der Erhaltung und Gestaltung geistiger und kultureller Belang« gearbeitet. Es entsprcht den Forderungen unserer Zeit, daß in ihnen jetzt mit ^besonderem Eifer und besonderer Sorgfalt diese Arbeit vertieft und ausgebaut wird. So ergab sich denn für bien Kultur kreis mit Notwendigkeit die Aufgabe, gemeinsam mit den erprobten und erfahrenen Vereinigungen an der Durchführung seiner Pläne zu arbeiten. Aus der Züsamsnenfassung aller Kräfte für diese« Zweck mußt« die Ilebersicht über den Stand und die Art des kulturelle« Lebens in Breslau gewonnen werden» innerhalb des 5kulturkreises mußte die gegenseitige Fühlungnahme[i><r Organisationen, die schon seit Jahren erstrebt wurde, zu einer Percinhcitlicbung und Vereinfachung der Veranstaltungen führen. Die häufig unangenehmen lleberschneidungen u»d die unerwünschte Häufung von oft gleichgerichteten Veranstaltungen wird vermieden, wenn man voneinander weih, was beabsichtigt ist. Daß dies« Anschauungen nur der Förderung «ine» geregelten kulturellen Leben» dienen können, haben di« ver-^ «iuigungen anerkannt «nd^sich berät erklärt, sich im Ehrenausschuß dem Kulturkrä» zu verbinden, und in mehrere« Bespreckunge« hat es sich bereits erwies««» daß dies«» 8»- iWimenarbeiten für all« Kräs« von wefenllichem Ruhen ist. Von dieser Verbindung wird di« Selbständigkeit und da» Eigenleben keiner Organisation berührt, wie stet» wird ihr Arbeiten von den Notwendigkeiten bestimmt werden, di« ihrer inneren Struktur entsprechen. Im Laufe der Arbeit unter einem gemeinsamen großen Gesichtspunkt wird sich zunehmend zeigen, daß diese Art eines Anschlusses an ein« Dachorganisation weitgehende Vorteil« ideeller und materieller Art zu geben imstande ist. 'Bei den Veranstaltungen der Organisationen, in denen künstlerische Kräfte zur Mitwirkung benötigt werden, wird der Kulturkrcis deren Vermittlung übernehmen. Er sieht seine vornehmste Aufgabe darin, die einheimischen wertvollen Kräfte, di« von den Zentralstellen leider recht selten herangezogtzn werden, zu fördern und ihnen Detätigungsmöglichkeiten zu verschaffen. - Mit den Mitgliedern de» Ehrenausschusses haben über Veranstaltungen des Kulturkreises, die wegen ihrer Bedeutung rpeiten Kreisen der Gemeinde zugänglich gemacht werden sollen, eingehend« Besprechungen stattgefunden, und in llebereinstimmung mit ihm werden sie zur Durchführung gelangen. So geht denn aus dem Gesagten hervor, daß di« Derbindungzwischen den Breslauer Organisationen unddem Kulturkreis Hetze st ellt ist, und daß das bisherige Zusammenarbeiten zeigt, haß so ein geregelte», einheitliches, gepflegtes und beftiedigendes kulturelles Werk in Breslau geschaffen werden kann. Der Ehrenausschuß seht sich zusammen au»; Sr. Benno L i « g n « r <Log«uo«rband der U. 0. B. 25.), Frau 9t. Elf« Weidner (Schwesternveränigung'der U. O.B.D.), Dozent Dr. Sl a b i n (Zionistische Vereinigung), Prof. Dr. Siegfried Fischer (9 «ichsbund jüdischer Frontsoldaten), R.-A. Dr. Erich Dry (Eentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens), Frau Margarethe Wack smann (ILd. Frauenbund), Frl. Hilde David (Ortsausschuß jüd. Iugendverbänd«), Philipp Lach» (Rel. liberaler Verein), (Volkshochschule), San.-Rat Dr. W a s b Freunde). vozent Sr. Lewkowih utzki (Gesellschaft der Haftspielfahrl -es Kulturbundes Wenn der Kunstfreund des Abends er besinnlich den Klängtn der Instrumente und erregt zittert, wenn die perlenden Töne t cs Klaviers wie ein warmer in Konzerffaal sitzt, wenn lauscht, ein rvenig atemlos und einwiegen, oder ein dann weiß dieser glückliche kxincswcgs spüren, wieviel all diese Musikmcnschen, — Sprühregen niederfallen und ihn einlullcn Geigenton ihn hellwach und ftisch macht, — Kunstgenießer nichts darion und darf cs auch Mühe, Arbeit und Anstrengung cs kostete, bis 39Orchestermufikerund3Dirig>ntcn, zusammengebracht worden sind zu dem einheitlichen Ganzen, das sich am Abend, in der „Atnwsphäre des Konzerts", dem Publikum vorstellt. Da ist doch jeder Einzelne der Orchc terleutc eine Persönlichkeit für sich. Jeder hat seine Nöte, Aengstc, Einsprüche und Eigenheiten. Alle kommen sie vor dem Antritt der Tournee und wünschen noch dies und jenes. Es find die Sorgen des Künstlers, die Sorgen um die Instrumente, um das Konzert, die viele derart erfüllen, daß sie sich in den Tagen vor dein Kdnzcrt kaum mit etwas Anderem beschäftigen. Vor allem sind.es die Sorgen um die Instrumer tc, die ihnen auf der Seele liegen. Sie wollen sich auf der Reise von ihrem Handwerkszeug nicht Kennen, ja, es gibt im Kulturbundorchcstc: eine Musikerin, die nicht einmal auf einer Ueberlandfahrt im Autobus ihr Cello aus dem Arm ließ. Wetin dann die Stunde der Abfahrt gekommen ist und alle erst pünktlich am Bahnhof hersammelt sind un > sich unter der Regie des Gastspiel-Leiters zusammenfinden, entsteht sogleich jene Stimmung, die schon etwas von dem Ernst und der Frcudigleit echter jdunst in sich birgt. Bei aller Heiterkeit und Freiheit jedes Einzelnen sind sich doch die Musiker bewußt, daß sie »unterwegs mit Beethovm und Mozart" Schönstes und Erhabenstes zu bieten haben. Obwohl e» nicht leicht ist, 43 Menschen i mtcr fester Regie zusamnicnzuhalten, so spürt man doch bei Allen cim n Willen, der sie stark und eindeutig erfüllt: die eigene Persönlichkeit znrückzustcllen für das Ganze. Sie wollen Bestes geben. Wollen Kunst ve rmitteln. Eine Stunde der Besinnung schaffen, die Menschen lösen von den schweren Bedrückungen und Sorgen des Alltag«. Jeder der 43 M tsiker, ob Dirigent oder Orchestermann, weiß, ich diene mit meinem ganzen Können den Menschen, die mich gerufen habe», Musik zu hören. Ilnd so koinmt es,j daß eine Ernsthaft!, kcit und Stärke die Künstler erfüllt, die sie die Hetzjagd und alle Nerv, sitäten einer Tournee leicht überwinden läßt.; Zuletzt klappt dann immer alles. Die Herren Dirigenten können ruhi | in ihren Eckplätzen sitzen, der Cellist kann beim Anblick der vorüberhüshendc» Landschaft ein.wenig ttäumen, di« erste Geige hat dieses Mal war keinen Eckplatz erwischt ist aber dann doch zuftieden und bescheidet sich, die zweite Geige im Eisenbahnabteil zu spielön, ohne schlechter Laune zu sein. Und am Abend, nachdem sie dann alle untergedracht sind und nocb eine anstrengende Sihprobe absolviert haben, die sie'mit den neuen Räum und Podium verttaut gemacht hat, — wenn die, dene i Privatquartiere zur Verfügung gestellt wurden, sogar nocb ihre Lie äingsmahlzeit eingenommen, haben, — dann gehen sie voll' Spannung und mit dem fast kindlicben Eifer, der das Wesen jedes wahren Kunst ers ist, an die Arbeit: eine Arbeit, die für uns Hörer ausschließlich Erh, lung bedeutet. L. P. Zweites jfymtifpottM'ftottfwt öes Kulturbundes linier dem Eindruck diesesAbends erhebt sich zunächst die Frager können wir deutschen Juden schon die Distanz aufbringen, die notwendig ist, um die Bedeutung eines solchen Konzerts voll zu würdigen? Haben wir uns. nicht all zu rasch daran gewöhnt, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, — oder auf den aktuellen Fall angewandt: eine so vortreffliche Gesamtleistung jüdischer Musiker als etwas durchaus Selbstverständliches zu betrachten? Man wird das letzte ilicht leugnen können, man müssen, daß in dieser kleinen „Sch Stärke liegt.! Denn sie ist der sicher Verantwortungsgefühl, das gerad : von jeher der Kunst entgegenbrach t> das zweite Breslauer Konzert des im großen Konzerthaussaal gehött Anerkennung des Gebotenen dieses wird aber auch zugeben väche" eigentlich unsere te Beweis für das hohe' die deutschen Juden en. So mancher, der i^ulturbundes-Orchesters hat, wird bei aller iinmerhin schon respek-