Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 11 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Breslauer Silbisches Gemeinde bl att Nr. 11 Km Grabe -es verewigte« Reichspräsi-e«ten Wenn eine der ganz großemPersönlichkeiten vom Schauplatz des irdischen Geschehens abtritt, so scheint es,,dis ob für einen Augenblick der Atem der Weltgeschichte stocke und plötzlich eine große gähnende Leere eingetreten sei. Dieses Gefühl legte sich lähmend über Deutschland, als die Kunde durch den Aether getragen wurde, daß Hindenburg, der siegreiche Feldherr, der weise Staatslenker, der gütige Mensch, die Augen für immer geschlossen habe. Die Trauer um -diesen gewaltigen Mann ist grenzenlos in allen Kreisen und Schichten der deutschen Bevölkerung, wölchen Standes oder welchen Glaubens auch immer und sic i^t ebenso ccht^wie tief. <2s spricht für die Bedeutung des Dahingegangenen, daß sein Entschwinden für viele Tage die Presse der-ganzen Welt beschäftigt hat. And so verschiedenartig sie sonst sein mag^ für Hindenburg fand sie nur Worte der Anerkennug, auch die der ehemals feindlichen Länder. Kein Lob aber ist schwerwiegender als das aus des Gegners Munde. And ein französisches Blatt war es, das den Nagel auf den Kopf traf als es schrieb, es sei ganz gleichgültig, ob man Hindenburg als Genie ansehe oder nicht, denn Hindcnbllrg, erklärte diese Zeitung, war mehr als ein Genie: er war ein Charakter. In der Tat, diese Seite seines Wesens ist es, die mehr als seine großen Taten die Wirkung seines Erdenwallens zu einer dauernden machen wird. Denn ihm, als Idealbild eines Mannes der Pflicht, der den Kantschen kategorischen' Imperativ in sich erlebte und gelebt hat, wie wenige vor ihm, werden die kommenden Generationen nachzustreben sich mühen. Er wird, wie von? den früheren vielleicht nur Goethe, der Bildner der zukünftigen deutschen Persönlichkeit — und wahrscheinlich nicht nur der deutschen Persönlichkeit — werden. Viel ist in diesen Tagen von seinen Taten gesprochen ^worden, von feiner Tapferkeit von der 'Anbedingtheit seines Psiichtbcgriffcs und feiner Vaterlandsliebe, was beides in ihm zu einer Einheit geworden war, denn seine Pflichttreue stand stets im Dienste -des Vaterlandes. . Die deutschen Juden werden in Hindenburg zuvörderst immer den Netter des Vaterlandes sehen und darum sein Andenken ewig heilig halten. Danach aber werden sie sich mit Dank und Rührung daran erinnern, wie er die jüdischen Frontkämpfer stets in die hehre Kameradschaft einbezog, welche das Kriegserlebnis um alle, die für Deutschland kämpften und bluteten, geschmiedet hat und der er sich selbst unzertrennlich zugehörig fühlt«. Indem er das soeben gestiftete Kriegsteilnehmer-Ehrenkreuz ausnahmslos für sämtliche Kriegsteilnehmer bestimmte, hat er seine Auffäsiung vom Kameradschaftsbegriff noch kurz vor seinem Eingehen in die Ewigkeit erneuts zum A usdruck gebracht. So stehen wir trauernd und von tiefster Ehrfurcht ergriffen, an des verewigten Reichspräsidenten Grabe. And mit dem Gelöbnis, unser Dasein un> unser Schaffen nach dem von ihm gegebenen! Vorb verbinden wir den Dankesspruch, welch senden den Toten, die nach einem würdigen Leben zu Gott eingingen, jüdische Menschen nachrafen: „Das Andenken des Gerechten sei zum Segen!" M. R. In den Breslauer Synagogen wurde beim Gottesdienst am Sonnabend, 4. August, des Hinschei rens des Reichs präfstienten mit einem besonderen Trauergebete gedacht. Der Reichsbund jüdischerFrontsoldaten, Ortsgruppe Breslau, veranstaltete am Sonnabend, 11. August, unter großer Beteiligung der jüdischen Be völkerung eine Gedächtnisfeier für Hindenburg im Freunde saal. Der Führer der Breslauer Ortsgruppe des veranstal tenden Verbandes, Kamerad Elkeles, hob ansprache hervor, daß. so bedeutend bur Berewigte als Staatsmann und Feldherr gewesen sein möge^es vor allem der große Mensch sei, der von der ganze wird und dessen Andenken segensreich hleiben wird, weil es der Zukunft das Vorbild einer starken Persönlichkeit bietet, die ihr Leben in allein aus sittliche Ideale gestellt hatte. Das Vertrauen aber, führte der Redner weiter aus. das die einstigen Frontsoldaten mit ihrem großen Feldherrn verband, wird auch über seinen Tcd hinaus wirksam bleiben und sich in^ unverbrüchlichem Festhalten an den soldatischen Tugenden der Ehre, der Treu, und der Pflichterfüllung ausdrücken, wofür ihnen der Dahingeschiebene ein so herrliches Beispiel gegeben hat. Dsie Feier war von musikalischen Borttägen umrahmt. Der Breslauer jüdische Arbeitsnachweis Daß cs in Breslau jüdische Arbeitgeber und sogar Arbeitncbmcr gibt, die von der Cristen;- des jüdischen Arbeitsnachweises, — genauer: Arbeitsnachweis jüdischer Organisationen — keine .'Vcnattiiä haben, sollte man nicht für möglich halten, um so weniger, als .ja das Breslauer Jüdische Gemcindeblatt regelmäßiy Mitteilungen des Arbeitsnachweises vcrösfcntlicht. Cs gibt aber mehr solcher Leute als man gemeinhin anzunehmen bereit ist. Das must um so eher Wunder nehmen, als der hiesige jüdische Arbeitsnachweis nicht erst von heut und gestern ist, sondern bereits vor chiner R;rhc von Jahren geschaffen wurde. Durch die Neuordnung des Jahres l933 ist dann naturgemäß der Kreis der dem Arbmtsnacknveis . obliegenden Aufgaben stark gewachsen. Ursprünglich privaten Charakters, ist er längst eine von den Behörden anerkannte und genehmigte gemeinnützige soziale Einrichtung geworden, welche der Aufsicht des Landesarbeitsamtcs untersteht und für die jüdische Bevölkerung in Angelegenheiten der Arbcitsvcrmittelung die einzig zuständige Sonderstelle ist. Keine andere jüdische Organisation darf Arbeitsvermittlung betreiben. Selbstverständlich ist damit nicht etwa die jüdische Bevölkerung einzig und allein auf den jüdischen Arbeitsnachweis verwiesen, vielmehr hat auch der jüdische Arbeitslose sich zunächst an die Dienststellen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittelung und Arbeitslosenvcrsicherung zu wenden. Daneben aber k inn und soll er auch den jüdischen Arbeitsnachweis anrufe». Finanziell getragen wird diese scgensrcichc Institution, die bereits eine große Reihe von Arbeitssuchenden untcrgebracht hat und fortgesetzt weitere untcrbringt, von der und den führenden jüdischen Organisationen. Synagogcn-Gcmeinde Die Tätigkeit der leitenden Perfönlichkeittn beim jüdischen Arbeit snachweis ist .amtlich, bezahlt wird lediglich das an Zahl personal. Die praktische Tätigkeit des hiesigen Arbeitsnachweises , erstreckt sich übrigens picht nur aus Breslau, si: ist „i n t e r l o k a l", d. h. sie vermittelt Arbeitskräfte auch von- Ort zu Ort. Acußerst schwierig ist freilich ivegcn der dort Herrscher den Ucbersüllung die Unterbringung nach Berlin. Cs ist übrigens Einstellung von Juden verboten wäre oder nicht geduldet würde. Dies ist nicht der Fab. Der jüdische Arbeitsnachweis befindet sich lich Schweidnitzer Stadtgraben Frauen und für Lehrlinge beiderlei Gcschlcch Männer nachmittags^ 1 Was die Unterbring ungs- und Berufsmöglichleiten selbst anbclängt, so ist zunächst festzustellen,- I daß in der Landwirtschaft in Deutschland für Istden die Aussichten sehr unsehr geringe ehren- Büroein Irrtum, daß die von der Arbeitsfront in Breslau bekannt- 28. Sprechzeit für s.ist vormittags, für