Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-06-29 · 8 (29.6.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
8 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3970005-7569528-7569729--1986-3971853
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 8 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt 15 tw! Synagoge. Der Abendgotiesdienst begann soeben. Und auch jetzt bewährte sich wieder der vole Zauber einer Persönlichkeit, von der Jugendschönheit und Jugendkfast noch'nicht gewichen ist. Er hatte iit der sogenannten „Polischen" Borhalle des Gotteshauses — wahrscheinlich so benamset, weil daselbst die polnischen Bettler zu stehen pflegen, seinen Platz genommen; aber jeder, der an ihm vorüberkam, schenkte dem fremden, schlanken Dsanne einen Blick der Aufmerksamkeit, begrüßte ihn wärmer als di^ anderen „Gäste", ja der Gvmeindeoerwalter Joel Tagleicht ging so weit, daß er ihn ausforderte, drin im Gotteshause selbst seinen eigenen Betplatz mit ihm zu teilen, was ungeheuer viel bedeutete: Aber wie am Nachmittage die Einladung zum Tische, so lehnte der jungg Rabbiner auch diese Ehre bescheiden, aber durchaus nicht demütig ab; .Die Nacht war herabgesunken: tausend funkelnde Sterne standen am Himmel; ein leises L^iftchep spielte in den Haaren des jungen Rabbiners und fächelte seine heißen Wangen, als er nach beendigtem Gottesdienste durch die „Gasse" schritt, jenem kleinen, und versteckten Häuschen entgegen — wo ihn sein sabbatliches Leibgericht erwartete. Bald hastete er seine. Schr ite, bald hielt er wieder zögernd inne; einman däuchte es ihm, als önne er nicht rasch genug zu den Genüssen im Hause Leser Kollins eil« n, dann fand er eine Art Vergnügen daran, sich diesen Genuß so lange als möglich vorzuenthalten . . . So kam es, daß er, «>ls er endlich das Haus erreichte, und in die Stubp eintrat, schon die ganze Familie um den Tisch geschart fand, wie sie eben die althergebrachten Gesänge, die die Ankunst des holden Sabbats feiern, in abwechselnden und doch harmonisch ineinander klingenden Weisen sängen. Obenan saß Leser Kolli», der arme Mann, der aber in diesem Augenblicke aussah,, als hätte er Königreiche zu verschenken, neben ihm sein Weib in weißer Haube und ihr zur Seije das schöne Mädchen aus der Küche . . . Bon da an wogte es wie ein reifes Kornfeld von lauter Kinderköpfen, Mädchen und Knaben, jedes von ihnen ein aufgeschlagenes Gebetbüchlein vor sich. Der „Gast" war bescheiden an der Tür stehengeblieben. Eben stimmten sie d^n letzten Gesang an, den feurigen Hymnus des Königs Salomo aus das Weib, und mit seltsamer Gewalt umrauschten ihn die so osl gcihörtenFind doch niemals recht verstandenen Worte des vielerfahrenen Dichterkönigs: „Anmut ist Lüge und eitel ist Schönheit: eine gottessürchtige Frau, die werde gepriesen. Gebt ihr von der Frucht ihrer Hände und rühmt ihr Tun in den Toren." Sein reines Gemüt stand unter dem Banne eines Zaubers, den er bis dahin noch nicht gekannt hatte. Nun erst, nachdem der Gesang geendet, ging Leser Kolli» aus de» fremden Gast zu und gab ihm den üblichen Friedensgruß. -Es war gar fein von dem ordnen Manne, daß er den junge» Rabbiner, den er doch über den Sabbat zu verköstigen hatte, nicht nach Stand, Namen und Herkunft fragte. Noch hatte er ja sein Salz und Brot nicht genossen. Eine Weite darauf wurde das Nachtmahl aufgetragen. Man wusch sich die Hände^ Leser Kolli» sprach die Benediktionen über den Wein und das weiße Sabbatbrot aus; dann brachte die älteste Tochter, eben jenes schönt Mädchen, aus der Küche einen mächtigen Suppentopf herbei, aus dem sie jedem seine» Anteil in den Teller schüttete. Der „Gast" war ihr gerade gegenüber zu sitzen gekommen. lFortsehung folgt.) jüdisches Museum, Breslau Ausstellung von Werk«« jüdischer Künstler der Dergangrnheit ( In einer Pressekonferenz des Kulturkreises, Gemeinschaft der Freunde jüdischer Kultur»'Breslau, kam seitens der Abteilung „Bildende Kunst" zum Ausdruck» daß die Re i ch s k u l t u r k a in m e r ihre Genehmigung erteilt habe, dcrzufolgc im Oktober diesen Jahres eine Ausstellung von Werken jüdischer Maler und Plastiker i« unserer Heimatstadt Breslau veranstaltet wird. Diese Schau solk einen Querschnitt des Schaffens jüdischer Künstler, darstellen, die, in Deutschland geboren, auch hier studiert haben müssen. Die Auswahl der Werke erfolgt lediglich nach ihrer Qualität; sie ist unabhängig von der Auffassung des «Schaffenden. Das Verdienst» diese Schau ermöglicht zu haben, haben neben dem Kulturkreis das „5 ü'dische M u s e u m e. D." zu Breslau, nicht zuletzt seine Borsitzende», die Herren Mar Sllbcrbcrg und Felir Perle. «Tn den Räumen dieses Museuiys werden 6i>—80 bester Werke gezeigt und so eine Ausstellung von hohem künstlerischen Niveau geboten werden. Vorbereitende und aufbauende Arbeit leistet eine tcchniscbe §tvmmissioiy der Architekt M. H a d d a , als Leiter, die Kunstmaler 3 s i A s ch h e i m und Paula Grünfeld und Architekt, und Kunstmaler Tischler angehören. _ _ ■ - Don diesem großen weit über die' Grenzen unserer Heimatprovinz bcdcutungsvottem Werkendes .Kulturkreises zu Breslau wird noch ausführlicher zu reden sein. M. H. Silberhochzeit; " Am 4. Füll IW4 'Philipp Scdalscha und Frau Else, geb. F Reichmann, Freiburger Straße .V. 70. Geburtstag Am 12. Fuli 1934 Frau Doris 2Zaegeh. Zimt, Gellertstrahe 5._ v - \ Am724.~ Fuli 1934 Frau Hedwig Engel, "geh.' Bloch' Tauentzienftraße 7. .. 60. Geburtstag Am 26. Fuli 19.14 L e o, Leim e r, Herderstraße 10. Am 17. Fuli d. F. begeht Frau Fenn« Ko.chmann, Kaiser- Wilhelm-Straße 19», - ihre» 60. Geburtstag. Die Genannte bat viele Fahre hindurch im Kinderfürsorgedienst der Synagoge». Gemeinde wertvolle und ersprießliche Arbeit geleistet.. Darüber hinaus hat sie auch in einer Reihe von sozialen Organisationen sehr erfolgreich gewirkt und geschasse». V: - Ms einer Kleingemeinöe: Neumarkt in Schlesien Herr Bezirksrabbiner Dr. Wahrmaim aus Oels besuchte am 15. Juni die Gemeinde Neumarkt. Er predigte im Freitagabend Gottesdienst, nahm am Sonnabend abend an einer Sitzung des Ge meindeoorstandes teil und inspizierte am Sonntag den Religion» underricht des Herrn Lehrer Wagschal, iiber den er sich befriedigt f äußerte. /M» MCH* /fnf ÜfH! p Restaurant Kornbüuser 8cbw«idnitz. Stadtgraben 9 1-Etage Bebagl.Gesellscusfisräume r/\y Konditorei — Colt X X Raitaurant „MattUUaparfc“ Beihoff, MattblaspL 1. 8aal, Verelnszlmtner, Garten. Eig. KonditoreL Tel. 44113. Lleferg.tr. Haus Caie Sledner Die beliebte Konditorei Antonien Straße 8 Caie fahrig Zwingerplatz 2 caie KOnlg Gartenetrage 40 notei Adler hol .Oarteostr. 79, nnwelt Schvreldn. 8tr. Telefon 90694 and 34680 Moderne Zimmer, fließend. Wasser Mäßige Preise Konditorei Seellg Karleplatz 3 * Kaiser-Wilhelm-Ötraße 78 , rrflnklsdie Weinstuben Früher Häring Inh : Uesl Barwits Measerprasse 28 Der gemütliche Betrieb1 Uttauer’s Weinstuben and WelngroBbandlang Bing 60 Adoll Sdiönleld Inhaber: verw. Emma Schönfeld Kaiser-Wilhelm-Straße 62 Bäckerei / Konditorei / Calä ■ohenzolienstraoe 76 Konditorei, Cnti. Spexlalltlt: Eis Inhaber: Fritz Jauernick Lieferung frei Hans . Sie essen gut . \/\> n. preiswert im Restaurant X X derLa—Ina-Lof, Agnes- Straße 5. - Tel. 548886. . Mir lift.4 Sji.-S««. - Wtta^isife ud ia Uassal. Tauentzlen-Tbeoler das Kino “■ für Jedermann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.