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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-06-29 · 8 (29.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
8 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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14 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr 8 IPon meinem Stoßvater Wie man einst heiratete . r Don L. Kompcrt I. Fortjetzstng. Der Stube des Gemeindeverwalters sah man es an, daß sie inil dem Wohlstand auf vertrautem Fuße stand. Unterhalb der siebenzinkigen Lampen funkelten auf dem Tische vier schwere silberne Leuchter, die am heutigen Abende aller Aussicht nach einem vortrefflichen Nachtmahl ihr Licht spenden werden. Aber auch diesmal kant jener romantische Zug im Gemüt« des jungen Rabbiners zur Geltung. (fr lehnte die Einladung des Gecheindeverwalters dankend ab. „Wenn ich schon auf einen armeö Mann angewiesen bin." sagte er,, „so wird er auch Habens womit er mich verköstigt. Ich nehme ihn also an." ' ' . Und so mächtig war der Eindrucks den das seltsam vornehme Wesen des Gastes auf den Gemeindevsrwalter^ hervorgebrocht haben ntochte, daß er ihn bis zur Türe hinätiisbegieitele und die damals und hie und da attch jetzt »och übliche Entschuldigungsformel ihm nachrief: „Verzeiht mir," eine Ehre, die er bis dahin noch keinem „Gaste" angetan hatte. ' - ■ Wieder legte sich jenes feine, sinnende Lächeln um die Lippen des jungen Rabbiners. Fühlte er sich bksriedjgt? War'es das, was er gesucht und gesunden hatte'? Nicht ohne Mühe gelangte er fu dem kleinen und unansehnlichen Hause, -worin sein Zvsthcrr, an den ihn die „Plett" anwies, wohnen sollte. Er fand es endlich, vetsteckt. und schämig, hinter den andern Läufern der „Gasse", nachdem er in dem Lose, den er zu überschreiten hatte, mehrmals über einen Hausen spielender Zinder gestolpert war, von denen er annehmen mustte, daß sie insgesamt Sprößlinge -von dem gesegneten Baume Leser Zollins waren. Er trat in die osfenstehende Züchentüre. Anfangs gewahrte er nichts, das heißt, seine Augen konnten in dem finstern Raume, der nur im Hintergründe durch das Lerdfeuer fceletutjtet war, nichts Lebendes erblicken, dafür wurde jedoch ein anderer seiner Sinne, seine. Nase, in die angenehmste Mitleidenschaft gezogeii. Wie lieblich duftete und brodelte es.da hinten am Züchenfeuer! Pie in seinem Leben glaubte er eine süßere Reizung seines Geruchsorganes empfunden zri haben-, es stieg ihm förmlich berauschend zu Zopi. Dennjwenn ihn nicht alles täuschte, wenn alle seine Erfahrung sich nicht ass Stückwerk bewähren sollte, so waren das Fische in „Pkeffertunker, öie dort brodelten und dufteten - sein Leibgericht! j „Wer ist hier?' fragte mit einein Mal eine weibliche Stimme, die einem jungen Mädchen anzugehöreis schien. „Ich bins," sagte der junge Rablsiner und trat gebückten Hauptein die niedere Züchentüre, „und ich bringe eine „Plett" .auf den Sabbat." itste do: „Jetzt klagend. Noch später, es sein, erzählte der Gr^ über ihn gekommen Augenblicke vermögen er hätte nicht das klei denn wiewohl sie ihm Heißhunger, dessen et diese ,,Fische", die zischten, essen müsse, Fämilie dqrob vor iji. " V„®'e ganze mit einem schalkhaftes« läßt . . . Also der junge len deutlich entnehme^ noch trat er näher, u schönes, von der kaum siebzehnjähriges feslänge überragende „Wenn ich zu ich möchte noch jetzt der das Zwiegespräch will ich wieder gehen. „Wer sagt euch, Mädchen übereifrig, der Pfanne halb ge „Bleibt, bleibt nur, blMen." noch?" t inte es zurück, und es klang fast schmerzlich möchten seitdem etwa sechzig Jahre vergangen ßvater, wenn eine besonders gute Stimmung war: nichts in der Welt ' hätte ihn in diesem können, von der Schwelle jener Tür zu weichen: Mitleid mit der Klage des Mädchens gehabt; anscherz gegriffen, habe er es doch mit allem damals fähig gewesen, empfunden — daß er t in der Pfanne so verführerisch brätelten und tnd mochte auch Leser Zollin mit seiner ganze» nger vergehen. milie?" fragte dann gewöhnlich ein alte Frau Lächeln, das sich leider nicht wiedergeben Life spi d Pabbiner konnte es jenen zwei klagenden Wordaß er eigentlich nicht willkommen war. Denub nun standen sie sich gegenüber, ein blühend des Züchenfeuers flammenrot überstrahltes, Mädchen und der junge, sie um eine ganze Zop- Rabbiner... t gekommen bin," sagte er nach einer Weile und e. flüsternd geheimnisvolle Tonart belauschen, in dieser zwei Menschen damals geführt wurde, „so Zur Last fallen will ich niemanden." daß ihr uns zur Last fallen werdet?" rief das Oann stockte sie und stammelnd, die Augen nach lichtet, in der die Fische brodelten, sagte sie: Gast, es wird für uns alle noch etwas übrig Z)! feit fl Tu! Sie hatten nun dem jungen Rabbiner geschriebenen Zettel ü köstigung bei Leser terten. Darauf empfahl eingehülst, und er Dialektik seines im nen, ob diese Düfte, Lerde . . . oder aus Kollins kamen. ■ Mittlerweile wer der Nachmittag zu Ende gegangen, Der Sabbat machte seine Näle überall bemerkbar. Nachdem sich verjünge Rabbiner, so viel es sein mitgebrachtes Gepäck gestattete, festlich bekleidet, seine schwarz,n, wie ein nächtiges Gewölk niederhangenden' Haare geölt (er hielt in diesen Stücken viel aus das, was man äußere „Repräsentation" nent t) und auch sonst von der Herbergsmutter allerlei Aufmerksamkeiten l rfahren hatte, begab er sich in die naheliegende ilchts weiterer zu besprechen; nur das eine war nicht entgangen, daß, als er dem Mädchen den -ergab, der die Anweisung auf die Sabbatverllin enthielt, ihre Hände seltsamer Weise zit- ) er sich, Seele und Leib wie von Wohlgerüchen t hätte nicht entscheiden und mit der schärfsten lmudftudium geübten Verstandes beweisen könihm nachwallten, mehr aus der Pfanne am kurzen Gespräche mit dem Töchterchen Leser! ie dem Lewaldschel Kuranstalt >enfl jiTurr ■ Bad Obenlsk »«■ Breslau Sanatonuirf für Nirven- und Innerlich Kranke sowie Rekonvaleszenten Leitender Arzt: Prof. Or. Berliner Fadianl l Psfdiiatrie u. 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