Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 8 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Breslauer Jüdisches Gemeind eblatt Das Üfytnt) 3öec von den vielfaches» und ehrlichen Bemüht ngen uni de» Aufbau eines jüdischen Kunstlebens! in Deutschland spricht, der ivird niit hoher 7lnerkennung den Kulturbund deutscher Juden erwähnen »nüsscn. Richt, weil es sich siicr um eine Organisation von beträchtlichen» Ausmaß handelt, sondern »veil dieser Kulturbund — man »nag seine Arbeit im einzelnen beurteilen wie man will — wchrend der kurzen Zeit seines Bestehens in künstlerischer Hinsicht Hervorr igendcs geleistet hat. imponierend »var bereits, wovon auch wir in Dr»slau uns überzeuge» konnten, die Sicherheit, mit der das Schauspiel-Ensemble in z»vei klassischen Dramen eingesetzt »vurde. i Als weit bedeutender aber erivies sich die Verpflichtung von Sängcrij, instrumentalisten uni ■ Dirigenten, die zur Gründung der Oper führte und die es de»»» Kult»» Hund ermöglichte, als , dritte Hauptgattung seines Mirktgigsgebicts auc' die Orcbestermnsik z»i pflegen. Wie sehr diese Lösung den» Bedürfnis des jüdiscben Publikums entsprach, geht aus dem Erfolg des ersten hiesigem Kc nzerts hervor, welches das voir Gcneralinusikdiljcktor io sc pH Rose-» stock geleitete K u I t ri t b u n d - O r cd e ft e r unter tatkräftiger Förderung des „Kullurkreiscs" und des „Jüdischen Musikvereins" zu Breslau am 13. i»u»i im überfüllten Saale des Konzerthauses veranstalt» te. Das Programm, das die Berliner initbrachtcn, nannte ausschließlich Werke von Mozart tg-iiicll-Syinphonic) und Beethoven („Eginont"-L uvertürc und A-dup- Symphonie); also Gipfelpunkte der Tonkunst m»t gleichzeitig eine der heikelsten Ausgaben für ein so junges »ind durch seine Opcrnvcrpflichtungen stark in Anspruch gcnonmiejics Orchester. Aber das Vertrauen zu Roscnstock, das man auch hier nach den positiven Eindrücken der MoMt- und Offcnbach-Atlfführungcn gjelvonncn hatte, ließ oI(< -Bedenken hinter die freudige Ern'artrmg eines erlesene» Kunstgcnussc! zurücktrcten. Man »vurde »icbt enttäuscht: Rosenstock ist, »»> c dieser Abend zeigte, in der Tat inehr als «in befähigter Dirigent. Wenn man bedenkt, »vas er aus seihen etlva vierzig instrument erst imvcrgan teilen iahre, veranlaßt Situation, erlernten, »eint man iveitz, »»-eiche künsi licbcn Qualitäten, ein solches Aufbauiverk vorgusscüt, dann darf man ihn getrost als einen der idealsten Orchestererzieher u» screr Zeit betrachten, in das Wesen und die Struktur der drei herrlichen Werke ist Rosenstock so tief ciitgedrungen, dahier sie bis ins Kleinste auswendig dirigiert. Die Gefahr der leeren Pose «Konzert des Kulturbundes Musikern gemacht hat, von denen einzelne ihr von einer völlig ne»»en! tierischen und menschder jede Gelegenheit zur Berschönerung des Klang >ildcs benutzt, nicht zu fürchten, »seine Zeichengebung ist absolut klar u verstehen. Wenn sich im Laufe des Abends trotzdc »d keineswegs mißzum ein paar erhebliche Flüchtigkeiten — verpaßte! Einsätze und sogar falsche Töne — cinsiellten, so ist das z»»'ar durchaus n^cht eirtschuldbar, aber n die mangelirde Orchestererfahrung der Musiker zur an »oird es allein auf ückführe» müsseu. Bervundernswert blejbt darüber hinaus die Tatsache, daß Rosenstock kultiviert musizierende äser »»-erden »och sehr in überraschend kurzer Zeitspanne eine in» ganzen so Gemeinschaft hcranbilden konnte. Freilich, die B ä intensiv an ihrer technischen Bcrvollkonininung und an der letzten Einfühlung in den Gesamtklang zu arbeiten haben. Ad r schon ist der Streichkörpcr so vortrefflich geschult, daß er in bezug auf Reinheit der Tongebung j, Zwei hervorragend^ Mitglieder der Fa», der hiesigen jüdischen Gemeinde schon soviel herzigen Wohltätigkeitsssimes gegeben hat, Funi und Juli ihr 7öi Lebensjahr. Frau länder hat nicht nur in dem ihrer Obhut Verein seit vielen Fahren außerordentlich v Mütter und Kinder, Wöchnerinnen und Neugc! und ausbildungsbedürstigc Mädchei» haben Fürsorge erfreuen dürfet die ihnen in vornchnisi Aufhebens zuteil wurde.! Aber auch andere tionen erfreuen sich ihrer! allzeit tätigen Antcilnä Fast unglaublich scheint es, daß die nimvl bereite durch Venvandtschaft »nit Frau Clara bene Frau Hedwig Cstgel schon das' 70. Lcjb beherrscht und daher bra»»cbt man bei ihn», und dynamische Wandlungsfähigkeit den Bergleich »nit größeren und routinierteren Orchestern nicht zu scheuen hat und so vorderhand ein bedeutsames Gegengervicht zum Hol; »n»d Blech darstellt. Ain deritlichsten »vurde das in» jubelnden Ausklang von Dcctho»>cns „Egn»ont"-Ouvertürc und in den dithyrambischen. Ecksätzen scjrrvr siebenten Symphonie, deren Allcgretto übrigens in den ersten Takten allzusehr verschleppt »vurde. Starke Impulse gingen von der Wiedergabe der Mozartschen Symphonie^ aus, deren teils rührende, teils leidenschaftlich bcivegtc Klage sich »vohl allen für die Schönheit dieser Musik empfänglichen Zuhörern unvermindert mitteilte. Das Orchester »nid sei» Dirigent »vurde» mit Heller Begeisterung gefeiert. And man geht sicher nicht fehl in der Annahme, daß die Beifallskundgebungen nicht nur den Dank für das eben Empfangene sondern auch den Wunsch in sich schlossen/die Künstler recht bald wieder in Breslau zu ^hören. M a r t i n H a u s d o rf f. k^ * Wie in vorstehendem Bericht bereits angedeutct, stand das Konzert unter dem Protektorat des „K »»Itttcfrcifc s" und des „A ü d i s ch e n M U s i k v e r ei n s". Die beiden Organisationen arbeiten in engster Fühlungnahme miteinander, und der Musikverein ist dein Kulturkreis korporativ beigetreten.' Am Einvcrnehnien mit den» Kullurkreis »var der Abend zu einer großzügigen Werbung für den A ü d i s cd e n Musik verein bejtiitnnt. Die Programmhefte enthielten eine Beilage über Aufgaben und Ziele des Musikvereins, und juyge Damen warben i»' den Pausen »eüc Mitglieder, »vic »vir hören, mit recht erfreulichem Erfolg. Der Aübischc Musikverein »vill sämtliche in Breslau und Schlesien bestehenden nilisikaliscbcn Antcrcssen der jüdischen Bevölkerung zusanimcnfassen. Erj »vird h o ch »v c r't i g e Aufführungen mit f r c m den u n d einheimischen Solisten veranstalten und ist in-Zukunft der Träger des Chores und Orchesters. Der Chor, d»^r gegen hundert Mitglieder zählt, »vird auch »»-citerhin von Werner Sander geleitet, dev ihn im Laufe des letzte» Aahres geschult und in den Synagogcn- Korizerten zu beachtliche» Erfolgen geführt hat. Das Orchester besteht zuv Zeit in. der Hauptsache aus Streichern, »vird aber allinähljch durch Hi »zunahmevon Bläsern zu einen» großen Orchester ausgcbaut »verdek». Besonders erfreulich ist, daß der Musikverein Werken jüdischer Bersasscr und jüdische» Anhalts erhöhte Aufmerksamkeit zulvcndcn »vill, ohne-" selbstverständlich die allgemeine Musiklrlcratur zu vernachlässigen. Dieses Versprechen lvird bereits zu Beginn des Winters durch ein C lj o r k o n z c r l j ü d i s cb e n A » h a l t-s eingclöst »»'erden. Rack'— den» von» Dtrigenten ausgestellten Plan sind hierfür i» Breslau noch »inbekanute Werke aus der synägogalen Musik in Aussicht genominen, »ocilche einen intcrcssantcn llcbcrdlick über die geschichtliche Entlvicklung gewähren. Die Einzelheiten »vird der demnächst zusammcntrctcnde künstlerische Beirat des MzMvercins festlegen. Am »»'eiteren Derlauf dccj Winters sind Konzerte untcr' Mitlvirkung des Orchesters, Kammcrnnisikabendc, Konzerte mit Gesangs- und Instrumental-Solisten sowie die Aufführung eines Oratoriums geplant, daneben auch eine Reihe voll volkstümliche n Konzerten. Damit dcr Aüdische Mllsikvercii» seine Aufgabe erfüllen kann, müssen alle am musikalischen Leben interessierten Anden in Bresla»» und Schlesien ihm beitretc». Die Beiträge sind sehr niedrig. Sie betragen nur 0,50 RM. in» Monat oder jährlich nur 6 RM. als Mindestbeitrag und gclvähren bedeutende Vorteile durch-die Möglichkeit des Abonnements. Beiträge süid an die Geschäftsstelle des Vereins, Karlstr. 43, zu richten, Zählungen auf das Postscheckkonto Breslau ö 1520 »oder an die Dolksbajik „Wratislawia, Bresläu, Gartenstr. 34, zugunsten des Kontos des Aüdischen Musikvercins zuleisten. . 2wei Jubilarinnen lie Schottländer, die Peivcise ihres groß nden - im Monat Clara Schottcknvertrauten Frauen- Zielen Hilfe gebracht; lorenc, kranke Frauen ihrer liebevolle» ter Weise ohne viel Wohlsabrtsorganisahme und Förderung, ermüde, stets hilss- Schottlündcr vcrbunensjahr erreicht hat. r olle sich Stic ist seit vielen. Fahren Mitarbeiterin des Wohlfahrts-Anus der Gemeinde. Daneben führt sie das schwere Amt einer Schatzmeistern» der Ortsgruppe Breslau des Füdischen Frauenbundes. Für sic gilt das Wort „Fmmer bereit sein!"' Mit bewundernswerter Punkttichkeit und Genusienhastigkeit erfüllt sie jede Bitte, die an sie vom Fürsorge-Amt der Gemeinde oder von andern Wohlsahrtsorgani sationcn gerichtet »vird. Fn dieser Arbeit ist sic zum Vorbild für alle andern jüdischen Frauen geworden. Wenn das Füdische Moblsabrtsamt den Anlaß benutzt, um den beiden hochverdienten Frauel» seinen herzlichsten Dank abzustatten und ihnen die besten Wünschp für.ihren ferneren Lebensweg auszudrücken, so darf cs überzeugt sein, daß alle Gemcindcmitglieder sicb-i dem auks freudigste anlchlicßcn werden.