Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 7 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Breslauer Jüdische- Gemeindeblatt Nr. 4W meinem fixoßvater Wie man einst heiratete Don L. Kompert ' ' * Eigentlich sollte der Titel dieser kleinen, aber wahrhaften Genf,ichte ganz gndcrs laute»: deNu indem ich ihn niederschreibe, fühle ich mich in meinem Gewissen so sziemlich beunruhigt. Besser wäre es gewesen, wenn ich dafür gesetzt hätte: „Die Heirat um das Kopfstück eines Fisches", denn das hätte j dem freundlichen Leser, wie es jeder rechtschaffene Titel fall, sogleich tue.Aussicht eröffnet, was seiner am Ende wartet. Aber ich lasse, eknler Empfindung folgend, die in diesem Augenblicke außer mir schwerlich piohl einer begreifen wird, den obigen Titel stehen; ja, er muß stehen bleibfn, ich beharre mit Hartnäckigkeit darauf. Könnte ich doch sxlbst diese kleine, aber wahrhafte Geschichte nicht erzählen, wenn ich> nicht zu berichten wüßte, wie mein Großvater einst geheiratet hat! Nein, ncj^! Werdet nicht eucht ihr'Augen, und du Hand, zittere nicht, indem ihr euch bemüht, t ie freundliche Lichtgestalt aus meinen Kindertage»^',« Züge des Valets meiner Mutter aus seinem seit dreißig Ivhr;n geschlossenen Grabe wreder heraufzubeschwören. Wie Sonnenlicht spielt es um mich; Dazwischen gemahnt es mich, als ginge ich mitten im schreiben wie im Frühling« durch eine blühende Kirschbaumallee: ein leises Lüftchen erhebt sich, und nun tanzen und wehen die weißroien Blüten vor mir her, daß ich schier glaube, es gebe kn^, der Well nichtG Schöneres, und aller Gram und alle Erinnerungen leien damit, um sich ja nicht kenntlich zu machen, überschneit. Dabei bleibts auch! Recht lustig, wie hieses Geschichtchen selbst, soll die Stimmung sein, die mich im Weifererzählen begleite, und wenn dann iäiließlich dem Leser selbst — eine jener kleinen Kirschbäumblüten ins Gemüt iällt und daselbst für einige Zeit hasten bleibt, so betrachte ich bedas als den schönstes Dank, den ich ernten kann. Einen anderen gehre ich nicht. Wie man heiratete! Der freundliche Leser ersieht schon, daß l»ier von einer vergangenen, ja von einer längst vergangenen Zeit.die Rede ist. Denn als mein Großvater seine Augen zum ewigen Schlafe schloß, zählte er nicht weniger als achtundachtzig Lebensjahre; seit er draußen auf dem „guten Ort, " ruht, sind viele Jahrzehnte vergangen. Zählt inan diese Zeiten zusammen, so geht man gar nicht irre, wenn man an die Regierungsperiode Friedrich des Großen und Maria Theresia, so <twa einig« Jahre nach dem Hubertusburger Frieden, denkt, als es meinem Großvater in einer Freitagsnacht beikam, aus seinem ledigen Stunde herauszutreten, sich ein Weib zu nehmen, und eine Familie zu grür den. Wie es dabei zuging, will ich eben erzählen. In einer kleinen Gemeinde des nördlichen Böhmens herrscht! seit einigen Tagen keine'geringe Aufregung. Man erwartete den jurgen Rabbiner, und an einem bestimmten Tage war der Gemeindevorsteher mit einigen der vornehmsten und ältesten Männer fünf Meilen weit nach einer Stadt gefahren, um dort den sehnlichst Erwarteten feiei lichst - elnzuholen und nach der neuen Stätte seines Wirkens zu bcgl nten. Daselbst angekomn en, fand sich jedoch keine Spur von dem singen Rabbiner voch" alles Fragen und Umhersuchen erwies sich als f:ucht-> los. Sie kehrten nun etwas mißmutig wieder zurück; es wilr aist einem Freitag Nachmittage, als die ehrwürdigen Häupter der Gemeinde wieder in das Weichbild ihrer Heimat und Familien einfthren! Kopfschüttelnd hörte man die Kunde von dem nicht Gefundener an,| und triftete sich schließlich damit, daß man ihn sicher gesunden hätte, wenn der Brief, den man ihm geschrieben, angekommen wäre, darüber hatte man keine Bestätigung. Mittlerweile war der junge wenn auch in einer andern Gestalt bekleidet, als man mit den in drei Rabbiner dennoch angekorimen, und mit einem andern Charakter e »zeitig oorauszusetzen berechtigt war. Beinahe gler schönen Kutschen einherfahrenden Gemeindeästesten Denn Am Sonntag, den 24!!Juni, 20’M Uhr findet im großen Lessingsapl eine Kundgebung des Breslauer Misrachi statt: ..Volk und Tradition" (Palästina, wie es ist und sein soll). Es sprechen folgende Herren:; Seminarrabbiner Dr. Ra bin Professor Dr. H eiine mann Rabbiner Dr.' Simonsohn Is'i Eisner (Von efer Misrachi- Jugerd Berlir).! ' Alle Mitglieder der Synagogengemeinde siod s— eingelader. ... Zurück Di. j|i! Heil Inner* Krankheiten Kais.-Wilh.-Str. 29 EAt SdüllOTtrih j f- Zur ge fl. Beachtung! ■> Am Ih. d. Mts. geht meine Firma in den Besitz der t rau Klara Schiftan über. Ich danke meinen verehrten Kunden für das mirgeschenkte Vertrauen und bitte ergebenst, dies auf meinen Kachfolger za ■ übertragen, der das Geschäft ia meinem Sinne weiterführen wird. Ergebenst Nathan Jereslaw, Sonnenstr. 7. Gemäß obiger Mitteilung zur Kenntnis, daß ich mein Geflügelgeschäft von Gartenstr. 12 in das von mir erworbene Kolonialwarenand Delikatessengcs:1:äit von Nathan Jereslaw, Sonnenstr.’ 7, verlege. Ich bitte, mir das bisher geschenkte Vertrauen weiter zu bewahren, und ich werde stets bemüht sein, aüen Wünschen der werten Kundschaft voll zu entsprechen. Ergebenst Klara Schiftan jetzt m Fa.Nathan Jereslaw,Sonnenstr 7. TeL21S67 Sämtlich* Bestellungen auf Wunsch frei Haus. (Sonnabend Beschlossen.) Irodtin. BreseliQtz ir jeder Länge und Stärke zu Tagespreisen empfiehlt M" tEL HSfchenstraB* 52 Abholungen 1 von gut. Spenden werden nach wie vor prompt erledigt. Fernruf 31850. Wir beschäftigen ständig jüdische Arbeitswillige miinmiimiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiii Staatl. gapr. 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