Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 5 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. Bresl'auer Jüdisches Gcmeindeblatt Zuerst lenkt inan den Schritt zur Synagoge. Es ist' so, als od -aus diesen zerfallenen Räumen noch die Straft des Gebetes zu uns aufsteigt. Keine Thorarollc befindet i sich mehr hier, der berühnstc Silberschatz ist in die Obhut > des Vereins jüdisches Museum übergegangcn, der auch den Alineinor erworben bat. Der Almcmor, der hellte in der Mälzer Synagoge steht, ist eine Nachbildlmg des früheren. Von der Wand grüßt ciitl Gedenktafel, die an die Verdienste erinnert, die Friedrich Wilhelm II., der Nachfolger Friedrich des Großen, sich um die schlesischen Tludcn erworben hat. * Aber alles ift morsch und int Zerfall. Tlahrzeittafeln brechen auseinander; es kann keinen erfreulichen Eindruck machen, wenn man sich ail dieser Stelle sagen niliß, daß gewiß viele der Nachkommen der Zülzer Nuden ) zu Wohlstand in der'Welt! gekommen sind. Der alte Friedhof vor den Toren der Stadt gehört zll den stimmungsvollsten, die! es überhaupt in der Welt gibt. An einer Berglehne, in ein) ruhige und friedliche Landschaft ■ hincingcstcllt, kündet er mit steinerner Eindringlichkeit von I der Treue zmil Glaubeil unserer Väter. Schlicht und einfach wirken die Grabtafeln, keiyc erhebt sich über die andere, aber an deil Stilarten derSchrift können wir die verschiedenen Jahrhunderte auseinander^alten.?luch hier bricht manche in sich zusammen und verdiente Erncllcrlmg, bevor die Schrift unleserlich wird.?ser eine oder andere Nachkonliue hat für die Ernctterüng der Tafel seiner Ahnen gesorgt. Wir wissen, welche bedeutenden Gelehrten einst in Zülz gewirkt habeil. Sorgen wir dafür, daß diese einzigartige Stätte des Judentums auf deutschem Boden nicht weiter l i verfällt. Neben allen Sorgen um die Gegenwart und alleil Gedanken auf die Zukunft wird der Drciklang unseres i Wesens erst erfüllt, wenn wir auf die Vergangenheit achten. [ j Gerade tan Anden der Grpßstädte tut sehr häufig die Berührung mit der traditionsgebundenen Vergangenheit be- - sonders gut. ' Darum/deutsche Zudem, vergeßt nicht, in Dankbarkeit, das alte Zudcn-Zülz, das durch Jahrhunderte seine Juden geschirmt und bewahrt hat) und sorgt dafür, daß Synagoge und Friedhof erhalten bleiben für kommende Geschlechter. Breslau.! W i l l y E o h n. Altenheim _ | An, 30. April i>. H. wurde m ganz ftblichtcr Form das ngtie jüdische | Altenheim itii Geincinbehaus II, Scbioeibnikcr Stabtgraben 2S, cri öffnet. Zunächst fanddn dort >Lht hnsasscn Attfnahme, denen in den i nächste» lagen riet weitere folgen werden. hhre Unterbringung fand im Einvernebmc» und mit Unterstützung des städtischen Fürjorgeanito statt, unter dessen Obhut die Pflegebefohlenen dis jettt gestanden hatten, und dein wir ä» dieser Stelle fsr seine weitere i>itfc unser» herzlichen Dank anssprechen'.! Die Leitung des tieiine» ljcgt in de» Händen von Frau Protzen, die für diese Aufgabe die nötigt Sachkenntnis, ebenso für ihre Pflegebefohlenen das größte Derftandstis mitbringt. Bei der Eröffnung richtete der Vorsitzende unseres Gemeinde- Vorstandes, Herr Stadtrat a. D. Leff, warnte Worteder Begrüßung ch> die neuen Insasseni er dankte besonders Frau Paula Ollendorff, die sich für Errichtung des Heims mit voller Äingabe eingesetzt hat, und wies darauf hin, daß es kein Zufall wäre, daß! das Haus, in dein sich soziale Fürsorge von den jüngsten bis zu den besten hilfsbedürftigen der Geineindc ( betätigt, ihren Rainen trage. Herr Gemeinderabbiner Är. Vogelstein sprach den Dezernenten und Beamten des Wohlfahrtsamts den Dank für ihre bereitwillige Hilfe per der Einrichtung des Heims at s. Tlugendheiin und Altenheim gehören ' zusammen. Schon in alter Zeit sei die Verdindung zwischen jung und alt segenbringend gewesen. Scbi n Mose hatte dem Pharao geantwortet, als dieser auf die Bitte, das Vilk cher Huden ziehen zu lassen, fragte: „Wer soll mitgehen'?" „Die hegend und das Alter!" Cr wünsche für die Alten und die Hungen unter >em gemeinsamen Dache ciit^rfreulid'es Zusammenarbeiten, bei dem sie äußeren und inneren Frieden findeti mögen. Frau Ollendorff dankte d:n> Gemeindevorstand für sein großes soziales Verständnis und sein En gegenkommen auch diesem neuen Werke gegenüber aufs herzlichste; sie wünsche den neuen, hnsassen, daß sie in den schönen Räumen, die zwe>kmäßig hergerichtet worden sind, noch viele zufriedene hahre verleben mögen. Ein Rundgang durch die Räume, die hell und freundlich sind und / einen prachtvollen Ausblick auf den schönsten Teil des Breslauer Stadtgrabens gewähren, beschloß die! schöne Stunde, die allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hintprließ. Amtliche Bekanntmachungen der Synagogengemeinde Spnagogenbeitrag 1934/35 Der Herr Regierüngspräsident hat in folgenden Verfügungen voin 21. 1V./3. Y. 1934 die Erhebung der Kultusfteucr 1934 geinäß ddn Beschlüssen der Gemeindckörperschaften genehmigt: Der Negicrtmgspräsideitt Breslau 1, Lessingplatz Abteiltlng für Kirchen uild.'Schulen Geschäftszeichen und Tag meines I Scbreibens XI T. 5/222. _ den 21. April I§54. 2ln deil Vorstand der Synagogen-Gemeinde Hier I Wallsrr. 9 2luf den Eintrag voin lö. d. Mts. genehmige icb hiermit den Beschltiß der Gemcindekorperschaften voin 28. März 1954 wonach als Kultussteuer für das Haushaltsjahr 1954 55 25°„ Zuschlag zur Reichseinkonnnensteuer >955 u. 45'X, Zuschlag zur Reichsvermöge^isteüer >955 erhoben werden sollen. Hin Aufträge . ~ Beglaubigt: gez. Friedendorff (StempeU AntersGrift Reg.'5ianzleiangestellte Der Regierungspräsident Breslau l, Lessingplatz Abteilung für Kirchenu. Schtllwesen Gcschäftszeichen u. Tag meines Scbreibens: An den Vorsts» der Synagogeil-Geineinde " l". 5 222 - Hier I deit 5/ Mai 1954. Zm Anschluß an incin Schreiben voitl 21. v. Mts. 21 3. 222 — genehmige ich als Kultussteuer für das Haushaltsjahr 1934/35 neben der Erhebung eines- Zuschlages voll 25% zur Reichseinkommensteuer 1935 und 45% zur Reichsvermögensteuer 1953 die Erbebung eines gestaffelten Gemeiitdegeldcs in.Höbe von ö. RM. bis S0.— RM. ' ' . Znt?luftrage gez. Friedcildorff Beglaubigt (Stempel) gez. Unterschrift Reg. Kanzlciangestellte Beratungsstelle -er Spnagogengemeinde Breslau S p r c ch st u n d c n: Motitag, I I -15 Uhr, Beratung in Wandet umfsfragen; 12—13 Ahr. Beratrmg in Schulfragcn. > Dienstag, 11—15 Ahr, Beratung für Kauflcute tmd Handelsvertreter; 17 *, 4—18 JA Ahr, Bcratltng für Mediziner. ' Mittwoch, I I—15 Ahr, Beratung in Wandcrungsfragen; Beratusig für Handwerker; Bcratltng für Berufsumschichtung; Beratung für Haushaltslchrlingc; Beratung für Rentner, Fürsorge tmd Reichsversicherungsangelcgcnhciten. Donnerstag, 12—15 Ahr, Bdatung iy Schtllfragcn. Freitag, ll—15 Ahr, Beratung in Wanderungsfragen, Beratung für Kaufleutc und Handelsvertreter. Dienstag mid Donnerstag, 11 — 15 Ahr, Verein für gemeinnützige Möbcleittlagerung tmd Vcrwcrttmg.