Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 2 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V r e s l au e r I ü d i s ches Gemeindeblatt Nr. 2 einer in sich beruhenden, festen und einheitlichen Persönlichkeit. Er nahm die Bürde dieser exponierten Stellung auf sich, nachdem er infolge Erreichung der Altersgrenze aus seinem hohen richterlichen Aint geschieden war, also in einem Alter, da andere mit Freuden die Möglichkeit ergreifen, sicb procul ncgotiis auf ihren Lorbeeren auszuruben. Fast zebn Aabre lang hat er, der vorher schon fast ein Aabrzebnt bindurch dem Vorstände als Mitglied angebört batte, dann die Geschäfte des Gcmcindcvorsitzcndcn gefübrt. Ein Mann der Pflicht, der, ein Vorbild für alle Berufs- und Ebrenbeamte, mit nimmermüdem gleiße und eiserner Energie all den vielfältigen Aufgaben, die das?l»tt an idn beranbraebte, -ererbt zu werden wusste, ein .'lüde von starkem -jüdischen Einpfinden, der sich niemals durcb Parteistbranken einengen liest, der immer nur das -IlU'M der jüdistben Gesamtbeit im Auge batte und jedem nacb dem gleicben Ziele strebenden freundlieb und brüderliG die r,and re-iel'ke, ein Meuscb von innerer Feinheit, ' dessen tiefes Gerecbtigkeitsgefübl und gütiges Wohlwollen bei der Bebandlung jedes 7lnliegeiis, mit dem man an ihn berantrak, deutlick' wurde. Ein Mann von innerster Be» nbeidenbeit, der starkeil Respekt vor jeder Sacbkundc hatte und ebne jeden Starrsinn gern seine Meinung änderte, ivenn bessere Gründe ibn zu überzeugen wustteit- — so saben wir ibn in diesem vonmancberlei Anrubc bewegten Aabpzebnt seines 7knites auf der Kommandobrücke unserer Gemeinde walken. Die Ereignisse des lebten Jahves baden ihn, dem stolzen Anden und aufrechten Deutschen, schwere Wunden geschlagen, aber er. liest sich dadurch nicht unterkriegen. Aucb in den bittersten Tagen tat er mst ruhiger Selbstverständlichkeit, mit vorbildlichem Gleichmut, mit gottvertrauendem Mllte seine Pflicht. Von der Kraftquelle, die ihn dabei aus einer ungewöbnlich glücklichen Ebe zuströmte. wissen die 311 berichten, die ihn auch menschlich und versönlich näber steben. Ali» ist er. der 75iäbrige, alis Gründen, die dev Weisheit 'eines Gerzens nur Ebre machen, vom Fübrerainte zurückgetreten. 7lber er ist weil entferist davon, sich von seiner Arbeit und von denen, mit denen! zusammen er sie leisten durste, gtinz zu trennen. Das Antt des Gemcindcältesten, das ihn bei feinem Scheiden durch einstimmige Beschlüsse von Borsrand lind Gemeindevertretung übertragen worden in. gibt ihn nach der Salzung das Recht, mit beratender Stimme im Borslande lind in dey Allsschüssen, denen er bisber angebörl bat. nviler;n wirkjen. Er wird, wir boffen und wissen es, von diesem Rechte auqgicbig Gebrauch machen. Er wird dabei erfabren, dast das iGewicbt seiner Stimnle mit denl Verluste des Stimm rechts absolut nichts eingebiistt bat .... i , Möge er uns noch so lange, lan^e Aabre erhalten bleiben! Die bobe Berebrung, deren sieb der Jubilar überall erfreut, kam in zwei/stberaus würdigen feiern zu schönem Ausdrrick. Die eine.fand am 75. efeburtstage, dem 20. Aanliar, im Saale der Gemeindevertrjekung statt, dessen Wand - seit 5 Aabren sein von .^ünsklerband geschaffenes Bild trägt. Dabei überreichte ihn fein Amtsnachfolger, iWrr Stadtrat Lest. mir Worten wärmster AnerkeNnuilg die Ebrcnurkunde überfeineErnennung zunl Gemeiildeältesten. Das Rabbinat, die Beamtenschaft, die in der Geisleinde vertretenen Parteien. die gemeinnützigen und chjaritativen Vereine und Anstalten, alle'benutzten, die Gelegenbeit, um.durch ihre Sprecher dem Scheidenden zu teriicberir, wie hoch sie seinen Menschenwert und seine Arbeit einschätzen. Gebeimrat Goldfeld antwortete auf jede einzelne Ansprache mit Derzenswärme und oft mit jenem feinen und überlegenen Dunlvr. den seine näberen Mitarbeiter an ibm besonders icbatzen. ' - S» einer Huldiguntz noch persvnlicberen und intimeren Ebarakters gestaltete sicb dann di>f Feier, zu welcher der religiös-liberale Verein der Snnagogcngemcindc am 28. Ialtuar irn Saale der Spinoza-Loge alle diejenigen Persönlichkeiten und Organisationen, die ait der engeren und weiteren Gemeindearbeit irgendwelchen Anteil haben, vereinigte. Ohne j-den Unterschied vo 1 Partei und Richtung waren sie dem Rufe gefolgt und viederum kamen die gleichen Gefühle der herzlichen mensc »liehen Verbundenheit mit dein Gefeierten und der stärkste» Persönlichkeit und seiner Arbeit zu zeugenden! Ausdruck. Den Vorsitz im Vorstande hat c uf Grund einstimmig erfolgter Wahl seit dem l. Januar 197 4 Herr Stadtrat a. D. Georg Leßinne. ' Der Vorstandj setzt sich im übricen nach den mannigfachen Veränderungen, welche seit l cm letzten Erscheinen des Gemqindcblattcs cingetrcten sind, wie folgt zusammen: Georg Last, Stadtrat a. D., I. Vorsitzender; Dr. Freyhan, I. stellvertretender Vorsitzender; ein iürzlich freigewordener Platz wird demnächst neu besetzt Josef Bach; Dr. Ludwig Korn; R.- Hugo Sstanicr; Djr. Daniel Kränke! werden; Sc-R. Dr.!l. Spitz; Dr. Spcner; R.-A. Alfräd Wolfs; Ob. Mag.7Rat Dr, Guttmann; Fra l A.-R. Ollcndorff. Erklärung Der Beirat der Rcichsvcrtrctung der dcutschvn Juden hat am II. d. Mts. folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die Art uizd Wciw^iu her i merhalb der deutschen ach inncrjüdjsche Aussind, veranlaßt den deutschen finden zu Audcnhcit in der lctztcni Feit viel io clnandersetzungen geführt worde Beirat der Rcichsvcrtrctung bei folgender Erklärung: . Die Rcichsvcrtrctung der deutschen Aud-n beruht auf der Acbcrzeugung, daß die Trennende im Weltanschaulichen! tischen Arbeit die geschlossene ^Einheit des deutschen Judentums gebietet. Mag dies, s in sich auch noch so stark gegliedert! sein, keine Nicht »ng darf hoffen, durch rücksichtslose Vertretung einseitige: Grundsätze und Interessen, auch nur so viel zu gewinn« n wie eine Zerspaltung des deutschen Judentums der G »samtheit, aber auch in ihr selbst, schadet. Alle Kräfte müssen dem einen Ziel dienen, daß jeder deutsche Jude i n Vaterlands! nicht nür seinen Lebensraum findet, sondern seine, jüdische Ileberzeugung auch offen und frei bekcn ren und betätigen kann. Die Ausciniandcrsetzungen zu ischcn den verschiedenen weltanschaulichen Strömungen, die nicht unterbunden werden sollen, dürfen die durch die notwendige Solidarität gezogenen Grenzen nic>t überschreiten. Der Beirat fordert deshalb die Reichs icrtrctung der deutschen Juden auf, eine Einrichtung zur Schlichtung von Streitfällen zwischen jüdischen Verbänden, Gruppen, Institutionen und Zeitungen zu schaffe a. Die Reichsvertretung darf aber auch äußersten Falles nicht zögern, der jüdischen - OeffeNtlichkcit den bekannt zu geben, der gleichwohl ferncrbin den i Frieden und di: Einheit der deutschen Audcnheit gefährdet. ---7- ' ,. Einer würdigen Zukunft des ganzen deutschen! Judentums soll unsere Arbeit gewidmet sein! Anmerkung: 1 An den Beirat t cr Reichsvertretung sind ,1. a. folgende Persönlichkeiten g »wählt worden: Austizrat Dr. Julius Brodnitz-Berlin-Wilmprsdorf, Professor Dr. Martin Buber-Hcppenhcim a. d. Bergstr., Professor Dr. Asmar Elbogen Berlin, Gehcimrat Professor Dr. Falken! »eim-Königsbcrg/Preuß., Gchcstnrat Goldfeld-Breslau, Ltadtrat Leß-Breslau, Obcrlandesgcrichtsrat Dr. Reu nencr-Münchcn, Rabbiner Dr. Dogelftein-Bresl, u, . i Max M. Warburg-Hainburg, ' Oskar Wassermqnn-Bcrlin,, i Professor Dr. Willstätter-München, Kammergcricht^rat Leo Wolfs-! Zerlin.