Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 2 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i; «. j , . Breslauer 77 f H-Isihts SemeinDcblatt AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Schriftleltung:Dllrobir. Glaser,Dreslau,Wallstr. 9 Z Druck und Anzeigen - Annahme: Druckerei Telefon S42ld - Verlag: Hellmuth und Erich I Th. Schatzkg Attien-Gesellschaft, Dreslau 5, Schatz!^, Dreslau, Neue Graupenstrahe 7 Z Neue Graupenstraße 7 - Telefon 24468 u. 24469 Anzeigenpreis: Die S gespöttene Mittimeier-Äeile oder deren Raum li Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Nabatt Fllr die unter dem Namen beö Derfasser« erscheinenden Artikel und die Bereinsnachrichien übemehmen wir nur die preffegefetzliche Berantwottung!' \ li. Zahrg^ng Februar 1934 Nummer 2 Stnfm Gemeinde [ Für uns deutsche Juden bedeutet beute die Gemeinde } mehr denn jje. Seit gltem schon ist sieden Ihren immer wieder Zuflucht und Halt geworden, beruhigend und bergend, wie eiste trauliche, engere Heimat inmitten der großen. Wenn uns Huden Hoimatsinn, Heimatliebe, die seelische Verbundenheit mit deni Boden, der unsere Kindheit trug, mehr vielleicht als vielen anderen im Lande zu eigen ist, so daß wir über alle Trennung im Raum und über alle V Entfernung der Tage mit dieser Stätte unseres werdenden Daseins verwachsen hleiben, auch dieses Heimatsgefühl wurzelt zu e^nem wesentlichen in der Gemeinde. Es bleibt in uns tiefet und stärker, wenn unsere beginnenden Jahre von einer Gemeinde umfaßt und umhegt waren. Aber heute ist uns unsere Gemeinde noch mehr; sie ist uns fast wie ein Heim, wie ein schützendes Haus. Eine Geborgenheit inmitten so mancher Einsamkeit, eine Beruhigung in aller Unrast ist uns durch sie gegeben. Es ist, \ wie wenn jetzt so viele von uns einander erst fänden, einer ) dem anderen auch innerlich näher gerückt werde. Und mehr 7 denn je so mancher in seines Daseins Bedrängnis oder in seiner Seele Notdurft dies heute erfahren, daß kein Jude verloren oder verlassen! ist, so lange es seine Gemeinde gibt. Die große Zuversicht, diese Hilfe, die uns so nottut gegen ' Verzagen und gegen Verbitterung, der Glaube an einen Weg, an eine Zukunft, will durch die Gemeinde immer x neu werdey. Dem Juden, der ohne sie wäre, der neben c. jhr stehen wollte, würde auch sein Menschentum beeinträchtigt werden, sein Seelisches sich verengen. In der y Gemeinde leben, das gewinnt heute den ganzen Gehalt, den vollen Ton. Wie sollte ein Jude heute leben, in seinem Menschentujn leben, wenn er das Bewußtsein von seiner Gemeinde nicht hätte. Wer heute mit seiner Seele, mit seinem Opfer, mit seiner Hoffnung außerhalb der Gemeinde bliebe, der| wäre — dies Wort ly seinem absprechenden Sinne genommen —> der Ghettojudc. Damit erwachsen der Gemeinde, fast von Monat zu Monat, neue Aufgaben. Sie soll den Raum, die Hilfe und die Eingliederung für das gewähren, worin wir alle, die Alten ünd zumal die Heranwachsende Jugend, unser Menschentstm bewähren können oder, mit anderen und doch dassejlbe besagenden Worten, für alles das, was Gottesdienst fein kann. Vieles, was < einst neben ihr den oft weiten Platz'hatte, berlangt jetzt in ihr die sichere Stätte. Sie, die sich einst inmitten eines vielgestaltigen Lebens is vielleicht hatte beschränken dürfen und sich damit begnügte, ’ der Andacht, der Predigt, dem Religionsunterricht und dem Wohltun an Lebenden und Toten einen Bereich zu schaffen, soll jetzt Gemeinde des jüdischen Lebens sein. Es darf von ihr erwartet werden, daß sie zu all dem Alten so viel des Neuen in sich cinfüge: Erziehung, Schulung und Bildung, ja auch Erholung, Ausspannung, Erhebung durch die Kunst, und in diesen gestaltet sich ja das Wesen des Menschen meist noch mehr als in seiner Arbeit. Damit wird unsere Gemeinde nicht etwa verweltlicht — das Judentum kennt ja keine Scheidung von Bezirken der Religion und Bezirken des Lebens —; vielmehr kann vieles, was bisher oft weihelos und würdelos war, nun eine Weihe und eine Würde empfangen. Nur wenn politisches Trachten, parteiische Einseitigkeit sich dessen bemächtigen wollte, dann würde unsere Gemeinde verweltlicht und entweiht. Nur dann bestände auch die^ Gefahr, daß an Stelle eines schaffenden Aufbaues ein geschäftiges Getriebe träte. Zur geschichtlichen Aufgabe unserer Gemeinde ist cs geworden, Lcbensgemcindc zu,sein. Damit ist ein Letztes noch gesagt. Pflichten, die aus dem Ernste der Zeit geboren sind, lassen Grenzen und Sonderungen zurücktreten und fordern die Gemeinschaft, die Einheit. Wir sind jüdische Gemeinden auf deutschem Heimatboden, jede Mit ihrer Art, jede mit ihrer Sorge, ihrem Leid und ihrem Gebot. Aber über all dem Verschiedenen steht die eine, uns allen auferlegte gleiche Not vor uns allen die eine gleiche Aufgabe. Not und Aufgabe führen uns zusammen, enger denn je. Wir können heute nur die eine jüdische Gemeinde im deutschen Lande sein, die eine jüdische Gemeinde „Deutschland", die große Lebensgemeinde. Das zu verwirklichen, dem seine Weihe zu geben, das tritt vor uns als die heilige Mahnung hin, als Zeichen unserer Geschichte. Leo D a e ck, Berlin. Ccfteimtat gto (Bolöfdö, der MiiliWrWW« Wenn man in Deutschland das Wort „Geheimrat" hört, hat man — dafür hat wohl der höchste Träger dieses Titels, der „Geheimbde Rat" Goethe gesorgt — eine Vorstellung von Hoheit, Ernst und ein wenig Strenge. So sahen auch unseren Geheimrat Goldfeld manche, viele, die das Gemeindeoberhaupt nur ganz von außen her kannten. Aber eine solche Auffassung wurde doch höchstens einer Seite seines vielfältigen Wesens gerecht. FreUich sind Würde und Haltung ihm stets in besonderem Maße eigen gewesen, aber sie sind bei ihm nur das Widerspiel li