Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 10 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer F AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU Schriftleitung: Verwaltungsdirektor Dr. Rechnltz, Breslau, Wallstr. 9 Verlag: Büro der Sgnagogengemeinbe, Breslau, Wallstr. 9 - Telefon 21611/12 Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Th. Schatzfg Attien-Sesellschyft, Breslau 5, Neue Graupensiraße 7 Telefon 24468 u. 24469 ' Anzeigenpreis: Die 6 gespaltene MiMmeler-Zeile ober deren Raum ib Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt , Elvr die unter dem Namen des Verfasser« erscheinenden Artikel und die Dereinsnachrichten übernehmen Mir nur die prelfegefetzliche Derantwottung 9. Jahrgang Oktober 1Y32 Nummer 10 Aufruf zur Winterhilfe! s ( VreSlauer Frauen und Männer! Ihre Opferwiüigküit hat es der Breslauer Volkshrlfe (Winterhilfe) ermöglicht, im vergangenen Winter den unschuldig in Not Geratenen durch Zusatz-Lebensmittelspcndcn eine kleine Beihilfe zu geben. Die eingegangencn 890v0Mark konnten restlos dem Hilfswerk zugeführt werden, da alle Arbeit ehrenamtlich geleistet worden ist. Die Breslauer Volkshilfe (Winterhilfe) nimmt ihre Arbeit wieder auf. Neue Opfer jedes einzelnen sind nötig, helfen Eie uns durch laitfende monatliche Beiträge oder einmalige Spenden, helfen Eie uns sammeln und werben! I Lassen Sie Ihre helfende Liebe größer sein als die eigene Not! Breslauer Volkshilfe (Winterhilfe) Oberpräsidium, Älbrechtstraße. PostscheckkontoNr. 6924. Ä« unsere Bemein-emilglie-er! Wirwollen helfen! Durch die erfolgreiche Sammlung des Vorjahres konnte im vergangenen Winter in vielen Fällen die Not unter unseren Gemeindemitglicdern gelindert werden! Wir wenden uns daher erneut vertrauensvoll an die Opferwilligkeit aller derer, die noch etwas erwerben oder ein Einkommen haben. Jeder einzelne sollte im Rahmen „eines Gemeinschaftswerks aller Erwerbenden" für alle die eintreten, deren Los Arbeitslosigkeit und Elend bedeutet! — Auch der hilflosen Alten, der Kranken, der verschämten Armen wollen wir nicht vergessen! Wir hoffen, daß unsere Gemeindemitglieder — neben der Breslauer Volkshilfe ---unserer besonderen großen jüdischen Not gedenken, und daß unser Aufruf nicht ungehört verhallt. / Wer nicht gleich eine größere^Summe entbehren kann, von dem werden auch monatliche Spenden — auf den Winter verteilt — gern angenommen. Auch die kleinste Gabe ist uns willj kommen! Wir bitten, die Spenden auf das Postscheckkonto des Jüdischen Wohlfahrtsamtes Nr. 8635 freundlichst einzahlen zu wollen mit der Angabe, welchen Betrag wir der „Breslauer Volkshilfe" überweisen sollen und welche Summe für den „Indischen Notstand" bestimmt ist. Jüdisches Wohlfahrtsamt. San.-Rat Dr. Dach. P a u l a O l l e n d 0 r f f. ._ — \ Der 85. Geburtstag v. hinöenborgs am 2. Oktober 1932, der auf den diesjährigen.zweiten Kausch hu schonoh-Sag fiel, gab den Herren Rabbinern Anlaß, teils im Vaterlandsgebet, teils in der Predigt rinferes Reichspräsidenten dankbar zu gedenken, der im .Krieg und im Frieden seine ganze Kraft in vorbildlichem Pflichteifer trotz seines hoben Alters dem Wähle des Vaterlandes widmet. Das Gebet der ganzen Gemeinde vereinigte sich in den, Wunsche, daß Gott diesen ausgezeichneten Führer unserem Väterlande noch lange erhalten möge. : Aum 85. Geburtstag hinüenburgs bat auch der Rcichsblind jüdischer Frontsoldaten durch seinen Vundesoorsibenden, Hauptmann a. D. Dr. Leo Löwenftein, seine Glückwünsche ausgesprochen. Cr verband damit die klcbcrgabc des -ersten Cremplars seines Gebenkbuchcs sür die gefallenen jüdischen Coldaten des Wcltkrieges, das er gleichzeitig Mit einem Vlumenstrauft dem Generalseidmarschall überreichen lieh.' Reichspräsident von hindcnburg bat daraus durch einen eigenhändig unterschriebenen Brief geantwortet- Dcr Reichspräsident. - Berliiz. den Oktober 1932. Lehr geehrter Herr Dr. Löwenftein! Dem Rcicbsbund jüdischer Frontsoldaten spreche ich sür seine. Glückwünsche zu meinem 85. Geburtstage sowie sür die schöne Vlumenspendc und. das Gedenkbuck meinen! ber,zücken Tank aus. In ehrfurchtsvoller'Erinnerung an die auch aus Ihren Reiben sür das Vaterland gefallenen Kameraden ncbme ick das Buck entgegen und werde cs meiner Kriegsbückerci einverlciben. Mit kameradschaftlichem Gruhl gez. von Hindcnburg. Reform der spnogogalen Musik. Am 16. September 1932 wurde in dcr Synagoge' Lühowstraße, Berlin, ein vollständiger Freitag-Abend- Gottesdienst des Münchener Komponisten H einrich Schali't zu Gehör gebracht. Damit ist eine Bresche geschlagen in das Musik-Monopol, das in den Berliner Synagogen seit vielen Jahrzehnten die schwachen Epigonen der deutschen musikalischen Romantik inne haben, deren historisches Verdienst um den synagogalen Gesang niemand bestreiten wird, deren musikalischer und kultischer Wert für uns aber immer geringer geworden ist. Die heute wirklich lebendigen jüdischen Musiker streben einer ganz anderen musikalischen Gestaltung der Synägogcnmusik zu. die von jüdischem Geist und jüdischem Wesen getragen sein soll. Der Gottesdienst Schalits ist ein bedeutender Markstein auf diesem Wege, den man zu begehen erst beginnt und der bei dem Konservativismus der Synagogcnbesucher dornenvoll. genug werden wird. Seit Jahrzehnten zum ersten Male hörte man in der Synagoge eine Musik, deren Gesinnung irnd Instinkt als jüdisch-kultisch zu bezeichnen ist. Nicht nur ein Musiker bat hier geschaffen, sondern einjüdischer Musiker, ein jüdischer Mensch, der versucht, aus der hebräischen Sprache, ihrem Wertrhythmus, ihrem Sprachakzent, das ihr innewohnende Melos zum Klingen zu bringen. Daher zum ersten Male eine völlig richtige Betonung des hebräischen Textes. Auch die hebräische 7834