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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-08-01 · 8 (8.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
8 (8.1932)
Date
1932-08-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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I öS Breclaaer 2»»tfch-, OeneioteMafl Sir. 8! r Genie und ohne Originalität, als Plagiatoren der Welt, als Menschen ohne Größe, ohne Formen, ohne jTakt, ohne Grazie — all diese Verleumdungen, die den Thesen der Antisemiten so ähnlich find, haben die Weltmeinung gegen Deutschland »eraistet. Nur langsam seht sich die Wahrheit über Deutschland in der Welt durch. Gerade die große deutsche Nation, die dieses schwere unverdiente Schicksal erfahren hat, sollte in dev Beurteilung anderer vorfichtiger und kritischer sein. Gerade Deutschland sollte den kleinen antisemitische» Stationen vorangehen in der Kritik und Revision der Iudenfrage. Gerade das deutsche Volk, das mit Recht so stolz auf seine Sachlichkeit ist, sollt« nicht widerstandslos einem Vorurteil folgen, das fich auf Neid, religiösen Fanatismus und Halbbildung stützt. Die Revision der Iudenfrage ist darum nicht Sache der Juden, solcher,, dir, besten Deutschen. Wenn Deutschland den Antisemitismus ebenso überwindet, wie dies Frankreich vor einem Menschenalter in der Drcyfus-Krise tat, ist der Antisemitismus in der Welt erledigt: denn sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Osteuropäer werden sich vier der deutschen Autorität beugen. Diese Revision ist eine Gewissenspslicht Deutschlands, die Befreiung aus einer schweren Schuld und einem schweren Irrtum. ' Wer darum den Antisemitismus bekämpft, hilft nicht nur dem Judentum, sondern auch dem Deutschtum. Die ungeheure Mehrzahl der deutschen Antisemiten ist guten Glaubens und überzeugt vyn der Wahrheit der antiscmtischen Thesen, die sie gelesen oder gehört hat. Vir ungeheure Mehrzahl der "Antisemiten kennt die Juden nur sehr oberflächlich und macht sich ein Bild von ihnen, das mit der Wirklichkeit ebensowenig ijbereinstimmt, wie das Bild, das sich die Cntentevölker von den Deutsche» machen. Wer Gerechtigkeit fordert, sollte damit beginnen, sie zu üben. Deutschland fordert von ber Welt Gerechtigkeit und moralische Gleichbcrechtiguiia: es sollte damit beginnen, sie den Juden gegenüber zu üben und der Welt zu zeigen, wie ein großes Volk die Kraft findet, falsche Vorurteile zu überwinden und von sich zu werfen. Bibliothek -er Spnagogen-Hemein-e, Mger 8. Neuanschaffungen im Januar und Februar >422. Breuer, Salon,on: Belehrung und Mahnung (Aus nachgelassenen Schriften) T. 2, Exodus. Frankfurt a. M. >43>. t 3051b Fragen des jüdischen Ehegesetzes. Stenogr. Bericht der Verhandlungen der liberalen Rabbiner Deutschlands zu Berlin am 22. Mai >429. Frankfurt a. M. o. 8. ' 3610, 42 Heller, Otto: Der Untergang des Judentums. Wien 1931. 7719 Heppner, A.: Jüdische Persönlichkeiten in und aus Breslau. 1931. 3610,95 Lewisohn, Ludwig: Schellacks letzte Tage. Leipzig 1931. 7717 Löhr, Max: Das Asylwesen im Alten Testament. (Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft» Geistesw. Klasse 7, 3.) Halle 1930. 3610, 94 Marcus, Alfred: Die wirtschaftlich« Krise der deutschen Juden. 1931. 7715 Marcuse, Ludwig Heinrich Heine (Biographie). 1932. 7720 Mendelssohn, Mofies: Gesammelte Schriften, Bd. XI (Briefwechsel, T. 1, Hrsg. v. B. Strauß). 1932. 7668, I I Meyer.Eduard: Die ältere Chronologie Babyloniens, Assyriens u. Aegyptens). (Nachtrag z. Bd. 1 d. Gesch. d. Altertums.) 2. Aufl. dearb. v. H. E. Stein. 1931. | 3610, 88 Simon, Stanislaus: Mose b. Salomo aus Salerno und seine philosophischen Auseinandersetzungen mit den Lehren de» Christentums. Diss. 1931. 3610, 96 Soloweitschik, M., Hrsg.: Dom Buch, das 1000 Jahre wuchs. (Ein bibelwissenschaftliches Sammelbuch.) 1932. 7716 Stein, Edmund: Philo und der Midrasch, (Zeitschr. f. d. Alttest. Mssensch., Deih. 57.) 6090, 57 Weinryb, B.: Das jüdisch« Schulwesen in Sowjetrußland. (Sa. aus MGW8 Bd. 75.) 1931. 3610, 93 Zweig, Arnold: Jungs Frau von 1914. Berlin 1931. 7718 UachnthUn aus (Um VedatuU <Ur$ynagogui-§mmdai der SWins TlUderechUeUn Festtags-Gottesdienst. Die Derbandsgemeinden wollen ihre Anttäge auf Erstellung oder Dermittelung von Funktionären für die Gottesdienste an den hohen Feiertagen (Prediger, Vorderer, Minjanmänner) möglichst bald an uns gelangen lassen. Erwünscht ist di« Angabe, welch« Kosten für den Gottesdienst die bett. Gemeinde selbst aufbringt. Zur Entstehung des jüdischen Friedhofes in Mühlatschütz. In dem ..Hcimatkalender 1931 für die Ost-Grenzkreise Ramslau, Groß-Wartenberg und Oels"" befindet sich aus Seite 62 in dem Aufsatz: »Kunst- und Kulturdenkmäler in Mühlatschütz"" von O. Hochegger, Mühlatschütz, ein« intcresiante Notiz über die Entstehung des zweihundert Jahre alte» südischen Friedhofes in Mühlatschütz, die hier festgehalten zu werden verdient: »In mündlicher lleberlieferung eines Vefitzergeschlechtes wird über die Entstehung dieses Friedhofes berichtet: Vor mehreren hundert Jahren reiste ein jüdischer Handelsmann, von Polen und Ungarn kommend, nach Breslau. Seine letzte Station vor Breslau war.Mühlatschütz, deflen Besitzer dem Handelsmann mit seinen Leuten gastlich Unterkunft gewährte. Dias wiederholte sich Jahr für Jahr. Beide wurden älter, Ädelsherr wie Kaufmann lernten sich im Lause der vielen Jahre schätzen. Als wieder einmal der Händler Einkehr hielt, sprach ihn der Ritter um Vermittlung einer Geldanleihe a». Der Jude sagte zu und verpflichtete sich, das Geld zu besorgen, wenn ihm eine Bitte gewährt würde. Als, ihm dies zugcsagt, verlangte er, der hier jahraus, jahrein ein gastlich Ruhelager fand, eine bleibende Ruhestätte für seinen wandermüven. Körper. Der Grundherr erhielt das Darlehen» die Grabstätte wurde verbrieft, und als der Tod den Handelsmann von seinen Wanderfahrten erlöste, da brachte ihn seine Sippe hier im Walde zu Grabe. Seine Familie, seine Verwandten und Vettern ließen sich auch hier beerdigen, wo!ihr Patriarch ihnen eine Freistätte geschaffen hatte. So wurde her Friedhof immer größer. Tic letzte Beerdigung sgnd 1900 statt. > j Ramslau (Kultursahrt nach Stacdtel). Aus der Strecke zwischen Ravrslau und Carlsruhe OS. liegt das Dors Stacdtel, das einst eine' große Iudengemeinde mit eigenem Rabbiner beherbergte, von der heute nurInoch die gut erhaltcite Synagoge (1811 erbaut) und der malerisch gelegene Friedhof Zeugnis ablegen. Bis vor wenigen Jahren fand, in der Synagoge an den hohen Feiertagen Gottesdienst statt, der von den Juden der benachbarten Dörfer veranstaltet wurde. Seit einigen Jahren > steht die Synagoge verwaist da und wird ebenso wie der Friedhof von der einzigen jüdischen Familie, die im Nachbardorse Schwirz lebt, betreut. Dem Namen nach ist Stacdtel jetzt Filialgcmeinde von Ramslau. I- Am 12. Juni veranstaltete Herr Hermann Tischler, erster Vorstcher der Synagogengemeinde Ramslau, eine Kultursahrt nach Stacdtel, hie! zu eenem bedeutsamen Erlebnis für alle Teilnehmer wurde. Die Veranstaltung führte zahlreiche Besucher aus den Gemeinden Breslau, Oels, Bernstadt, Ramslau, Carlsruhe, Konstadt und Ohlau sowie die jüdischen Familien der benachbarten Dörfer Schwirz, Dämmer, Mangschüh und Carlsmarkt nach Stacdtel. Sie kamen, teils um die Stätte zu schen'an der ihre Vorfahren gelebt und gewirkt haben, teils um für einige Stunden aus der Einsamkeit ihres Dorflcbens hcrauszukommcn und im gemeinsamvn Gebet seelische Stärkung und Erhebung zu finden. In der festlich geschmückten Synagoge fand ein Minchagottesdienst statt, an den sich qine.i Seelengedenkfeier mit Predigt anschloß. Die Andacht wurde von Hcirrns Beztrksrabbiner Dr. Wahrmann, Oels, und Herrn Bczirkslehrcr Zarck, Groß-Wartenberg, ausgeführt. Hieraus besuchten alle Teilnehmer den' außerhalb des Dorfes gelegenen Friedhof. Mit einer gemeinsamen Fährt nach Carlsruhe OS-, wo alle Gäste noch mehrere Stunden gemütlich beisammen blieben, fand die erinnerungsreiche Veranstaltung ihren Abschluß. Allgemein ist der Wunsch laut geworden, solches Tressen in; Statzdtcl zur jährlich wiederkehrenden ^Einrichtung zu machen. , siiMchl Beianntmaitaogen der agnaiogenotauf^t i j Betrifft Kultus-Steuer! ' I Wir bringen wiederholt in Erinnerung, daß es bei Anträgen auf Stundung, Ermäßigung oder Erlaß unbedingt erforderlich ist, diesem Antrag den Kirchen st eüerbescheid oder den Machnzettel beizufügen.; Ebenso müssen Lohnsteuerpslichtige ihrem Anträge eine!! Einkommenbescheinigung des vorangegangenen Jahres und bei' Erwerbslosigkeit eine Erwerbslosenbescheinigung beifügen. > Anträge ohne vorstehende Unterlagen können wegen der erforderlichen Rückfragen nur mit großer Verzögerung erledigt werden. BreSlau, im August 1932. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde^ EigentumSplähe Reue Synagoge. Wir weisen wiederholt darauf hin, daß einige Eigentums- : Plätze (Männer- und Frauensihe) in der Reuen Synagoge durch uns verkauft werden können. Wir bitten Interessenten, sich! in unserem Büro, Wallstraße 9, zu melden, wo nähere Auskunft über Lage der Plätze, Preis und Verkäufer erteilt wird. Unsere Vermittlung ist selbstverständlich kostenlos. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde^ Bekanntmachung.! Der Gemeindevertreter Herr Richard Kempe hat sein Amt niedergelegt. Gemäß § 12 der Gemeindesatzung habe ich an seiner Stelle Herrn Rechtsanwalt Dr. Unikower als ständigen Gemeindevertreter einberufen. BreSlau, den 29. Juli 1932. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung.^ P e t s e r, Iustizrat.

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