Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-08-01 · 8 (8.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
8 (8.1932)
Date
1932-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3970005-7569525-7569705--1684-3971574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Breslauer AMTLICHES BLATT DER SVNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU Schrlftleituing: Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz, II Druck und Anzelgeü-Annahme: Druckerei Breslau. WaNstr. 9-Verlag: Büro der Synagogen- Th. Schatz»^ Attien-Gesellschaft, Breslau 5, gemeinde, Breslau, WaNstr. y - Telefon 21611/12 || Neue Sraupenslraße 7 Telefon 24468 u. 24469 Anzeigenpreis: Die ü gespaltene Millimeter-Zeile ober deren Raum 16 Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt. —m immillllHIllll HHtMMHMHMt.......... 5üt die unter dem Namen de« Verfassers erscheinenden Attikel und die Dereinsnachrichten libemehmen wir nur die pressegesetzliche Verantwortung i 9. Jahrgang __August 1932_ Stummer 8 SiiölurrgSfragen. Don Gemeinbeältest. Emil Wölbstein. Das unter der Wirtschaftskrise viel erörterte Problem „Stadtrandsiedlung für Arbeitslose" hat in jüdischen Kreisen ernsten und lebhaften Widerhall geweckt. Kein Wunder; denn es stieß dort auf eine andere, ihm aber verwandte Sorge, nümlich auf die schon sehr bejahrte Notwendigkeit einer Berufs- Umschichtung der jüdischen Deutschen. Gleichwohl hat sich der Gedanke jüdischer Stadtrandsied, lung bisher nur sehr spärlich ausgewirkt. Spärlich insbesondere im Hinblick auf lsie große Zahl der entwurzelten Juden, denen ihre Ansiedlung leine Rettung aus dem Elend dauernden Müßiggangs und zugleich einen Ansatz zur Erweiterung jüdischer Berufsarbeit bedeuten will. Aber die Wirtschaftslage^ die das Problem der Stadtrandsiedlung geboren hat, dieselbe ^Wirtschaftslage zeigt eine Verluden, die so weit- und tiefgreifend ist, armung der deutschen daß sie zu einer stärkeren Förderung jüdischen Siedlungsstrebens in absehbarer Zu den finanziell randsiedlungen, lehnen Zeit nicht imstande sein wird: en Nöten treten aber noch andere Bedenken. Die bisherigen, auch die jüdischen Pläne für Stadtsich fast ausschließlich an große Städte an, eine Angliederung/ die namentlich für Juden nicht zweckmäßig erscheinen will. Denn die deutschen Juden leiden außer durch Arbeitslvsigkeit und durch — gelinde gesagt — traditionell beschränkte Berufswahl, ebenso stark durch ihre Wohnpolitik, die mit der Entvölkerung der kleinen und kleinsten Gemeinden den größten Teil der deutschen Juden in einige wenige Großstädte zusammengeführt hat. Das ist, wie längst allgemein erkannt ist, ein arger Aebelstand,; und ihn sollte man bei einer Umgrüppierung der Juden nicht durch deren festere Verankerung mit der Großstadt noch vergröbern. Hiergegen wird man auf zweierlei Einwände stdßen. Siedler am Rande einer Großstadt werden dort die i erforderliche entgeltliche Beschäftigung leichter finden als anderswo. Das ist mindestens füf länger«; Zeit problematisch, wejl es eben der dauernde Arbeitsmangel ist, deretwegen die Menschen angesiedelt werden sollen. Aeberdies sprechen alle Anzeichen dafür, daß die Groß- und Großstadt-Vetriebe von Industrie und Handel sich verlegen und mehr als bisher übers jLand verteilen werden, so daß dem vermerkten Einwand eine Zukunftsbedeutung auch kaum zuzusprechen ist. Und als zweiter Sinwand tritt '.der Hinweis auf, daß bestenfalls hundert od«fk einige! hundert jüdische Siedler angesetzt werden dürften, eine Anzahl, deren Verteilung auf mehrere Großstädte an peren Bild nichts zu ändern vermag und deretwegen man die Anlehnung an eine Großstadt nicht zu vermeiden braucht. Aber — und das ist wesentlicher — hundert und mehr kleine Gemeinden könnten sichtbar gewinnen, könnten vor dem rapid voränschreitenden! Verfall bewahrt und gefestigt werden, kr.. wenn in deren Nachbarschaft einige Juden augesiedelt würden. Daß ein solches Ergebnis im Interesse des gesamten deutschen Judentums erwünscht ist, wird billig kaum jemand bestreiten. Allenfalls könnte die Bestandsmöglichkeit auf solchen Sicdlungsstellen angezweifelt werden. Aber da brächte es zum Beispiel die angezeigte Derufsumschichtung der deutschen Juden .mit sich, daß solche Siedlerstellen nur mit Handwerkern besetzt werden, die als Glaser, Monteure, Schneider, Maurer, Klempner etc. durch Verufsausübung die klnterbaltsbedürsniffe zu erwerben hätten, die die Bearbeitung eines kleinen Gartenstückes nicht abwerfen kann. . - Oder man schneide anstatt 700 bis 800 Quadratmeter Stellen von vier bis fünf Morgen, die annähernd scbon eine ausreichende Beschäftigung und auch Lebensunterbalt bieten können. Und so gäbe es noch mancherlei Eristenzsicherung, die übrigens in den meisten Fällen eine Frage der Person des Ansiedlers sein dürfte. . ' - Letzten Endes sei zur Frage der Finanzierung noch ein Wort gesagt. Da scheint nicht unbeachtlich, daß die Großstadtrandpläne, auch die jüdischen, geschloffene Siedlung von 10, 15, 20 Stellen vorsehen, während man für kleine Städte nur mit vier bis sechs Stellen zu rechnen braucht. Geschloffene Siedlungen müssen in einem Zuge erstellt oder wenigstens veranlagt werden, erfordern den Kapitalaufwand also auf einmal, was im anderen Fall nicht unbedingt sein muß. Kurz auch die. Kapitalbeschaffung für Randsiedlung an kleinen Städten kann mit Erleichterungen rechnen, die Großstadtrandsiedlungen nicht, zilstattcn kämen. Alles in allem erweist sich der Gedanke an Randsiedlungen in Anlehnung an kleine Städte, namentlich für Juden als beachtlich genug, um von den berufenen Fachleuten in Erwägung gezogen zu werden. Gememüevertreter-Sihung am 13. Juli 1932, Bericht von Tr. Rechnitz. _ Der Vorsitzende *Pe i s e r widmet zu Beginn der Sitzung dem verstorbenen Herrn Josef Deutsch, der edlen Patriarchengestalt und dem Wohltäter unserer Gemeinde, einen warm empfundenen Nachruf, den die Versammlung stehend anhört. Die Wahl eines Nachfolgers im Vorstände für Direktor Sander, deretwegen die Sitzung trotz der üblichen Iuliferien einberufen wurde, wurde auf Antrag von S p i .tz (lib.) vertagt, weil es wegen der Schwere der wirtschaftlichen Verhältnisse bisher nicht möglich gewesen sei, eine Zusage zu erhalten. — Die Grabpflegestiftungcn Thekla Rosenberg und Waldemar Derent werden auf Bericht von Kober (kons.) ohne Aussprache an-. genommen. Aus dem Verwaltungsbericht trägt der Vorsitzende P e i s e r vor, daß der Aufseher der Neuen Synagoge, Adolf Schmul, gestorben ist, die Stelle aber nicht wieder besetzt wird. Im Schulwesen sind nach eingehenden Beratungen die vom Etatsausschuß geforderten Ersparnisse von 3000,— M. erzielt worden. Der Vorsitzende danktinsbesondere den Herren 7834

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.