Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 3 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer 11 AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU Schrlftleltung: Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz, Breslau, Wallstr.Y - Verlag: Büro der Sgnagogengemeinbe, Breslau, Wallslr. 9 ' Telefon 21611/12 Druck und Anzeigen-Annahrne: Druckerei Th. Schatzktz Aktlen-Gesellschaft, Breslau 5, Reue Graupenstraße 7 Telefon 24468 u. 24469 Anzeigenpreis: Die 6 gespaltene JNiMmeter-Zeile ober deren Raum 16 Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabat« ...-...*. * «IMMIMIIIKMMIMMIM IMHMIIHIIMHIIIHIHlIHHIHHHtHIHtMlltlHIHMIHmiMn iiiiMiHiMiiHiiiMunniummimiiiHiDHimiMuiiHiHni IIIIWHHHtmiHHH Für die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Attikel und die Dereinsnachrichten übernehmen wir nur die ptesiegefetzliche Verantwortung 9. Jahrgang März 1932 Nummer 3 \ Lrrm neue« Eiaisjahr! . Betrachtungen von Rechtsanwalt Dr. Alfred Wolff, Breslau, j Gemeindevertretcr. Sorgen überall! Reich, Lander und Kommunen spannen ihre äußersten Kräfte an, um den wachsenden Kreis ihrer Aufgaben mit den verminderten Einnahmen in Einklang zu halten. Für unsere Synagogen- Gemeinde gilt nichts anderes. Roch konnte der vorige Etat, der die Millionengrenze streifte, im Gleichgewicht gehalten werden, weil durch die Rotverordnungetl und andere Amstände eine erhebliche Ausgabensenkung ermöglicht wurde. Aber 1932? Zwar werden wir ohne nennenswerte Schulden ins neue Etatjah r.gehen. Aber wir müssen mit weiteren starken Rückgängen unserer Einnahmen rechnen (etwa 80 Prozent der Roheinnahmen fließen aus Steuern!), und die Gesamtziffcr des Etats für 1932 wird hinter derjenigen des Vorjahres stark zujcückbleibcn. Don einem Milliotrcnetat kann nicht mehr die Rede sein. Die Decke ist überall zu kurz, die Rot wächst.! II. Die-heutige Situation kommt nicht überraschend. Vor einem Jahre bestellten die Gcmeindckörperschaftcn einen S p a r a u s s ch u h, tier sich mit allen Zweigen der Gemeinde- Verwaltung beschäftigte, Vorschläge ausarbeitete und dem Vorstand-fein Material ^überreichte. Einige Anregungen haben schon Verwirklichung gefunden. Trotzdem wird vielfach die Tätigkeit des SparauAchusses als unzureichend empfunden. Es wird aber meist übersehen, daß auch der Ausschuß über verfassungsmäßige unt>i substantielle Hindernisse nicht hinweggehen durfte. Es ryaren im wesentlichen vier A m - ständskomplexe> die radikale Änderungen von vorn herein erschwerten oder unmöglich machten: Die Verträge mit den lebenslänglich a n g e st e 11 t e n Gemeinde-Beamten, das Bestehen gewisser E i nrichtungen (z. D.der Synagogen), deren Vorhandensein bestimmte feste Ausgaben erfordert, die nur in nebensächlichen Punkten gesenkt werden können; das Bestehen zweier gleichberechtigter Riten (des konservativen und des liberalen), das häufig Parallelausgaben erfordert, dessen Beeinträchtigung aber an die Grundlagen jeder Einheits- Gemeinde rühren würde; die ungeheure Rot und das ständig wachsende Elend von zahlreichen Gemeinde- Angehörigen, die trotz Herabsetzung der einzelnen Zuwendungen einen sehr bedeutenden' und steigenden Wohlfahrtetat erfordern. Ein Wort noch zur Beamten frage! Man hört zuweilen Forderungen,!die radikale Änderungen des Beamtenkörpers und seiner Besoldung zum Gegenstand haben. Es muß aber erwidert tverden, daß die lebenslängliche Anstellung wohlerworbene Rechte gewährt, die selbst von den Notverordnungen nicht ang^tastet worden sind. Mag auch bei einzelnen Bezügen die Möglichkeit einer Veränderung durch anderweitige Einstufung gegeben sein, .so bleibt die rcchncriAe Auswirkung - doch' gering, zumal bei jeder Einstufung die Vorbildung und die Leistung des betreffenden Beamten nicht übersehen werden dürfen. Infolgedessen schlagen die hier möglichen Veränderungen etatmäßig wenig zu Buche. Für den Gesamtctat muß aber stets als^Grundlagc der Amstand - betrachtet werden, daß die Gehälter der vorhandenen Gemcindcbeamtcn ebenso wie die Pensioneu in Rechnung zu stellen sind und einen nicht unerheblichen Teil der Gennfindceinnahmen beonsprucben. -! . ' III.! ' •' Bei unverändertem St e uc r s a tz werden die Endziffern des neuen Etats mindestens 49 Prozent unter den . Sollziffern von 1931 und etwa 39 Prozent unter den entsprechenden Istziffern zu liegen kommen." Da die Istzjisfcrn - des letzten Etats fcbon die Ersparnisse durch die Notverordnungen in'sich schließen, wird der neue Etat w eifere Ersparnisse an der Höhe der Gehälter kaum aufwcise n können. Das. bedeutet die i Notwendigkeit, bei fast unverändertem Pcrsonalctatdeii Versuch zu machen, anderwärts tzr i n s p a r u n g c n! in größerem Amfange (39 bis 49 Prozent) vorzunehmen. Hier ergeben sich abcr^vor allem bei den Etats der Gemeinde-Einrichtungen, jene außerordentlichen S ch w i.er i g k e i t e n, von denen schon oben gesprochen worden ist. Eine feste Prozentquote läßt sich bei der Ausgabcnsenkung überhaupt nicht schematisch anwcndcn. Anderseits hätte die gebotene schonende Behandlung gewisser Etattitel die automatische Folge, daß sich andere Etattitel ü b e r h o h c A bst r i ch e gefallen lassen müßten, was rechnerisch am leichtesten bei denjenigen Titeln möglich ist, die — wie z. B. das Wohlfahrtsamt und der Subventionsetat — keinen großen f e st e n Apparat tragen. Dort ließen sich mit einen« Federstrich große Beträge einspareiz, und dadurch könnte auf dem Papier der einnahmcmäßig verminderte Etat ins Gleichgewicht gebracht werden. Aber es bliebe dann weder für Wohlfahrtsausgaben, noch für Subventionen jeglicher Art <in nennenswerter Betrag mehr übrig, sofern nicht zusätzliche oder erhöhte Einnahmequellen erschlossen werden. Die Erkenntnis dieser Situation hat mitunter die Auffassung ausgelöst, daß die Gemeinde beginnen müsse, ihren Aufgabenkreis a b z u bauen. Die Gemeinde müsse sich, sagt man, in Zukunft aus ihr eigentliches (?), das r <t 1 igiöse Gebiet (Gottesdienst, Seelsorge, Antcrrichl ^md t Reöaktionsschluß für die April-Nummer am 3. April. ' Die Schriftleitung. 7834