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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-01-01 · 1 (1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
1 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Bresla net Jüdisches Gemelndeblakl Nr. Michael Guttmann zum 60. Gebar »tag. Am6.Februar 1932 begeht Herr Seminarrabbiner P of.Dr.M ich a e l Guttmann seinen 60. Geburtstag. Freunde und Ver chrer danken ihm an diesem Tage für den reichen Ertrags seines gei tigen Schaffens. Mathematik und Halacha, Talmud- und Midraschforfc >ung, Religionsgeschichte und Apologetik zogen seinen Forschergeist in gleicher Weise an. Vielseitigkeit, Tiefe und Klarheit, Innigkeit und Lebensnc he find die Kennzeichen seines Geisteswerkes. Aus der Fülle ferner Arbeiten, die in hebräischer, deutscher, ungarischer, englischer und fran «fischer Sprache erschienen, sei an dieser Stelle nur aus einzelne Hingewi fen: Edition der Geometrie des Abraham b. Chrja Ha-Nassi, Einleitung in die Halacha, Mafteach Ha-Talmud (Realencyclopädie der talmudischen Literatur, bisher - 4 Bände), Monographien zur Geschichte der talmudisch in Methode und zum Geltungsumsang der mosaischen-Gebote. Auf die weitesten Kreise wirkte sein Werk '„Das Judentum und seine Umwelt". Universalität des Wissens, Forschertreu« in der klein rn Monographie, meisterliche Systematik in der Ordnung der überreichen Fülle talmudischer Stoffe und bezwingende Gestaltungskraft in den | umfi fsenden Werken gewannen Michael Guttmann die Bewunderung der wissenschaftlichen Welt und di» Hochschätzung aller Freunde jüdischen W ssens. Mit besonderem Danke sei hier noch seine wissenschaftliche Täti zkeit im Dienste apologetischer Aufklärung verzeichnet, die ihn aus der Zurückgezogenheit seines stillen Gelehrtenlebens in den Geisteskampf für die khre des Judentums und seiner kulturellen Werte führt. Bei der hervorragenden Bedeutung als Forscher sich;rn dem Jubilar Güte des Wesens, Geschlossenheit der Persönlichkeit urd Erfolge des Lehrers die Liebe und die Verehrung seiner Hörer wie die treue Freundschaft seiner Kollegen. Mögen Michael Guttmann noch viele Dezennien segensreichen Wirkens beschieden sein! I. R. Herr Seminarrabbiner Prof. Dr. Michael Guttmaim, geboren am 6. 2. 1872 in Felegyhsza (Ungarn), war mehrere Jahre uls Rabbiner in Esongräd (Ungarn) tätig, kam dann als Professor für Talmud und Dezisoren an die Landesrabbinerschul« in Budapest und airkt in gleicher Eigenschaft seit 4921, mit Unterbrechung eines Semesters 1924,'25, in dem er an der hebräischen Universität Jerusaletn Gastvvrlesr ngen hielt, am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau. i Professor dr. Gottstein: 25 Jahre Pein ärarzt. Herr Professor Dr. G e o r g G o t t st e' i n konnte an 24. Dezember v. I. aus eine 25jährige Tätigkeit als Primärarzt der chirurgischen Abteilung des Israelitischen Krankenhauses zurückblicken. (£: ist ein Sohn des hiesigen, einst sehr bekannten und geschätzten Fachar fes für Hals-, Rasen- und Ohrenkrankheiten, Professor Dr. I. Gottstein, und hat eine ausgezeichnete ärztliche Ausbildung genommen. 13 Jahr« arbeitete Herr Professor Dr. Gottstein als Assistenzarzt des unvergeßlichen Professor Dr. von Mikulicz-Radecki an der chirurgischen Univeisitätsklinik zu Breslau und stets hat er sich diesen weltberühmten Meister der Chirurgie zum Borbild genommen. Gottsteins ärztliche und wissensä afttiche Qualitäten wurden von seinem Lehrer Mikulicz außerordentlich geschätzt, und er stand ihm stets fördernd zur Seite. So konnte sich Gott tein im Jahre 1902 als Prioatdozent für Chirurgie an der Universität seiner Vaterstadt Breslau habilitieren. Nach dem am 4. Dezember 1906 erfolgten Tode des! Irioatdozenten Dr. Reinbach wurde Gottstein einstimmig zum Primärarz der chirurgischen Abteilung des Israelitischen Krankenhauses gewählt. . jier hat Gottstein in 25jähriger Tätigkeit mit unermüdlicher Arbeitsk -oft eine von hohem wissenschaftlichen Geist und humanstem Empfinden getragene Wirksamkeit entfaltet und di« chirurgische Abteilung dank seiner hervorragenden Kunst als Arzt, Operateur und Wissenschaftler zu stets wachsender Entwicklung gebracht. Wenn das Jüsische Krankenhaus, das seit jeher Patienten ohne Unterschied der Konfelsion zur Verfügung steht, sich in den weitesten Kreisen der Bevölkerung aus Stadt und Pi oomz größter Beliebtheit erfreut und gern aufgesucht wird, so ist dies mit in erster -QuaHtä aten zu CIh&v erkauf* - (prahen Wegen fieecftafte-lüerCig verkaufen wir unsere gesamten RestBe: in unseren bekannt hochwertigen Qi Kleider . Mäntel Jumper Huts zu einem kleinen Bruchteil des ung stände alitäten USW. Wertes M. Gerstel, Schweidnitzer Str. 10/11 Reihe dem ärztlichen Ruf« und dem hohen Ansehen Gottsteins zu verdanken. Behördliche Anerkennung für die großen Verdienste auf wissenschaftlichem Gebiete wurde Herrn Professor Gottstein bereits im Jatre 1907 durch die Ernennung zum Professor zuteil. Die zahlreichen wisstnschaftlichrn Arbeiten Gottsteins bewegen sich auf den verschiedensten Gebieten der Medizin und haben grundlegende Bedeutung. Seine Veröffentlichungen über Speiseröhrenerkrankungen, über Erkrankungen der Luftröhre, des Mastdarms, insbesondere aber über Erkrankungen der Blase und Niere haben in wissenschaftlichen Kreisen berechtigte An«rkennung gefunden. Auf dem Gebiete der Urologie hat Gottstein als Arzt und Wissenschaftler internationale Bedeutung. Für die Ausbildung junger Chirurgen hat Herr Professor. Gottstein sehr viel getan, wie die Anerkennung beweist, der sich die aus seiner . Schul« heroorgegangenrn Fachärzte für Chirurgie erfreuen. Auch zahlreiche tüchtige Krankenschwestern sind aus der von Herrn Professor Dr. Gottstein geleiteten Krankenpflegeschule des Jüdischen Krankenhauses hervorgegangen. Für seine zahllosen Patienten ist Herr Professor Gottstein jetzt wie früher nicht nur der unermüdliche Helfer, sondern auch der mitfühlende Menschenfreund im wahrsten Sinne des Wortes. Allseitige Dankbarkeit und Verehrung wird ihm aus den Kreisen feiner Patienten entgegengebracht. Der Vorstand des Israelitischen Krankenhauses hat-in dankbarer Anerkennung der großen Verdienste, die sich Herr Primärarzt Professor Dr. Gottstein um das Krankenhaus und seine Patienten erworben haf, ihm anläßlich seines Jubiläums die Ehrenmitgliedschaft der Humanitären Gesellschaft Chewra Kadischa, die Trägerin dieses Krankenhauses ist. verliehen. Von einer Jubiläumsfeier ist auf besonderen Wunsch des Herrn Professor Gottstein in Anbetracht der Notzeit Abstand genommen worden. . Mit den besten Wünschen für den Jubilar und der Hoffnung, daß derselbe noch recht lange wie bisher segensreich wirken möge, geben wir sicherlich hem Empfinden zahlreicher dankbarer Patienten und Verehret beredten Ausdruck.! 75 Jahre Zriedhof Lohestraße.!! In einem Schreiben des Vorstandes der I. K. D. A. an den Voystand der hiesigen Snnagogen-Gemeinde vom 6. November 1853 wurde daraus hingewresen, daß der Begräbnisplatz in der Claassenstrahe bald oollbelegt sein wird, und es wird daher gebeten, dafür Sorge zu tragen) daß baldmöglichst ein neuer Friedhof angelegt werde. Die Notwendigkei wurde anerkannt, eine Kommission, bestehend aus dem Gemeindevorstanh und Mitgliedern der I. K. V. A., gebildet und beschlossen, da weder die Gemeinde noch die Krankenanstalt über die hierzu ersorderlichen Mittel verfügte, die Kosten auf alle hiesigen Beitragspflichtigen umzulegen und einen Platz an der „Bohrauer Chaussee" für den ungefähren Preis von '4500 Talern anzukaufen. Bei einer später vorgenommenen Besichtigung erwies sich das Gelände als zu klein und der Weg zu demselben, besonders bei nasser Witterung, als schwer befahrbar. Es wurde daher gegen di« Verpflichtung, auf Gemeindekosten die noch fehlende Pflasterung oorzunehmen und alljährlich 60 Taler zu zahlen, die Erlaubnis eingeholt, den etwas längeren, aber weitaus besseren Weg durch das Dorf Neudorf zu benutzen, und es wurden ferner drei angrenzende Morgen Land für 600 bzw. 650 Taler pro Morgen hinzugekauft. Der Platz wurde alsdann planiert, bepflanzt und mit einer Umzäunungversehen; es wurden ferner Wege angelegt und di« notwendigen Baunchleiten errichtet. Die- Verwaltung des Friedhofes erhielt die I. K. P. rä., und die Uebergabe an dieselbe fand am 16. Oktober 1856 in Gegnzwark der Gemeindevorsteher Siegfr. Goldschmidt, M. I. Caro und Jsid. Friedenthal, sowie der Vorsteher der I. K. V. A., Heinr. Sachs, Heinr. Bernhard, Ed. Goldschmidt, M. Borchart und H. Bamberger statt. Mit dem Lohntutscher Rudel und dem Inspektor des alten Friedhofes Koppel wurden Berträge abgeschlossen, in der Hauptsache dahingehend, daß jener sich verpflichtete, gegen eine jedesmalige Bezahlung von 1 Taler und 5 Silbergroschen ,^wei gesunde und kräftige Pferde zur Bespannung des Leichenwagens und zur Beförderung der Leiche nach dem neuen Friedhof« zu stellen", und Koppel wiederum es übernahm, gegen eine vierteljährliche Entschädigung von \VA Taler „bei allen auf dem neuen Friedhof vorzunehmenden Beerdigungen von Personen von einem Jahre ab anwesend zu sein und die Anordnungen zur Waschung des Toten und dem hierbei üblichen Ceremoniell so rechtzeitig zu treffen, daß mindestens H Stund« vor Eintreffen der Leiche alles in erforderlicher Bereitschaft vorgefunden wird". — Inzwischen wurde der alte Friedhof, so lange es ging, weiter benutzt, und zwar bis zum 16. November 1856, an-welchem, vormittags 9 Uhr, die letzte Bestattung, die des Oekonomen Mor. Krochmall aus Lemberg, daselbst stattfand. Am Tage daraus starb, anscheinend an einer sehr ansteckenden Krankheit — denn die Leiche durfte nicht, wie üblich, gewaschen, angekkidet und in einem gewöhnlichen Holzsarge beerdigt werden —, der 3Hährige Buchhalter Löbel Stern, und da auf dem bisherigen Fried- Hofe kein Platz mehr frei war und der Verstorbene „so zeitig als möglich" bestattet werden mußte, sollte dies am 18.. nachmittags 2 Uhr, auf dem neuen Begräbnisplatz geschehen und hiermit die feierliche „Einweihung" des Friedhofes verbunden werden. Aber das Vorstands- Kollegium nahm aus wohlerwogenen Gründen von einer solchen Abstand, und es fand nur «in« feierliche „Eröffnung" statt, zu welcher außer dem Gemeindevorstand die Repräsentanten, die Vorsteher der I. K. V. A.. die Mitglieder der beiden Kultus-Kommissionen, die Einschätzungs-Kommission und die Vorsteher der Beerdiaungs^Sesellschaft vom Jahre 1844 emgeladen wurden, und bei welcher Dr. Geiger im Aufträge der Leidtrageichen die Trauerrede hielt. — Am 18. November 1931 waren also 75 Jahr« fett dem Bestehen des Friedhofes Lohestrahe verstrichen, und

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