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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-10-01 · 10 (10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
10 (10.1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Bteslanet Jüdische» wemeindeblal» 130 <1 . 1 ihnen selbst, sondern gleichzeitig auch unserer Gesamtheit: denn in jedem selbständigen Bauer, Gärtner und Handwerker bilden wir einen Lehrer und Meister heran, ünter dessen Leitung die jüngeren den/ gleiche» Berufen und den gleichen Zielen zugeführt werden können. Ein solches Ziel muh jeden Juden begeistern: wir müssen all unsere Kräfte anspannen, eine Gesundung des deutschen Judentums herbeizuführen. Ich bin überzeugt, daß der durch den Reichsbund für jüdische Siedlung beschrittene Weg der kürzeste und beste, ja oielleichl der einzige zu diesem Ziele ist.. Die Generation, der ich angehöre, wird die Früchte dieser Arbeit nicht mehr sehen. Ich schätze mich aber glücklich, daß das Werk der ländlichen Siedlung, dem ich seit einem vollen Menschenalter all meine Kraft und Leidenschaft gegeben habe, auch von dem deutschen Judentum j in die Hand genommen ist. Bei der Gründungsfeier des Reichsbftnd für jüdische Siedlung in Deutschland im ehemaligen preußischen Hersenhaus haben die berufenen Vertreter aller jüdischen Organisationen und Parteien ihre Zustimmung und Sympathie dem Siedlungswerk ausgedrückt. Indem ich meine große Freude über diese eindrucksvolle Einigkeil des deutschen Judentums ausspreche, mag mir diese Einigkeit als ein! weiterer Beweis für die Richtigkeit dieser Grundaussassung und Zielsetzung dienen. In diesem Sinne rufe ich unserer ersten jüdischen Siedlung Groß-Aaglow ein herzlich Glückauf zu. usw., sei es durch Fühlungnahme mit einflußreichen jüdischen Persönlichkeiten und Organisationen auch außerhalb Deutschlands. Von besonderer Wichtigkeit war es'auch für den, Hilssverein, daß Dr. James Simon dem Conseil der Jewish Colonization Association anzehörte und an deren Arbeiten stets lebhaften Anteil nahm. Er ist mit oen großen Problemen, welche die jüdische soziale Hilfsarbeit in den letzten Jahrzehnten zu bewältigen sucht, innig vertraut und bringt ihnen ingemindertes Interesse entgegen. In der letzten Jahlesversaiymlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden, in der ein Ueberblick über sein dreißigjähriges Wirken gegeben wurde, hat Herr Max M. Warburg-Hamburg der Verehrung für Dr. James Simon als Präsidenten des Hilfsvereins der Deutschen Juden durch die Worte Ausdruck gegeben: Eines Ihrer Herzenskinder zu unserem und vieler Mepschen Glück war und ist: der Hilssverein. der Deutschen Juden. Anläßlich seines KO. Geburtstages wird eine „James Simon- Stiftung" beim Hilssverein der Deutschen Juden geschossen, für die bisher zunächst von einer Anzahl dem Hilfsverein und^Dr. James Simon besonders nahestehender Persönlichkeiten, sowie von Organisationen namhafte Beiträge gezeichnet worden sind. ’ ' Dr. h. c. James Simon 80 Jahre. Am 17. September 1031 vollendete Dr. phil. I>. <-. James Simon, der weit über Deutschland hinaus bekannte und verehrte Wirtschastsmann, Mäzen- und Philanthrop, sein HO. Lebensjahr. Mit dem Namen James Simon ist ein wichtiger Teil der Geschichte des deutschen Judentums verknüpft. aber auch in die Geschicke großer Teile der Judenheit in anderen Ländern hat er als Mitbegründer und als jahrzehntelanger Präsident des Hilfsvereins der Deutschen Juden eingegriffen. James Simon wurde 1851 in Berlin geboren. Als Ches der weltbekannten Baumwollsirma Gebrüder Simon in Berlin spielte er eine sührende Rolle im deutschen Wirtschaftsleben, war jahrelang Vizepräsident der Handelskammer Berlin und Mitglied des Reichsbankdirektoriums. Er gilt als einer der feinsinnigsten Kunstkenner uud Kunstsammler und hat als Mäzen großen Einfluß aus die Gestaltung des Museumswesens ausgeübt. Die Berliner Museen haben ihm eine große Bereicherung ihres Besitzes zu verdanken. So schenkte er dem Kaiser-Friedrich-Museum seine Sammlung italienischer Renaissancebilder, Bronzen, Medaillen, Münzen usw., die in einem eigenen „James Simon-Saale" untergebracht sind, und seine Sammlung deutsches Holzskulpturen und Gobelins. James Simon war Mitbegründer der Deutschen Orientgesellschaft (1898) und beteiligte sich in starkem Ausmaße an der Finanzierung der Ausgrabungen in Mesopotamien (Babylon 1898—1912, Assur 1902—1914), Palästina (Jericho, Synagogen in Galiläa) und Aegypten (Abusir bei Cairo, Abusir-el-Meneq und el-Amarna 1908—1914), Kleinasien lBoghazköi). Dr. Simon betätigte sich in hervorragender Weise aus dem Gebiete der jüdischen Wohlfahrtspfljege, begründete und unterstützte eine Reihe sozialer Institutionen. Bis Ende 1929 gehörte er dem Rat der Jewish Colonization Association (Jtz'Ä) in Paris an. In dem Hilfsverein der Deutschen Juden nahm er seit seiner Begründung einen besonders hervorragenden Platz ein. Als der Hilssverein im Jahre 1901 geschaffen wurde, konnten die Persönlichkeiten, die mit Dr. James Simon zu seinen Begründern gehörten, darauf Hinweisen, daß, während in Frankreich, England und anderen Ländern seit Jahrzehnten repräsentative jüdische Körperschaften bestünden, die eine systematische soziale und kulturelle Hilfsarbeit für die unter politischem Druck und wirtschaftlicher Rot leidenden jüdischen Massen in Osteuropa und im Orient leisteten, in Deutschland eine derartige Organisation nicht vorhanden sei. Unter der Leitung von Dr. James Simon hat sich der Hilssverein der Deutschen Juden drei Jahrzehnte hindurch in Zeiten größter politischer Erschütterungen und ökonomischer Umwälzungen in weitem Ausmaße betätigt. * Kurze Zeit nach der Begründung des Hilfsvereins übernahm Dr. Simon den Vorsitz in demselben. In langjähriger Zusammenarbeit mit dem verewigten Paul Nathan hat er den Hilfsverein zu einer Organisation ausgebaut, die in engster Verbindung mit großen Körperschaften, wie Jewish Colonization 'Association, American Jewish Committee. Joint Foreign Committee, Allianre Israelit? Universelle stehend, stets aktionsbereit war und in Osteuropa und itn Orient eine vielseitige Tätigkeit entfaltet hat. I Das Schulwerk in Palästina und in den Ländern des nahen Ostens, * die Organisierung der Aussvandererfürsorge in Deutschland, die Durch- / führung großzügiger Hilssqktionen anläßlich der Pogrome in Rußland/ und Rumänien, bei Naturkatastrophen, während der Balkankriege 1912/13 und insbesondere im Weltkriege, ein weitverzweigtes Hilfswerk für die jüdische Jugend, vom Säugsingsalter angefangen bis zu erfolgter beruflicher Ausbildung — all das sind wichtige Teile der Arbeit des Hilssvereins, mit der Dr. Jametz Simon aufs engste verwachsen war und ist. Während des Weltkrieges unternahm er Reisen nach Stätten, wo die jüdischen Massen infolgcj der Kriegsoperationen besonders litten. Er bereiste Gebiete, die von der/ deutschen Armee okkupiert waren, um sich an Ort und Stelle persönlich üher die Lage der jüdischen Einwohnerschaft zu informieren. j 1 Dr. Simon stellte sich stets zur Verfügung, wo es galt, für die verfolgten Juden in osteuropäischen Ländern einzutreten — sei es durch Interventionen bei hohen1 Behörden, Auswärtigem Amt. Ministerien Errichtung einer Eopnbee-halle Wie wir hören, beabsichtigt die Jüdische Mittelstandsküche, E. V„ nach Uebersiedelung in die neuen Räume Gartenstraße 3,5 (Sonnenplatzeine Toynbee-Halle zu errichten. Don sollen ein Eintopfgericht oder ein Glas Tee mit Gebäck für 10 Pfennig verabreicht werden. Namhafte Persönlichkeiten haben sich zur Verfügung gestellt, die Abende durch .Vorträge und künstlerische Darbietungen besonders lehrreich und inter- ' essant zu gestalten. ' Wir begrüßen diese Absicht und hoffen. Laß es gelingt, diese in einem Geiste zu verwirklichen, der nicht den Beigeschmack der Wohltätigkeit trägt, damit der verschämte Mittelstand reichlich von dieser Einrichtung Gebrauch machen kann. Der jüdische Mittelstand, einst das Rückgrat der jüdischen Gemeinde», verarmt von Tag zu Tag mehr, und es wird viele Famiüen geben, die in den kommenden schweren Wintermonaten nicht mehr in der Lage sein werden, sich die Wohnung zu heizen, zu beleuchten und ein 'Abendessen, herzurichten. Mit diesen Kreisen kann nur der mitsühlen, der in der gleichen Lage war oder ist. Schon am Morgen wird das Brot „mit Tränen gegessen". Der Bäcker und der Fleischer wollen keinen Kredit mehr gewähren. Klage und Pfändung wegen geringfügiger Beträge kommen zur unpassenden Stunde. Trotzdem will man die Not nach außenhin verbergen. Man scheut die Oefsentlichkeit und will sich vielfach auch dem Wohlfahrtsamt nicht offenbaren. Ob diese Einstellung richtig oder falsch ist, wollen wir dahin gestellt sein lassen, eine Aussprache darüber wird diese Kreise ebensowenig belehren, wie auch den Selbstmord verhindern, der gerade in letzter Zeit so überhand genommen hat. Durch die Schaffung der Jüdischen Mittelslandsküche ist viel Gutes gezeitigt und der Not des Mittelstandes vielfach Einhalt geboten worden. Wir hoffen, daß es der Jüdischen Mittelstandsküche mit Hilfe_unserer stets gebefreudigen Glaubensgenossen gelingen wird, auch dieses Werk der Menschenliebe, die Gründung einer Toynbee-Halle, zu verwirklichen. Wie wir weiter hören, soll eine nicht genannt sein wollende Firma aus Breslau bereits 20t» Mark für diese Zwecke zur Verfügung gestellt haben. Im Interesse der Sache wäre es wünschenswert, wenn sich viele andere Nachahmer fänden. §. N e I k e n. Unsere neuen Herbst- Winter--, Modelle Kleider, Kostüme, Mäntel, Pelze, Hüte sind emgetrotten ~ Erstaunlich niedrige Preise Besichtigen Sie unsere reiche Auswahl Für unsere bekannt erstklassige Maßanfertigung in eigenen Werkstätten zeitgemäße Preisgestaltung M. Gerstel Breslau, Schweidnitzer Straße 10,11

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