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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-09-01 · 9 (9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
9 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemelnde zu Breslau Schrlsttettung: DerwaltungBMrektor Or. Otaftnifc, Breslau. WaNstrotzr 9 I Druck und Aiqelgen-Ammhme: Druckers Th. «chatzh, Aktiengesellschaft. Verlag: Büro der Sgnagogengemetnbe. Breslau. Wallstr.y / Tel.2iöii/12 | Breslau 5, Neue Sraupenstrahe Jtx.it Fernsprecher 24408 u. 34469 atalftgcnlMctoi DU 6 B*1>. TOtmmc»»T-3«iI» öfter deren Stamm lfi Vf». — OM lassenden Aufnftgen Stobott. uunmiuuHtmwmnnmniiumiuiiiiiminniimmiiiiimiimimiiiiuiimimuimiiiR niiuiiMmmiHiiiiiiiuiiiiwinHiwMii Für Me unter dem Namen de« Derfaffer« erscheinenden Artikel und Me Dereinsnachrtchten llberaehmen wir nur Me pressegesetzllche Deranttvortung SLahrg. September 1931 Nr. 9 Beate Gullmann Zum 4. September 1931. l Bon den frommen' Frauen erzählt das talmudische Schrifttum, denen Israel seine Erlösung äus Aegypten verdankt. Herzensgute, vereint mit klugem Sinn für die praktischen Erforderniffe, mit Berständnis füf andere Menschen und deren Beate ©ttttmann Empfinden und mit aufrichtiger Frömmigkeit hat im Judentum den Frauen hohe Verehrung erworben und gesichert. In solcher Verehrung bringen wir zum 4. September, ihrem 75. Geburtstage, Frau Prof. Peate Guttmann unfern Dank und unsere Wünsche.! Frühzeitig ist in ihrem Eltssrnhause in Kopenhagen in ihr der Sinn für alles Jüdische ujnd das Verständnis für alles Geistige und Wisienschaftliche geweckt worden. Ihrem Gatten hat sie in Hildesheim und seit 1892 in unserer Gemeinde nicht nur ein glückliches Haus aufgebaut, sondern ein Rabbinerhaus , geschaffen, das ihm die Möglichfeit zu großer wisienschaftlicher Leistung neben der Arbeit für Unsere Gemeinde bot. Jüdischen Sinn und wissenschaftlichen Geist haben die Eltern ihren Kindern eingepflanzt, die inj dankbarster Verehrung die. Mutter umgeben. Ihren mütterlichen Sinn betätigt Frau Prof. Guttmann aber! über diiesen engsten Kreis Hinaus in unserer Gemeinde, unermüdlich^ wo es gilt, Hilfe zu bringen, Rot und Sorgen zu lindern, 'soziale Aufgaben zu fördern. Seit Jahrzehnten arbeitet sie in zahlreichen Wohlfahrtsinstitutionen an hervorragender Stelle mit. Seit der Begründung der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes gehört sie deren Vorstand, seit vielen Jahren als dessen Vorsitzende, an und leitet die vielverzweigte Arbeit mit klarem Blick und mit klugem Sinn, niemals über Einzelheiten das Ziel aus dem Auge verlierend. In ihrer milden, versöhnlichen Art weiß sie etwaige Gegensätze zu mildern und auszugleichen. Zu ihrem siebzigsten Geburtstag ist ihr aus Kreisen des Jüdischen Frauenbundes ein kleines Kapital als Grundstock zur Errichtung eines Altersheims für Frauen'überreicht worden. Das Haus, das ihren Namen trägt, dient seit mehr als zwei Jahren seiner Bestimmung. Wir sehen den Segen, den es stiftet. Wir danken der verehrten Frau von Herzen für 'all ihr Wirken und wir wünschen ihr, daß sie in unverminderter Frische die Freude an Kindern und Enkelkindern genieße, und wir bitten sie, auch weiterhin die Arbeiten guten Werken durchs ihren Rat und ihre Hilfe zu fördern. D. flu« -er Vergangenheit der Breslauer Juden. Ueber den jüdischen Gottesdienst in Breslau oor 200 Jahren von B. Brilling, Breslau. _ In früheren Jahrhunderten war vielen gläubigen Christen der jüdische Gottesdienst an sich ein Stein des Anstoßes — sie glaubten, den Lügen schwindelnder Renegaten vertrauend, daß die Juden in ihren Gebeten die Christen und ihre Religion in einer für sie schimpflichen Weise erwähnten. Allerdings wurde in solchen Orten, in denen der Aufenthalt von Juden „toleriert" war, auch die geräuschlose Abhaltung des jüdischen Gottesdienstes erlaubt. In solchen Orten dagegen, an denen Juden der dauernde Aufenthalt überhaupt verboten war, wurden den Versuchen der sich dort zeitweilig aufhaltenden Juden, religiöse Zuammenkünfte zu Gebetszwecken an bestimmten Orten abzuhalten, der tärkste Widerstand entgegengesetzt^. So war z. B. den Juden in den beiden großen Meßorten Leipzig und Breslau der dauernde Aufenthalt seit dem Mittelalter untersagt. In Leipzig wurde die Erlaubnis zur Abhaltung gottesdienstlicher Versammlungen während der Meßzeiten bis in die Neuzeit stark umkämpft, und ebenso in Breslau.' In Breslau pflegten die zu den' Mesien und Märkten dort eintreffenden Juden in gemieteten Stuben ihre Gottesdienste bis zur Wende des 17. Jahrhunderts — von der Obrigkeit unbeachtet und ungestört — abzuhalten. ' Wie gewöhnlich. Konkurrenzneid, religiöser Esser. und Denunziantentum gewissenloser Renegaten vereinigten sich, um dieses „empörende Scandalum" aus der Welt zu schassen. Der Breslauer Magistrat, von dem man ein Verbot des jüdischen Gottesdienstes forderte, befand sich in einer Klemme. Einerseits gingen ihn die Kirche und die Kaufmannschaft — auf Grund einiger Aussagen von Täuflingen darum an, die jüdischen Zeremonien während der Meßzeiten vollständig zu untersagen, andererseits wiesen die Juden, als ihnen dieses drohende Verbot bekannt wurde, darauf hin, daß die Verdächtigungen grundlos und ihre religiösen Empfindungen ihnen so wichtig seien, daß sie bei Durchführung dieses Verbotes gezwungen-wären, um ihres Glaubens willen die Handelsbeziehungen mrt Brtslau, so wichtig sie ihnen auch wären, auszugeben und'sich neue zu suchen. Der Rat wußte sich in dieser Verlegenheit keinen anderen Rat, als sich an den damaligen besten christlichen Kenner des Judentums und der _ hebräischen Sprache in Breslau, nämlich an den Professor der hebräischer Sprach« am Elisabethgymnasium. Daniel Springer, um Auskunft über den Gottesdienst der „ab- und zureisenden^ Juden zu wenden. Drei Fragen legte ihm der Rat vor: 1. ob die Breslauer Juden — wie sie behaupteten — niemals zu diesem Zwecke erbaute Synagogen oder

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