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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-02-01 · 2 (2.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
2 (2.1931)
Date
1931-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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13 Breslauer Jüdisches Gemeludeblaki Nr. 2 10 Stimmen. Herr S i 1 6 e r m a n n ist demnach gewählt. Zum stelloertr. Schriftführer wird Herr R.-A. Dr. Wolff einstimmig gewählt. Sämtliche Herren nehmen die Wahl an. I.-R. Peiser schreitet darauf zum zweiten Punkt der Tagesordnung, der Wahl des neuen Borstandes. Er dankt zunächst im Namen der Gemeindevertretung den bisherigen Vorstehern für ihre zeitraubende, schwierige Tätigkeit zum Wohle der Gemeinde und insbesondere den ausscheidenden Mitgliedern, Herrn Gem.-AeIteften Waldstein, Herrn Koppenheim und Herrn Dr. Rosenstein. Zu seiner Freude habe Herr Gem.-Aeltester Waldstein, der eine Wiederwahl abgelehnt habe, sich bereit erklärt, in seiner Eigenschaft als Gemsindeältester im Verstand und in den Gemeindeausschüssen, in denen er bisher tätig war. weiter zu arbeiten. Herr Gem.-Aeltester W a l d - stein dankt für die anerkennenden Worte; er habe sein Amt niedergclegt, um jüngeren Kräften Gelegenheit zur Mitarbeit zu geben. Er beabsichtige aber nicht, in Ruhestellung zu gehen, sondern stelle in seiner Eigenschaft als Gemeindeältester seine Kräfte dem Vorstände und den verschiedenen Ausschüssen weiter zur Verfügung. In Abwesenheit des Vorstandes schreitet hierauf die Gemeindevertretung zur Wahl der neuen Vorsteher in geheimer Abstimmung. Es werden gewählt: Herr Geh. Rat Goldfeld . . . . . mit 22 Stimmen - Dr. Schachtel ........ - 23 -! - Mendel Hoffmann ...... - 20 - V - Rechtsanwalt Dr. Josef Dienstfertig - 22 - > Maurermeister Perl . . . . . - 19 - * Frau Paula Ollendorff. . - 21 -; Herr J)r. William Boß . J- . . -. - 22 Dr. Freyhan. - 17 - San.-Rat Dr. Vach . . . ... . - 22 Iustizrat Dr. Goldschmids .... - 20 Iustizrät Kalisch. - 22 Vankdirektor Sander „ . . - 23 Für Maurermeister Perl würde noch ein für ungültig erklärter <hebräischer> Stimmzettel abgegeben. Die neu gewählten Vorsteher nahmen sämtlich die Wahl an und wurden sogleich von Herrn I.-R. Peiser auf ihr Amt mittels Handschlag. verpflichtet. I.-R. Peiser drückt feine Freude darüber aus, daß die Wahl beider Körperschaften auf Grund freundschaftlickier Vereinbarungen 'unter den Parteien vor sich gegangen sei. Die Mitglieder der Gemeindekörperschaften mögen sich zur Richtschnur nehmen das Symbol des Gemeindesiegels, welches nach dem Worte des Propheten Ezechiel. Kap. 37, Vers 17, „sie seien ein Holz in Deiner Hand", die beiden Stäbe zusammenfasse wie die beiden religiösen Richtungen in der Einheitsgemeinde-. Im Anschluß, daran beglückwünscht J,-R. Peiser Geh. Rat Goldfeld, ^iioii dchn er annimmt, daß er auch wieder erster Vorsitzender des Vorstandes werden wird, zu seinem bevorstehenden 72. Geburtstage unter Ueberreichung eines Straußes . weißen Flieders. — Geh. Rat Goldfeld dankt tiefgerührt und verspricht namens aller Gewählten, die ganze Kraft für däs Gemeindewchl cinzufetzen.; Jn der Sta-t -er Marannen. Reisebrief aus Oporto. ' Bon Rabbiner Dr. Felix Aber, Bremen. . Mil größter Spannung hatten wir dem Einlaufen des Schiffes in den Ha>eu von Porto entgegen gesehen. Erwarteten wir doch hier dse Begegnung mit einem Manne, Lessen Namen die Geschichte des Juüctzkums sicherlich treu bewahren wird. Mit Arthur Earlos die B a r r o s B a tt o, dem Führer der Marannen, wollten wir zusammeiikrenen. Sein Werk kennenzulernen, waren wir begierig. Jahrhunderte waren vergangen, seitdem die fanatische Grausamkett der Inquisition Tausende von Juden gezwungen hatte, den Katholizisnu^' anzunehmen, um dem Tode auf rauchenden Scheiterhaufen oder dunklett Kerkern zu entgehen. Generation auf Generation mar gefolgt; eingegliedert hatten sich dieie Maranen dem Schein nach in die vom Katholizismus geformte Gesellschaft der Umwelt. In alle Berufe waren sie eistgcdrungen und in allen Standen waren sie zu finden. Und dennoch vergaßen sie ihre jüdische Abkunft nicht. Pessach und Jaum Kippur!y unterirdischen Gemächern geheimnisvoll gefeiert, durch tausend listige. Maskierungen vor der Umwelt verhüllt, gemahnten Geschlecht aus! Geschlecht an seine Mische Abkunft. 1 Nun ist dieser unterirdische Strem wieder zum Durchbruch gekommen, und der Mann stand vor uns, dessen geniale Tat es war. die Marannen zum stolzen Bekenntnis des Judentums zu ermutigen. Ehrenpreis in seinem Werke: „Das Land zwischen Orient und Okzident" hat in rühmende» Worten auf diesen portugiesischen Kapitän und! sein Werk hingewiesen. Der Direktor des großen Militärgcfängnisses! von Porto war vom Schicksal berufen, der seelische Befreier feiner e-chiclsalsgenossen zu werden. „Wie wurden Sie sich Ihres Judentums bewußt'?", mar eine der ersten Fragen, die ich auf der Fahrt vom Schiff zur Stadt an de Basto richtete. „In den letzten Tagen feines Lebens," so erwiderte ernur, „rief mein Großvater mich zu sich und prägte mir, dem vermeintlichen Katholiken, die Worte: Schema Israel «in und bedeutete mir, daß snein Bater mir einst ein großes Geheimnis anver.trauen würde, das treji zu wahren, ich ihm versprechen sollte." So wurde er sich allmählich ftincs Judentums bewußt, vertiefte fein Wissen, und als er viele seinesgleichen fand, ging er daran, in den Bergen Braganzas und in Porto die!zum Judentum zurückkehrenden Marannen in Gemeinden zu organisieren: Das erste, was wir in Porto sahen, war die im Bau befindliche Synagoge. Sie soll ein imposanter Bäu werden und durch ihr Vorhandensein' der Bevölkerung gegenüber bekunden, daß der böse Traum des Marannentums, der Jahrhunderte lang gewährt, zerronnen fei^ sind die Urenkel der Opfer der Inquisition die »nverwüstlich« Lebenskraft des Judentums zu bezeugen gewillt seien. Wenn irgendwo ein imposanter Synagogenbau gerechtfertigt ist, so hier. Erhofft doch der mutige Mann, daß Hunderte, wenn nicht Taufende von Marannen seiner Gemeind«!sich anschließen werden. , > j Unter solchen Gesichtspunkten.ist man auch an den Bau gegangen Der Teil des Baues, der bereits steht, wird einst, wenn das ganze 2Üerk vollendet fein wird, lediglich di« Vorhallen darftcllen, bestimmt,! löte Berwaltungsräume und Lehrfäle, ferner eine Mensa und die dazu gehhijige Küche, einen Untcrkunftsraum für Durchwanderet: und die Mikwa äuizunehmen. Jetzt wird hier «ine provisorische Synagoge untergebrach!, die man zu den kommenden Feiertagen schon in Gebrauch nehmen zu können hofft. Allein dieser Vorbau würde bereits ein stattliches Bauwerk darstellen. Schon sieht man hinter ihm die Umrisse, die die Größe der geplanten Synagoge erkennen lassen. Hoffentlich fließen aus aller Welt die Mittel reichlich genug, um die Vollendung des Werkes jzn gewährleisten. ' .! linier Weg führte dann zu der neu erstandene» „Ieschsba". de Barros Basto will hier eine junge Lehrergeneratioiz für die neue Bewegung ausbilden: Noch sind cs nur wenige, dem Kirdcsalter laum entwachsene Knaben, die hier eine Jnternatsevzichung genießen. I'Aus ihren Augen leuchtet Begeisterung für das Judentum, und obwohl sie erst wenige Monate Unterricht genossen haben, sind ihre Fortschritte erstaunlich. Der vielbeschäftigte de Barros Basto, der für die Marannen im Lande eine cigong Zeitschrift Ha Lapid, die Fackel, nicht nur redigiert, sondern fast ganz selbst schreibt, fand noch Zeit, die Kinder zu unterrichten, bis er einen geeigneten jungen iostjiLüfchen Lehrer fand.! In Kürze soll ein junger Rabbiner, aus Saloniki stammend, und in Ainstrrdam herangebildet, (ein Amt als erster hiabbiner m Porto seit Jahr Hunderten antreten. So edler Idealismus und io heilige Begeisterung fordert einen tüchtigen Führer. In einem anderen Raum des Hauses ist di« vorläufige Synagoge lintergebracht. Der Oraun hakaudcsch birgt einen kostbaren Schatz. Es ist eine Thorarolle, die 1498 bei der Vertreibung von den portugiesischen Juden in die Fremde als kostbares Gut mitgenommen wurde und die die portugiesische Gemeinde in London, in deren Besitz sie sich zuletzt befand, der jungen Marannengemeinde wieder zum Geschenk inachtc. I Im benachbarten Sekretariat zeigte uns Barros Basto ein Vuch ganz anderer Art: das Reglement der Inquisition. Erschauernd > vernehmen wir die unmenschlichen Bestimmungen über die grausamen Folterungen, denen die Märtyrer von einst ausgcfetzt waren. Thora und Inquisitionsrcglcment bekämpften sich mif das erbittertste. 1498! usid später triumphierte die Inquisition, doch die vertriebene Thora ist shs Land zurückgekehrt. Siegerin ist sie über den finsteren Haß de; Mittelalters geblieben. | i Und dann weilen wir in d-em gastlichen Hause Kapitän de Bärros Bastos und hören, während der Hausherr die für die Marannen von ihn, verfaßten Legenden und Schritten uns zusammenstellt, von seiner Gattin und von seinem treuen Helfer, Manasse Kupszynsky, von der uneryuidlichen Arbeitskraft und den kühnen Plänen dieses geborenen Führers. ' Wie im Fluge verrinnt die Zeit. Die letzte Stunde ist einer Rundfahrt durch das malerische Porto gewidmet.' U.iser kundiger Fyhrxr läßt das jüdische Porto von einst erstehen, zeigt uns inmitten des lebendigen Betriebes, wo «inst die Ghettis lagen, mii> er l>e zeichnet die Kirschen, die früher Synagogen waren. Als er auf das Gelände weist, wo! vor Jahrhunderten der jüdische Friedhof sich befand, frage ich ihn nach! des» Bes Hakworaus der neuerstehenden Gemeinde. Lachend «rwidcrt er imir: „Es ist vorläufig verboten zu sterben, man soll zu uns kommen, utn ,1» leben." Unbewußt hat er damit fein eigenes Werk gekennzeichnet.; Die alte Quell« des Lebens hat?r den Seinen wieder erschlossen.! Beim Scheiden sagt Marasse zu uns: „Wir brauchen Geld zu un- . sc rem Werke, aber noch nötiger brauchen wir die lebendigen Sympathien unserer Brüder in der Welt, damit die zurückkehrenden Marannen" und wir mit ihnen empfinden: Bürge rst in Israel einer für den anderen." -1- Beachten Sie bitte bei Ihren Aufträgen unsere Inserenten

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