Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 2 (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'L Breslauer Jüdisches GemeinöeblaH Amtliches Blatt der Synagogengemeinbe zu Breslau.. SchUftlettung: D«rwaltung6dtreNor Or. Rechnitz, Breslau, WaMiratze 9 I Srud unk» Anzeigen-Annahme: Drucierei Th. Schayh, ANiengesellschatz. Verlag: Büro der Sgnagogengemeinbe, Breslau. Wallstr.y / Tel. 21611/12 I SreSlau S, Reue Srauvenstratze Rr 7 / Femsprecher 24468 u, 24469 . , TIn»«tgcn»>r*Wi Dtc < gift. 7ttUIlmc«*t-3*tle oötr 6«rtn Ttaum 18 Bfg. — TM laurtnOm Tluttragrn Ttatalt ..iNimiMiMMiimiimmnuimMiMMitiiimximKNimnimniiimraiiiiimiiiira All^te^Me^em^ramn^es^e^afler^^rlcheinenden^lNile^un^i^^ereinanachrtchirn lldernetzmen wir nur die ofeiieqeieqliche veraniwonu»« 8. Safti-a. WM»» i Februar 1Q31 Nr. 2 Von rNenfchengunft und rNenfchenfurcht Niemand müht sich gern vergeblich. „Ein unnütz Leben ist ein früher Tod." Mit Recht nennt Ibsen den größten Mann den glücklichen, über den die Forderungen der Zeit wie ein Brand kommen. Sie! erzeugen ihm Gedanken, die er selbst ' nicht faßt, weisen ihn den Weg,, dessen Ziel er selbst nicht kennt, den er aber warckielt und wandeln muß, bis er den Jubelschrei des Volkes hört — und mit weit aufgeriflenen Augen sieht er sich um und erkennt voll Verwunderung, daß er ein großes Werk vollbracht hat. Dazu gehört freilich etwas unerschütterlich Sicheres, die Sicherheit der eigenen Persönlichkeit und zugleich das Freisein von Selbstüberschätzung, das Bewußtsein der eigenen Kraft und zugleich das Wissen um die Notwendigkeit der Förderung durch andere. Es ist das Problem, das in dem Worte Hillels zum Aufdruck kommt: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich? und bin ich allein für mich, was bin ich dann?" Je höher jemand steht, um so größer ist die Gefahr der Selbstvergötterung, je höher jemand strebt, um so größer die Gefahr des Buhlens um die Gunst anderer. Fürstengunst und Volksgunst haben manchem den Weg zu großem Schaffen eröffnet und haben manchen fähigen Menschen zum Schmeichler erniedrigt. Wer anderen nach dem Munde redet, wird innerlich unwahrhaftig: wer sich der Meinung anderer entgegenstellt, wird oft Mißerfolg haben. Das Purimfest stellt in den beiden Gestalten Haman und Mordechai zwei Männer gegenüber, von denen der eine nur sich selbst und seinen Nutzen und Vorteil kennt, durch Schmeichelei nach oben und' Brutalstöt gegenüber Tieferstehenden es zu höchster Macht brinsit/bi-Mfich selbst in seine eigenen Netze verstrickt. Der andere,-Mo»HW-i, hat jene Sicherheit der Persönlichkeit, die ihn das sirtM d^Umwelt keineswegs verachten läßt, aber ihn davor schützt, yün/ihm abhängig zu werden. Von ganz besondefeist Jnt^fefse ist aber die Gestalt, dir der Prophetenabschnitt "des dein Purimfest voraufgehenden Sabbaths zeigt. Als sirahlender Held zieht König Saul zun, Entscheidungskampf gegen Amalek aus: 00m siegreichen Feldzuge kehrt er heim als ijiri' gebrochener Mann mit verdüsterten, Geiste. Was hat ihn in den Wahnsinn gl trieben? Es ist bequem, hier den Konf ikt >dvö Königtums mit »inem herrschsüchtigen Priestertum zü seh^ (Aber diese Antwort wird den Tatsachen in keiner W^ise gerecht. Den Schlüssel zum Verständnis dieser eigenarsigest Erzählung bietet Sauls Bekenntnis: „Ich hohe gefehlt, daß ich Gottes Befehl und deine Worte nicht befolgt habe, weil ich das Volk fürchtete und auf es hörte." Erst als alle seine Ausflüchte von Samuel zurückgewiesen sind, erkennt er es selbst und bekennt sich dazu. Nicht, was er getan oder unterlassen hatte, ist seine Schuld, sondern daß er. um sich die Gunst des Volkes zu Verhalten, nicht wagt, den Wünschen der Menge entgegenzutretenl Wer andere führen -will, muß in sich die Sicherheit tragen. Der Demagoge wühlt die Instinkte des Volkes auf und gibt ihnen nach. Um Führer zu bleiben, läßt er sich von der Masse führen und verstrickt sich so immer tiefer. Wer Führer ist nicht zur Befriedigung des eigenen Ehrgeizes, sondern um Gutes zu schaffen, derqnüß den Mut und die Kraft haben, auch die Ungunst der Menge zu ertragen, unpopulär zu sein. Das große Vorbild bieten die Propheten dar, die unbekümmert um Gunst oder'Ungunst der Könige oder der Menge die Wahrheit verkündet haben. Freilich haben sie praktische Erfolge kaum gehabt. Aber ihr Blick reichte weiter, und ihre Wahrheit hat weiter gewirkt. - Wild aufgewühlt ist die Gegenwart^ Wir brauchen die Menschen, die niemand zu Liehe und niemand zu Leide aus der Wahrhaftigkeit ihrer Persönlichkeit heraus wirken, die ohne; die öffentliche Meinung zu verachten, ihr nicht untertan wer-' den, die den Erfolg wünschen, aber durch Mißerfolg nicht mut-. los werden. Aus den schweren Krisen der Gegenwart werden nur diejenigen das deutsche Vaterland wie das deutsche Judentum zu besseren Zeiten führen können, die sich von Menschenfurcht wie von Liebedienerei frei zu halten wissen. Der große Rabban Iochanan b. Sakkai, der beim Zusammenbruch von Staat und Tempel durch die Errichtung seines Lehrhauses dem Judentum wiederum einen geistigen Mittelpunkt schuf und es damit lebendig erhielt, hat seinen Schülern auf dem Sterbebette als Segen den Wunsch zugerufen, daß ihre Gottesfurcht stets ebenso groß sein möge ivie ihre Menschenfurcht)! B o g e l st e i n. ' Gemeinüevertreter-Sihung am 18. Januar 1831. Bericht von Dr. Rechniß. Die auf Grund der Einheitsliste neu gewählte Gemeindevertretung hatte satzungsgemäß der.Vorfitzende des Vorstandes, Herr Geheimrat G 0 l d f e l d^ zur ersten Sitzung einberufen. Er begrüßte die bisherigen und die neu hinzugetretenen Gemeindevertteter herzlich und sprach die Hoffnung aus, daß die. Versammlung auch in der neuen Zusammensetzung, wie bisher, in gutem Zusammenarbeiten mit dem Vorstand zum Degen jbfey Gemeinde tätig sein möge. Er. bat darauf den Alterspräsidenten, Herrn Wilhelm Kober, den Vorsitz zu übernehmen. Dies tat Herr Kober Und dankte zunächst dem bisherigen Präsidium, insbesondere dem ersten Vorsitzenden, Herrn J.-R. Peiser, für die mustergültige, unparteiische Geschäftsführung, sowie dem Vorstände für die umfangreiche, mühevolle Arbeit, die er geleistet habe. Er forderte hierauf zur Wahl des ersten Vorsitzenden auf. R.-A. Spitz schlägt Wiederwahl von J.-R. Peiser vor, der mit sämtlichen 23 Stimmen gewählt wird. J.-R. Peiser nahm hie Wahl dankend an und übernahm den Vorsitz der Versammlung mit einer längeren Begrüßungsansprache, bei der er versicherte, die Geschäfte der Versammlung unparteiisch zu führen und wie bisher seine Kräfte dem Wohle der Gemeinde zu widmen. Zum ersten stellvertr. Vorsitzenden wird R.-A. Jacobs 0 h n, zum zweiten Stellvertreter Dr. med. Josef Schlesinger einstimmig gewählt. Zum Schriftführer werden die Herren Bankvorsteher Silbermann und R.-A. Dr. Wolfs vorgeschlagen. Herr Silbermann erhält 13, Herr R.-A. Dr. Wolfs