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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-01-01 · 1 (1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
1 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemei Amtliches Blatt der Synagogengemeii «chrtstlettung: DerwaWmgckvireOor 0r. Nechniy, Brrtlau. WalMrabe 9 1 vruck und SlrudgnvHnna 0«lag: Büro der Sgnagogengemeiyde. SrealOu. WaIMr.9 / ret.3ldil/l3 | Sre«lau 5, Neue (Stowe vir 6 er» launiiMMi-Srfk rta km Ttaum lA Bfq. — Bri laxtra». »de zu Breslau 1 »me: Druckerei Th. Schagkg ANtengesevschntt. igroge Nr. 7 / Fernsprecher 244M a. 34409 n mnrtta Ttaftatt gm dir unm 0em Namen M verlagere erlckieinenden JIrtiffl und die vereinenachrichten Kmiuqh «n wir nur Ou oregeqeienlickie Verantwortung s, 3aftra. Januar 1931 Rr.i €tn Fest Die ersten vier Wochenabschnitte des zweiten Buches der Thora erzählen uns von dem Befreiungskämpfe des Volkes Israel, von der Erlösung aus dem eisernen Schmelzofen Aegyptens. Wie in dem modernen meliing pot — Schmelzlopf — Amerika die Einwanderer der verschiedenen Nationalitäten durch den rastlosen Kampf ums Dasein ihrer Eigenart entkleidet und zu einem neuen Bolkstypus miteinander verschmolzen werden, so sollte das eingewanderte Israel durch Maßregeln roher Gewalt — Kindermord — und tyrannischen Druckes — Fronarbeit — ttem eingesessenen Aegyptervolkc assimiliert werden. Warum wehrte sich Israel dagegen in Aegypten aufzugehen. War dies Land nicht altes Kulturland? Hatten dort nicht viele Wissenschaften und Künste ihren Ursprung? Mußte nicht der Glanz und die Pracht, die oft erhobene Größe Im Streben der Pharaonen und ihrer Trabanten die schlichten Hirten blenden? Verstand man nicht überhaupt, gut zu leben in diesem Lande? In der Einsamkeit und Dürftigkeit, dem Mangel und der Kargheit des Wüstenlebens sehnten sich starke «Gruppen des Volkes nach Aegypten zurück. Mose hörte den aufrührerischen Ruf: Laß ab von uns! Wir wollen Aegypten dienen: denn beffer ift's für uns, Aegypten zu dienen als in der Wüste zu sterben. Man dachte mit Verlangen zurück an die Fleischtöpfe, die Fische, die mannigfachen Gemüse des Nillandes. Was war es nun, das den besten Teil des Volkes und^ feine Führer nicht im Pharaonenreiche duldete? Wir erkennen es aus den einzelnen, Forderungen, welche der Führer Mose stellt: „Wir wollen einen Weg von drei Tagen in die Wüste wandern und jdort dem Ewigen unserem Gott opfern." Mit unseren, Jungckn und unseren Alten wollen wir dahin ziehen, mit unseren»Söhnen und Töchtern, mit unseren Schafen und Rindern: denn wir wollen ein Fest G/ottes feiern! Aber warum konnte Israel sein Fest nicht in Aegypten feiern? Wissen wir nich^ daß auch dort große und prunkvolle Feste gefeiert wurden?-' Wariyn könnte Israel nicht mitmachen? Hatte es dort' nicht alles, wonach zu allen Zeiten despotische Herren die Massen befriedigen zu können glaubten: vanem et circenses, Brot und »Spiele? Aber in diesem Volke lebte ein anderer Geist, wie er sich etwa ausdrückte in dem Wort der Schrift: „Nicht vom Brote ^allein lebt der Mensch, sondern von dem, was kommt aus dem Munde der Gottheit, lebt der Mensch." Gewiß konnte man in ^8^?» Feste feiern. Man konnte sich zerstreuen, belustigen und vergnügen und austoben, aber doch nur vorübergehend. Nachher begann immer wieder das alte Leben mit der drohenden Holzpeitsche der Fronvögte, ein Leben, das für den Tod,^ für Totes und Vergängliches sich mühte. Israel wollte nicht ein Fest feiern, welches das Leben unterbrach, über die Einförmigkeit eines nichtigen Lebens tröstete. Der neue Ruf, der es hertrieb, war: Unser ganzes Leben soll ein Fest sein, ein Fest des Ewigen. Darum mußten sie fort aus dieser ganzen Umgebung, welche ihnen die rrahre Lebensfreude nahm. Die hochragenden Pyramiden machten keinen Eindruck auf sie. Sie wußten, daß sie mit >em Blute und Schweiße von Hunderttausenden erbaut waren. Der Prunk der ägyptischen Kultur erweckte in ihren Seilen nur ein Grauen. Denn sie hörten täglich die Iammerrufe und Seufzer der Unterdrückten. Fort von all diesrr menschenmordenden Kultur, riefen sie hinaus in die weite, einsame Wüste mit ihrem Aufblick zum reinen klaren Stern« nhimmel,' mit ihrer einfachen Klarheit und Erhabenheit, die den Gedanken der Ewigkeit und Freiheit in den Seelen der Menschen wach ruft. Das ganze Leben ein Fest, das war der große Weckruf Israels an die SBöIfcr, das ganze Leben in Weihe gelebt. „Nichts Menschliches ist mir fern", ruft der Gott Israels. Wenn du fitzest in deinem Hause und gehst auf dem Wege, wenn du dich niederb gst und aüsstehst, gehörst du mir. Nicht nur dein Sabbat un i dein Fest, auch dein Alltag und dein Beruf, ganz sollst du mir gehören. Da gibt es nichts Kleines und Unwichtiges. Alles ist voll Wert, Weihe und Würde, wenn es in Beziehung zu mir gebracht'wird. Du sollst nicht Menschen dienen, nicht Knecht von Knechten sein. Ich bin der Ewige, dein Gott, dein Herr allein." Darum habe ich dich aus Aegypten geführt. . „ > Dieser Gedanke hat Israel in asten Zeiten aufrechterhalten. Man konnte es drück »n und Niederhalten, alles tun, um chm scheinbar das Leben zu verderben, wenn es nur ein Leben gekannt hätte, wie snne Unterdrücker es verstanden. Aber niemals konnte man 15 hindern, das Fest Gottes zu feiern, sich das ganze Leben zürn Feste zu gestalten.. In diesem Sinne standen und stehen vir fest und unerschütterlich in aller Not wir auch in die Wüste ziehen, wir feiern der Zeiten. Mußten das Fest unseres Gottes. Beri In der vorangeh änderung, wonach die H 0 f f m a n n. Hemeinüevertreter-Sitzung am 11. Dezember 1930. ht-von Dr. Rechnih. mden Sondersitzung wurde die Satzungs- Zahl der Gemeindevertreter von 21 auf 23 erhöht wird, in zweiter Lesung ohne Aussprache einstimmig angenommen. en Sitzung verlas'der Vorsitzende J.-R. P e i s e r einige Einlödungen und darauf die Beschwerde des Fabrikdirektors Reichs Liegnitz. Er schlug Vertagung zwecks Prüfung und Bericht! durch einen Berichterstatter vor. G e - heimrat Golds e!l d verweist darauf, daß die Entscheidung auf Beschwerden Sache des Vorstandes sei, und berichtet an Hand der Akten über die vom Vorstände getroffenen Feststellungen und Entscheidungen. HerrKober beantragt aus Grund stiner langjährigen Erfahrungen im Beerdigungswesen und wegen der Unzuständigkeit der Gemeindevertretung Uebergang zur Tagesordmng. Herr Freundlich schließt sich diesem Anträge an, und die Versammlung beschließt einstimmig Uebergang zur Tagesordnung.

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