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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-10-01 · 10 (10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
10 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau SchUstleUung: DerwaliutzgSblreNor Dr. Rct&nift, Breslau. Tvallstratz« 9 I Druck und 2ln;rlgen-Annahme: Dmckerel Th. Schatzky ÄMengesellfchafl. Verlag: Büro der «unogdgengrmelnde. Breslau. Wallstr.g / LeI.riüii/12 I Breslau 5, Neue Sraupenstrahe Nr. 7 / Fernsprecher 244ÜS u. 244S9 Laieigeapeelsr DI« 6 gd>. TMOlmctcr-Acll« «See tarnt Tjtaum 16 Bffl. — 2ta lanfnttan Auftrag«» Rabatt. _ , _ nuirfiluiniiaiiiutiiuiHiiuiinMiiiimuiiimH|iiHiiiiniuiHirimttimiuuiuiiniiinniiiiiiiHiiiiiHiiiuNiiiiHHiiiiiuiuiniiiiiiiiiiimnuiiiiiHiiiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimnnitimimiiHif(miinnnmii Für die unter dem Namftl des Verfassera erscheinenden Artikel und die BereinSnachrichten übernehmen wir nur die pressegesetzliche Verantwortung 7. Äahi-g. Oktober 1930 Nr. 10 Jm 4kbmbilde Gotteü Und Gott sprach: ,>Wir wollen einen Menschen machen in unserem Ebenbilde, nach unserer Aehnlichkeit." „Und Gott den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes schuf er ihn. Zwei erhabene Gedanken sind in diesen Sätzen des ersten Kapitels der Genesis, des f biblischen Schöpfungsberichtes,! ausgesprochen. Wenn von . unserer Bibel nichtsl weiter übrjig geblieben wäre als diese Sätze, so würden fii schon allein für ihren Ewigkeitswert zeugen. Das jüdische Weltbild beginnt mit dem Menschen. Das jüdische Weltziek zeigt uns die Menschheit, einig in der Verehrung des einzigen Gottes. Des Juden Arbeit in der Welt und an der Wqlt soll darin bestehen, den Menschen in sich zur Höhe emporjutragen und jeden Menschenbruder zu gleichem Ziele zu begeistern und mitzutragen. Der Mensch 1 ist einerseits Staub vom Erdboden und andererseits im Eben-' bilde Gottes geschafft^. Ec ruft mit dem Sänger der Psalmen einmal: „Was ist der Sterbliche, dah du sein gedenkest und der Menschensohn, daß du ihn beachtest." Er erhebt sich aus seinem Nichts mit dchn jauchzenden Bewußsein: „Du ließest ihn nur wenig hinter Gott zurüch'tehen, mit Ehre und Kraft hast du ihn gekrönt." ' Das ist der Kern des Judentums. Alles andere ist nur Kommentar. Aus dfrr Ebenbildlichkeit mit Gott folgt alles andere mit Notwendigkeit. Wir Menschen sind alle Brüder, wir müssen uns lieber und einander helfen in der Not. Unser aller Not ist die gleiche. Sie ist Menschennot, geboren aus der zur Höhe strebenden Menschenseele im Streite mit dem zur Tiefe absinken wollenden Ecdenstoffe. Menschennot und Zeitenelend kann nicht gehoben werden mit der Faust und drohender Gewalt. Keine Menschengruppe kann auf die Dauer glücklich werden, dadurch, dah sie eine andere unterdrückt, kein Volk dadurch, daß es ein anderes niederwicft. Gewalt zeugt Gewalt, nur Liebe kann. Glück gebären. So nennt sich der Prophet Jona einen Jovi, einen der jenseits vom Strome steht. So hält sich der wahre Jude jenseits vom Strome der Zeit, der vom Sturme der Leidenschaft gepeitscht seme Wogen zerstörend über die fruchtbaren Gefilde der Erde treibt und die stillen Heimstätten friedlicher Menschen zerstört. So richtet sich dieses einzige jüdische Programm gegen Rassenhaß; denn auch die Rasse ist nur eine Abart des, einen Menschen. In jeder Rasse lebt der Funke des Göttlichen. Es verwirft den Klassenhaß; denn Arm und Reich sollen einander begegnen, hat sie doch alle ein Gott geschaffen. Erkennt keinen Glaubenshaß, denn wir alle sind Kinder des Ewigen. So lehrt der Talmud: Deshalb ist nur ein einziger Mensch erschaffen worden, um dich zu lehren," daß, wenn einer eine Person vernichtet, es ihm die Schrift anrechnet, als hätte er eine ganze Welt vernichtet, und wenn einer eine Person erhält, es ihm die 'Schrift anrechnet, als hätte er eine ganze Welt erhalten. Ferner geschah dies wegen des Friedens der Welt, damit nicht ein Mensch zum andern sage: Mein Ahn war größer als dein Ahn. Dieses jüdische Programm ist mehr als drei Jahrtausende alt. Zu seiner Verwirklichung brauchen nicht Köpfe zu rollen, sondern müssen vielmehr die Köpfe gehoben, belehrt und veredelt werden. Dieses Programm und die Arbeit an seiner Verwirklichung hat eine > > l Verehrte Gemeinöemitglieöer! An jede^n von Euch, der diese Zeilen liest, wenden wir unsl Jeden rufen wir aus mitz u h e l f e n d< r großen Not in unserer Gem,e inde zu steuern! Es |>anbelt] fi<^> nicht därum, Almosen an Arme und Kranke zu geben — dafür mag das Wohlfahrtsamt sorgen! — Sondern es geht darum, den schwer kämpfenden Mittelstand zu stärken, wankende Existenzen, die einer vorübergehenden Hilfe bedürfen, wieder auszurichten, den Arbeitslosen neue Wege zum Erwerb zu schaffen! Nur chenn wir bdispringen, ehe der Schwache am Boden liegt, können wir ihn in den Stand sehen, wieder für sich ünd die Seinen zu sorgen. Nur so können wir den Notstand heilen! Eines jleden heilige Pflicht ist es, als Mensch und als Jude hier mitz u w i r k e n. nach denn seinemVermö g'e.n die Not ist, groß und steigt Jeder gebe und gebebald, von Tag zu Tag. , Werbet auch in eurem Freundes- und Bekanntenkreise; kein Fest, keine Gesellschaft, keine Dereinsveranstaltung sollte in diesem Winter ohne eine'Sammlung für den Notstandsfond begangen werden! Allen gütigen Spendern, deren Namen falls nicht ausdrücklich verbeten, veröffentlicht werden, im Voraus herzlichen Dank! Postscheckkonto: S^nagogen-Gemeinde Breslau 6300 „Notstan dsabgabe." Der Notstanösausschuß ü. Epnagogen-Gemeinöe Breslau Goldfeld, Geheimer Iustizrat, Vorsitzender.

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