Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Breflaner ZSdtjche» ©emeinbebtaff Jüdische Tuberkulose-Fürsorge (Beratungsstelle) Uhr. Frauenberufe Zurückgreisenaus den Artikel ln der Juninummer dieses Jahres „Vom Lehrling zur Meistersin der Hquswirtschast" von der Vorsitzende» des Breslauer Hausfrau enbgndes, Frau E. Hossmann, verweisen wir zur Ergänzung aus den Aufsatz ,Zur hauswirtschastlichen Ausbildung" von Frau Grethe Bloch, Berlin, iirt den Blattern des Jüdischen Frauenbundes jür Frauenarbeit und Frauenbewegung, um die reiche Auswahl rein fraulicher Berufe unserer Breslauer Jugend zu zeigen. Daß es gerade in heutiger Zeit, in ber ef heißt: „®as Schicksal der Jugend ist von tiefer Tragik", daraus ankpmmt, die Jugend zu solchen Berufen zu führen, wird uns klar, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß der Berus wohltuende Ablenkung ist „lauf dem Boden schwankender Fundainente", wie Gertrud Bäumer d e Zeit schildert, in der wir uns befiirden. Das aber kann nur der Beruf, der dem Wesen der Frau entspricht. In jeden, anderen Beruf wird es ihr ergehen wie der neunzehnjährigen Charlei) in Edna Ferbers Roman „Die Mädchen". „Daß sie als erste auder vornehmen Familie einen Beruf haben würde, darüber läßt sie die Ihrigen keinen Augenblick im Unklaren. Sie nennt es zwar nicht Beiuf, sie spricht! schlechthin von ihrer „Arbeit" und tritt ein in die Blusenabteilung der Fsirma Shield. Zum Entsetzen ihrer Familie erklärt sie eines Tages bei Tisch: „Ich werde mit zwanzig Jahren heiraten und sünf Kinder bekommen, eins nach dem andern." Aber — ihr Freund Jesse Dick füllt Um Weltkriege, und nun überrascht Charley ihre Familie mit dem Plan, einer Tajnztournee sich anzuschließen. „Seht ihr. Ich brauche nun mal Farbe. Lesben und Bewegung. Und Schönheit. Das findet man natürlich nicht bei Shield. Aber als Jesse noch... Als er noch da war, wußte ich genaue daß ich mich dort sehr, gut «inleben würde, und daß e: rrticf). mit dem anderen schon versorgen würde. Ja, bas ist nun alles «us. Jeden Tag derselbe Stumpfsinn. Lächerlich." Sie hob.beide AnneHiber ihres, Kops. „Darf ich Ihnen was" in Blusen zeigen, gnädige Fräst? Puh!" So spiegelt dieser Roman der neuesten Zeit die innerste Stellung zum Berufsleben weites ^angmädchrnkreise wider. Etwas Vorüberelf, m«ist eine Notwendigkeit, ein Uebel, in der^ Ferne das Leben winkt, das alle bindet.; iter Kreise und Bildungsschichten in wahre Frauenberufe hineinzstfübren, haben wir uns zur Aufgabe gestellt. lieber die Ausbildung zur Hausgeyilfin hinaus sehen wir unsere spätere Ausgabe darin, Haushaltspslegerinnen auszubilden und den Anschluß an die städtischen Seminare zu finden. Es sind noch längst nicht alle Berufe, die de» Menschen in der Flau ersassefn, zu denen -hinzusichren wir uns zur Ausgabe gestellt haben. Es schließen sich an eine Reche rein geistiger Berufe wie der der Aerztin oder der! Rechtsanwältin. Aber auch diese Frauen wollen wir erfassen in Jahrsskursen; denn vor dem Erlerne» eines solchen Berufes sollte jedes junge Mädchen Einblick halten in das Reich der denkenden Haupfrau. stelle ich fest, daß wir im Westen dem Osten Verwirklichung überlegen sind. Ich denk« dabei gern und froh an meine Heimatschstle. Da ist es so, daß gut achtzig Prozent der Absolventinnen! der ersten Klasse zunächst ein Jahr eine Frauen-, Haussraueü- oder Haushaltungsschul« besuchen, um sich hernach erst für ihren eigentliches Berus zu entscheiden. Sollte das im Osten Als jüdische Schule im Westen ist ausgebaut jüdische Hauöhaltungsschule in Frankfurt a. M. Was diese für den Western ist, soll unsere Schule für den Osten werden. Käthe Meter, Gewerbeoberlehrerin an der Paula-Ollendorsf-Haushaltungsschule. gehendes ist er ihnen, ein! bis irgendwann und irgend! Kräfte des Mädchens wifkli Die jüdische Juge Verteilung Der Paula Ollendoris aus Anlaß des 70. Gebur Zeichnung für eine besonte am 2. September d. I. in Ausschuß, bestehend au; Wohlauer und Herrn Dr des Vorsitzende» des Du und den Zweck des Preis:■ den Gefühls sozialer Alt Ansprache des Vorsitzende der in der Stiftung des müden in der aufopferunig der Gemeinde, unbeirrt um selbst in der Oessentlichksi Weiherede, in der er gemeiniglich mit Wohltät tätige Liebe, rühmte. Verteilung mit einer zu 1. Herr Dr für seine soziale Lebens die des Lichts beraubt s«i bedürfen. Dr. Cohn, selbst s-Preis, den tsjages von •r> jüdische feierlicher S: Frau Pst Ei Breslau« rstandes, Gl s Erörterte, beit von Pet n | der Gem Preises ein« sstollen sozial ape böswill it,! hielt Ge.. Grundfestet! gkeit übersetzet auf verkü zen gehendes phil. et j im Jnt«> d nnfc daher t hlind, ist 2or- Hr, arbest in Schlesien und ganz Deutschland geworden. Sem Ruf geht weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus! Und wir können stolz sein, ein solches Gemeindemitglied zu haben. 2. Frau Maria M e y e rst e i n , bi« sich zwar aus weitem Feld der sozialen Arbeit seit Jahren betätigt, aber di« Blindenfürsorge im jüdischen Kreise als ihre Sonderausgabe betrachtet, mit dem Ziel, den Blinden.die Freude geistigen und geselligen Erlebens zu bringen, eine wundervolle Idee, von ihr-mit Würde unö Anmut in di« Praxis übersetzt, wurzelnd in dek.tiefen Religiosität tzieser seelenoollen Frau. . 3. Frau Selma Landsberger^, die sich die schwierigsten Menschen zum Objekt ihrer Fürsorge ausgesucht hat, nämlich jene Unglücklichen, die mit dem Leben uni mit ihrem Schicksal rechten und mit der Umwelt zerfallen sind. Diesen Menschen Freude und Zufriedenheit und inneren Frieden -zu bringen, hat sie unter unendlich schwierigen Bemühungen immer wieder den Versuch gemacht. Be glückende Erfolge -waren die Frucht dieser Bemühungen. Im Namen der Ausgezeichneten dankte Dr. Cohn. Er hob hexooe, daß ihn das Geschick zu dieser besonderen Art der Fürsorge ausersehen habe. Die beiden airderen D-anien habe das tiefe Gemüt zu ihrer sozialen Tonderarbeit geführt. Die ihnen gewordene Auszeichnung solle für sie i:u6 für andere ein Ansporn sein, in der Fürsorge für den armen Nächsten niemals zu ermüden. Den 80. Geburtstag feiert am 15. Oktober 1930 Herr Glascrmeister Hermann Zell, Salzstraße 1, früher Ostrowo. Den 85. Geburtstag feiert am 17. Oktober 1930 Herr Isidor Becker. Herderstraße 33. Den 80. Geburtstag ' feiert am 30. Septen>ber 1930 Frau lAnna Feig geb. Krambachl Neu dorfstraß« 84. 1; _ Die Rechlsschuhstelle hält chre Sprechstunden nunmehr jeden Mittwoch, vormittags II!- Uhr, im Zimmer 10 des Wohlfahrtsamtes, Wallstraße 7/9, I. Stock, ab. Ein Jurist ist anwesend. Jüdisches Wohlfahrtsamt. Paula! Gllenüorff-Preises die Synagogen-Gemeinde Breslau Frau Paula Ollendorff zur Auss >ziale Leistung gestiftet hat, wurde stzung durch den hierfür eingesetzten ula Ollendorff, Frau Professor r, verteilt. Nach einer Ansprache stheimrat Goldfeld, der den Sinn unter Hervorhebung des beglückenrson gu Person, und nach einer eindevertretung, Justizrat Peiser, n Ansporn sieht, nimmer zu eren Tätigkeit im Wohlsahrtswesen igen und unrichtigen Anfeindungen cheinderabbiner Dr. Vogelstein die der jüdischen Religion „zedoko" und .^miluß chessed", die werkele Frau Ollendorff di« Preis- Rede. Preisträger sind zu je %: ur. Ludwig Cohn resse der Blinden, den Aermsten, doppelt der Seele und der Stütze r Organisator des Blindenwesens Kacfuicfitefi aus dem Verbände derStjnagogea-jjemeiiiden« der AovürL Mederscickesleu .. 1 11 . " i Sfriegau. Zu einem Feste der Gemeinde gestaltete sich die Feier des 00. Geburtstages ihres Predigers Herrn Heiden seid. Schon am Vormittage waren ihr« Mitglieder restlos in der Wohnung des Geburtstagskindes erschienen, um ihre Glückwünsche darzubringen. Zahlreiche Geschenke und Glückwunschschreiben waren eingelausen, u. a. von dem Sxnagogen-Verband der Gemeinden Niederschlesiens und von dem Lehreroerein der Provinz, zu dessen Vorstand der Jubilar gehört. Am Abend versammelt« sich die ganze Gemeinde im Hotel zum Deutschen Haus zu einem von der Gemeinde arrangierten Festabend, zu dessen Feier auch Freunde von nah und fern herbeigeeilt waren. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Hermann Licht, gab in tiefgefühlten Worten der Verehrung Ausdruck, die das Geburtstagskind durch sein Wirken in der Gemeinde während zwei Jahrzehnten sich erworben hat. Sein Be:- lpiel echten jüdischen Denkens und Handelns habe die kleine Gemeinde dem Judentum fest verankert, Jlfe zu feinem geschlossenen Ganzen vereint, in das di« zersetzenden Strömungen unserer Zeit keine Bresche zu schlagen vermochten. Vom gleichen Geiste der Liebe, Anerkennung und Freundschaft waren die Worte der übrigen Redner des Abends durchzogen, die zeigen, daß gerade in-den Kleingemeinden es möglich ist, durch das Beispiel ihrer Führer dem Judentum ein«n Boden zu schaffen, der die herrlichsten Früchte zu reifen vermag. . . K. de Skriegau. Am Donnerstag. 28. August, sprach Herr Kurt Zacharias aus Bremen, der besuchsweise hier war, auf einem, von. der Synagogcngemeinde Striegau veranstalteten zahlreich besuchten Vortragsabend über das Thema: Jüdische Zeitsrage». Nachdem Herr Hermann Licht die Erschienenen herzlich begrüßt hatte, begann der Redner sein« Ausführungen mit einem Hinweis auf die Zeit der Selbstbesinnung, die für den Einzelnen und die Gesamtheit mit. dem Monat Ellul beginne. Di« jüdische Situation unserer Tag« sei! düster; vom Osten bis C Westen stehen wir in schwerem politischem, kulturellem und wirttlichem Kampfe um unsere Existenz. ‘ Dieser Kamps wird vom Referenten an zahlreichen Elnzeweispielen ausgezeichnet. Der Vortrag klingt aus in einem starken Appell an die Veraniwortungsfreudigkeit jedes Einzelnen für die jüdische Zukunft! - Der Abend soll der Auftakt für eine Reihe gleicher. Veranstaltungen im Laufe des Winters werden, um die, Gemeindemitglieder weiter über jüdische Probleme auf dem Laufenden zu halten. B. H. i