Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau SchiistliUung: DerwaltuagsykeUor vr. Nechnitz, Breslau. Wallstraste 9 I Druck und Anziigen-Aimahme: Druckerei Th. Schatzky AMengefellschafi. Verlag: Büro der Sgnagoger^emeinde. Breslau. Wallstr.s / Tel.2lüil/12 I Breslau 5, Neue Sraupenstrahe Nr. 7 / Fernsprecher 244« u. 244« 'Vnatigcn&nlt: Sit 6 gct>. nUbiMR^ilk oder deren Ttaum 16 vls. — 3M laufenden Aufträgen Statatt. umunmimimnimuuiiHHiiiiiiimiiiniiimiiMnimfflHianiMumriHiumHMaiuumuiMiiHiuituiuaiiimiimiiiiiimMiiiMiiiiiimiiiiiiMiiiiiiitiiniiiim iiiiiMUtiiniiniuniiMiuiiiii 7.2adrg. Zllr die unter dem Namen des DerfanerS erscheinenden Artikel und die DeretnSnachrichten übernehmen wir nur die preffegesetzllche Verantwortung September 1930 15fr Indisch« Utitb Ärger! In emer Stunde schwerster ^ot rufen wir alle Mitglieder unserer Gemeinde zu Wirser einmaligen besonderen IlotstandSgabe auf. Zu diesem außergewöhnlichen Schritt zwingt uns die außergewöhnliche Not der Zeit. Täglich sehen wir selbständige Existenzen zusammen - brechen. Die Konkurse mehren sich erschreckend. Die Zahlungseinstellungen betragen! ein Vielfaches der offiziellen Konkurse. Am schwersten sind die Geschäftszweige betroffen, die das Hauptarbeitsgebiet des jüdischen gewerblichen Mittelstandes und des jüdischen Großkaufmanng waren. Darum sind Juden t an den Zusammenbftichen in unverhältnismäßiger Zahl beteiligt. | Die Zahl der Arbeitslosen iii Deutschland ist heute höher als jemals vorher. Der Anteil bejr Juden an dieser Zahl übersteigt ihren Amtell an oep Bevölkerung. Denn uns Juden erwächst eine zusätzliche Arbeitslosigkeit daraus; daß jüdische Arbeiter ftnd jüdische Angestellte^ mehr und mehr aus Wirt schaftszweigen verdrängt werden, in denen judenfeindliche Arbeitgeber übermächtig sind. > Breslau hat schvrerer gelitten als die meisten Städte Deutschlands. Die Jyden Breslaus haben schwerer gelitten als irgendein anderer Tejil der Breslauer Bevölkerung. Das Wohlfahrtsamt der Synagogen-Gemeinde arbeitet mit allen verfügbaren geistigen und materiellen Mitteln an der Bekämpfung der Not. Aber seine Gelder sind begrenzt. Wir werden Hunderter ünd Tausenden, die sich in schwerster Not an uns wenden, nicht helfenj können, wenn uns nicht die freie Opferbereitschaft unserer Geyieindemitglieder hilft. | Darum bitten wir alle Mitglieder unserer Gemeinde: Errichtet durch freiwillige Beiträge den Jüdischen Notstandsfonds. Wir brauchen einen Fonds von 300 000 Mark. von denen auch den bestehenden Darlehnskassen Beträge gegeben werden sollen. Die Sammlung wird gelingen, wenn jeder seine Leistung nach der Größe und Bedeutung des Zieles bemißt. Jeder soll beitragen! Das Opfer des Lohnempfängers, der den Verdienst eines Arbeitstages hergibt, in so viel w^rt wie die große Spende des Reichen. Bon den Wohlhabenden und Reichen aber erwarten wir, daß sie sich der Verantwortung bewußt werden, die sie gegenüber der jüdischen Gesamtheit tragen. Ve.rzichtet auf Vergnügen undLuxus! Opfert etwas von den Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens! Bedenkt, daß jede überflüssige Ausgabe zurücktreten muß hinter unserem Ziele: Existenzen aufzubauen, Kinder vor Hunger zu bewahren. Menschen vpr Berzweislungstaten ju retten. Der Notstandsausschuß der Synagogen-Gemeinde Breslau: Saaitätsrat Dr. Bach, Max Gins, Fritz Golbfchmldt, Rechtsanwalt Jacobsohn, Justizrat Kalisch, Meyer Koppenheim, Isidor Lichtenberg. Rechtsanwalt Nothmann, Guido' Neustadt, Paula Ollendorsi, Justizrat Perser, Martin Peiser, Siegfried Preuh, Direktor Max Silbermann, Dr. Joses Schlesinger. Der Borstand und die Gemeindevertretung der Synagogen-Gemeinde: Geh. Justizrat Goldfeld, Gemeindeältester Waldstein, Mendel Hoffman», Justizrat Dr. Goldschmidt, Samtätsrat Dr. Bach, Paula Ollendorjs. Dr. Paul Rosenstein, Justizrat Kalisch, Bcmkdirektor Sander. Meyer^ Koppenheim, Dr. Hugo Schachtel,' Dr. William Boß. Justizrat Peiser, Rechtsanwalt Spitz,i Dr.' Schlesinger, Rechtsanwalt Jacobsohn, Misx Gins. Die Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Breslau: Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein. Gemeinderabbiner -Dr. Hossmann, Rabbiner Dr. Sänger, Rabbiner Dr. Simonsohn. Zahlungen erbeten auf Postscheckkonto Jüd. Wohlfahrtsamt Nr. 8635 — Notstandsgabe. D i e eingehenden Beträge werden vo-.n Wohlfahrtsamt unter Mitwirkung des Not- , standsausschüsses ausschließlich für Zwecke der Notstandsaktion' verwendet. inm Neue« Jahre In ganz besonders schwerer Zeit begehen wir den Beginn des neuen Jahres. Aus Druck und Not macht die Seele sich frei, um eine neue Zeit zu grüßen. Hoffnung und doch wieder bange Zaghaftigkeit! erfüllt, uns. Wir möchten alles hinter uns werfen, was das, vergangene Jahr gewesen ist, was es uns gebracht und was es versagt hat, möchten alles neugestaltct sehen und selbst neu gestalten. Freilich wissen wir, daß auch das Neue nur aus dem Dergangenen herauswächst, und daß es unmöglich ist, das Alte einfach wegzuwischen. Und freilich vergessen wir meist, daß Erneuerung des Lebens keineswegs von den Dingen um uns allein abhängig ist, sondern daß es dazu auch der Erneuerung unseres eigenen Jchs bedarf. Die Wende der Zeiten bringt uns zum Bewußtsein, das; die Menschenseele Zeitlosigkeit in den Ablauf der Zeit , trägt. Wir haßte« es für die Vsticht jedes wahlberechtigte« chemei«de«ntgßiedes an tn «««stop»»■*< j>„ v-rstan» »er Spnagvgengeme.n»-