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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-07-01 · 7 (7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
7 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslau IWtsches Oemeindeblatt Amtliches Blatt der tzynagogmaemelnbe zu Breslau Schrtftlettung: Verwaltung »direNor vr. Rechnttz, Breslau. WaNstraße - Verlag: Büro der Gunagog| «iiiiiimiiiumiimiiiiiuHMMuunuainimiiii Fllr Me unter dein Slam min i Z Druck und 3 mgemelnbe, Breslau. Wallstr.- / Tel.2iüii/12 | Breslau 5, An-ei-enpreKr Die S gefp. IMMmeter-Lelle oder deren Tlaum 16 0fg, iiiiiiiHiuuuiiiiiiiiiiiuuimiiiiiHiimmmtiiiHiiiiiiiiuiinimiuuiinmmiiiniuuiiiHuuuimnuiHiiiuinHiiiiuiiiiiini des Verfasser« erscheinenden Artikel und die Deretnsnachi gen-Annahme: Druckerei Th. Schatzkg AkSengefellfchaft. Neue «raupenstrahe Nr. 7 / Fernsprecher 244 SS o. 244üy - LS laufenden Austragen Lodatt. nnmmiimmmim«>miniiim>um»i»immnimn,milmiln«mmmimnimimmmmiimmmimmmimm, übernehmen wir nur die presfegesetzllche Verantwortung irichea 7. Zadrg.! ch Lull 1930 Nr. 7 Die drei Woche«. Alljährlich in den! Sommermonaten begeht die Judenheit der Welt in der Erinnerung die Zeit, in der vor fast zwei Jahrtausenden mit der Nationalen Selbständigkeit auch das von ihr getragene Gotteshemgtum in Trümmer gelegt wurde. Noch heute nennen wir die Zeit vom 17. Tammus bis zum 9. Aw die „drei Wochen"., in denen sich die Hauptkatastrophen damals abspielten, einie Trauevzeit. Es ist vielfach darüber gestritten worden, ob Menschen für ein so lange zurückliegendes Ereignis noch Empfindungen aufbringen können, die ihnen die Pflicht auferlegen, agf Famiuenfeste internster Natur zu verzichten, von Vergnügungen jedpr Art sich fern zu halten, dem Gotteshaus und selbst in manchen Gemeinden dem Gottesdienste ein gewisses Trau^rgepräge zu geben. Doch wird man auf all'« Seiten des Judentums! zugeben müssen, daß Ereignisse von so einschneidendst Natur iin keiner Generation der Menschheitsgemeinde vergessen weiden können, deren Borfahren sie erlebt und durch sie! gelitten! haben'oder gar zu Grund« gegangene sind. Weil wir glauben möchten, daß niemals ein Deutscher oder auch ein anderer menden Geschlechtern Staatsbürger Europas in vielen komden Weltkrieg mit seinen ungeheurem Schrecknissen und seinin bis in die Gegenwart andauernden Folgeerscheinungen vergessen könnte, md weil wir vom jüdischen Standpunkte aus verstehen könnten. daß Tage wie der 2. August 191j4, der ührigens auch ein 9. Am gewesen ist, oder daß der schonljetzt ein^eführte jährliche Gedenktag für die Gefallenen des stVeltkriegbs für alle Zeiten ernste Erinnerungstage blieben, darum verstehen wir auch die einzig dastehende jüdische Art, Tage ernstesten Gedenkens so festzuhalten, wie eo im allgemeinen bei uns geschieht. Wenn auch bis in unsere Gegenwart hinein sich eine ganze Welt gegen uns verbunden hat. unseren Lebensmut zu brechen und unserer Lebensfreude die Basis zu mtziehenj so wi^die natürliche lebensbejahende Weltauffastun z des Judentums doch nicht in ihren Grundfesten erschüttert weiden können. Davor bewahrt uns unser Gottesbxwußtsein und die Erfahrungi n, die wir durch Jahrtausende ^urchgemacht haben. Die drei Wochen haben ihre geschichtliche Berechtigung, aber wenn die A ten lehrten, daß am letzten und bedeutendsten Tage dieser Trauerzeit, am 9. Aw, der Erlöser Israels geboren roerbej dann wird der Trauertag sich zu einem Festtag verwandeln, der zu neuen Hoffnungen und zu neuer Daseinsfreude berechtigt. Jsroll weiß, daß der Gott, der bje Wunden schlägt, sie auch wieder heilt, daß die Tränen, unter denen die schmerzbewegten „Klagelieder", die Poesie dies-r Tage, geschrüben sind» sich in solche der Freude verwandeln werden, denn die Träye, mein, n die Alten, war das Gnadengeschenk, mit hem der erste Mer sch aus dem Paradiese entlasten wurde, um aUs dem Liid sich wieder zur Höhe emporzurichten. Wenn wir jetzt wiider mitten in dieser altjüdischen Trauerzeit uns befinden, so zieht an rnserem geistigen Auge vielleicht weniger die! Vergangenheit als die Gegenwart vorüber. Wir sehen all' die vielen deutschen Menschenbrüder, denen wir an Kultur und Bildung, an Mens henwertung und Weltverständnis, an Können und Arbeitsfreudigkeit, an! Friedenswille und Vaterlandsliebe wahrlich nicht nachstehen, und die dennoch aus angeblich nationalen und doch aus. irregeleiteten Motiven heraus, ans Unkenntnis unseres Schrifttums, unserer W.lt und unsere r Persönlichkeiten sich gegen Judentum und Judenheit verschworen haben. Tiefste Trauer' lebs in unseren Herzen ob solcher Verirrungen eines sonst durch Technik, Kunst und Wister schaft hochstehenden Zeitalters, und wie die Trauer gemeinsam ist, so sollte auch unser innigster Wunsch nach Aufklärung und nach Versöhnung der beeinflußten Masten gemein-, sam sein. Darum mühte die Mahnung dieser zu ernstem Nachdenken eir gesetzten drei Wochen die sein, seid einig, einig, einig! Lastet die Parteizwisttgkeiten und die religiösen,Zerwürfnisse, )ie ihre Berechtigung zu ihrer Zeit haben mögen, die aber für rnsere Gegenwart unmöglich und undenkbar sein müßten. Uneinigkeit hat dem Judentum einst seine Selbständigkeit und damit seine Einflußmöglichkeit auf Völker und Menschen zeraubt, wir aber haben heute nicht das Recht und nicht die Zeit und nicht die Kraft zur Uneinigkeit. Darüter wollen wir in diesen drei Wochen Nachdenken und ayr 9. Aio, dem Tage der Zerstörung zweier Tempel in Jerusalem, dem Tage der Austreibung der JudenAus Spanien, das dieses Gesetz bis zur Gegenwart nicht rückgängig gemacht hat, dem Tage des Anfangs des Dölkermordens, in der Stille unseres Hirzens uns sagen, daß zu Ende sein möchte die Zeit inneren Barteihaders, daß die schweren, gemeinsam zu tragenden damit end! ich aus Trauer Freude, aus Fasttagen -resttage sich gestalten. Rabbiner Dr. Sänger. ruf an alle jüdischen Frauen Schlesiens! Ae Frauen, seid eingedenk-des Gebotes im 3. Buch p. 19 Vers 18: „Liebe deinen Nächsten wie dich flu Jüdifi Moses Ko selbst." Ein Neurod nährer g dem der ist, hat es von dieseri bewußte leisten, mittel, in ihren Breslau uns willkh Doppelt Der Dorstb m 29 Leiden der Gegenwart uns zufammenkitten müssen. entsetzliches G r u b e n u n g l ü'ck im Kreise e hat 160 arme Bergmannsfamilien um ihren Er» ibracht. Der Verband schlesischer Frauenheiseine. Jüdische Frauenbund seit vielen Jahren angeschloffen sich zur dringenden Aufgabe gemacht, den armen, Schicksalsschlage schwer betroffenen Familien zielend auf den Einzelnen abgestinnnte Fürsorge zu Hierzu brauchen wir selbstverständlich große Geldr bitten daher unsere jüdischen Familien, soweit es Kräften steht, Spenden auf unser Postscheckkonto: 3 19 zu überweisen. Auch der geringste Betrag ist mmen. Gebt so viel, wie Ihr entbehren könnt! ft, wer schnell hilft. . , '' nd der Bresl. Ortsgruppe des Jüd. Frauenbundes. Beate G u t t m a n n, 1. Vorsitzende.

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