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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-06-01 · 6 (6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
6 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Nr. 6 9ö Sttslanet Jüdische» Gemeiadebialt aufzubrrngen. Nachdem di« Satzungsänderung, welche eine vorläufig nur gering« Erhöhung der Beiträge unter gewisser Berücksichtigung des Steuersatzes der Gemeinden bezweckte, angenommen worden war, wurde auch der vorgeschlagene Etat angenommen, mit der Maßgabe, daß die darin vorgesehenen Ausgaben 'nur als Vorschläge anzusehen seien und erst durch Beschluß des Arbeitsausschusses im einzelnen festgesetzt werden sollten. Nachdem die Neuwahl des Verbandsausschustes stattgesunden hatte, schloß der Vorsitzende di« Sitzung. Die Teilnehmer blieben aber noch lang« als Gäste der Breslauer Synagogengemeinde bei einem Frühstück vereint, bei welchem sie Herr Geheimrat Goldfeld als erster Vorsitzender in einer launigen Ansprache begrüßte. preußischer Lan-esverbanjüdischer Gemeinden - ' i — Amtlich. Am 29. Mai 1930 hat in Berlin eine Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden stattgefunden, die eine Dauer von 10 K Stunden hatte und vom Präsidenten, Kammer» gcrichlsrat Leo Wolfs, geleitet wurde. Dieser gedacht« zunächst mit warmen Worten des verstorbenen Ratsmitgliedes Hugo Ostberg. — Alsdann wurde den Aenderungen zu gestimmt, welche der Verbaiwstag in seiner Sitzung vom 30. und 31. März 1930 an dem ihm vorgelegten Haushaltsplan für 1930 oorgenommen hatte. Damit ist nunmehr ein Derbandsbeschluß über den Haushaltsplan zustande gekommen. — Den Beschlüssen des Derbandstages wurde auch insofern Rechnung getragen, als grundsätzlich beschlossen wurde, daß «unter gewisien Voraussetzungen ein« Erhöhung der Subvention des Berliner Rabbinerseminars eintreten könne, und daß von dem zur Erhöhung der Ausgaben für Wohlfahrtszwecke vorgesehenen Betrage je 10 000 RM. für die Errichtung einer Heilstätte für tuberkulöse Männer und itir die jüdische Arbeiterkolonie verwendet werden sollen. — Dem Anträge «der Frankfurter höheren Lehranstalt Philantropin um Gewährung siner Subvention konnte mit Rücksicht auj den ablehnenden Beschluß des«Derbandstages nicht entsprochen werden. Dagegen wurden die im Etas sür konservative Unterrichtszwecke ausgesetzien 30 000 RM. entsprechend dem Vorschlag« des Konservativen Unterrichtsausschusses verteilt.!Es ergab sich dabei die Möglichkeit, u. a. dem Lehrerseminar in Köln den Bettag von 12 000 RM. zuzuwenden. Die Frage der Ausbildung von Lehrern nahm einen breiten Raum in den Erörterungen ein. Es wunde beschlossen, behufs genauen Studiums dieser sowie der damit zusammenhängenden Frage der Versorgung der Gemeinden mit geeigneten Beamten einen besonderen Ausschuß niederzusetzen, dem di« Rabbiner Dr. Vogelstein-Breslau und Dr. Rosenthal- R-'- ^--«-Ainn-Berlin und ZKe Lehrer I. B. Leoprdt-Magdebuvg angehören sollen. Ein der jüdisch-religiösen Ausbildung der im Lehrerberus sich vorbereitenden Zöglinge abbinern Dr. Horooitz-Franksurt a. M., l Levh-Berlin urw Dr. Rosenthal-Köln sky-Köln gebildet. Ferner wurde bedie den Lehrerbildungsanstalten in Köln iudventionen von ihnen genaue Aufklärung Köln, Studiendirektor Dr. Gu Frankfurt a. M. und Steil weiterer Ausschuß, der sich n Oberbau der Jawne in Köln z befassen soll,«wurde aus den Dn. Arthur Levy und Dr. E sowie dem Direktor Dr. Klis schlossen, daßj mit Rücksicht und Würzbutg zugebilligten über ihre Ausnahme- und Ansbildungspraxis und die Gewährung einer Einflußnahrye des Landesverl andes hierauf verlangt werden soll. Auch in den Kuratorien der Rabb nerbildungsanstallen soll der Einfluß des Landesverbandes durch Aufmhme je zweier Vertreter in die einzelnen Kuratorien gesichert werden. Die dew Rat von' dem Vevbandstag als Material überwiesenen Entschließungen über die Begründung einer Ruhegehaltskasse, die Ermöglichung einer Erhöhung der Ruhegehäller und Hinterbliebenengelder und über andere Angelegenhsiten wurden zur Kenntnis genommen und den zuständigen Stellen zur Bearbeitung überwiesen. Mit der in Aussicht genommenen Aenderung'der Verfasiung des Landesverbandes hatte sich dör Rat insoweit noch einmal zu beschäftigen, als der DeNbandstag Anträge auf Abänderung der Artikel 11 (Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre) und 23 (Verminderung der Mitglieder des Engeren Rates) angenommen hatte. Diesen beiden Detsasfunasänderungen hat der Rat die Zustimmung versagt. Die für den 30. November 1930 in Aussicht genommenen Neuwahlen zum Verbandstag haben die«endgültige Festsetzung der Wahlordnungen für üen Derbandstag und fist den Rat notwendig gemacht. Sie wurden im wesentlichen in der vosm Berbandssag abgeänderten Form angenommen. Ferner wurde i beschlossen, durch den Rechtsausschuß di« Satzung für ein Wahlprüfunjgsgericht fertigstellen zu lassen, das für die Wahlen zum Landesverband zuständig sein soll. Seine Zuständigkeit auch auf die Wahlen zu den ^Vertretungen der einzelnen Gemeinden auszudehnen, erwies sich aus technischen Gründen als nicht angängig. Di« in zwei Beschlüssen! des Verbandstages angeregt« Einberufung einer Konferenz, welche sich mit der schwierigen wirtschaftlichen Lag« der deutschen Juden befassen soll, kann erst nach gründlicher Vorbereitung erfolgen. Die zu diesem Zwecke erforderlichen Arbeiten wurden einem aus den Ratsmitglieidern Seckelfohn, R.-A. Dr. Klee und Struck bestehenden Ausschuß übertragen. Ein westerer Ausschuß^ welcher aus den Herren Kammergerichtsrat Wolff, Geheimrot GoldseldtBreslau, Dr. Sandler, Dr. Freund und Seckelfohn besteht, wurde Eingesetzt, um die aufs neue anzusttebende Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden vorzubereiten. Dieser soll sich nach Beendichrng seiner Arbeiten zunächst mit dem Ständigen Ausschuß des Derbandstages in Verbindung fetzen und gemeinsam mit ihm weiter« Vorschläge imachen. Besprochen wurde ferner noch die in Aussicht genommene Errichtung einer jüdischen Sektion an einer zweiten Pädagogischen Akademie, sowie die Begründung einer Religionslehrerakademie, endlich der von einem Ratsmitglieü an ein Mitglied des Derbandstages gerichtete Brief, der sich im wesentlichen mit der Tätigkeit des vom Landesverband vorgeschlagenen Sachverständgen für jüdische Angelegenheiten beim Kultusministerium befaßt hatte. Es wurde einstimmig beschlossen, dem Sachverständigen beim Kultusministerium, Herrn Rabbiner Dr. Baeck, das volle Vertrauen des Rates auszusprechen. Vor der Tagung des Großen Rotes hatte ein« Sitzung des Engeren Rates stattgefunden. In dieser wurde das durch das Ausscheiden des Herrn Direktor Kareski frei gewordene Finanzdezernat Herrn R.»A. Dr. Klee, das durch das Ableben des Herrn Direktor Ostberg frei gewordene Dezernat sür Wohlfahrtsangelegenheiten Herrn Landgerichtsrat Dr. Lilienthal übertragen. i Amtlich. Einrichtung eines Bezirksrabbinats Groß-Etrehlitz O.-S. Der Preuß. Landesverband jüd. Genieinden har sein« Bemühungen um die Betreuung der rahbinerlosen Gerneinden in Preußen fortgesetzt und den von ihm bisher schon eingerichteten Bezirksrabbinaten ein neues mit dem Sitz in Groß-Strehlitz hinzugesügt. Dies« Gemeinde hat früher «in eigenes Rabbinat besessen; der letzte Inhaber desselben war Herr Rabbiner Dr. Groß, der später in Augsburg amtierte. Sie ist damit, nachdem sie fünfzig Jahre verwaist gewesen, wieder Sitz eines Rabbinats geworden.' Dem Bezirk sind weiter angeschlossen die Gemeinden der Kreise Guttentag, Kreuzburg, Rosenberg und Ramslau. Zum Bezirksrabbinat ist von dem Landesverband Herr Dr. Feinberg. bisher Rabbiner in Heilbronn, bestellt worden. Am 16. März fand die feierliche Amtseinsührung des neuen Rabbiners durch den Dertteter des. Landesverbandes, Herrn Dr. Freund, statt. Der feierliche Akt vollzog sich unter Anteilnahme der staatlichen,, städtischen und kirchlichen Behörden. In Vertretung des Oberpräsidenten war Landrat Werber erschienen, die. Stadt vertrat Ratsherr Rett und Altbllrgermeister Gundrum: ferner waren anwesend Regierungsrat Karrasch, Oberstudiendirekter Hantle, die Schulräte Zimmer und Dr. Wreschniok, Stadtverordnetenoorsteher Guzy und für die evangelische Geistlichkeit Pastor Rudel. Die Geistlichkeit der katholischen Gemeinde hatte sich mit Rücksicht auf ihre Inanspruchnahme durch den Volksttauertag entschuldigt und chre Glückwünsche schriftlich ausgesprochen. Don den oberschlesischen Rabbinen waren erschienen Dr. Kaatz aus Hindenburg, Dr. Golinski aus Beuthen. Dr. Ochs aus Gleiwitz und ein Rabbiner aus Kattowitz. Nomens der Gemeinde Groß-Strehlitz begrüßte Herr R.-A. N a u - ( mann die erschienenen Gäste und den neuen Rabbiner und sprach insbesondere dem Landesverband den Dank dafür aus, daß er die Schaffung eines Rabbinats durch di« Bewilligung der erforderlichen Mittel ermöglicht habe. Dann führte Herr Dr. Freund- Berlin namens des Landesverbandes Herrn Dr. Feinberg in sein Amt ein. Cr wies auf die Bedeutung der Schaffung derartiger Einrichtungen im Rahmen der dem Landesverband im Interest« der Erhaltung der kleinen Gemeinden gesteckten Ziele hin und umriß den Aufgabenkreis, der für den Rabbiner nach innen und außen sich ergibt: Unterricht, Gottesdienst, Seelsorge und Unterhaltung verständnisvoller Beziehungen zu den anderen Bekenntnisten im Interests des konfessionellen Friedens. Herr Iustizrat K o ch - mann-Gleiwitz begrüßt« Herrn Rabbiner Dr., Feinberg namens des Prooinzialverbandes Oberschlesien, indem er der früheren Bemühungen des Provinzialoerbandes um die religiös« Betreuung der Gemeinden gedachte. Herr Rabbiner Dr. Ka atz-Hindenburg entbot namens der oberschlesischen Rabbiner dem neuen Amtskollegen seinen Gruß. Sodann bestieg Herr Dr. Feinberg die Kanzel zu seiner Anttittsrede. Rach Worten des Dankes an die Erschienenen und die Vorredner widmete er aus Anlaß des Volksttauertages den im Kriege Gefallenen, insbesondere den 12000 jüdischen Opfern de» Krieges, Worte des Gedenkens und des Dankes. Im Anschluß an di« in den letzten Wochenabschnitten geschilderte Errichtung des Heiligtums in der Wüste und!üe Priesterweihe umriß er die Aufgaben des Rabbiners im Anschluß an einen Midrasch als die eines Hirten, Weinberghüters und Vaters. Kultus-Steuer. Wir bringen wiederholt in Erinnerung, daß es bei Anträgen auf Stundung, Ermäßigung oder Erlaß unbedingt erforderlich ist, diesem Antrag den Kirchensteuerbescheid oder den Mastnzettel beizufügen. ' Ebenso müssen Lohnsteuerpflichtige ihrem Anträge eine Einkommenbescheinigung des vorangegangenen Jahres und bei Erwerbslosigkeit eine Erwerbslosenbescheinigung beifügen. Anträge ohne vorstehende Unterlagen können wegen der erforderlichen Rückfragen nur mit großer Verzögerung erledigt werden. Breslau, den 15. Juni 1930. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde.

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