Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 5 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer Jüdisches Gemelndeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemelnde zu Breslau SchUftleUung: Derwaltun, BvtreNor 0r^ Rechnitz, Breslau. Wallstrade - I Druck und Anzeigm-Annahme: Druckerei Th. Schätzt Akkiengrsellschast. Verlag: Büro der Ggnago; engemetnde, Breslau. Wallstr.y / Xcl.2l6il/12 | Breslau 3, Neue Sraupenstraße Nr. 7 / Fernsprecher 244öS u. 24469 ' 3Ia|(i0«nfrTrW: LU 6 s*1>. 3ttunmctrr-.3ril« oft« bnta 3tanm 1# via. — gM UmfcnScn gluftTBgrn gtatatt. iMi»iwiiiiii«ininiim»u»i«nmwiwiiiiiw^i>iiiiiniiiwwtiiiiniminiiiin^uwi«iii«»wiiiiiiiiiii«iiiiiiMiiiwitBmiiiiiiiiiuliwiniHBiiwBimiimuuiwiinHiiiiuniuiiiiuiiiiaiiiiiatiituuiiuiiiinTliimiiiiiiiiiiiiiiiuiaMU»iiiii uiuwwiMwimwumiiiHi Für die unter dem Namen des DerfafferS erscheinenden Artikel und die Dereinsnachrichten übernehmen wir nur die preffegesetzllche Dercmtwortun, 7. Ladrg. Mal 1930 / Jtr.5 Paula Sllrndorff fttm Gruß Nicht nach der Zahl der Jahre, sondern nach dem Inhalt des Wirkens und nach der Bedeutung der Persönlichkeit werten wir ein Menschenleben. So ist uns Paula Ollendorffs 70. Geburtstag am 18. Mai 1930 Anlaß rückblickend zu betrachten, was sie unp ihr Schaffen uns gibt, und vorwärts schauend, was wir von der Zukunft für sie erhoffen und von ihr — erwarten. Deftn wir sind immer gewohnt gewesen, etwas von ihr zu . erwarten" und werden uns dieses ni ht so leicht abgewöhnen. Paula Ollendorsf ist Schlesierin und hängt mit unendlicher Liebe an ihrer Heimat und an Breslau, wo sich seit ihrer Mädchenzeit ihr Leben abgespielt hat. Die geistigen Interessen und die Ideale, denen sie von Jugend auf zugewandt war, hat sie an der Seite ihres Gatten geiflegt. Aber der Reichtum ihrer Perföi lichkeit trat erst voll in die Erscheinung, als tiefes Leid sie traf, als sie, die stets züm Licht verlangte. durch das T.al des Todes schreiten mußten Durch alles Dunkel führte ihr Weg zum Licht. Was für viele andere Untergan; bedeutet hätte, das brachte das Schipferische in ihr zu voller Entfaltung. Sie wuchs über sich selber hinaus un > baute auf — nicht für sich, sondern für andere. Frühzeitig ist sie in die Frauen-! bewegung eingetreten und hat für die 1 Gleichstellung der Frosu gekämpft, hat sich als Staatsbürgerin weit über ihre Pflicht hinaus betätig!. Aber ihre eigjentliche große Leistung begann, als sie sich vor 26 Jahren nach Gründung des ' jüdischen Frauenbunkes, dessen Borstand sie von Anfang an angehörte, der Arbei für unsere jüdische Gemeinschaft zuwandte, ohne dabei d e Pflichten gegen die Allgemeinheit zu vernachlässigen. Was sie bis vor wenigen Monaten als Stadtverordnete geleistet hat, was sie in aufopfernder Fürsorge für die Insassen von Gefc ngnis und Heilanstalten leistet, was sie in der Gefährdetenfür orge wirkt, sei ebenso wie ihre politische Tätigkeit nur kurz angedeutet. Darüber ist in diesen Tagen viel geschrieben und gesagt worden. Ich will nur kurz davon sprechen, was sie unserer Synagogengeisteinde und was sie für die Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, die sie mit begründet hat, bedeutet. Bis zur Selbstentäußerung dient sie den sozialen Ülufgaben unserer Gemeinschaft.. Das ist aber nur möglich, well ihr ganzes Tun aus jüdisch-religiösem Boden erwuchs, weil sie eine religiöse jüdische Persönlichkeit ist. Ihrer ganzen Anschauung nach gehört sie der liberalen Richtung Paula Ollendorsf im Judentum an. Aber niemals ist sie engherzig parteipolitisch gewesen, sondern hat stets volles Verständnis für alles, was die Förderung und Stärkung des Judentums bedeutet, gehabt. Ihr Leben war Dienst für das ganze Judentum. Ihre rednerische Begabung wurde ihr nicht nur Mittel zur Verbreitung literarischer und künstlerischer Ideen, sie erschöpfte sich auch keineswegs in ' schöngeistigen Vorträgen. ' sondern sie zog buchstäblich von Ort zu Ort, um jüdisches Wissen, um die Inhalte des Judentums in alle Ecken und Enden des deutschen Vaterlandes und weit darüber hinaus zu tragen. So verdanken zahlreiche Ortsgruppen des Jüdischen Frauenbundes ihre Entstehung ihrer unermüdlichen Arbeit. In unserem schlesischen Provlnzial-' verband des Jüdischen Frauenbünde?, dessen Vorsitzende sie ist, gibt es kaum eine noch so kleine Gemeinde, die sie nicht ausgesucht hat, um die Lauen aufzuwecken und die Bereiten in ihrer Arbeit zu. unterstützen. Ueberall in unseren jüdischen Gemeinden ist sie für die Einführung des Frauenwahlrechts tätig gewesen. Bon Ansang' an suchte sie auf unsere Jugend erzieherisch zu wirken und sie körperlich und seelisch gesund zu erhalten. So verdankt das Jüdische Mädchenheim an der Gräbschener Straße ihrer Initiative und ihrer unermüdlichen Arheit seine Entstehung. In schwerster Kriegszeit gal^sie gütigen und verständnisvollen Spendern die. Anregung zur Errichtung des Kleinkinderheims, in einer Zeit, in der man das uneheliche und verlassene jüdische Kind noch'als eine Fabel, als nicht existierend leugnete. Wir alle kennen das schone Haus in Krietern, in dem Säuglingen und Kleinkindern eine sonnige Kindheit bereitet wird. Klar blickend erkannte Partta Ollendorff die Schäden, die der Gesundheit unserer Jugend drohen, und mit unzerstörbarem Optimismus ging sie an das Werk, um diese „Schäden am Hause" beizeiten „auszubessern". So entstand 1924 das Kindererholungsheim in Bad Flinsberg in einer Zeit, als nach Inflation und Deflation alles brach zu liegen schien, als keine Möglichkeit war, Kinder und noch dazu jüdische Kinder in größeren Kolonien zweckentsprechend unterzubringen. Heute ist dieses Haus aus unserer sozialen Arbeit kaum mehr fortzudenken. Ein jetzt dafür neugeschaffener Paula-Ollendorff-Freistellen-Fonds soll die dankbare Erinnerung an ihr Wirken festhalten. Jhe gesunder und praktischer Sinn verlangte stets nach ganzer Arbeit, nach zweck-