Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau Oc&ftftlfttung: DertvaÜungckdtreltor DrV«fc6nlfl, »rrtlou, Wallstratze 9 I Druck und Wqeigen-Annohme: Druckerei Th. «chahtg LMiengeseNschast. 7)erlag: Büro der Ggnagogcngcmetn»e, »recklau. Wallstr.9 / Xfl. 21611/12 | B recklau 5, Neu» «raupen strah« Nr. r / Fernsprecher 24408 u. 24469 3hu*ifl«n}>rtU: Dt* 6 gcf>. 3RUnmttrr-3«Ut öfter ftena 7»aum 16 Ofg. — 3M toufmftcn Aufträgen Loftan. JOt die unter dem Namen »eck Verfasser« erscheinenden ArtUel und di» Dereincknachrichten übernehmen hrtt nur die preffegesehliche Verantwortung 7. Sahrg. April 1930 Rr.4 Frühling und Freiheit der, Seele, Eine Pessach-Betrachtung. Nur in einer Menschheit, die. aus tausend Wunden blutend, sich von den Folgen des mörderischsten aller Kriege nicht zu erholen vermqg, konnte eine Anschauung Boden gewinnen, die uns glauben machen will, daß allen Völkern und Gemeinschasten das gleiche, unabänderliche Schicksal beschieden, nach einer Zeit der Jugend, des Knospens und Blühens eine Periode der Reife, des Mannesalters, und dann ein Herbst, der wohl noch Früchte trägt, doch allmähliches Welken, Schwinden der Kräfte mit sich bringt, und schließlich der Winter, das Ende, der Tod. Gegen diese Anschauung, die einzelne und Gesamtheiten auf die gleiche Stufe stellt, erhebt unser Judentum Protest, indem es sein Pessach-Fest, die Erinnerung an die durch Gottes Eingreifen in die Geschichte bewirkte Freiheit, für alle Dauer mit dem Lenz verknüpft. Für unser jüdisches Volk jedenfalls soll diese Anschauung nicht gelten dürfen, gilt sie in der Tat auch nicht: denn — so alt wir geworden und so sehr manuns auch zuweilen unser Alter vorwirft, so sehr man? an uns jene Kälte des Empfindens, jene Unfähigkeit zu schwungvoller Begeisterung zu erkennen meint, die das Alter keynzeichnet — wir fühlen uns^Hing. wir spüren nichts von Herbst und Winter, von Welken und Sterben; wir haben die Jahrtausende überdauert, haben allen Prophe- «zeiungen getrotzt, die unser Ende vorausverkündigen zu können meinten; wir fühlen — ungeachtet mancher bedenklichen Anzeichen — auch heute unsere Kräfte nicht schwinden, wir leben und wollen leben und feiern als Beweis dieses Lebenswillens Jahr um Jahr das Fest, das uns an Frühling und Freiheit zugleich erinnert. Gut — wird mancher mehr oder minder überzeugt sage» — das mag für die Gesamtheit Geltung haöen; aber gilt es auch für mich, den Einzelnen und Vereinzelten, dein Mühsalbeladenen, den von den Stürmen des Mißgeschicks Umhergewirbelten und Entmutigten? An mir wirkt sich doch das eheyie Gesetz des Alterns, das Gesetz der vier Lebensperioden au»; ja — die Gegenwart mit ihren über das Maß menschlicher Leistungsfähigkeit hinausgehenden Anforderungen hat mich vor der Zeit altern laflen, hat mir die Freudigkeit des Schaffens gemindert, die Voraussetzung jeden Erfolges, hat mir die Hoffnung zerffört, ich könne mich noch einmal aufraffen zu neuem, frohest Wirken! Blick "auf das Peffach-Fest — antwortet das Judentum — Blick auf die jüdische Gemeinschaft, deren Sinnbild das Fest und deren Glied ja auch du bist! Gewiß — für dich gilt das Gesetz des Alterns und Sterbens: allein warum sollte es schon jetzt seine verhängnisvolle Kraft an dir erweisen? /Es hängt zwar nicht nur, doch, ganz wesentlich von dfr ab, wann es in Wirksamkeit tritt. „Jeder Mensch ist so alt wie er sich fühlt" — ein altes, ewig wahre» Wort. Und sticht minder wahr das des biblischen Weisen: „jeder, der noch irgend mit dem Leben verknüpft ist, darf Vertrauen habest." Selbst der Mühsalbeladene, der schwer und scheinbar aussichtslos mit dem Geschick Ringende, der Schwerkranke soll die Hoffnung nicht preisgeben! Lin hervorragender, unvergesiener Arzt unserer Stadt, hochverdient um unser jüdisches Krankenhaus, pflegte feinen jugendlichen Helfern einzuprägen: es gibt -keine ganz aussichtslosen Fälle; wir sind nicht berechtigt, von irgendeinem Manschen, in dem noch ein Fünkchen Leben glimmt, zu sagen, er wäre verloren! Das ist echter Peffach-Geist, der Geist des Lenzes, der Geist, der innere Freiheit verbürgt, die von allen äußeren Bedingungen sich so unabhängig zu erhalten weiß wie sich das jüdische Bolk, von diesem Geiste belebt und verjüngt, all die Jahrtausende der Verbannung von den traurigen Bedingungen seines Daseins innerlich freizuhalten verstanden hat. Möge ihm und allen seinen Kindern diese innere Freiheit erhalten bleiben! R a b b. Dr. S i m 0 n f 0 h n. Oie Einweihung de» Jüdischen Jugendheims Schweidniher Stadtgraben 28. Am Sonntag, den 16. März 1930, wurde das Jüdische Jugendheim mit einer Feier in dem großen, mit modernen Beleuchtungskörpern versehenen Versammlungsraum eingeweiht. Zunächst sang ein vorzügliches Damenterzett, unter Leitung von Herrn Kapellmeister Hans-Krieg, das Engel- Terzett aus dem „Elias" von Felix Mendelssohn. Im Sugendheim dir LynagopenGem. Drcrlau. Schweidnitz« Stadthradcn 28 iststit Sekrhmlgung de» Berlage« der Breslauer Neuesten Nachrichten) WT .