Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Breslauer Jüdisches Gemeiudeblatt 21 Jüdische Tiiberkulose-Fürsorge (Beratungsstelle) newiensirttBeM^ Htotar» Redner für die Benutzung des Spieles als Erkenntnisquelle für Instinkte und Anlagen des Kindes. I Die zweite Stufe fei die Lernzeit, d. h. das, systematische Lernen, für das es vier Erfordernisse gebe: Anschauung) Gedächtnis, Verständnis und Bewegung. Letztere fei leider beim jüdischen Kinde jahrhundertelang gegenüber dem sein Intellektuellen vernachlässigt worden. Die dritte Stufe habe »ine Vielheit von Beeinslustungen, als da find Eltern, Haus, Freuddeskreis, Ausbildung, öffentliches Leben. Ge- 'ährlich fei hier der Irrtunt der Eltern, daß der junge Mensch nicht mehr Kind sei. Die inneren Kämpfe in dieser Zeit feien so erheblich, daß sie zu einer Insichgekehrtheit! zu einem Schweigen führen, welches von den Eltern oft zu Unrecht hls Trotz aufgefaßt wird. Gleichzeitig bewirke» sie eine eigene Unsicherhest, die den jungen Menschen veranlaßt, nach .außen sich stark zu geben. >Der Zwang der Erwachsenen fei in dieser Zeit . kein geeignetes Mittel zujr Beeinflussung. Zusammensassend gibt der Redner für die Erziehung drei Mahdungen: Gedenke, daß du selbst jung warst, daß du selbst ein Beispiel bist und Achtung vor der Jugend haben lallst. Stürmischer Beifalls dankte dem Redner und zeigte der Jüdischen Volkshochschule das brennende Interesse an Erziehungsproblemen. R. preußischer LanßesverbanL jüdischer Gemeinden Amtlich. Am 5. Ianstar 1930 traf vormittags um J410 Uhr In den Geschäftsräumen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz von dessen Präsidenten, Kammergerichtsrat Leo Wolff, die Arbeitsgemeinschaft derjüdischen Landesver» bände des Deutschen Reiches zu einer Tagung zusammen, bei der fast alle angeschloffenen Verbände vertreten waren. Der Vorsitzende wies in seiner Begrüßung darauf hin, daß die Arbeitsgemeinschaft, deren letzte Sitzung um ein Jahr zurückllegt, dazu berufen sei, die gemeinsamen Interessen der deutschen Äudenheit wahrzunehmen, so lange es zur Gründung eines Reichsvfrbandes nicht gekommen ist. —■f Dem verstorbenen Ratsmitgliede des Preußischen Landesverbandes, Prof. Dr. Türk, widmete der Präsident des Bayerischen Landesverbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, einen warmen Nachruf, in dem er die hervorragende Tätigkeit Turks bei früheren Zusammenkünften würdigte. In der bis abends 7 Uhr > ausgedehnten Sitzung wurde di« gesamte sehr reichhaltige Tagesordnung! erledigt. Aus ihr feien als besonders bemerkenswert die folgenden! Punkte heroorgehoben: Es fand eine Aussprache darüber statt, auf welche Weise bei der Zuführung rabbinischer Kräfte zu den in Einzelfällen für sie in Betracht kommenden Wirkungsstätten die Rücksicht auf die Höhe der ihnen zu gewährenden Besoldung ausgeschaltet werden kann. Die Frage soll, da es sich hierbei um Mißstände handelt, di« hauptsächlich bei der Besetzung großstädtischer Rabbinerstellen hervorgetreten sind, der Konserenzgemeinschast der Großgemeinden zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Sehr bemerkenswerte Mitteilungen komiten Über die Verhandlungen gemacht werden, die seitens des Preußischen Landesverbandes mit den zustänchgen Behörden über jbie Sonntagsarbeit von Beamten und Angestellten der jüdischen Gemeinden und, Organisationen sowie derjenigen Betriebe, in denen am Sapbat nicht gearbeitet wird, geführt worden sind. Auch über den Stastd der Reichssteuergesetzgebung, soweit sie für die jüdischen Gemeinden ist Betracht kommt, sowie über die Bestrebungen zur Abwehr der Angriffe gegen da» Schächten wurde Bericht erstattet. Einen breiten Raunt nahm in den Erörterungen wieder die Lage der Rabbinerbildungsanstalten ein. Im Hinblick auf die ungemein große Bedeutung dieser Institute! für die Erhaltung des Judentums wurde von allen Seiten die Notwendigkeit betont, die zu ihrem Fortbestand sowie zur Sicherckng der Pensiohs- und Reliktenversorgung ihrer Dozenten erforderlichen Mittel durch hi« Landesverbände aufzubringen. Soweit das mit Rücksicht auf deren sonstige Belastung nicht möglich ist, soll versucht werden, private Organisationen zu schaffen, damit die Rabbinerbildungsanftalten selbst in jedem sfalle von der Sorge um ihr Bestehen befreit werden.! Zur Beratung über die inneren Fragen des Religionsunterrichts, insbesondere die Schaffung von geeigneten Lehrbüchern, ferner über die Frage der Fortbildung der schulentlassenen Jugend wurde ein kleiner Ausschuß gebildet, der sich nötigenfalls durch Zuwahl von weiteren geeigneten Personen ergänzest soll. Von Vertretern der! kleinen Landesverbände wurde die in ihnen herrschende Notlage geschildert., Infolge der Verkleinerung der einzelnen Gemeinden und der Verarmung der in ihnen verbliebenen Mitglieder fehlt es an Mitteln für die Befriedigung der nötigsten Bedürfnisse. Es wurde eine engere Perbindung unter den kleinen Landesverbänden angeregt, damit diese wenigstens moralisch sich gegenseitig einen Rückhalt verschaffen. Die Verhältnisse sollen weiter von dem Preußischen Landesverband unter Zuziehung der kleinen Landesverbände geprüft, alsdann soll der Arbeitsgemeinschaft über die Sachlage Bericht erstattet werden. Die weiter zur Erörterung gelangten Gegenstände betrasen mehr innere Angelegenheiten der Verbände! sowie Fragen der Organisation. Es hot sich dabei heraustzestellt, daß eingehende Aussprachen über alle diese Dinge notwendig ustd behufs Annäherung der einzelnen Landesverbände untereinander ustd einheitlicher Behandlung der sie in gleicher Weif« interessierenden Angelegenheiten höchst förderlich sind. Die baldige Einberufung einer neuen! Tagung der Reichsarbeitsgemeinschaft wurde deshalb in Aussicht genommen. Amiljch. Am 7. d. Mts, trat in Berlin der liberale Kultus-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer, Gemeinden unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. zu einer Sitzung zusammen, dße sich zunächst mit der Schaffung des'musikalischen Anhangs zum liberalen Einheitsgebetbuch beschäftigte. Es wurde beschlossen, durch ein Ausschreiben möglichst oiyle Fachleute für die Anfertigung von geeigneten Kompositionen zu'interessieren. Der Vorsitzende gab fodann davon Kenntnis, daß er mit der Ausarbeitung eines weiteren Bandes, der ein häusliches Andachtsbuch darstetteivsoll, beschäftigt fei. Darüber hinaus plane er die Schaffung eine« für Rabbiner und. Kultusbeamte gedachten Bandes, der als Handlich für alle vorkommenden Kafualfälle dienen soll. Für die Ausgestastung der religiösen Weihestuitden in Großgemeinden . wurden alddann zwei Kommissionen gebildet, die der nächsten Vollsitzung Vorschläge unterbreiten sollen, die geeignet sind, das Interesse weiter, heute dem Gottesdienst entstemdeter Kreise-zu''wecken. Schließlich beschäftigte sich der Ausschuß aus Grund der von der Vereinigung der liberalen Rabbiner geführten 'Verhandlungen mit Fragen des jüdischen Eherechts, dessen kodifizierte Bestimmungen unter den heutigen Verhältnissen sehst schwierige Situationen schassen. Nachstehende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Der! Liberale Kultus-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden begrüßt mit Dank die Verhandlungen der Verein!-' gung der liberalen Rabbiner Deutschlands vom Mai 1929, in denen die sich aus dem! überlieferten jüdischen Ehescheidungsrecht. häufig ergebenden Schwierigkeiten und Tragödßen geschildert und um der Heiligkeit der jüdischen Ehe willen Wege zur Ueberwindung Dieses Notstandes gesucht worden." | . Zum Jubiläum des jüd.-theol, Seminars. Der Bericht über das 75 jährige Jubiläum des, jüd.-theol. Seminars Fraenckelsche Stiftung, in dem u. a. die Festpredigt des Herrn Seminarrabbmers Prof. Dr. Guttmann und der Festvortrag des Herrn Dozenten Dr. Heinemänn enthalten ist. kann in geschränkter Zahs an die- Gemeindemitglieder auf schriftliches Ersuchen kostenlos versandt werden, Das Kuratorium der Komm.-Rat Fraenckelschen Stiftungen! in Breslau, Wallstraße 14. I! ■ Schach^vußot in Bayern Der bayerische Landtag hat mit 65 Stimmen aller Parteien gegen, 42 der bayerischen Volkspartei (bayer. Zentrum) ein Gesetz angenommen, das vom l. Oktober 1930 ab das betäubungslose Schlachten von Schlacht- und Haustieren verbietet. Damit ist das rituelle Schächten unmöglich gemacht, j Obgleich das Gesetz lediglich mit Tierschutz .und Humanität begründet wurde, kann die antisemitische Absicht,, wenigstens bei den Anregern des Gesetzes, nicht verkannt werden, solange nicht auch die Ausübung der Jagd, das Kochen lebender Krebse und ähnliches verboten wird. Oder ist «er bayerische Ochse schmerzempsindticher als das Reh? Alle jüdischen Parteien, Seichgültig welche Stellung sie gegenüber dem Genuß koscheren Fleisches'einnehmen, bilden, deshalb eine Einheitsfront gegen dieses bayerische Gesetz. Zunächst ist die Anrufung des Staatsgerichts. Hofes beabsichtigt, weil das Schächtverbot nicht Sache der Landesgefrtz-' gebung ist und überdies gegen die in Art. 135 der Reichsverfaflung gewährleiftete Freiheit der Religionsübung verstößt.' Kundgebungen des liberalen Rabbinerverbandes ''! und der Agudas Jisrvel. Girier gemeinsamen Anregung des Jüdischen Friedens b u n d e d und des Präsidiums des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland folgend, haben anläßlich der Hohen Feier tage me!hr als 150Rabbinerin über hundert Gemeinden Deutschlands über die Friedensidee gepredigt und die tätige Förderung der Friedensbewegung der Iudenheit aufs wärmst« empfohlen. Chanukkahfeier in der Städtischen Heilanstalt Einbaumstrahe. In der H:ilanstaU für Nerven- und Gemütskranke, Einbaumstraße. fand wohl zum ersten Male feit dem Bestehen der Anstalt eine Cha-nukkahfeier statt, die von Rabbiner Dr. Halpersohn gehalten wurde, der kürzlich im Aufträge des Vorstandes der Synagogengemeinde die Seelsorge für die jüdischen Insassen des Krankenhauses übernommen hat. Nach dem Minchagottesdienst zündete Dr. Halpersohn di« Lichter und hielt -ein« Ansprache, die auf die Patienten und Patientinnen sichtlich einen tiefen Eindruck ausübte. Eine Bescherung der Erschienenen mit kleinen Gaben, die vom Jüdischen Wohlfahrtsamt gespendet wurden, beschloß die Feier. ' Den 85. Geburtstag feiert am 4. März 1930 Frau Julie Freyhan geb. Traube, Höschen "straße 72. J Den 80. Geburtstag feiert am 13. März 1930 Fräiilein Marie Kir st ein, Viktoriastraße 33.